Reaktionen auf Berliner Moschee - „Das ist nicht der Islam“

Kürzlich eröffnete die Frauenrechtlerin Seyran Ates in Berlin eine liberale Moschee. Die Reaktionen aus der Türkei waren ablehnend, doch wie sieht es in der arabischen Welt aus? Wir haben uns in Medien und sozialen Netzwerken umgeschaut

Seyran Ates
Seyran Ates will einen Ort des liberalen Islam schaffen. Dafür erntete sie harsche Kritik / picture alliance

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Abdulqayum Mohammed ist ein kurdischer Soziologe und Multimedia-Journalist. Er stammt aus dem Nordirak und lebt in Berlin. 

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Sebastian Backhaus ist Fotojournalist aus Berlin und auf die politischen Prozesse um die Terrormiliz „Islamischer Staat" in Syrien, Irak und Libyen spezialisiert.

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Die Berliner Anwältin und Imamin Seyran Ates hatte kürzlich in einer protestantischen Kirche im Berliner Stadtteil Moabit eine liberale Moschee eröffnet, in der Frauen und Männer nebeneinander beten können. Die Moschee soll Muslimen aller Glaubensrichtungen offenstehen, wie Ates Cicero sagte. Die Frauenrechtlerin will damit einen Ort des liberalen Islam schaffen und eine Alternative zu den Moscheen der konservativen Islamverbände bieten. Daraufhin hatte es vor allem aus der Türkei heftige Reaktionen der Ablehnung gegeben.

So hatte es aus der türkischen Religionsbehörde Diyanet, zuständig für mehr als 80.000 Moscheen in der Türkei, geheißen: Bei derartigen Praktiken, die nicht mit den „grundlegenden Quellen“ des Islam vereinbar seien, handele es sich um „nichts anderes als einen Versuch zur Verfälschung der Religion“. Außerdem wurden Ates Verbindungen zur Gülen-Bewegung nachgesagt, die von der türkischen Regierung für den Militärputsch im Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Ates selbst hat diese angebliche Verbindung strikt von sich gewiesen. Wie aber fallen die Reaktionen in der arabischen Welt auf die liberale Moschee in Berlin aus?

„Mit einer Moschee nichts zu tun“

Monte Carlo Doualiya ist ein arabisch-sprachiger, öffentlich-rechtlicher Auslandssender Frankreichs. Sendegebiet sind der Nahe und Mittlere Osten sowie die Maghreb-Staaten. Die Berichterstattung des Senders über die Moschee war neutral. Das kann man von den Kommentaren auf der Facebook-Seite des Senders nicht behaupten. Stellvertretend für viele andere steht der Kommentar einer gewissen Layla Majdi: „Man sollte es eigentlich einen liberalen Tempel nennen, denn mit einer Moschee hat es nichts zu tun.“ Eine Nutzerin, die sich Marie Merie nennt, schreibt: „Was soll eine liberale Moschee überhaupt sein? Wird die Moschee die Politik und die Wahlen beeinflussen? Vor einer kommunistischen Moschee hätte ich Angst.“

Al-Hurra, ein im US-Bundesstaat Virginia ansässiger arabischsprachiger Fernsehsender, der auch Ableger für Europa und den Irak produziert, schrieb in der Dachzeile zu dem Artikel „Liberale Moschee in Berlin“, diese sei offen für „Frauen und schwule Menschen“. Auch unter diesem Bericht gab es zahlreiche wütende Kommentare. So schrieb Naser Hamed: „Das ist nicht der Islam. Das ist eine neu erfundene Religion, die sehr weit von unserer wahren islamischen Religion entfernt ist.“ Aber es gab auch offenbar wohlwollende Stimmen. So schrieb Abduljalal Samouki: „Lass uns einfach für sie beten.“

„Der falsche Weg für den Islam“

Die oberste Fatwa-Behörde in Ägypten, Dar al-Iftaa, neben der al-Azhar-Universität die wichtigste islamische Institution in Ägypten, kritisierte die Moschee scharf. „Nein zu liberalen Moscheen“, teilte Dar al-Iftaa auf Facebook mit. „Frauen können nicht in einer Reihe neben Männern beten. Frauen ist es nicht erlaubt, ohne Schleier zu beten. Frauen ist es nicht gestattet, Imam zu sein, wenn dort Männer beten.“ Weiter heißt es dort: „Für die Bekämpfung von Gewalt und Extremismus ist dies der falsche Weg, denn er schließt Extremismus von der anderen Seite mit ein, die Verletzung religiöser und wissenschaftlicher Regeln, ohne Lösungen für die Entstehung von Gewalt zu finden und die Verbreitung des wahren Islam zu fördern.“

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 27. Juni 2017 - 11:43

Die können in ihren Ländern ihres Lebens nicht sicher sein.
Ausserdem mehr Schutz für christliche Gemeinden in muslimischen Ländern, notfalls durch finanziellen Druck auf die Staaten.
Merkel hat m.E. alle Optionen für europäischen Einfluss sowohl im Nahen Osten als auch Afrika durch ihre vorauseilende und uns verpflichtende Migrationspolitik aus der Hand gegeben.
Die Leute da sind m.E. momentan fehlgeleitet, aber nicht dumm.

Joachim Walter | Di, 27. Juni 2017 - 12:09

Vor 500 Jahren hat der Katholizismus genauso reagiert. Das ist von allen Organisationen zu erwarten, die solch einen „allein-selig-machenden Anspruch“ vertreten.

Flapsig könnte man jetzt sagen, man müsse nur 500 Jahre warten und einige hundert Millionen Tote in „Reformationskriegen“ opfern, dann würde sich der Islam möglicherweise auch so weit öffnen, dass er mit den Vorstellungen einer „liberalen“ Gesellschaft vereinbar ist, und eine „Integration“ der Menschen zulässt, wie sie heute zwischen evangelischen und katholischen Christen, Juden, Buddisten etc. schon erreicht wurde.

Aber erlauben Sie mir die Frage: warum wollen wir diesen Prozess eigentlich hier in Europa anstoßen (wo er letztendlich dann auch ausgefochten werden wird, wie ehedem der 30Jährige Krieg) und damit die Zukunft unserer Kinder opfern?

Der Rest der Welt, wie China und die USA werden von außen zuschauen, sich abschotten, und ihre Chancen wahrnehmen, während Europa seine Kräfte in diesem Prozess aufzehrt.

Mathias Trostdorf | Di, 27. Juni 2017 - 12:38

Diese Frau hat Mut, muß aber jetzt wie andere Islamkritiker in Europa unter Polizeischutz leben. EIn sehr hoher Preis. Und sagt das nicht bereits sehr viel, wenn nicht alles über den Islam und seine (nicht vorhandene) Kritikfähigkeit?

Bernhard Jasper | Di, 27. Juni 2017 - 13:07

Aufhören, bitte aufhören! Wir können es nicht mehr hören. Religion ist keine Kategorie der Politik.

Wir leben hier in einem säkularen Staat. Eure religiösen und kulturellen Machtkämpfe interessieren uns nicht.

Wir leben hier in einer Zivilisation, die durch die Aufklärung geprägt ist und in unserer Geschichte hart gekämpft wurde. Wir wollen hier nicht zurückfallen. Nehmt es mit Friedrich dem Großen. „Jeder darf nach seiner Fasson selig werden, solange er sich an das Recht hält.“

Religion keine Kategorie der Politik?
Wer z.B. bezahlt Bischofsgehälter, Dienstwagen und Chauffeur? Wir alle mit unseren Steuern. In welchem Rahmen sollten wir all die anderen Verflechtungen zwischen Staat und Religion (Kirche) sehen? Die Kanzlerin prominent beim Kirchentag mit Unterstützung von Obama - vor kurzem eine weitere Privataudienz beim Papst, begleitet von Presse und Medien - mehr Wahlpropaganda kann sie sich nicht wünschen, nur um ein paar Punkte zu nennen.
Ich denke, auch bei uns wäre mehr Trennung von Kirche, im gebräuchlichen Sinn=Religion, längst angebracht.

Ich fürchte, Sie vermischen Religion mit Kirche. Wir haben eine traditionelle Verbindung von Staat/Kirche, seit Kaiser Konstantin die christliche Religion zur Staatsreligion erklärte. Wir können dies dann durch die Geschichte weiterverfolgen. Politiker benutzen die Kirchen, ob aus Überzeugung oder aus Opportunismus mag verschieden sein, um ihr Profil in den Glaubensgemeinschaften zu stärken. Religion ist natürlich Privatsache, Kirche, Recht und Politik sind es nicht.

mag sein Herr Kopp, aber ich kann Ihrer Argumentation auch nicht ganz folgen.
Es hat das "Reichskonkordat" als völkerrechtlicher Vertrag immer noch Gültigkeit, vielleicht durch die ein oder andere Auslegung nicht mehr in vollem Umfang - aber immerhin.
Wo oder wie ziehen Sie die Trennung zwischen Staat und Kirche?
Ich stimme Ihnen zu, dass Religion Privatsache ist, aber als praktizierender Christ - kath. oder ev. brauchen Sie die Kirche.
(Unter "wir" spreche ich von uns deutschen Staatsbürgern)

Akira Ozawa | Di, 27. Juni 2017 - 13:12

""Kürzlich eröffnete die Frauenrechtlerin Seyran Ates in Berlin eine liberale Moschee.""

In der „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“ aus dem Jahre 1990 wird definiert, dass die Scharia als „alleinige Grundlage von Menschenrechten“ gilt.

Die Al-Azhar-Universität in Kairo gilt als weltweit führende Institution des sunnitischen Islam, dem annähernd 90% aller Muslime angehören.
Der leitende Imam dieser Universität Ahmed el-Tayyib bezeugt diese Denk- und Auslegungsweise zum Islam JEDEN TAG, in all seiner blumigen islamischen Breite, standfest, permanent, unvermindert, entgegen aller noch so gutgemeinten, verwässerten, kleingeredeten und pausenlos veröffentlichten Sichtweisen deutscher und ausländischer Politiker zu dieser Religion.

Schlussendliche Erkenntnis:
Es gibt keinen gemäßigten ISLAM und diesen wird es NIE geben.
Alles andere dazu ist nur LEERES Geschwätz!

Eine muslimische aufgeklärte Splittergruppe in Europa - Eine Fatwa genügt und schon ist solch nichtkonformer Spuk zu Ende

Mit viel medialer Unterstützung (ÖR Medien) wurde dieses bahnbrechende liberale islamische Experiment in den höchsten Tönen gepriesen.
Was ist seither geschehen?
""Statt sich vor Gläubigen nicht mehr retten zu können, erhält Frau Ates Morddrohungen.
Ganz offen auf der Straße und in sozialen Netzwerken.
Das LKA Berlin sah sich veranlasst, den rund um die Uhr bestehen Personenschutz für die Imamin zu verschärfen.
Kein Wort davon in den Qualitätsmedien, aus welcher Richtung die Morddrohungen kommen.
Die Drohungen und Anfeindung kommen (nachweislich) von den Glaubensbrüdern der Imamin, weil es schlicht und ergreifend keinen liberalen Islam gibt – es gibt eben nur DEN Islam.""
Siehe oben.
QED.

Martin Wienand | Di, 27. Juni 2017 - 13:42

Sie kämpfen ihren letzten Kampf. Die etablierten theistischen Religionen sind dabei ihren festen Griff auf die Gläubigen zu verlieren. Noch bäumen sie sich auf und kämpfen. Doch ihre Zeit wird ablaufen. Weltweit treten die Menschen in ein anderes Zeitalter ein. Globale Medien sind omnipräsent. Irgendwann wird jeder einmal Bilder des Hubble-Teleskops sehen und sich fragen, wo Gott denn da wohnt. Hinter dem Kugelsternhaufen MX-4322 oder jenseits der Spiralgalaxie XYZ? Dieses Universum ist bereits zu 95 Prozent vermessen. Man kann den Menschen nicht ewig etwas vormachen. Überall auf der Welt sehen Menschen wie andere Menschen in anderen Ländern mit anderen Systemen leben. Man kann Vergleiche ziehen. Und wer wird wohl den Attraktivitätswettbewerb gewinnen? Wie lange werden arabische Länder noch Geld haben? Öleinnahmen halbieren sich. Saudi Aramco wurde vor wenigen Jahren noch auf zwei Billionen Dollar geschätzt. Jetzt nur noch 500 Milliarden. Von Religionen allein kann man nicht leben.

Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, daß die strubbelbärtigen verbohrten Herren der islamischen Schöpfung mal einen Blick auf die Bilder eines Hubbles werfen ? Und der minimale Schritt Richtung Aufklärung wird doch schon wieder begeistert zurückmarschiert (wenn man an RayBanErdogan denkt).

...sehen und sich fragen, wo Gott denn da wohnt"
Ich in auch Atheist, aber diese Sicht auf Religion ist recht kindlich-naiv. So, wie Juri Gagarin schon auf die Frage, ob er denn im Weltall Gott begegnet sei, antwortete, er habe gesucht und gesucht, aber Gott nicht gefunden. Das ist eher platt.
Und dass die etablierten theistischen Religionen dabei wären, ihren festen Griff auf die Gläubigen zu verlieren, sehe ich auch nicht wirklich. Für den Islam sehe ich weltweit eher das Gegenteil. In Afrika wächst nach dem was ich lese, die katholische Kirche, so dass der Priestermangel in Deutschland z.T. mit Priestern von dort kompensiert wird. Die Kreationisten in den USA z.B. gewinnen an Einfluss, inkl. Lehrplanänderungen.
Man kann vielleicht von Religion allein nicht leben. Aber wenn man seinen Einflussraum ausdehnt auf Wirtschaftsräume, die (noch) nicht nur Wüste sind (s. islamische Expansion im 8./9. Jhdt.), dann schon!
Ich glaube, Sie liegen nicht nur bei den 95 % nicht ganz richtig.

... weil die Erkenntnisfähigkeit des Menschen begrenzt ist. Wir vergessen immer wieder, dass auch die Naturwissenschaft in vielen Bereichen nur mit Modellen arbeitet, welche unserer beschränkten Auffassungsgabe das Verständnis ermöglichen soll.

Zudem orientieren wir uns als soziale Wesen stark an unserem Umfeld. Wir glauben zu sehen, was alle sehen.

Nicht zuletzt sind wird unser Verstand von unseren Trieben übertölpelt. Gier beispielsweise bringt Menschen dazu, auch wiederholt auf Betrug hereinzufallen, ich habe das in meiner Praxis mehrfach erlebt.

Ihren Optimismus, Herr Wienand, teile ich daher nicht.

Ralf Altmeister | Di, 27. Juni 2017 - 13:58

wenn denn die Gläubigen ernsthaft die Absicht hätten, sich offen und aktiv den liberalen, freiheitlichen Verhältnissen in Deutschland zuzuwenden. Auf die Entwicklung bin ich gespannt, habe aber eher die Vermutung eine liberale Moschee ist sowas wie ein weißer Rappe.
Abgesehen davon versucht Frau Ates Probleme zu lösen, die wir ohne die beängstigende Quantität des Islam und seiner zunehmend fundamentalistischen Qualität nicht hätten.
Sie kreiert innovative Konzepte, die sich einreihen in solche Innovationen wie Nizza- Betonblöcke zum Schutz von Volksfesten oder Save-Shorts für Frauen, die hemmend gegen Grapscher und Vergewaltiger wirken sollen.
Dies sind alles Dinge, über die wir vor 3 Jahren noch nicht reden mußten.
Aber gehen wir doch mal optimistisch heran.
Vielleicht wird in 3 Jahren in o. g. Moschee die erste muslimische Schwulenhochzeit nach dem neuen Gesetz "Ehe für alle"zeremoniert, dann nehme ich meinen Pessimismus zurück.

Auf dem weißen Rappen reiten viele herum. Die erste muslimische Schwulenhochzeit erwarte ich täglich, geschlossen von einer unverschleierten Imamin, Trauzeugen zwei Lesben katholischen Glaubens und mit dem Segen des Papstes und Dar al-Iftaa. Schöne neue Welt.

Markus Michaelis | Di, 27. Juni 2017 - 15:12

„Das ist nicht der Islam. Das ist eine neu erfundene Religion, die sehr weit von unserer wahren islamischen Religion entfernt ist.“ DEN einen Islam gibt es natürlich nicht, genausowenig wie DIE Demokratie, DIE Menschenrechte, DAS Europa etc. Soweit es überhaupt Sinn macht zu reden und Begriffe zu verwenden, kann man denke ich sagen, dass die liberale Moschee eher im Gegensatz zur Mehrheit der heute lebenden Muslime und im Gegensatz zum überwiegenden Teil der Historie des Islam steht. Insofern steht sie eher für etwas Neues, dass man selbstverständlich auch Islam nennen kann.

Warum fällt es uns in Europa und besonders Deutschland eigentlich soooo schwer eine bunte Welt zu aktzeptieren. Es denken nunmal nicht alle 8 Mrd Menschen wie ein deutscher GG-Demokrat. Das kann man doch erstmal einfach so feststellen, ohne zwanghaft Begriffe solange zu verbiegen, bis doch wieder alle 8 Mrd eigentlich dasselbe wollen - nämlich das deutsche GG in der heutigen Interpretation als letzte Wahrheit.

schaue ich mir sehr gern bei Reisen in fremde Länder an, achte das dort geltende Brauchtum und halte mich an die geltenden Gesetze. Wenn ich wieder zuhause bin erwarte ich, dass meine Mitbürger - egal ob mit oder ohne sog. “Migrationshintergrund“, im Zusammenleben die Regeln des Grundgesetzes achten und die deutschen Gesetze einhalten.

Markus Michaelis | Mi, 28. Juni 2017 - 11:02

In reply to by Karin Zeitz

Das sehe ich wie Sie. Nur beim "Achten der Gesetze" würde ich einen anderen Schwerpunkt legen. Touristen achten die Gesetze eines anderen Landes - klar. Hier geht es mehr um eine innerdeutsche Diskussion, also um gesellschaftliche Grundlagen auf deren Basis dann die nächste Generation ihre (neuen) Gesetze beschließen wird. Mein Anliegen dabei ist zu akzeptieren, dass die Welt (noch?) ziemlich bunt ist. Ein Versuch deutsche Gesetze zu machen, die allen 8 Mrd Menschen gerecht werden, wird wahrscheinlich (deutlich) scheitern.

Christop Kuhlmann | Di, 27. Juni 2017 - 15:30

Es gibt nur einen Gott und eine ewige Wahrheit. In dem Maße, in dem eine Religion diesen Anspruch aufgibt, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit im Namen eines allmächtigen Gottes zu sprechen. Die Gläubigen monotheistischer Religionen wollen einfache Antworten auf die Frage, was ist falsch und was ist richtig. Eine liberale Religion, die den Zweifel zulässt ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in die Erkenntnis, dass nur die (immer wieder Missbrauchte ) menschliche Vernunft, das kritische Reflexionsvermögen ansatzweise Antworten für die Fragen des Menschseins anbietet. Natürlich ist diese Vernunft ebenso interessegeleitet wie die religiösen Autoritäten. Im Unterschied zu diesen verzichtet sie jedoch auf die Entmündigung ihrer Anhänger und ist sich darüber im klaren, dass es wahrscheinlich weder eine letzte Instanz noch ein ewiges Leben gibt. Das Menschen das Göttliche nie in Worte fassen werden und Religion deshalb zwangsläufig am eigenen Anspruch scheitert.

Alex Goos | Di, 27. Juni 2017 - 16:30

Das zeigt doch einfach mal wieder, dass der Islam die am meisten zurückgebliebene Religion ist...

Karl Kuhn | Di, 27. Juni 2017 - 17:25

Henryk Broder nennt Seyran Ates eine 'wunderbare Frau'. Das mag sein. Trotzdem mag ich ungern in die Lobeshymnen einstimmen, die ihr anlässlich der liberalen Moscheegründung gesungen werden.
Mir drängt sich viel mehr der Eindruck auf, dass Frau Ates, unter einsetzender Alterssentimentalität, ihren Kinderglauben weißwaschen will. Vor ein paar Monaten kam eine Reportage, in der gezeigt wurde, wie Ates sich mit ihrer Mutter glaubensmäßig versöhnte und sich von ihr das Beten wieder lehren ließ. Es sah sehr danach aus, als brauche Frau Ates den Glauben an Allah für ihr persönliches Seelenheil, um 'ihren Leuten' nah sein zu können. Nun bastelt sie sich zu diesem Zweck einen weichgespülten Privatislam, möglicherweise in der Hoffnung, dass das genauso funktionieren kann wie beim Käßmann-Protestantismus. Beim Christentum mag das Ignorieren eines Großteils der 'Schrift- und Glaubenssätze' noch funktionieren, aber beim Islam habe ich aufgrund des anderen Charakters der Schriften große Zweifel!

Herr Kuhn, Frau Ates bastelt keinen Privatislam. Dies Handwerk beherrschte selbst diese kluge Frau nicht. Zudem wärs unnötig, denn der Islam ist schon seit rund 1600 Jahren da.

Das Sie in Lobeshymnen einstimmen lieber Herr Kuhn, erwartet/e übrigens kein vernünftiger Mensch von Ihnen.

Bitte machen Sie mich soweit klüger, indem Sie mich darüber aufklären was ein "Käßmann-Protestantismus" ist.

Das ist kein Privatislam, sondern das islamische Gegenstück zum hiesigen Christentum: Liberal, feministisch und divers. (Die Katholiken sind nicht feministisch) Halt so wie die hiesigen Links-Liberalen ihn gerne hätten. Ich bin sicher, dass es Leute gibt, die sich so etwas wünschen, nur wird das auf absehbare Zeit sicher nicht den Islam hierzulande prägen. Allerdings könnte das dennoch produktive Folgen haben. Revolutionen beginnen immer mit nur wenigen Personen und wenn die Zeit dafür reif ist, reicht das aus. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die tatsächlich integrierten Muslime sich für so etwas interessieren könnten, wohingegen die DITIB- und Millî Görüs-Muslime und die jüngst Eingewanderten damit sicher nichts anfangen können. Man wird sehen was daraus wird. Immerhin sind mir solche Muslime lieber als welche, die mit Lastern ihrem Glauben frönen. Eine andere Frage wäre, ob solche Gemeinden nicht auch eine Verantwortung z.B. im islamischen Religionsunterricht haben könnten.

Eveline Zingler | Di, 27. Juni 2017 - 20:09

Und immer noch wird gepredigt, der Islam ließe sich integrieren.

Peter Weih | Di, 27. Juni 2017 - 20:22

Soweit ich das verstehe, ist die zitierte Fatwa nicht so harmlos wie hier dargestellt. Die Missachtung der drei genannten Regeln (Frauen nicht neben Männer etc.) sind alles todeswürdige Verbrechen laut Koran. Dazu ein Zitat aus der "Zeit": "Eine Frau darf kein Gebet anleiten, Frauen und Männer dürfen nicht im selben Raum beten, Frauen in einer Moschee nicht ohne Kopftuch sein. Denn dies sei unislamisch. Im Klartext: t o d e s w ü r d i g".
(http://www.zeit.de/2017/26/islam-reform-moschee-berlin-fatwa).
Wir dürfen nicht in neuzeitlich-christlichen Kategorien bzgl. dem Islam denken. In seinem "moralischen Rigorismus" ist der Koran deutlich radikaler...

Martin Arndt | Di, 27. Juni 2017 - 20:43

So wie das Christentum verfälscht wurde hin zu einer Akzeptanz einer "Ehe für alle" unter Preisgabe des biblischen Fundaments, soll jetzt der Islam verkehrt werden.Bald wird auch der Alkohol als moslemisch 'verkauft' werden. Die Entheiligung kennt keine Grenzen in einer trivialisiert-hedonistischen Spätdekadenz. Moslems in z.B. Indonesien sind entsetzt u. fühlen sich bestätigt in ihrer Vision vom Ende des Westens.

Robert Zydenbos | Mi, 28. Juni 2017 - 13:02

Wir lesen hier also ein paar Reaktionen von traditionellen islamischen Autoritätsträgern in schwierigen Ländern, wo es dem Recht auf freie Meinungsäußerung insgesamt nicht so gut geht. Auch lesen wir Meinungen von Diaspora-Muslimen in de USA, wo bekanntlich verschiedene Einwanderergruppen sich gerne als ‚reiner‘ als die im ‚alten Land‘ Zurückgebliebenen aufführen (und z.B. in Dirndl Oktoberfest feiern).

Solche Meinungen sollten aber unsere eigene, europäische Meinung über Frau Ates und ihre Moschee nicht bestimmen. Wenn es je zu einem zukunftsfähigen Euro-Islam kommen soll, dann muss dies mit solchen individuellen Initiativen anfangen. Wer weiß, vielleicht wird die Moschee in Berlin für den Islam dasselbe werden wie die Thesen von Wittenberg für das Christentum. Frau Ates braucht ebenso wenig die Zustimmung jener Kritiker wie Luther damals.

... das wird nix.

Jugoslawien hat das nur hingekriegt, weil Tito als starker Führer das Land geeint hat. Und danach ... Krieg. So lange es in Afghanistan unter der einheimischen Bevölkerung trotz gemeinsamer Religion kein Frieden herrscht, so lange ist das eine Mär von einem Euro-Islam o. friedlichen Islam überhaupt. Nicht wir können den Islam verändern sondern nur die Islamgläubige selber, aber bitte nicht in D. als Stellvertreterfunktion o. - ort sondern in den islamischen Ländern vor Ort.

Die Kirche hat ca. 2000 Jahre gebraucht, um sich zu etablieren u. wieder weltl. entmachtet zu werden. Wie lange u. warum überhaupt wollen wir jetzt eine neue Religion hier in D. flächendeckend etablieren?

Statt mehr "Opium fürs Volk" (Karl Marx), lieber mehr Vernunft u. direkte Mitgestaltung der Demokratie ...

Frank Herrmann | Mi, 28. Juni 2017 - 16:27

Seyran Ates ist m. E. eine über alle Zweifel erhabene Frau, die durch ihren mutigen Kampf für die (Menschen)Rechte insbesondere muslimischer Frauen z. B. in sog. Ehrenmordprozessen einen excellenten Ruf erworben hat. Wie zu erwarten, muss sie sich nun aus aller Welt Zurechtweisungen von rechtgläubig-muslimischer Seite gefallen lassen.

Oliver Schömburg | Mi, 28. Juni 2017 - 17:39

Kann sich eigentlich noch irgendwer daran erinnern, wann in der Vergangenheit einmal NICHT über den Islam berichtet wurde?
Jeeeden Tag Islam, Islam, Islam und nochmals Islam.

Warum eigentlich, etwa weil dank der Verbreitung der Religion des Friedens Zufriedenheit und Harmonie in der Welt täglich zunehmen?

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