Reinhold Messner über den Tod - „Dann stürzen riesige Geier von den Bergen herunter und bedienen sich“

Reinhold Messner: „Für mich ist das die eleganteste Form des Verschwindens“ / Andy Ridder

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Der Bergsteiger Reinhold Messner würde sich nach seinem Tod am liebsten von Geiern auffressen lassen. In der neuen Ausgabe des Cicero sagt er: „Wenn es allein nach mir ginge und gesetzlich erlaubt wäre, würde ich die Himmelsbestattung mit Geiern vorziehen.“ Bei dieser Zeremonie wird der Leichnam aufgeschlitzt, „dann stürzen riesige Geier von den Bergen herunter und bedienen sich.“ Die Knochen und der Schädel werden anschließend zerschlagen und ebenfalls an die Geier verfüttert. „Ich finde“, erklärte Messner, „dieses Himmelsbegräbnis sehr eindrucksvoll, für mich die eleganteste Form des Verschwindens im All.“ Aus pragmatischen und juristischen Gründen aber werde er sich mit einer Feuerbestattung begnügen. An einen Gott glaubt Messner nicht, denn „alle Religionen mit ihren Göttern sind von uns Menschen erfunden worden. Wenn die Menschheit verschwindet, werden mit ihr alle Götter verschwinden.“

Reinhold Messner ist der bekannteste lebende Bergsteiger und Autor zahlreicher Bücher, unter anderem der Autobiographie „Über Leben“.

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Werfen Sie hier einen Blick in das Inhaltsverzeichnis.

Walter Wust | So, 2. Oktober 2016 - 13:12

Eine werbeträchtige Art, auf sein Buch hinzuweisen. Die Art der Bestattung ist nicht neu und die Indianer Nord-Amerikas haben diese natürliche Art der Entsorgung schon betrieben, unabhängig davon, wer letztendlich tatsächlich die Überreste entsorgte. Leider ist selbst die Leichenbestattung ein Statussymbol und so wird die natürliche Entsorgung eher die Ausnahme sein.

Dimitri Gales | So, 2. Oktober 2016 - 16:29

Messmer sieht richtig: die Religionen sind eine Erfindung, das Gottesbild ist eine Schöpfung von Priestern archaischer Epochen: dem Volk musste schliesslich unbedingter Gehorsam vermittelt werden.
Mit dem Tod ist alles aus: man kehrt wieder in die Materie des Alls zurück. So what.

Reiner Kraa | So, 2. Oktober 2016 - 22:04

Das mit den Geiern finde ich für mich nicht so erstrebenswert. Aber das muss jeder selbst für sich entscheiden. Bezüglich der Götter und Religionen hat Herr Messner aber völlig recht. Beides sind Erfindungen von Menschen und zwar immer zu dem selben Zweck, nämlich dazu, andere zu beherrschen, sich dienstbar zu machen und die eigene Position unangreifbar. "Ich(wir) bin(sind) der(die) Mittler zu Gott, nur über mich(uns) läuft das. Bei Willfährigkeit: großes Heil, aber nicht heute, sondern erst in einer verheißenen Ewigkeit. Bei Widerspruch: früher Kopf ab und ewige Verdammnis, heute nur noch letzteres." So einfach kann es sein. Das Verschwinden im All wiederum hat etwas Tröstliches. Da kommen wir ja alle her. Intelligenter Sternenstaub eben - finde ich riesig.

Max Hoffmann | Mo, 3. Oktober 2016 - 13:59

„Ich finde dieses Himmelsbegräbnis sehr eindrucksvoll, für mich die eleganteste Form des Verschwindens im All.“ Nun, wir verschwinden nach unserem Tod nicht im All. Hier irrt der Herr Messner. Wir ändern nur unsere materielle Erscheinungsform, bleiben aber auf der Erde, im Sonnensystem, in der Galaxis. Wir bestehen, tot oder lebendig, aus Sternenstaub. Irgendwann und irgendwo finden wir uns wieder in einem anderen Lebewesen.Oder in einem anderen Himmelskörper, selbst wenn unsere Sonne erloschen sein sollte. In diesem Sinne sind wir unsterblich.

Ähnlich sehe ich das auch. Doch bis wir in Sternenstaub verwandelt werden, was ich nicht glaube, haben wir noch einige Runden auf der lieben Erde zu drehen.

Wer sich mal mit Reinkarnation befasst hat, wird dem so nicht zustimmen können.
Das Einswerden im All mit der höchsten Energie, die es im Universum gibt, nennt man Gott oder LIchtenergie, mit der sich dann unsere Seele vereinigt. Aber erst, wenn wir gelernt haben so zu werden wie das Licht oder Gott ist.

Übrigens gibt es inzwischen sehr viel Literatur über Nahtod-Erfahrungen in denen alle übereinstimmend von guten Wesen,auch Engel genannt, empfangen werden.
Wenn sie wieder zurückmüssen - da "nur" Nahtod-Erfahrungen, bekommen sie auch Lebenshilfen mit auf den Weg. Sie alle berichten ebenfalls, dass sie gerne in dieser unendlichen Liebesenergie geblieben wären und sehr ungerne wieder zurückgekommen sind.
Religion und Kirche, Moscheen und Tempel sollte man trennen. Religion führt zu den Wurzeln, Institutionen versklaven.

Martin Wienand | Di, 4. Oktober 2016 - 14:07

Nun, wenn wir schon von Geiern und dem Tod sprechen: "Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben: Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod" von Sogyal Rinpoche. Seit Jahrzehnten kenne ich kein besseres Buch zu dem Thema.

Albert Keller | Di, 4. Oktober 2016 - 15:35

ich will euch ja keine Angst einjagen, aber so macher könnte sich nach seinem Tod noch wundern.

Karola Schramm | So, 9. Oktober 2016 - 11:18

Auch eine Form des Todes, die man sich wünschen kann, wenn man so verwachsen ist mit der Natur wie Messner es scheinbar ist.
Was hindert ihn daran, wenn er als alter Mann merkt, dass die Kräfte schwinden, das Sehen und Hören schlechter wird, das Laufen vielleicht auch, sich in einer Winternacht mit sehr viel Schnee auf den Weg zu machen und einfach nicht mehr zurückzukommen ?
Aber ja. Diesen Wunsch will er sich nicht erfüllen, sondern klassisch sterben und beerdigen lassen.

Ein Leben ohne Götter oder Gott ? Ich frage mich, ob er nie gemerkt hat, dass die Berge seine Götter waren die ihn das Leben lehrten ?
Da er noch jung ist, kann er sicher abschließend noch gar nichts sagen. Mal abwarten, was er in 10 Jahren sagt.
Also, lieber Cicero. Bleiben Sie dran.

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