Weihnachtsmarkt in New York
Weihnachten geht auch dem Ungläubigen zu Herzen: Weihnachtsmarkt in New York / picture alliance / Xinhua News Agency | Zhang Fengguo

Religion - Weihnachten ohne Gott

In der Weihnachtszeit strömen die Menschen in die Kirchen, und vor den sonst leeren Gotteshäusern bilden sich mitunter Schlangen. Kritiker empfinden das als Heuchelei. Aber dieser Vorwurf ist voreilig. Er übersieht die spirituellen Bedürfnisse des Menschen.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Zuletzt erschien von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

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„Religion“, wetterte einst der Schweizer Theologe Karl Barth, „ist Unglaube; Religion ist eine Angelegenheit, man muss geradezu sagen: die Angelegenheit des gottlosen Menschen.“ Das war natürlich starker Tobak. Religion eine Sache für gottlose Menschen? Ist das nicht Unsinn? Warum sollte ausgerechnet ein religiöser Mensch gottlos sein? Und: Bedeutet das dann im Umkehrschluss, dass wahrhaft gläubige Menschen keine Religion haben?

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Gerhard Hellriegel | Do., 25. Dezember 2025 - 09:53

Grundgesetzänderung: " Die Würde und das spirituelle Bedürfnis des Menschen ist unantastbar."
Auch von mir: ruhige Weihnachten!

Dorothee Sehrt-Irrek | Do., 25. Dezember 2025 - 10:41

ich auf die Sendung eines katholischen Senders aus dem Vatikan.
Zu sehen waren 4/5 Jungen UND Mädchen neben der Krippe, die leichte Probleme mit dem Weihrauch hatten, den Papst Leo über die Christusfigur in der Krippe "ausgoss".
Dann erfolgte die Erklärung der Geburt Jesu aus dem Heiligen Geist und der Fleischwerdung in Maria, wenn ich es richtig verstanden habe.
Das Kind in der Krippe wirkte nur deshalb nicht verloren, weil noch Kinder drumherumstanden.
Wenn es das gewesen wäre, hätte es mich verstimmt, aber die kleine Prozession mit Papst Leo schritt weiter zum Marienstandbild mit dem Jesuskindlein.
Es muss auch an Papast Leo gelegen habe, dass ich mich in dem Moment einfach ein Stück weit zu Hause gefühlt habe im Petersdom.
Es wäre ein Geschenk, wenn dieser Papst den Katholizismus als gelebte Selbstverständlichkeit zeigen könnte.
Daraus mögen Veränderungen erwachsen, weniger aus dem "Unbegreiflichen".
Rilke schrieb "Du musst das Leben nicht verstehen".
Lebe es.
Ein schönes Fest

Markus Michaelis | Do., 25. Dezember 2025 - 11:51

ist viel dran. Würde ich sagen. Frohe Weihnachten.

Brigitte Miller | Do., 25. Dezember 2025 - 13:41

Gedanken, Dank dafür!

Karl-Heinz Weiß | Do., 25. Dezember 2025 - 14:49

Kirchenvertreter, die 25% der Wähler mit dem Bann belegen: seit den Zeiten von Karl Barth hat sich an deren Religionsverständnis offenbar wenig geändert. Brücken bauen als Kernbotschaft der Weihnachtsbotschaft - gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung wäre dies vorrangige Aufgabe der Kirchen. Hissen von Regenbogenfahnen ist aber einfacher als eigene Überzeugungen in Frage zu stellen.
Danke für die weihnachtlichen Gedankenanstöße.

Christa Wallau | Do., 25. Dezember 2025 - 17:13

Menschen" schreiben, lieber Herr Grau, ist wahr.
Leider irren die suchenden Menschen heute in einem geistigen Chaos herum, das es ihnen äußerst schwer macht, ihre Bedürfnisse nachhaltig zu befriedigen. Bei uns ist die Prägung des Menschen - vom Kleinkind an -durch eine allgemein anerkannte Kultur, die in Deutschland (wie in ganz Europa) fest auf dem abendländischen (durch die Aufklärung geläuterten) Christentum ruhte, weitgehend verloren gegangen.
Dieses kulturelle Erbe wurde der Beliebigkeit des Konsumismus u. Hedonismus geopfert.
Wenn Menschen nicht mehr an Gott glauben, sondern selbst Gott spielen, werden sie zu Monstern - ob sie wollen o. nicht. Dieser Weg führt in die Irre. Jedes Regime, das versucht hat, Gott "auszuschalten" ist gnadenlos grausam gescheitert.
Einzelne Menschen mögen es schaffen, ein erfülltes Leben ohne Gott zu führen, ganze Gesellschaften niemals! Ich erkenne nur einen Weg zurück in die Humanität: Rückkehr zum Christentum.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Detlef Spitzbart | Do., 25. Dezember 2025 - 19:25

Karl Barth, werter Herr Grau, hat bekanntlich viel geschrieben und gesagt in seinem langen Leben. Ich will daher seinen provokanten Satz, Religion sei Unglaube, nicht als sein letztes und einziges Wort nehmen, zumal er mit Mozarts Musik seine eigene, private Religion gepflegt hat. Hier eine Empfehlung für religiöse Atheisten und Agnostiker, die auch von Barth stammen könnte: Tun Sie an Weihnachten und dann immer öfter im Jahr einfach mal so, als ob Sie noch oder wieder Christ seien, das heißt als ob jenes kleine Kind in seiner Krippe das Allerwichtigste auf der Welt, für die Welt und nicht weniger als die Rettung von uns allen sei. Einfach so tun und sich verhalten als ob, das bringt seit zwei Jahrtausenden auch die gestandensten Christen über ihre glaubenslosen Zeiten, deren nicht wenige sind, hinweg.

Sabine Lehmann | Do., 25. Dezember 2025 - 20:34

Vor ein paar Jahren wurden auf einem Weihnachtsmarkt spontan Leute gefragt, ob sie denn wüssten was da in der Krippe so los ist und was genau an Weihnachten gefeiert würde. Die Antworten waren so absurd und skurril, dass ich vor Lachen fast vom Sofa fiel.
"Also der eine, der heißt Jupp und seine Freundin Marianne. Der Typ in der Krippe? Keine Ahnung. Wohl das uneheliche Kind von denen????"
"Ja, mal überlegen, da wurde was geboren.......Aber was? Keine Ahnung jetzt so."
"Also der Eine, das ist der Vermieter von der Scheune....die Anderen sind die Mieter.....dann schlug das Wetter um.....oder so ähnlich...."
"Da war was mit diesem Jesus, so ungefähr vor 2000 Jahren etwa, wann genau, das weiß ja eben keiner......"
"Weihnachten? Ja Geschenke, ist doch klar. In der Krippe? Das ist der Weihnachtsmann, is' doch klar, oder?"
+++ohne Worte+++
P.S.: Das hab' ich mir jetzt nicht ausgedacht, das war so.

IngoFrank | Do., 25. Dezember 2025 - 22:17

kleinteiliger gemacht, ja zersplittert um dir tragfähige große Mehrheitsmeinung zu zerstören unter dem Vorwand die Welt „gerechter“ zu machen. Auch die Kirchen spielen dabei mit, statt für die Mehrheit der Menschen eine spirituelle Heimat zu sein, wollen sie für „alle“ da sein und das, funktioniert eben nicht.
MfG a d Erfurter Republik

Helmut Bachmann | Do., 25. Dezember 2025 - 23:34

Das Weihnachtsfest verselbständigte sich und das ist auch gut so. Jeder darf es so feiern wie er mag. Die meisten, die diese Tage mögen, wissen intuitiv darum, was da das Gute, Wahre und Schöne daran ist und brauchen keine Normierung durch die Kirche oder den Barth.

Allen gesegnete Weihnachten.