CSD Berlin
Besucher des CSD in Berlin / picture alliance / SZ Photo | Robert Kluba

Progress Pride statt Regenbogen - Vom schwulen Außenseiter zur queeren Hegemonie

Die queere Bewegung dominiert heute Diskurs und Symbolik – doch der schwule Mann verliert darin zunehmend an Profil. Wie konnte aus dem schwulen Außenseiter ein konformer Teil einer identitären Zivilreligion werden?

Nico Hoppe

Autoreninfo

Nico Hoppe ist freier Autor aus Leipzig und beschäftigt sich in seinen Texten mit aktuellen Kulturphänomenen und Gegenwartskritik. Auf X ist er unter @nihops zu finden.

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Seit einigen Jahren wird die traditionelle Regenbogenflagge von der sogenannten Progress Pride Flag abgelöst: Mit zusätzlichen weißen, pinken und hellblauen Streifen sollen Transsexuelle gesondert sichtbar gemacht werden; braun steht für die Gruppe der „People of Colour“ und schwarz für die Erinnerung an die seit den Achtzigerjahren rund 44 Millionen AIDS-Toten. Die genaue Bedeutung spielt aber eigentlich so gut wie keine Rolle, weil jedem klar ist, welche Werte die Regenbogenflagge transportieren soll: Toleranz, Inklusion und Respekt für die „queere Community“. 

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Markus Michaelis | Do., 4. Dezember 2025 - 18:09

Als Konstante in der ganzen Dynamik würde ich sehen, dass gesellschaftliche Gruppen darum kämpfen, dass alle anderen gesellschaftlichen Gruppen bestimmte Unterwerfungsgesten tätigen, damit man sich selber ein wenig besser und sicherer fühlt. So versuchte man um 1900 die öffentlichen Huldigungen für Vaterland und Kaiser oder die Verbeugung vor dem Dr-Geheim-Hof-Irgendwas-Rat als verpflichtend durchzusetzen. Heute sind es andere Gruppen, manchmal auch nur andere Themen der letztlich selben Gruppen, aber früher wie heute braucht man die öffentlich durchgesetzten Normen, um nicht erschüttert zu werden.

Brigitte Miller | Fr., 5. Dezember 2025 - 08:24

eine interessante kulturelle Betrachtung, dass die LGBTQ+-Religion alles überrollt und die Errungenschaften der Homosexuellen zu zerstören droht.
Aber ist es wirklich nötig, dass es ein öffentliches Intersse an
" spezifisch schwuler Sexualität gibt" und überhaupt an "Sichtbarkeit sexueller Vielfalt"?
Fast wünscht man sich das viktorianische Zeitalter zurück.
(nur fast)
Das Ziel muss doch einfach Gleichberechtigung aller Lebensformen sein, was darüber hinaus geht, ist übergriffige Belästigung des Bürgers.

Ernst-Günther Konrad | Fr., 5. Dezember 2025 - 09:38

Ja, es brauchte seine Zeit, bis auch in der Gesellschaft größtenteils akzeptiert wurde, das gleichgeschlechtliche Liebe Beachtung und Akzeptanz fand. Nur stellen Sie zurecht fest, hat schwules Leben mit diesem *queeren* Unsinn nichts, aber auch gar nichts zu tun. Inzwischen sind schwule völlig normal und lassen sich dennoch so vereinnahmen in diesen queeren Mist. Wie gesagt, ich verstehe es nicht.

Ralf Straube | Fr., 5. Dezember 2025 - 11:14

Braucht es diesen Kampf tatsächlich? Und ja: Ich habe den Eindruck, dass wir da schonmal viel weiter waren.
Mich jedenfalls interessiert die "sexuelle Vielfalt" meiner Mitmenschen in keinster Weise - und ich will die auch nicht dauernd aufs Auge gedrückt bekommen.
Es wird geradezu ein Hype darum veranstaltet, wer mit wem und warum in die Kiste steigt. Würde man das nicht dauernd betonen und wie eine Monstranz vor sich hertragen, gäbe es viel weniger der (angenommenen) Diskriminierung dieser Menschen...

Sebastian Habel | Fr., 5. Dezember 2025 - 15:15

Wenn alle vermeintlich oder wirklich unterdrückten Minderheiten einen Platz auf der Progress Pride Flag haben: Gilt das auch für Juden? Oder gelten die als "weiß gelesen"?

Wolfgang Dubbel | Fr., 5. Dezember 2025 - 15:40

Es ist ja noch nicht mal den NS eingefallen, sich ein Dutzend und mehr Geschlechter vorzustellen, und jedem der nicht ganz normal ist, ein eigenes zuzuweisen.