Rassismus und das Grundgesetz - Wie viele Beine hat der Mensch?

Es gibt wesentliche und unwesentliche Dinge, die einen Menschen definieren. Wozu zählt die „Rasse“? Und was hat diese Frage mit dem Grundgesetz zu tun?

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Hat mein Mensch eine andere „Rasse“, nur weil er eine andere Hautfarbe hat? / dpa

Autoreninfo

Musa Be Yauno hat Klassische Lateinische Philologie und Sportwissenschaften studiert. Er arbeitet seit 1999 im Schuldienst und veröffentlicht als Schulbuchautor mit Schwerpunkt Philosophie, Staatstheorie und Rhetorik.

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Fragt man, wie viele Beine der Mensch hat, erhält man nahezu immer die gleiche spontane Antwort: zwei. Zeigt man sich mit der Antwort nicht zufrieden, denkt der Gesprächspartner, es handele sich um eine Scherzfrage, deren Antwort in der Regel nur bereits Eingeweihte wissen können. Dass es sich um eine ernstgemeinte Frage handelt, die zum Nachdenken anregen soll, lässt nur die Beharrlichkeit des Fragenden erahnen.

Nehmen wir nun diese Frage einmal ernst und fragen uns mit investigativem Ernst, wie viele Beine der Mensch hat. Wir haben schließlich noch das Schlüsselbein, das Jochbein, das Schambein und dergleichen. Man käme auf diese Weise auf mehr als ein Dutzend Beine. Dieser leicht zu entlarvende Trugschluss dürfte wohl niemanden überzeugen und ist recht leicht zu durchschauen. Denn diese Dinge heißen nur dem Namen nach Beine.

Form follows function

Ein Bein ist eben etwas anderes als ein Knochen, der als solches bezeichnet wird. Wie viele also? Es mag hilfreich sein, die Frage auf einen weniger komplexen Gegenstand anzuwenden: Wie viele Beine hat ein Tisch? Hier ist die spontane Antwort: vier. Aber das stimmt auch nicht: Es gibt auch Tische mit fünf und noch mehr Beinen. Zudem gibt es Tische mit weniger als vier, etwa mit zwei sehr breiten Beinen oder gar Stehtische mit nur einem Bein. Ist etwa denkbar, dass ein Tisch gar keine Beine hat? Man könnte eine Platte an zwei gegenüberliegenden Wänden befestigen – ganz ohne Beine – oder auch an einigen Ketten von der Decke runterhängen.

Spätestens jetzt fällt auf, dass die Zahl der Beine uns nicht weiterhilft, wenn wir etwas über einen Tisch sagen wollen. Wenn wir einen Tisch definieren wollen, reicht nicht die Beschreibung des Erscheinungsbildes. Vielmehr müssen wir umschreiben, wofür er da ist und welche essentiellen Eigenschaften er hat. Beim Tisch ist dies vergleichsweise einfach: Er dient dem Abstellen von Dingen, die wir essen, bearbeiten, anschauen wollen. Dies bedingt eine feste, ebene Fläche, auf der man etwas abstellen kann, ohne dass es hinunterfällt. In dieser Erkenntnis wurzelt die Idee in Architektur und Design von „form follows function“. Die Anzahl der Beine, die bei genauerem Hinsehen lediglich „feste Stützen“ sind, ist mit Blick auf das, was ein Tisch ist, also unerheblich.

Wie viele Beine hat der Mensch?

Die Frage nach der Anzahl der Beine eines Tisches hat uns nicht nur geholfen, den Blick auf das Essentielle zu wenden, sie bringt uns auch hinsichtlich des Menschen weiter: denn es gibt Menschen mit nur einem Bein, wenn sie eines beispielsweise durch ein Unglück verloren haben. Manche Menschen haben tragischerweise sogar zwei Beine verloren und besitzen nunmehr gar keines. Die Frage, ob sie auch Menschen seien, kann nur rhetorisch gemeint sein. Selbstverständlich sind Menschen, die ein oder zwei Beine verloren haben oder ohne Beine geboren sind, Menschen. Die Zahl der Beine hat offensichtlich nichts mit dem Menschsein zu tun. Wie definiert man aber einen Menschen? Gewiss nicht durch das Aufzählen seiner äußeren Merkmale, sondern vielmehr durch die Beschreibung seines Wesenskerns.

Ich will hier keine neue Definition des Menschen entwickeln, dazu haben viele kluge Menschen Kluges und Wahres gesagt. Es geht auch nicht um eine bestimmte Definition, sondern vielmehr um die Art ihrer Herleitung. Aber eines ist klar: Eine Definition muss ohne äußerliche Parameter auskommen. Was ein Mensch ist, hat nichts mit der Zahl der Beine zutun, sondern mit den Eigenschaften, die dem Menschen eigentümlich sind, zum Beispiel, dass er systematisch Wissen sammeln, bewahren und weitergeben kann und dergleichen Dinge. Es dürfte ziemlich klar geworden sein, was diese Überlegungen der scheinbar banalen Frage um die Anzahl der Beine mit Rassismus zu tun hat. So wenig wie die Zahl der Beine eine Rolle bei der Definition des Menschen spielt, so wenig tut es auch die Farbe der Haut. Das ist aristotelisch gedacht, und wie das meiste, was Aristoteles sagt, bestechend logisch, ja unwiderlegbar. Den entscheidenden Fehler machen Rassisten - aristotelisch gesprochen - darin, dass sie das Wesen mit dem Akzidens verwechseln, also ein beliebiges Merkmal (Zahl der Beine, Hautfarbe, Händigkeit, Schuhgröße etc.) für wesentlich halten. So kommt es, dass Menschen beim ersten Ansehen als „Schwarzer“ benannt werden.

Dieser Automatismus liegt vor allem dem Rassismus zugrunde. Der Rassismus entpuppt sich also bei genauerem Hinsehen als intellektuelle Fehlleistung. Er lässt sich auch nicht als evolutionär notwendiger „Instinkt“ weginterpretieren oder als menschliche Reaktion auf das Anderssein verharmlosen.

Denken ist historisch entstanden, nicht angeboren

Denn dieser Automatismus im Denken ist historisch entstanden, nicht angeboren. In der Antike hat bei der Definition des Menschen und beim Umgang mit ihnen die Hautfarbe keinerlei Rolle gespielt. Dies ist gewiss nicht dem Umstand geschuldet, dass die Griechen und Römer wenig mit fremden Völkern zu tun gehabt hätten. Im Gegenteil: Der römische Imperialismus hat ohne vielfältige Kontakte nicht funktionieren können.

Das zeigen auch viele andere Umstände: Selbst wenn beispielsweise Caesar bei der Beschreibung der Germanen überheblich die Nase über den seines Erachtens zivilisatorischen Rückstand der Wilden rümpft, lässt er nicht den Hauch von Rassismus erkennen. Dieser Kulturchauvinismus der Römer hat, wie man am Beispiel des Cheruskerprinzen Arminius ablesen kann, weder der militärischen noch der zivilen Karriere von Menschen aus eroberten Gebieten im Wege gestanden.

„Rasse“ ist eine Erfindung der Aufklärung 

Gar zum Kaiser des römischen Reiches hat es der in Libyen geborene Septimius Severus gebracht, ehe er nach seiner Karriere auf der nach damaligen Verhältnissen „anderen Seite der Welt“, in Britannien, verstarb. Gleiches gilt in der Antike für die theoretische Betrachtung der Menschen mit schwarzer Hautfarbe. In seinen Schriften zur Logik wählt Aristoteles zur Unterscheidung von Akzidens und Wesen das „Weiß“ am „Menschen“. Hiermit führt Aristoteles exemplarisch vor, dass die Farbe lediglich ein austauschbares Akzidens darstellt, an Dingen wie an Menschen.

Neuere Publikationen eröffnen nun auch dem Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, dass die „Rasse“ und der Rassismus eine Erfindung sind und – man glaubt es kaum – ausgerechnet eine Erfindung der Aufklärung. Dieses Konstrukt sollte im christlichen Westen den Sklavenhandel legitimieren. Man sah sich in einem Dilemma: Auf der einen Seite sieht das Christentum in jedem Menschen eine respektable Person und schließt niemanden vom Glauben aus, auf der anderen Seite ist die Wirtschaft auf einen ziemlich unchristlichen Umgang mit den Arbeitskräften angewiesen. Dieses Dilemma hat man dadurch aufgelöst, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe kurzerhand zu einer minderen „Rasse“ erklärt wurden und sie gleichermaßen strukturell und prinzipiell aus der Gemeinschaft der damals maßsetzenden Menschen ausgeschlossen hat.

Niemand ist immun gegen Rassismus 

Der strukturelle Rassismus hat hierin seinen Ursprung. Er ist eine kollektive und historische Last, die abzuwerfen eine schwierige Aufgabe ist, aber eine Aufgabe, die sich die Menschheit nicht erlauben kann, weiter ungelöst zu lassen. Dabei hat gewiss jeder die Erfahrung gemacht, dass sie sehr leicht gelingen kann: zum Beispiel bei Zugewanderten, die man gut kennt.

Das mag daran liegen, dass man sich an sie gewöhnt hat oder sich von ihrem adäquaten, individuellen Verhalten überzeugt hat. Es erleichtert die Sache auch ungemein, wenn der Zugewanderte akzentfrei spricht. Bei einem TV-Kommissar achtet der Zuschauende nach einer gewissen Zeit nicht mehr auf die schwarze Hautfarbe, ebenso bei populären, fotogenen Wissenschaftlern und Politikern. Und doch ist zu beobachten, dass jemand, der in seinem Freundeskreis Zugewanderte anderer Hautfarbe hat und eine Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet, nicht immun ist gegen die historisch gewachsene Sichtweise. Denn gegenüber unbekannten Menschen anderer Hautfarbe greifen weiterhin die ablehnenden Verhaltensweisen.

Es gibt keine Nation 

Wie kann es gelingen, die positive Erfahrung im Kleinen auf das große Ganze zu übertragen? Hierzulande kommt ein anderer Aspekt erschwerend hinzu. Im Gegensatz zu Amerika, wohin nach dem Tod von George Floyd die Medien der ganzen Welt schauen, findet die Abgrenzung in erster Linie über den Begriff der Nationalität statt.

Und das, obwohl die nationale Komponente immer schwerer zu definieren ist. Den meisten genügt die bloße Staatsangehörigkeit zu einer Definition nicht. Wenn man diese Frage ähnlich der Frage nach der Zahl der Beine durchdekliniert, kommt man wohl zu einer Antwort, die die meisten Menschen (noch?) nicht bereit sind zu akzeptieren. Sie spielt für das Menschsein keine Rolle und noch mehr: Es gibt dem Wesen nach keine Nation.

„Fühlst du dich als Deutscher?“

Für diese Ansicht hat der bengalische Dichter, Schriftsteller und Philosoph Rabindranath Tagore mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln leidenschaftlich gekämpft. Seine mit Herzblut verfassten Abhandlungen konnten auch nicht verhindern, dass Indien dem Vorbild anderer folgend die Torheit der Bildung einer Nation beging. Im Nationalismus sah er eine Quelle der Feindseligkeit, Unmenschlichkeit und des Leids. Nicht einmal die Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahre 1913 hat seiner Auffassung, dass Nationen widernatürlich sind, genügend Auftrieb zu politischer Wirksamkeit geben können.

Dass Nationen und damit die Zugehörigkeit zu ihr im Grunde künstliche Gebilde sind, macht auch die Antwort auf die gutgemeinte Frage, mit der sich Zugewanderte von durchaus aufgeschlossenen Alteingesessenen konfrontiert sehen ungemein schwer: „Fühlst du dich als Deutscher?“ Wie fühlt sich ein Deutscher?

Gehört Pathos zum Deutschsein? 

Reicht es, wenn man sich mit den Zielen der Gemeinschaft in Deutschland identifiziert, oder muss auch ein gewisses Pathos hinzukommen? Was ist mit den Alteingesessenen, die sich nicht mit den Interessen der Gemeinschaft identifizieren? Dass diese Deutsche sind, bezweifelt niemand. Dürfen Zugewanderte nicht in gleicher Weise kritisch und einzelnen Aspekten der einheimischen Kultur gegenüber eine ablehnende Haltung haben, ohne dass man ihnen die Zugehörigkeit zu den Deutschen abspricht?

Und nicht zuletzt: Kann sich jemand als Deutscher fühlen, wenn er zwar im Kreis seiner Freunde als Deutscher akzeptiert ist, unter Unbekannten auf der Straße von den Alteingesessenen nicht als ein solcher wiedererkannt wird, ja täglich konfrontiert wird mit Gestik, Mimik und anderen Mechanismen der Ablehnung, deren Höhepunkt überdurchschnittlich viele abgelehnte Bewerbungen und Polizeikontrollen sind? Und baut nicht auch schon die Frage, ob man sich als Deutscher fühle, auf sublime distinktive Art eine Barriere auf?

Die „Rasse“ hat keine Grundlage im Wesen der Menschen

Der strukturelle Rassismus wird überwunden, wenn der Intellektuelle, und damit meine ich die Art, wie wir erkennen, sich wendet; wenn sich ein Automatismus des Erkennens etabliert, der unmittelbar die Hautfarbe als Zufall erkennt. Den Einwand, diese Art der intellektuellen Erkenntnis entspräche nicht der Natur des menschlichen Denkens, sie sei ein evolutionär entstandener Schutzmechanismus, habe ich durch die historische Beispiele zu widerlegen versucht. Sie betreffen nicht rühmliche Einzelfälle, sondern erstrecken sich über lange Zeitspannen und viele Völker. Diese Sichtweise kann sich wieder automatisieren. Mit Automatismus meine ich, dass es so in Fleisch und Blut übergeht, dass es nicht mehr bemerkenswert ist, wie etwa, dass Frauen in der Bundesliga Spiele pfeifen oder Regierungschefs werden. Das ist im Kleinen und Privaten eine Kleinigkeit. Die Übertragung auf die ganze Gesellschaft ein Paradigmenwechsel. Ohne seine Verwirklichung gibt es kein echtes Ende der Diskriminierung.

Mit dieser Perspektive könnte uns Aristoteles auch neue Impulse für die Diskussion um den Begriff „Rasse“ im Grundgesetz gegeben. Wie die „Rasse“, die auch keine Grundlage im Wesen der Menschen hat, benennen auch die anderen Kriterien wie Geschlecht, Herkunft, Sprache lediglich Zufälle. Mehr noch: Da nun endlich Einigkeit darüber besteht, dass es innerhalb der Menschheit keine „Rassen“ gibt, kann man mit jedem Recht behaupten: „Rasse“ ist nicht einmal ein Akzidens. Eine Neuformierung, die es verdient als Verbesserung angesehen zu werden, sollte den Beispielen (Herkunft, Religion etc.) eine allgemeine Formulierung voranstellen, aus der sämtliche akzidentiellen Merkmale, die für das Menschsein unwesentlich sind, abgeleitet werden können. Um eine solche Formulierung sollte man ringen.

Zwei, eins oder keins

Außerhalb der Formulierung im Grundgesetz und daran angelehnt in dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz kennen deutsche Rechtsnormen den Begriff der „Rasse“ ohnehin nicht. Er darf in der Rechtsanwendung keine Rolle spielen. Das ist nun der stärkste Hinweis, dass es dieses Merkmal nicht gibt. Im Falle der Religion hat die Benennung und Normierung durchaus ihre Berechtigung, dass niemand wegen seiner Religion benachteiligt werden darf, weil es tatsächlich verschiedene Religionen gibt. „Rassen“ gibt es jedoch nicht. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass ein Rechtssystem, das in der Rechtsanwendung nirgends einen Anwendungsbereich kennt, diesen in seinen Grundsätzen festschreibt.

Um aber die einleitende Frage auf aristotelische Weise zu beantworten, hilft eine andere seiner scharfsinnigen Unterscheidungsmöglichkeiten:  Der Möglichkeit nach und in der Verwirklichung. Der Mensch hat potentiell zwei Beine, praktisch können es jedoch zwei, eins oder keins sein, und dem Wesen nach ist dies ein unerheblicher und ein bedeutungsloser Zufall. Wie eben die Hautfarbe.

Helmut Bachmann | So, 21. Juni 2020 - 11:09

Menschen bilden Gruppen (wie Nationen, auch sehr kleine). Ob diese Gruppen andere abwerten (Nationalismus), oder mit ihnen zusammenleben will, in einem größeren
Verbund, ob sie durchlässige, oder starre Grenzen hat (Rassismus) das wurde und wird immerschon unterschiedlich gehandhabt. Der Wunsch einer Gruppe, dass "Neumitglieder" sich zu der Gruppe bekennen, zu ihr gehören wollen und sich darum bemühen, ist eine der Grundlagen für eine funktionierende Gemeinschaft. Dem Autor scheint es hingegen nicht um (freie) Gemeinschaft zu gehen. Seine gewünschte (totale)Blindheit gegenüber den Unterschieden, gegenüber der Herkunft lässt sich nur in einem allgemeinen Weltstaat erhoffen, zu dem sich alle Menschen bekennen. Davon ist die Welt jedoch weit entfernt. Die totalitäre Auslöschung jeglicher Unterschiede und damit jeglicher Kultur ist natürlich eine alte sozialistische Forderung, sie wird nicht sympathischer. Es ist hinlänglich belegt, dass Rassismus dadurch nicht verschwindet.

...eine interessante Umschreibung von Rassismus. Jeder Soziologiestudent lernt im ersten Semester, dass Unterschiede und Kultur soziale Konstrukte sind, sie sind ausserdem weder statisch noch undurchdringlich.

Entsprechend unterliegen sie Veränderung und Entwicklung.

Natürlich ist es unterschiedlich, wie darauf regiert wird: Ausschliessend, also rassistisch, oder intergrierend.

Die Frage ist jedoch eine ganz andere: Auf welcher Grundlage geschieht Handeln? Wer eingeschränkt durch die eigene ethozentristische Sichtweise Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderer Herkunft ausschliesst, handelt nicht beliebig und unverbindlich, sondern ganz klar rassistisch.

Es ist weiter ein himmelweiter Unterschied, ob man das im persönlichen Kreis tut, oder ob sich unterschiedliche Behandlung in Strukturen verselbständigt hat.

Gefährlich wird es, wenn man versucht, eigene Vorurteile als angemessene, ja sogar verständliche Reaktion einer Gemeinschaft zu verkaufen.

Was sie nicht verstehen ist, dass etwas was veränderbar ist, deshalb mitnichten irrelevant ist.
Dass aus dem Ausgrenzen um sich zu schützen auch Rassismus werden kann ist recht banal, aber richtig. Habe ich sie falsch verstanden, oder war das der Ansatz zum differenzierten Denken?

"etwas lernen" ist bis Heute Gegenstand umfangreicher Untersuchung. Nach den einschlägigen Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ist das meist nicht der Fall.
Und gegen zweckmäßige Diskriminierung anhand falsifizierbarer Merkmale ist auch rein garnichts einzuwenden, warum auch?

Und der Autor schurbelt auch reichlich. Der phylogentische Befund ist eindeutig, denn der rezente Hominide ist bestenfalls eine Subspezies, nicht mal eine eigene Art.

Dem Befund, dass Rasse kein "Konstrukt" ist, sondern eine biologische Tatsache, sekundiert auch Charles Murray mit seinem neuesten Buch "Human Diversity. The Biology of Gender, Race, and Class" (New York 2020). Die Erkenntnisse von Genetik und Neurowissenschaften seien längst über die "Orthodoxie" hinausgegangen, schreibt Murray.

Tomas Poth | So, 21. Juni 2020 - 11:14

Die Rasse als Erfindung - dann ist der Rassismus ebenso eine Erfindung, oder andersrum wenn es keine Rassen gibt dann gibt es auch keinen Rassismus!?
Wird man eine Platte die an Ketten von irgendwo herab im Raum hängt als Tisch bezeichnen?
Ein Tisch wird nicht ausschließlich und allein über eine nackte Platte definiert und wie diese Platte im Raum angeordnet ist.
Der Begriff Tisch findet sich in Anlehnung an die volkstümliche Verwendung auch wo anders wieder, z.B. Mesa Verde als geologische Formation oder im Maschinen- und Anlagenbau für unterschiedlichste Funktionen.
Dabei geht es nicht ausschließlich darum ob etwas abgestellt werden kann oder nicht herunterfällt oder man sich daran hinsetzen kann.
Definiert man Menschen, allein durch ihren Wesenskern oder nicht auch durch ihr äußeres Erscheinungsbild, unterscheidet sie auch nach ihren Fähigkeiten und Lebensformen/Organisationsformen.
Auch andere Tierformen
Was will dieser Artikel, Unterschiede wegbügeln die vorhanden sind?

Michaela 29 Diederichs | So, 21. Juni 2020 - 20:44

In reply to by Gast

Ich versuche mich noch einmal diesem Thema mit Namibia anzunähern. Dort gibt es elf Völker und elf Antworten. Die Völker bleiben unter sich und ihren Bräuchen und kulturellen Eigenheiten treu. Das eine Volk dominiert oder versklavt gerne mal das andere Volk. Mit Aufklärung oder Rechtfertigung oder Rassismus hat das nichts zu tun. Die stärkste Herde bestimmt. Dass in Namibia die San inzwischen stark dezimiert und gefährdet sind, hat nichts oder alles mit Rassismus zu tun und weniger etwas mit Kolonien. Hier mobben Schwarze Schwarze. Wir alle stammen genetisch von den San ab. Aber in Namibia werden sie verachtet, in die Kalahari abgedrängt und entsprechend behandelt. Wie war das noch mal zwischen Hutu und Tutsi? Es geht immer um Überlegenheit. Pol Pot befand auch, es sei Zeit für die "Doofen" und die Intelligenz muss ausgemerzt werden. Das ist der rote Faden, der bestimmend ist.

https://www.merian.de/afrika/namibia/artikel/elf-voelker-elf-antworten

Per L. Johansson | Mo, 22. Juni 2020 - 01:00

In reply to by Gast

Teil 1: Der Autors setzt den Begriff Rasse mit Rassismus gleich. Das ist, als ob man eine Tatwaffe als Mörder verurteilen würde.
Es geht um den Umstand, dass innerhalb einer Art Subpopulationen existieren, die durch bestimmte, ausgesuchte Merkmale voneinander unterschieden werden können. Diese nennt man dann je nach biologischer Fachrichtung Rassen, Sorten etc.
Kein Biologe will mit dem Begriff aber ausdrücken, ein z.B. Haflinger sei mehr oder weniger wert als ein Hannoveraner, geschweige denn, einer der beiden Rassen unterstellen, es handele sich nicht um Pferde. Im Gegenteil, der Begriff Rasse soll ja gerade deutlich machen, dass die Lebewesen, trotz äußerlicher Unterschiede, nicht verschiedenen Spezies angehören.
Der Begriff Rasse ist eine reine Beschreibung der beobachteten Unterschiede. Erst ein Rassist macht daraus eine kranke Wertung.
Letzteres bekämpft man aber nicht dadurch, dass man die Beschreibung verbietet, oder gar behauptet, es gäbe überhaupt keine Unterschiede.

Per L. Johansson | Mo, 22. Juni 2020 - 01:06

In reply to by Gast

Natürlich gibt es auch bei Menschen weltweit Merkmalsunterschiede, die nicht alle einfach "zufallsbedingt" sind. Jeder Laie kann Reisegruppen aus Japan, Kenya und Island voneinander unterscheiden. Die dahinterstehenden evolutionsbiologischen Prozesse kann man verstehen, und daher auch, dass sie keinerlei Wertung oder gar Ausgrenzung vom Menschsein rechtfertigen.
Das ist der Ansatz für Antirassismus, und nicht, bereits die Beschreibung von Unterschieden zu Rassismus zu erklären.
Natürlich könnte man das Wort "Rasse" mit der Begründung verbannen, er werde von einem Großteil der Bevölkerung nicht fachwissenschaftlich verstanden, sondern nur noch im Kontext des "Rassismus". Aber dann sollte auch klar sein, dass man einen alternativen Fachbegriff braucht, da die Unterschiede nicht zusammen mit dem Wort verschwinden werden.
Versucht man dies, ist es sogar kontraproduktiv, da man die Diskussion dann den Falschen überläßt.

Per L. Johansson | Mo, 22. Juni 2020 - 01:11

In reply to by Gast

In der Natur treten derartige Unterschiede meist durch räumliche Trennung auf, gepaart mit unterschiedlicher Selektion durch andere Umweltbedingungen.
So erstreckt sich etwa das Verbreitungsgebiet der Kohlmeise von Europa bis Ostasien. Man unterscheidet jedoch mehr als ein Dutzend geographischer Unterarten, die in Gefieder und Rufen voneinander merklich abweichen. An den Kontaktzonen kommt es dabei regelmäßig zu Mischformen.
Im Prinzip trifft dies so z.B. auch auf die menschlichen Hautfarben zu, denen Vor- und Nachteile bei Auf- und Abbauprozesse von Vitaminen zu Grunde liegen.
Warum sollte man äußerliche Unterschiede bei einer Art beschreiben und benennen dürfen und bei einer anderen Art nicht? Weil wir Menschen meinen, wir stünden über dem Tierreich? Weil Rassisten es missbrauchen könnten?
Das ergibt vielleicht politisch, aber naturwissenschaftlich keinen Sinn.
Es erinnert an den Versuch, Sexismus dadurch zu bekämpfen, dass man das Geschlecht zu einem sozialen Konstrukt verklärt.

gabriele bondzio | So, 21. Juni 2020 - 12:06

Ich kann ihren Ausführungen ja noch folgen, bezüglich der Abwertung von Menschen mit schwarzer Hautfarbe in der Epoche der Sklavenhalter.
Aber das es keine Nation gibt, schlucke ich nicht ungekaut. Besonders nicht, wenn es DE betrifft, wo Nationalstolz fast nur noch bei Sport-Events zu sehen ist.
Schweizer, Franzosen, Italiener, Ungarn und Polen usw. stehen ihrer Nation eindeutig näher, da sie ihren Nationalstolz noch leben. Zuspruch zu einer Identität hebt eindeutig Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl der Menschen.
"Wenn die Deutschen gerne deutsch sind und es als etwas Positives empfinden, ist es für Ausländer auch viel leichter, sich mit Deutschland zu identifizieren.“(Schmidt-Denter).
Kölner Psychologen, unter Schmidt-Denter haben das Nationalgefühl der Deutschen untersucht. Ein Ergebnis: Unsere Nachbarn mögen uns lieber als wir uns selbst, denn wir sind höchst selbstkritisch. (welt.de/Warum sich die Deutschen selbst nicht mögen/13.01.2012 )

Markus Michaelis | So, 21. Juni 2020 - 12:15

Alle diese Diskussionen haben viel damit zu tun, dass Menschen eine Identität haben, eine Wahrheit brauchen, sich einer Gruppe zugehörig fühlen wollen. Alle sind ein Mischmasch aus natürlich vorgegebenen Dingen und Dingen, bei denen der Mensch seine natürlichen Wurzeln überwinden will, weil die nicht mehr"zeitgemäß" sind. Ansätze, wie von Herrn Yauno, dass irgendwas in einem absoluteren Sinne richtig wäre, greifen auch zu kurz.

Unsere Auffassung vom Wert der Familie, was Familie überhaupt ist, hat starke natürliche Vorgaben, aber auch viel Konstruiertes. Demokratie, Glaube und Religion wurzeln in natürlichen Bedürfnissen, sind aber überwiegend konstuiert und wollen eher natürliche "Schwächen" des Menschen überwinden.

Die Rassismusdebatte geht zu einem Teil an natürliche und "wahre" Wurzeln. Zum größeren Teil geht sie glaube ich an ein starkes identitäres und Gruppendenken und die Auseinandersetzung durch Kräfteverschiebungen zwischen alten Gruppen - die sich dadurch auch in neue umf.

Jens Böhme | So, 21. Juni 2020 - 12:37

Schon der Hinweis auf Septimius Severus steht auf wackligen Füßen. Dieser war aus rassischer Sicht kein anders aussehender römischer Kaiser gewesen. Die antiquierte Rassenlehre unterscheidet nicht zwischen weiß und der mediterranen Hautfarbe (weiss waren zudem die wenigsten Römer). Ebenso wenig sei ein weisser Jude rassisch anders oder besser als ein schwarzer Jude. Wobei hier der Rassismus ad absurdum geführt wird. Trotzdem sind Unterscheidungsmerkmale bei Menschen z.B. in Hautfarbe, Aussehen oder Sprache nicht unerheblich bei der Identifikation und dem Sicherheitsbedürfnis im sozialen Umfeld. Erst Annäherung, Kennenlernen und Integration schaffen Vertrauen oder Ablehnung. Wobei das Letztere kein Beinbruch für die Menschheit bedeutet, wenn alle Seiten die Ablehnung akzeptieren und nicht auf Teufel und Verderb die Ablehnung schlechtreden. Die neuzeitliche MeToo-Debatte zeigt, dass Ablehnungen im Menschsein sozial akzeptiert sein müssen und Sicherheiten schafft.

gerhard hellriegel | So, 21. Juni 2020 - 13:28

Wieso unterscheiden wir eigentlich den neandertaler vom neumenschen? Offensichtlich gehören beide der gleichen art an, sie waren bekanntlich untereinander fortpflanzungsfähig. Also, wie benennen wir genetische unterschiede innerhalb einer art? Solange es hunderassen gibt, sollten wir die idee, dass es auch menschenrassen gäbe, nicht gleich in eine moralische kiste stecken.
Das beispiel mit dem tisch hinkt: ein tisch ist vorrangig durch seine verwendung definiert. Selbst eine felsplatte im gebirge können Sie gegebenfalls als tisch bezeichnen. Sollte das auch für den menschen gelten? Ist auch er durch seine verwendung definiert? Wenn ja, lässt das tief blicken. Nebenbei, die aristotelische, als philosophie verkleidete sprachtheorie wurde inzwischen etwas weiterentwickelt.

Jürgen Keil | So, 21. Juni 2020 - 13:35

Ich nehme die Unterschiedlichkeit der Menschen wahr. Die Größe, den Körperbau, die Intelligenz. Ich sehe unterschiedliche Hautfarben, unterschiedliche Physiognomien, höre unterschiedliche Sprachen und erkenne verschieden Verhaltensweisen.
Das Aussehen und Verhalten der Einen spricht mein Schönheitsempfinden an, ist mir sympathisch, das Anderer nicht. Ich weiß, dass alles sind Menschen. Ich diskriminiere keinen und tue ihnen keine Gewalt an, wenn sie mir keine antun. Bei manchen lehrt mich die Lebenserfahrung: Vorsicht! Nationen werden vielleicht irgendwann einmal verschwinden. Heute sind sie mir noch wichtig. Wenn das Rassismus ist, dann bin ich eben ein Rassist, Punkt.

Ernst-Günther Konrad | So, 21. Juni 2020 - 16:58

In reply to by Gast

Wow Herr Keil. Bin geplättet. Wollte gerade auch so etwas ähnliches kommentieren. Lese Ihren Kommentar und was soll ich sagen. Einfach nur aus meiner Sicht richtig und zutreffend. Sollte Sie jemand deswegen Rassist nennen, sind wir schon mal zu zweit. Willkommen im Club. Bleiben Sie gesund und klar im Denken. Alles Gute.

Christa Wallau | So, 21. Juni 2020 - 13:49

...der Unterschiedlichkeit von Menschen hilft nicht weiter.
Die scharfsinnigen Analysen von Aristoteles oder
anderer nutzen in der Praxis wenig. Das weiß jeder Mensch, der über E r f a h r u n g verfügt, nicht nur über Denkfähigkeit.
Erfahrungen -kollektive, individuelle, geschichtlich tradierte u. aktuelle- sind im Leben der Menschen immer von wesentlich wichtigerer Bedeutung gewesen als theoretische Erkenntnisse.

Wer mehrmals unangenehme/schlechte Erfahrungen mit einem Menschen schwarzer Hautfarbe (o. mit einem Roma) gemacht hat, wird dessen Merkmal - ob es nun objektiv gerechtfertigt ist o. nicht - bei der nächsten Begegnung mit einem Schwarzen (o. Roma) in sein Handeln einbeziehen. Dieser Automatismus besteht schon ewig u. wird auch in Zukunft bestehen bleiben, weil er sich im Laufe der Evolution bewährt hat.
Das gleiche gilt umgekehrt auch für den sich automatisch einstellenden Bonus guter Erfahrungen. Nur so können täglich notwendige, rasche Entscheidungen gefällt werden.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 21. Juni 2020 - 14:43

schlüssig, aber ich weiss nicht einmal, ob ich ihn überhaupt verstanden habe, so komplex und anspruchsvoll präsentiert sich der Autor, eigentlich auch zurückhaltend.
Es geht mir sowieso nur darum, dass alle Menschen friedlich zusammenleben können und deshalb lasse ich ihn von meiner Seite aus stehen, würde aber meinen, dass der Autor in Bezug auf Religionen mich nicht überzeugt.
Die Frage wäre dann eventuell, ob darüber auch die anderen Argumentationen in ihrem Ansatz hinfällig werden, jedoch, ich will das nicht "verschulden".
Leben UND leben lassen
RESPEKT, also bitte auch nicht ERGO

"stammen" können, was sie bezeichnen wollen.
Merkwürdigerweise stand bei Qwant bei Eingabe "Rasse Etymologie" gleich als zweiter Link eine Biologieseite, darauf die Ableitung u.a. aus dem arabischen Wort "ra`s",Kopf/Ursprung, dann zu "race" wie es in unterschiedlichen Bereichen unterschiedlich angewendet wird.
Und schon ist man in "Teufels Küche".
Ein toledischer Gelehrter benutzte es, um das unterschiedliche Wesen eines Fürstensohnes gegenüber einem Bauernsohn zu bezeichen, das sich auch nicht in unterschiedlichen Umgebungen ändere.
Ich selbst war irritiert, als ich bei Wiki über die "Raelisten" las, auch nicht angetan über den Film "Die Insel der besonderen Kinder" oder die Mutantenfilme.
Absonderungen werden gerne sich selbst zugerechnet, wenn sie einen erhöhen gegenüber anderen, aber abgelehnt, wenn andere sie nutzen, sich selbst positiv davon abzugrenzen.
Doch sind "Spezifizierungen" über Jahrtrilliarden wahrscheinlich?
Wenn man sich einigen könnte, Herabsetzung zu ächten?
RESPEKT

Charlotte Basler | So, 21. Juni 2020 - 15:59

Wie sieht es mit Familie aus? Wie würden Sie Ihre Familie definieren? Wer wird zu Familienfesten eingeladen? Ist es vorstellbar, dass ich und andere sich einfach zu Ihrem Familienverbund gesellen und dazugehören wollen? Oder möchten Sie da gerne abwägen und ein Wörtchen mitsprechen?
Was, wenn wir einfach kommen und vor Ihrer Tür stehen? Was, wenn wir ganz andere Auffassungen von Familienzusammenhalt und Zusammenleben haben? Was, wenn wir uns im wahrsten Sinne des Wortes nicht verstehen oder verständigen können? Ich finde eine Familie kann man sehr gut mit einer Nation vergleichen. Es verbinden einem gemeinsame Wurzeln, Sprache, Erlebnisse, Leid und Freud.

... ist absolut zutreffend. Ich habe ihn in vielen Diskussionen und Kommentaren
auch immer wieder verwendet.
Wir haben das Recht, nicht jeden beliebigen Menschen in unser Leben hinein zu
lassen - ob nun in der Familie oder in unsere Volks- bzw. Staatsgemeinschaft.
Es hat nichts mit Rassismus und Diffamierung zu tun, wenn man sich diejenigen
aussuchen will, mit denen man engeren Kontakt hat, die man solidarisch
finanziert und für die man zu Opfern bereit ist.
Diese simple Wahrheit wird heutzutage negiert.
Sie wird sich in der Praxis jedoch immer wieder durchsetzen, weil Gefühle letztlich stärker sind als jede Ideologie. Echte Gemeinsamkeit läßt sich nicht verordnen. Sie beruht - wie Sie es richtig beschrieben haben - auf gemeinsamen Wurzeln, einer gemeinsamen Sprache und Kultur und einer seelischen Grundbefindlichkeit, zu der
nicht zuletzt auch die Religion gehört.
Herzliche Grüße an Sie,
Ihre C. W.

Ich sehe es auch so, dass der "alte" Nation/Volk Begriff einiges mit weiterer Familie gemeinsam hat. Es ist neben Gemeinsamkeiten auch die Entscheidung bis zu einem gewissen Grad Zeit und Energie in Familie zu investieren - mit dem Vertrauen, dass die anderen das auch tun - gemeinsame Interessen hat man eher mit Freunden.

Wie dem auch sei: das ist natürlich auch nur ein mögliches Konstrukt und man kann es auch ganz anders sehen. Durch die globalere Welt passiert das auch und es gibt kein Kriterium das eines absolut besser wäre.

Es hat sich auch unser GG gewandelt. 1949 sagte man, dass das Volk (das irgendwie klar war) sich ein GG gibt. Dann hat man statt der Checks&Balances immer mehr die Grundwerte und Fürsorgepflichten betont. Heute würde man eher sagen, dass das GG Werte vorgibt und sich "eine Bevölkerung gibt" (die, die nach den Werten leben). Das zeigt denke ich, dass alles konstruiert und im Wandel ist.

"Heute würde man eher sagen, dass das GG Werte vorgibt und sich "eine Bevölkerung gibt" (die, die nach den Werten leben). Das zeigt denke ich, dass alles konstruiert und im Wandel ist."
Dazu fallen mir viele Fragen ein: 1. Wer legitimiert das GG zu dieser Eigenwilligkeit?
2. Was passiert, wenn ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung nicht nach diesen Werten leben möchte, sie evtl. gar nicht kennt?
Das vieles konstruiert wird, glaube ich inzwischen auch. Es gibt auffallend viele "Zufälle" die alle zu einer Änderung unserer Gesellschaft und unseres Gesellschaftssystems führen werden. Nur von wem? Wer gibt die Konstruktion vor und welchem Zweck dient sie. In dem Zusammenhang fallen mir auch immer die Worte von Herrn Schäuble zur Flüchtlingskrise "Abschottung würde Europa in Inzucht degenerieren lassen" ein. (ZB FZ 08.06.18) Wie kommt er auf sowas?

"Heute würde man eher sagen, dass das GG Werte vorgibt und sich "eine Bevölkerung gibt" (die, die nach den Werten leben). Das zeigt denke ich, dass alles konstruiert und im Wandel ist."
Dazu fallen mir viele Fragen ein: 1. Wer legitimiert das GG zu dieser Eigenwilligkeit?
2. Was passiert, wenn ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung nicht nach diesen Werten leben möchte, sie evtl. gar nicht kennt?
Das vieles konstruiert wird, glaube ich inzwischen auch. Es gibt auffallend viele "Zufälle" die alle zu einer Änderung unserer Gesellschaft und unseres Gesellschaftssystems führen werden. Nur von wem? Wer gibt die Konstruktion vor und welchem Zweck dient sie. In dem Zusammenhang fallen mir auch immer die Worte von Herrn Schäuble zur Flüchtlingskrise "Abschottung würde Europa in Inzucht degenerieren lassen" ein. (ZB FZ 08.06.18) Wie kommt er auf sowas?

Gisela Fimiani | So, 21. Juni 2020 - 16:21

Der „scharfsinnige“ Aristoteles hat die gesunde und richtige Ansicht der Griechen: „Die Götter haben sicheres Wissen - epistéme, die Menschen haben nur Meinungen - doxa“ verdorben, indem er behauptete, dass auch wir epistéme, sicheres Wissen, haben: beweisbares Wissen. Dazu erfand er die Induktion und weil er sich womöglich unwohl dabei fühlte, schob er sie dem Sokrates in die Schuhe. Ich halte es eher mit Sokrates und frage: Sind „Rasse“ und „Rassismus“ nicht zwei völlig verschiedene Paar Schuhe? Ebenso verschieden wie das Bein vom Schlüsselbein verschieden ist?

Charlotte Basler | So, 21. Juni 2020 - 16:24

oder versucht man hier gerade das eine böse "N"-Wort durch ein decouragierenderes zu ersetzen?
Wenn wirklich alle Menschen gleich sind und sie schreiben ja "es gibt keine Nation", warum kommen dann gerade so viele Menschen zu uns? Weshalb haben wir (als was auch immer) es geschafft, so lange Frieden zu wahren? Warum haben wir keine Bürgerkriege? Wie ist es uns gelungen Religionsfreiheit zu erreichen? Wieso haben wir uns einen relativen Wohlstand geschaffen? Weshalb leisten wir uns ein teures Sozialsystem? Weshalb zahlen wir Steuern und Sozialabgaben in D, wenn es keine Nation gibt?
Und welchen Vorteil hat diese ständige Gleichmacherei? Hat nicht jeder Mensch andere Vor- und Nachteile? Kann man es sich aussuchen in eine wohlhabende Familie geboren zu werden? Sagt man nicht dunkelhäutigen Menschen mehr Gefühl für Rhytmus und Musikalität nach? Muss ich das nun auch für alle D reklamieren?

Simone Büchl | So, 21. Juni 2020 - 23:44

...und nicht der Hund?
Vorab, ich mag sämtliche Hunde.
Egal, ob Boxer, Labrador oder Mischling.
Ich glaube aber, dass hier Ihr Vergleich nicht funktioniert hätte.
Will man sich nämlich über Hunderassen informieren, fällt einem auf, dass sowohl der Charakter als auch das Ausehen definiert ist.
Ich persönlich habe selbst Hunde und bin mir daher darüber bewusst, dass jeder Hund eine eigene Persönlichkeit hat, welche durch den Menschen geprägt wird.
In einer aufgeklärten, modernen Zivilisation spricht man natürlich nicht von einer menschlichen "Rasse" und trotzdem gibt es Rassismus.
Man sollte den Sinn und Zweck des Artikels im Grundgesetz nicht vergessen:
"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."
Schließlich wurden vier Jahre vor Inkraftreten des GG noch Juden aufgrund ihrer "Rasse" ermordet.

Markus Michaelis | Mo, 22. Juni 2020 - 01:27

@Yauno "Rasse oder Hautfarbe beachten ist soziales Konstrukt, nicht Instinkt" @Lenz "Kultur etc. ist soziales Kontrukt"

Das Argument kommt öferts, ich kann es nicht nachvollziehen. Menschenrechte, Diskriminierung, Glaube, Nation, Rasse, eigentlich egal was, sind soziale Konstrukte - was denn sonst? Männliche Instinkte des Sexual- oder Machtverhaltens wollen wir eher eindämmen. Was uns interessiert ist nicht die Urnatur, sondern sozial konstruierte Werte, Begriffe.

Ob ein Begriff sozial konstruiert ist sagt meist nichts, es weicht den eigentlichen Fragen aus. Ist in D wirklich ein an Naturmaßstäben zu kritisierender Rassismus (oder Religionsfeindlichkeit oder ...) das Problem?

Das Problem scheint mir doch, dass es verschiedene Identitäten gibt, jede mit ihren Konstrukten. Durch MIgration noch mehr. Anstatt das so zu diskutieren, wie es ist, versucht jeder zu beweisen, dass der andere nach absoluten Wahrheiten falsch liegt. Das weicht den interessanten Fragen aus.