Roman im Juli - Zurück zu den Wurzeln von „Black Lives Matter“

Identitätspolitik hat nicht zuletzt durch die Bewegung „Black Lives Matter" auch hierzulande einen Aufschwung erlebt. Der afro-amerikanische Autor James Baldwin hat schon 1962 aus den virulenten Identitätsfragen große Literatur gemacht.

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James Baldwins Roman ist auch heute noch brandaktuell / dpa

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Ich bin gegen jeden Versuch, den Schwarze unternehmen könnten, anderen anzutun, was ihnen angetan wurde. Es ist eine so simple Tatsache und eine, die offenbar so schwer zu begreifen ist: Wer andere erniedrigt, erniedrigt sich selbst.“ Diese Zeilen schrieb der afroamerikanische Autor James Baldwin 1962 über die rassistische Unterdrückung und Gewalt in den USA, just in dem Jahr, in dem sein Roman „Another Country“ erschien, der jetzt in einer exzellenten Neuübersetzung von Miriam Mandelkov auf Deutsch vorliegt. 

„Ein anderes Land“ erzählt von vier miteinander befreundeten Liebespaaren im New York der 1950er Jahre. Im Mittelpunkt der Clique steht der schwarze Jazzmusiker Rufus, ein Getriebener, der strauchelt. Ziellos und pleite stolpert er durch die Stadt, zu erschöpft, um wütend zu sein. Kurze Rückblenden geben Einblicke in seine Vergangenheit: Army, Straßenszenen mit Polizeigewalt (Erlebnisse von Baldwin selbst) und nicht zuletzt seine zerstörerisch-stürmische Liebesbeziehung zu der weißen Südstaatlerin Leona. Am Ende landet die in der Psychiatrie. Er indes leidet an quälender Scham und an der Welt und zerbricht schließlich an beidem: Rufus begeht Selbstmord.

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Ellen Wolff | Di, 27. Juli 2021 - 16:16

„ Ich bin gegen jeden Versuch, den Schwarze unternehmen könnten, anderen anzutun, was ihnen angetan wurde. Es ist eine so simple Tatsache und eine, die offenbar so schwer zu begreifen ist: Wer andere erniedrigt, erniedrigt sich selbst.“

Gute Sätze, die eigentlich für alle Menschen gelten sollten. Wer es wirklich ernst damit meint, dass alle Menschen gleich sind, sollte gedanklich das Wort Schwarze einfach gegen das Wort Menschen austauschen und diese Aussage dann verinnerlichen.
Die große Frage ist doch, wollen wir uns Menschen in verschiedenen Identitätsschubladen belassen, schön fein säuberlich unterteilt in kaum pigmentierte bis maximal pigmentierte, weiter unterteilt in Hetero, Bi, Trans usw., weiter unterteilt in Opfergruppen und Tätergruppen? Oder ist das Ziel, ein gemeinsames Bewußtsein dafür zu schaffen, das jeder einzelne Mensch lediglich nach seinen eigenen Taten (gute wie schlechte) beurteilt werden sollte, und nicht für die Taten seiner Vorfahren oder Volksgemeinschaft

Ernst-Günther Konrad | Di, 27. Juli 2021 - 17:30

"Ich bin gegen jeden Versuch, den Schwarze unternehmen könnten, anderen anzutun, was ihnen angetan wurde. Es ist eine so simple Tatsache und eine, die offenbar so schwer zu begreifen ist: Wer andere erniedrigt, erniedrigt sich selbst.“ Für unsere Identitätsphobiker bei uns braucht man den klugen und richtigen Spruch nur dahingehenden abzuändern, in dem man "Schwarze" durch "Weiße" ersetzt. Denn das entspricht dem Sinn nach auch der Bergpredigt: "Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“
Am Ende dieser Identitätspolitik hat sich jeder vor der nächsthöheren Instanz zu rechtfertigen, wo immer wir dann sein werden. Und manch einer kommt so lange zurück, bis er es begriffen hat.
Das interessante daran ist, dass der Autor selbst Afroamerikaner ist und selbst dem glauben die BLM-Aktivkisten nicht und wollen ihn nicht verstehen. Warum? Es geht nur um Macht über andere, selten um die Menschen selbst. Verlierer ist die schweigende Mehrheit, die sich lenken läßt.

... aber wir Deutschen lieben ja offensichtlich das Erbsünden-Thema - vielleicht, weil man es uns schon von der ersten Religionsstunde an versucht hat, einzutrichtern?
Witzigerweise von einem "Verein", der bei BLM am meisten "Erbsünden-Gefühle" entwickeln müsste und nicht erst nach dem "Nick-N...rchen" ...

Bernd Muhlack | Di, 27. Juli 2021 - 18:28

Ein treffliches Posting Frau Wolff!
Ich bin absolut Ihrer Meinung.

Ich hatte bereits des Öfteren Gerald Asamoah erwähnt; insbes. sein Abschiedsspiel "Auf Schalke".
62.000 & PARTY!
Da schrie keiner NIGGER!
https://www.wa.de/sport/schalke-04/abschiedsspiel-gerald-asamoah-wird-g…

Er spielte bei meinen Schalkern u im Nationalteam;
ja damals hieß das noch so!
Eine tolle gemeinsame Zeit, nicht wahr?

Es gibt diesen ewigen Bodensatz von Sinnfreien, Gestörten und Idioten - das weiß auch ASA!
Genauso gut wissen ER, Sie, ich et weitere, dass das schon immer so war, so ist und so bleiben wird, nicht wahr?

Man erkannte, dass die Erde wohl doch keine Scheibe ist, jedoch bleibt das "Menschenbild" wie in Granit gemeißelt!
Zigeuner, Neger, Kreolen, Indianer, Eskimos -
WEISSE!

Am schlimmsten sind aber die "NICHT-Betroffenen FREMDAUFREGER", oder?

Hier im Zimmer hängt eine alte Weltkarte:
"desert of barbary - negroland"
Sahara u Zentralafrika
abhängen?
nö!

gabriele bondzio | Mi, 28. Juli 2021 - 10:06

dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“...ja Herr Konrad! Obwohl ich nicht dem christl. Glauben anhänge, sind diese Worte eine Lebensmaxime.
Es ist aber ganz offensichtlich, dass moralische Grundsätze, dieser Art, nur Geltung in eine Richtung entwickeln.
Vergeltung und Rachsucht werden eher hochgeschaukelt, als gemindert.