Rassismus-Diskussion um „Rule, Britannia!"-Hymne - Ausdruck von Unwissen und Ignoranz

Die britische Hymne „Rule, Britannia!" geriet im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Rassismus in Kritik. Der historische Referenzrahmen zeigt jedoch: Das Lied zeugt von so viel Bürgersinn, Liberalismus und Freiheitspathos wie kaum eine andere Hymne.

Der BBC hat entschieden: Bei der „Last Night of the Proms" dürfen patriotische Lieder gesungen werden / dpa

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Es ist eine von drei inoffiziellen Hymnen Großbritannien: Eine heißt „Rule, Britannia!", die zwei anderen sind „Jerusalem" und „Land of Hope an Glory". Doch zurück zu „Rule, Britannia!"

Dessen bekannte Melodie geht auf Thomas Arne zurück. Der war ein Komponist des Barock, und man ahnt, wie das Stück wohl geklungen hat, bevor es im 19. Jahrhundert romantisch aufgeblasen wurde. Der Text stammt von James Thomson, einem – Ironie der Geschichte – gebürtigen Schotten. Der verfasst das Lied 1740. Das ist für sein Verständnis nicht ganz unwichtig.

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Reinhardt O. Cornelius-Hahn | Sa, 5. September 2020 - 11:40

Rassismus: Eine Wortkeule aus der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. 1862 von einem Heilbronner Professor der Völkerkunde zur Bestimmung unterschiedlicher Typen von Menschen entwickelt, wurde in den zwanziger Jahren das Wort Rasse auf Menschen und ihre Unterschiedlichkeit gebildet, weil die Nationalsozialisten in ihrer Ideologie den Arier als Rasse zur Hebung des Deutschtums benutzten, um sich abzugrenzen, auch vom Judentum. Fälschlicherweise wurde das Jüdische oder eben die Juden als Rasse, obwohl eine Religionsgemeinschaft, bezeichnet. Ebenso ein Unwort im Gebrauch, wie der Antifaschismus, der seine historische Mission erfüllt hat, aber noch als politische Waffe der Linken bis heute genutzt wird.

Fritz Elvers | So, 6. September 2020 - 18:36

In reply to by Reinhardt O. C…

der seine historische Mission erfüllt hat"

Aber doch offensichtlich nicht!

Christa Wallau | Sa, 5. September 2020 - 11:59

prägen das Verhalten all derer, die sich jetzt so vehement als Freiheits- und Humanitätsapostel aufspielen.
Dabei ist ihr Tun nichts anderes als kurzsichtige, billige Anklage und Abrechnung mit den Menschen vergangener Zeiten.
Viele "Aktivisten" dünken sich heute als Speerspitze des Fortschritts und der Moral auf Erden. Was bei ihrem eigenen Tun schief laufen könnte, darüber denken sie keine Sekunde nach. Traurig und erschreckend das Ganze!

Allerdings glaube ich, daß die Engländer sich - trotz aller Kritik - ihr "Rule, Britannia!" niemals werden nehmen lassen.
Dafür sind sie zu traditions- und selbstbewußt,
nicht so leichtgläubig und duckmäuserisch wie sehr viele Deutsche.

und Rückwärtsbezogenheit vertragen sich natürlich nicht.

Wer generell die Zukunft an der Vergangenheit orientieren will, hat nicht verstanden, vor welchen Aufgaben Deutschland steht. Stattdessen träumt man sich ein Deutschland (zurück), wie es vor Jahrzehnten schon keiner wollte.

Es ist Wahlkampf, und man erfährt, wofür Partei(en) stehen. So z.B.
- Zurück zur Kernenergie
- Zurück zum dreigliedrigen Schulsystem
- Zurück zu Diplomen an den Universitäten
- Zurück zu einer Familienpolitik, wie sie höchstens der Herr im Haus noch möchte,
- Zurück zu den Anfängen der EU.
- zurück zu..

Wer so Politik versucht, ist ganz offensichtlich mit einer komplexer gewordenen Realität völlig überfordert. Stattdessen flüchtet man sich in ein idealisiertes Deutschland von gestern, als die CDU angeblich ordentlich konservativ war, es kaum Ausländer gab...
Die AfD beweist mal wieder vollständige, umfängliche Politikuntauglichkeit.

gabriele bondzio | Sa, 5. September 2020 - 12:03

Zugeben muss ich schon, das ich das Liedgut nicht kannte. Finde allerdings nichts beleidigendes in den Zeieln. Aber bestimmte Zeigenossen sehen sich
immer auf den Schlips getreten.
"Herrsche, Britannia!
Britannia beherrsche die Wellen!
Briten werden niemals Sklaven sein."... Scheint der Text des Anstoßes zu sein. Aber Hymnen wurden halt früher recht schwülstig getextet.
Habe es mir auch angehört, mit Choruntermalung. Klingt wirklich wie ein leidenschaftlicher und handfester Aufruf für die Freiheit...und was ist an Freiheit schlecht?

Thomas Hechinger | Sa, 5. September 2020 - 12:04

Überhaupt scheint mir oft mangelnde historische Bildung die Ursache für diese Streichwut zu sein. Da hören Leute das Wort "Mohr" und denken an "Neger" und an Sklaverei und weißen Überlegenheitswahn. Daß viele Apotheken "Mohrenapotheke" heißen, liegt eher daran, daß man bei der Namensgebung an die Mauren und ihre orientalische Heilkunst dachte. Da liegt also Bewunderung im Namen. Aber verbohrte Ignoranten wollen so etwas nicht wissen. Und wenn ich als Kind in einen "Mohrenkopf" biß, habe ich nie daran gedacht, mich über einen schwarzen Menschen zu erheben. Die luftig-schaumige Süßspeise hieß halt so, weil sie einen schwarzen Überguß hatte. Das war alles. Oder kommt jemandem in den Sinn, wenn er in ein "Wienerle" beißt, das beste Stück eines Hauptstadtösterreichers zu vertilgen? Ich habe auch schon Nikoläuse verspeist und mir niemals Gedanken darüber gemacht, ob ich mich dabei über den heiligen Bischof von Myra profan lustig mache, wenn ich ihn in Einzelteile zerbreche.

Dominik Roth | Sa, 5. September 2020 - 12:20

Das ist keine Ignoranz, sondern Machtausübung.

Durch die Neugestaltung der Sprache, das Niederreißen von Statuen, das Verbieten von Kunstaufführungen usw. demonstriert die neue Linke ihren Einfluss in den westlichen Gesellschaften.

Nicht zu sehen, dass die angeblich wohlmeinenden Gründe nur vorgeschoben sind, das ist ignorant.

Holger Jürges | Sa, 5. September 2020 - 12:48

...nicht zum Treppenwitz der Geschichte wird,
muss dieser "Cultur" (wie antinomisch dieses Wort doch im Gesamtzusammenhang klingt) entschiedenerer als bisher entgegengetreten werden!
Lassen wir Adorno zu Wort kommen: "Wer denkt ist nicht wütend": Mir scheint, dass der ganze Wirrwarr um "Cancel Culture" eine burlesk anmutende Wutorgie ist - der Antagonist wäre somit die "Vernunft des Denkens".
Da Wut wiederum verwandt ist mit Hysterie, rundet sich das Bild dieser dekadenten Form einer Hexenverfolgung schlüssig ab. -
Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es sich bei dieser "Bewegung" nur um ein Aufflackern in den Meeren der menschlichen Dummheit handelt...

Maria Arenz | Sa, 5. September 2020 - 13:44

Verfolgt man britische Medien zu diesem Thema, wird zweierlei deutlich: 1.Die Briten sind uns Kontinentaleruropäeren auf dem Gebiet der "weißen" Selbstverleugnung schon ein gutes Stück voraus- was ARD/ZDF und die auf demselben Ticket reisenden Print-Medien anbetrifft, handelt e sich also keineswegs um ein Produkt "deutschen Schuldbewußtseins". Das Problem muß wohl eher mit der Sozialistation in Milieus zu tun haben, die ihren Sprösslingen schon seit Jahrzehnten keine "richtigen" Probleme mehr bieten können. Eben weil sie uns auf dem Gebiet mindestens 10 Jahre voraus sind, sieht man 2. auch schon besser die Richtung, wohin es geht. Nicht um Fairness, gleiche Startbedingungen etc. handelt es sich sondern um Niedermachen und Beseitigung der Zeugnisse unserer Kultur und unseres Selbstverständnisses. Man kann die Motivation dahinter "Sündenstolz" nennen, oder schlichte Dummheit, das Ergebnis wird niemand freuen und die Komplexe von BLM&Co gehen davon auch nicht weg.

Ich denke, es ist kein Zufall, dass gerade überwiegend protestantisch geprägte Länder von dieser Hysterie geprägt sind. Es gibt eine spezifisch protestantische Form des Sündenbewusstseins, man denke nur an Luthers Selbstzuschreibung als "Sündenhund", den Gott den "Gnadenknochen" zuwerfen wolle. Erlösung nicht durch fromme Werke bzw. durch Beichte, sondern durch das stete Bewusstsein des eigenen Elends, dass allein durch Gottes Gnade geheilt werden kann. Schweden z.B. als von Korrektheiten besonders betroffenes Land war bis weit ins 19. Jh. ein zutiefst repressives evangelisch-frommes Staatswesen. Das ganze hat sich nun natürlich geändert, wir erleben aber ein Fortleben quasi-religiöser Neurosen in säkularisierter Form. Der Inhalt hat sich durch Säkularisation gewandelt, das kollektive Gedächtnis hat aber das Zelebrieren der Sünde bewahrt.

Heidemarie Heim | Sa, 5. September 2020 - 14:50

Wer hat diese Prüfbehörde eigentlich legitimiert über in diesem Fall einer Mehrheit schon immer patriotischeren Briten den Stab zu brechen? Eine Beleidigung? Wenn es diese demnächst wohl Bücher verbrennenden Aktionisten nicht so verdammt ernst nehmen würden mit ihrer Mission, und auf der Moral-Klaviatur spielend
auf eine dies scheinbar tolerierende Mehrheitsgesellschaft stoßen würden, könnte man bestenfalls darüber schmunzeln. Jedoch langsam frage ich mich, warum man diese Inquisitoren nicht schon längst vom heimischen Hof gejagt hat. Was lassen sich Bürger,Autoren,Künstler usw. einer Nation noch alles bieten was die Zerstörung an Erinnerungen/ Kulturgüter ihrer oft genialen Vorfahren aus Musik/Bauwerk betrifft?
Beim IS in der Lehre gewesen? Gerade bei uns legt man doch Wert auf die Feststellung, dass auf Worte/Sprache/Pamphlete Taten folgen!
Und zwar oft extremistischer Natur! Da steht uns ja so einiges an"Säuberungsaktionen" ins Haus! Eckstein,Eckstein alles muss versteckt sein....!

Manfred Sonntag | Sa, 5. September 2020 - 16:00

Neuer Wind bei der BBC. Der neue Generaldirektor Tim Davie wird sie um ca. 20% verkleinern und persönliche Agenden der Journalisten sind dann nicht mehr erlaubt. Die Medienmacher sollen in Zukunft neutral sein und nicht mehr, meist linke, Parteilichkeit zeigen. Damit wird Cancel Culture im ÖR von GB der Vergangenheit angehören. Ich beneide die Briten um ihre Traditionspflege und den neuen Umgang mit der Hymne „Rule, Britannia!" bei der BBC ohne die ideologische Eiferer. Wir sind noch nicht so weit. In Germany wird die schwarz rot goldene Flagge von der Bundeskanzlerin noch in die Ecke gefledert, so wie 2013 nach der Bundestagswahl.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 5. September 2020 - 16:05

Sie schreiben, wäre beinahe dem Culture Wahnsinn geopfert worden. Offenbar haben sich die Briten aber ihrer Geschichte besonnen und dieses Spektakel nicht mitgemacht. Wir erleben zuhauf, wie ideenreich und geschichtsvergessen inzwischen die wenigen Spinner sind. Vor allem bringen sie damit auch die gesamte Bevölkerung gegen sich auf, die nicht bereit ist, eine ihrer wichtigsten Rituale aufzugeben. Wollen die demnächst die Königsfamilie meucheln, historische Gebäude abreißen und was noch alles? Das gute ist, das die Briten auf einer Insel leben, rund herum Wasser. Da können die jedenfalls in alle Richtungen diese Schwachköpfe ins Meer zum Duschen und klaren Kopf bekommen jagen.
Die Briten sind ein stolzes und freiheitsliebendes Volk, das sieht man jetzt wieder am EU-Austritt. Sie zu versuchen zu entwurzeln, wegen eines Liedes, dass ihnen die Freiheit seit mehreren Hundertjahren musikalisch immer wieder ins Gedächtnis ruft zeigt, wir brauchen einen Impfstoff gegen Cancel Culture.

Bernd Muhlack | Sa, 5. September 2020 - 17:13

Dieser Tage haben "Aktivisten" der Organisation Extinction Rebellion vor mehren Druckereien von Zeitungsverlagen in England demonstriert.
Sie errichten Barrikaden (umweltbewusst aus Bambus) und ketteten sich an LKWs.
Das ist diese sehr radikale Truppe welcher auch die Kapiteuse Carola Rackete angehört - die "Seenotretterin" eigener Gnaden.
Ziel: man wolle verhindern, dass die Bevölkerung durch diese Zeitungen "falsch" informiert wird.

Und was "richtige" Informationen sind, legen natürlich diese "Aktivisten" fest.
Ich bezweifle sehr stark, dass bei dieser Aktion "Rule Britannia" angestimmt wurde; eher "We shall overcome" reloaded.

Ja, die Moralpolizei ist unerbittlich im Einsatz, Commander PC mit der Lizenz zum finalen Entsorgen.

Das ist jedoch kein britisches Alleinstellungsmerkmal, wie jeder weiß.
Bei UNS kommt erschwerend hinzu, dass WIR Deutschen sowieso an allem Übel der Welt schuldig sind. Asche auf unser Haupt und alles Geld verteilen!

24.08.1572 - Bartholomäusnacht reloaded.

Fritz Elvers | Sa, 5. September 2020 - 18:46

ein Zeichen von Wohlstand, wenn man sonst keine Probleme hat.

Unschlagbar ist jedoch "Land of Hope and Glory" , vorgetragen von Vera Lynn. Das würde jedem AfDler die Tränen in die Augen treiben, aber leider, die falsche Geschichte.

Mal wieder eine gute Geschichtsstunde aus der Grauzone,

Urban Will | Sa, 5. September 2020 - 22:56

noch setzen: Arroganz, Naivität, ein ins Chauvinistische driftendes Überlegenheitsgefühl und man hat eine passende Charakterisierung dieser Cancel – Culture – Jünger.

Man muss immer wieder gegen sie anschreiben, so wie Sie hier, Herr Grau und andere.
Gerade im Cicero darf man immer wieder hervorragende Artikel zu diesem Thema lesen.

Gut so.

Dass die es nicht so haben mit der Freiheit liegt wohl daran, dass sie anscheinend nichts mehr damit anfangen können. Lieber buckeln vor dem Zeitgeist.

Dass sie zudem nicht diskutieren können und dies auch nicht wollen, sieht man daran, dass immer der gleiche Sermon aus ihnen heraus quillt.
Auch hier im Forum bekommt man das immer wieder zu hören.

Wer nicht auf ihrer Seite ist, ist „rechts“ mit allen Auslegern, die dieser Begriff zu bieten hat.
Dümmer geht es zwar nimmer, aber noch immer scheinen sie zu glauben, damit noch jemanden beeindrucken zu können.

Jens Böhme | Sa, 5. September 2020 - 23:26

Der klassische Islamismus erlebt Hochkonjunktur, während in der alten Welt Denkmäler, Lieder und Rituale geschleift werden. Das mag aus europäischer Sicht liberal und fortschrittlich aussehen, wird aber den bedrohlichen Islamismus in keiner Weise abschrecken, in Europa sich festzusetzen. Schon im real existierenden Sozialismus war das "wir sind alle gleich" eine hohle Phrase. Die - zig Tausende von Gastarbeitern aus allen Ländern der Erde wurden staatlich abgeschottet, man hatte nur auf Arbeit mit ihnen Kontakt. Deren Kultur und Lebensweise waren keineswegs in der DDR öffentlich geduldet. Schon die Sozialisten wussten, dass ein Volk eine eigene Identität brauchte, um zusammen gehalten zu werden.