Rammstein im Interview - „Mexiko oder Bernau, das ist doch egal“

Harter Rock und schillernde Texte haben Rammstein zur erfolgreichsten und international bekanntesten deutschen Band gemacht. Ein Gespräch mit Keyboarder Flake über Corona, die DDR, Freiheit und den Tod.

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„Immer hat jemand Geburtstag“: Christian „Flake“ Lorenz / dpa

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ und „Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss“.

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Alexander Kissler

Zwischen Wien und Mexiko liegt Summt. Hier lebt der Keyboarder von Deutschlands erfolgreichster Musikband Rammstein, hierher zieht Christian Lorenz, genannt Flake, sich zurück, wenn die Stadien Pause haben. Ob und wann das Konzert in Mexiko stattfinden wird, steht in den Sternen. Flake nimmt die Corona-Pause gleichmütig hin. Summt, Teil der Brandenburger Gemeinde Mühlenbecker Land vor den Toren Berlins, passt zu dem introvertierten Musiker, der auf der Bühne einen hyperaktiven Tastenderwisch gibt. In Summt regnet es, als wir uns treffen. Schwarze Wolken ziehen über dem nahe gelegenen Friedwald auf. Wir setzen uns unter einen Baum, Flakes Garage im Rücken. Dort bastelt er Katzen aus Holz. 

Als ich jetzt noch einmal „Heute hat die Welt Geburtstag“ las, Ihren autobiografisch geprägten Roman von 2017, fiel mir auf, dass es ein Buch über die Zeit ist. Die Zeit, heißt es darin, sei das „Wertvollste, was ein Mensch hat“. Leider strecke sie sich „meistens in unangenehmen Situationen“. Wie erleben Sie die coronabedingt freie Zeit?
Flake: Ich fühle mich gerade wie ein Kind, das allein in einem Kaufhaus eingesperrt ist und herumstöbert. Man darf sich nichts nehmen, aber man darf da sein. Die Vorstellung, die Zeit anhalten zu können, hat mich schon immer fasziniert. Es ist wie der Traum vom Fliegen ein Urwunsch des Menschen, ein Urinstinkt geradezu. Leben ist Zeit, und weil das Leben verrinnt, ist es die logische Folge, dass man die Zeit anhalten will. Alt werden, sterben: Wer will das schon?

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Dr. Roland Mock | Fr, 12. Juni 2020 - 11:20

Flake ist schon immer eine rote Socke gewesen. Sein Kollege Lindemann nannte ihn mal eine „Ostzecke“. Aber wenigstens ist er ehrlich. Kein Typ, der andere angeschissen hat. Daß er den Wehrdienst in der DDR verweigert hatte, imponiert mir. Auch wenn er sagte, er habe das aus Angst getan: Dazu gehörte Mut.

Rainer Mrochen | Fr, 12. Juni 2020 - 11:31

... in unserer Hypermedial aufgepumpten Zeit ein wunderbar, bodenständiger Interviewter.
Geistige Reife erkennt man, im Erkennen des sich selbst. Selbstverständlich eine Frage der Reifung,
im älter werden, hoffentlich.

Milan Chudaske | Fr, 12. Juni 2020 - 13:42

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust: Als Rammstein-Fan mag ich die Band als solches, da sie trotz idiotischer Vorwürfe (rechtes Image, blabla) immer ihren Weg gegangen ist. Auf der anderen Seite ist Flakes Rumgeschwurbel zu Marx' Geburtstag (wo wir ja gerade über erinnerungswürdige Deutsche und welche, die von den Sockeln müssen, reden) und das nonchalante Hinweggehen durch den Interviewer immer der Moment, wo man rufen möchte: Halt's Maul und mach vernünftige Mucke.