Senioren in einem Pflegeheim
Geben und Nehmen: Bewohner eines Altenheims / dpa

Ukraine-Krieg und demografischer Wandel - Pro allgemeine Dienstpflicht: Einer für alle und alle für einen

In Deutschland wird über die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht diskutiert. Eine Idee, die richtig ist, weil es eben genau nicht darum geht, jungen Menschen ein Jahr ihres Lebens zu stehlen, sondern den Begriff der Solidargemeinschaft wieder mit Leben zu füllen. Mit symbolischen Gesten allein lassen sich der Pflegenotstand nämlich nicht abmildern und Land und Leute auch nicht verteidigen. Hinzu kommt: Wer heute hilft, könnte bald schon zu jenen gehören, die selbst Hilfe brauchen.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero. Er studierte Journalistik und lebt in München.

So erreichen Sie Ben Krischke:

Hier argumentiert Cicero-Redakteur Ben Krischke für eine allgemeine Dienstpflicht. Zeitnah folgt ein Kontra-Beitrag an gleicher Stelle.

Es gibt Momente, die brennen sich ein ins Gedächtnis und begleiten einen ein Leben lang. Einer dieser Momente ist ein kurzer Dialog, den ich im zarten Alter von 19 Jahren führte. Wie jede zweite Woche zu dieser Zeit, nahm ich morgens die Trambahn aus der Augsburger Innenstadt gen Osten, stieg aus, lief die letzten Meter den Berg hoch und eine schöne Allee entlang, um kurz darauf meinen täglichen Dienst in jener psychiatrischen Einrichtung anzutreten, für die ich mich als Praktikumsstelle entschieden hatte.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Gerhard Lenz | Di, 14. Juni 2022 - 11:40

Mal wieder ein deutscher Sonderweg! Und die Älteren, die es gar nicht mehr betrifft, sind fix zur Stelle, mit besonders schlauen Kommentaren: Ein verpflichtendes (Zwangs-)Dienstjahr könne ja nur charakterbildend, im Sinne der Solidargesellschaft sein.

Seltsamerweise gibt es Länder - und das sind die meisten in Europa - da wurde die Wehrpflicht bereits wesentlich früher abgeschafft (und nicht nur "ausgesetzt"). Da gibt es keinerlei Ersatzdienst, kein ein soziales Dienstjahr, oder ähnliche Formen von billigster Beschäftigung. Denn darauf läuft es ja letztendlich hinaus. Und mir kann keiner erzählen, dass die jungen Menschen in diesen Ländern allesamt gewissenlose "Charakterschweine" geworden sind - nur weil sie nicht ein Jahr für Volk und Vaterland geopfert haben.

Seien wir doch mal ehrlich: Deutschland schafft es nicht, für genügend Beschäftigung im sozialen Bereich zu sorgen, die Zahl der Berufssoldaten bleibt hinter den Erwartungen zurück....und jetzt muss eben wieder Zwang her

Ihr Kommentar passt zu einer kommunistischen / sozialistischen Einstellung. Gerne nehmen diese aus Neid den „Reichen“, auch wenn diese dafür viele Stunden (und ggf. Entbehrungen, z. B. während des Studiums) aufgebracht haben. Wenn es aber darum geht, selbst etwas im Rahmen der Möglichkeiten für die Allgemeinheit zu tun, dann wird gekniffen. Wir leben schließlich in einer Wohlfühlgesellschaft, in der der Staat für alles aufkommen soll.
Ist es nicht auch diese Klientel, die nach der Impfpflicht ruft, die Pfleger in die Arbeitslosigkeit treibt und dann deren Mangel beklagt? Die glaubt, mit mehr Geld kann man alles attraktiv machen, auch den härtesten oder schmutzigsten Job?
Manchem, auch unserer Abgeordneten, täte es gut, einmal gemeinsam mit hart arbeitenden Menschen „Dienst“ zu tun, um auch deren Leistung wertzuschätzen. Wer das rundheraus ablehnt, der lehnt auch seinen Beitrag zur Solidargemeinschaft ab, will nur davon partizipieren. Dabei könnten junge Menschen auch fürs Leben lernen.

Kommunistisch-Sozialistisch? Sie sind aber in Ihren Schlussfolgerungen ganz schön in die Irre gelaufen! Charakterbildende Dienste für die Volksgemeinschaft oder Arbeitseinsätze zum Nutzen der Gemeinschaft, wie sie offensichtlich Ihnen und anderen Foristen vorschweben, sind wohl eher aus autoritären Staaten bekannt.
Oder wollen Sie allen ernstes Länder wie Großbritannien, Frankreich, Niederlande kommunistische Züge vorwerfen, weil sie weder Wehrdienst noch Ersatzdienst kennen? Absurder geht es wohl kaum.
Sie finden, unsere eigenen Kinder sollten dafür "zahlen", dass sie in relativem Wohlstand von unserem gut ausgebauten Bildungssystem profitieren? Fachkräfte im Gesundheitssystem, die man nicht findet, weil sie mies bezahlt würden, durch billige junge Menschen ersetzen? Prima. Erinnert tatsächlich an gewisse Zeiten.
Sie möchten den "Arbeitsdienst" auf Abgeordnete ausweiten? Warum nicht ein "Sozialdienst für alle Deutschen, einschl. uns Alte?" .

Besser, als am PC die Welt aufzuklären

Wie aus Ihrem Kommentar zu lesen ist, werter Herr Lenz, scheinen Sie an Ihre
18 Monate Wehrdienst keine guten Erinnerungen zu haben. Das schmerzt mich.

Mein Mann, fast die gesamt Klasse, absolvierten diesen nach dem Abitur. Für
sie selbstverständlich. Für sie galt Kennedys "Frage nicht was dein Land für
dich tun kann, frage was du für dein Land tun kannst".

Heute leben wir in einem grünen verweichlichten Deutschland mit der Maxime,
ich tue nichts für mein Land, ich fordere mein Harz IV ohne Nachweis und Lust, dafür zu arbeiten. Sozialen Dienst zu leisten ist Freiheitsberaubung o.ä.

"Seltsamerweise gibt es Länder... da wurde der Wehrdienst abgeschafft". Für Sie richtig. Lesen Sie 2 Artikel vom Deutschlandfunk "Warum Frauen dem Vaterland dienen müssen". "Wehrpflicht in Norwegen-Rekrut*in n e n rücken in Kasernen ein".Die ersten weiblichen Wehrpflichtigen in Norwegen bereiten sich noch auf ihr Abitur. "Sie freuen sich auf den W. Das ist für sie einfach Teil der Gleichbe-rechtigung

Frauen können in europäischen Ländern in der Regel freiwillig bei der Armee arbeiten. Norwegen führte die geschlechterneutrale Wehr-P f l i c h t ein. Auch Frauen müssen zum Militär. Bei den Frauen sehen wir immer Beisterung am Wehrdienst sagt Norwegens Verteidigungsministerin Ine Eriksen Soereide.
Wir haben die Wehrpflicht für Frauen vor allem deshalb eingeführt, weil wir bei Streitkräften nicht weiter auf die Kompetenz der Frauen wollten, die ja die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.

Ob Männer oder Frauen. Wir sehen die Erweiterung als einen besseren Zugang zur Kompetenz bei den Streitkräften. Bildung. Realität und Vorbereitung für ihre Zukunft.

Bewußt schrieb ich von den Soldatinnen. In Deutschland wäre der Teufel los.
Es könnten sich die Feministinnen mit Schrotflinten, von Frau Lambrecht Stahl-
helme fordern und mit Begeisterung vor ihr strammstehen ganz im übrigge-bliebenen grünen Pazifismus.

Marius König | Di, 14. Juni 2022 - 12:08

Ich möchte Ihnen eigentlich nur kurz zustimmen.
Bei all den Freiheiten und dem hochgepriesenen Individualismus -was alles in Ordnung geht- sollten wir nicht vergessen das wir gemeinsam in einer Gesellschaft leben und auch alle davon profitieren. Also sollten sich auch alle beteiligen. Ob alt oder jung.

Robert Hausdorf | Di, 14. Juni 2022 - 12:44

Ich stimme uneingeschränkt zu. Ich gehörte als einer der letzten zu denjenigen, die noch zur sogenannten Nationalen Volksarmee eingezogen wurden, ein sinnloser Dienst für einen Staat, den ich haßte, trotzdem eine Zeit, die ich auf keinen Fall missen wollte, sehr unangenehm und voller wertvollster Erfahrungen. In der Coronazeit war ich mit über 50 ein paar Wochen mit Kollegen des Ordnungsamtes auf der Straße, statt in meinem völlig anders gearteten und äußerst privilegierten Beruf zu arbeiten, wieder eine unschätzbare Erfahrung, nicht, weil es so viel Spaß gemacht hätte, sondern weil Dinge für mich sichtbar wurden, die ich sonst kaum wahrnehmen würde.
Es ist nicht nur unschädlich, es läßt den Menschen wachsen, etwas für die Gemeinschaft zu tun und Erfahrungen zu machen, die ihm sonst verschlossen blieben.
Die Notwendigkeit, Leute in Reserve zu haben, die das Land im Ernstfall verteidigen können, halte ich ohnehin und unbelehrbar für gegeben.

M. Bernstein | Di, 14. Juni 2022 - 12:49

Man kann sich all den Argumemnten, die im Artikel genannt sind anschliessen. Die Frage ist aber ob es nicht schon genügend Angebote gibt, wie eben den Bundesfreiwilligendienst, das freiwillige soziale oder auch ökologische Jahr.
Eine allgemeine Dienstpflicht bedeutet, dass dafür eine Infrastruktur zu schaffen ist und jeder einen Platz bekommen muss. Der Charm des freiwilligen Dienstes ist es ja gerade, dass eine aktive Suche junger Menschen ist, die sich dann auch entsprechend einbringen.
Wer will denn alle die unmotivierten, unorganisierten, unzuverlässigen Pflichtdienstler haben? Aus meiner Sicht geht es sowieso weniger um eine allgemeine Dienstpflicht als um eine allgemeine Wehrpflicht, die man hier motivieren will, weil man es nicht geschafft hat eine schlagkräftige Armee an sich zu schaffen und der Ukraine-Konflikt die Notwendigkeit einer Armee vor Augen führt.

Gunther Freiherr von Künsberg | Di, 14. Juni 2022 - 13:04

J.F Kennedy hat mit einem einzigen Satz beschrieben, dass der Staatsbürger auch Pflichten gegenüber seinem Land hat. Er sagte sinngemäß, du sollst nicht fragen was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst. Dieser absolut richtige Satz wird von den Gegnern der allgemeinen Dienstpflicht missachtet und mit Worten wie Zwangsarbeit vorsätzlich diskreditiert.
Dass diese Tätigkeit als Soldat, bei der Feuerwehr, beim THW oder in der Pflege nicht vollständig unentgeltlich sein darf versteht sich von selbst. Sie schafft aber einen gerechten nicht nur Generationsausgleich, sondern auch eine Gleichbehandlung der Geschlechter. Darüber hinaus hat eine solche Dienstpflicht auch einen wichtigen Effekt. Jeder von der Dienstpflicht Betroffene ist gezwungen sich mit Menschen zu arrangieren, der sonst nie kennengelernt hätte, mit anderen Generationen, denen er sonst ferngeblieben wäre und mit Pflichten, deren Existenz er vorher noch nicht einmal erahnt hätte

hans zimmer | Di, 14. Juni 2022 - 13:09

"... Warum bin ich dafür? Nicht, weil ich jungen Menschen ein Jahr ihres Lebens stehlen möchte, sondern, um ihnen unter anderem ein Jahr voller Erfahrungen zu schenken ..."

Schenken durch stehlen? - Sie sollten in die Politik wechseln Herr Krischke - oder die Grünen wählen :)))

Christa Wallau | Di, 14. Juni 2022 - 13:11

leuchten mir ein.
So wie wir alle Steuern zahlen müssen (ab einem bestimmten Lohn), so sollten wir Bürger auch praktisch einen Dienst an der Gesellschaft leisten, von deren Solidarität wir letztlich alle profitieren.
Praktische Arbeit und der Blick in eine andere Lebenswirklichkeit haben noch keinem jungen Menschen jemals geschadet: Im Gegenteil!
Sie haben vielen die Augen geöffnet für die Situation von anderen Leuten, die sie vorher nicht "auf dem Schirm" hatten.
Dabei darf kein Frei-Kauf von einem sozialen Jahr möglich sein! Für niemand! Natürlich gibt es stichhaltige Gründe für Kranke, Behinderte usw. Aber ansonsten sollte j e d e r ein Jahr seines Lebens damit zubringen, der Gesellschaft, die ihn trägt, seinen speziellen Dienst zu erweisen.
Wer dies bei der Bundeswehr tun möchte, kann natürlich seine Pflicht dort ableisten. Vielleicht entschließt er sich danach, ganz bei der BW zu bleiben. Das wäre ein positiver Nebeneffekt, falls es bei der Freiwilligen-Armee bleiben sollte.

gabriele bondzio | Di, 14. Juni 2022 - 13:12

Das würde ich auch unterstützen im Bereich der Pflege.
Da ist wirklich Not am Mann...und Frau.

Natürlich ist es auch nicht Jedermanns Sache und Jeden kann man auch nicht auf die alten Leutchen loslassen.
Aber es gibt ja noch viele andere allgemein-nützliche Arbeiten im Lande zu erledigen.
In Kita´s beispielsweise, ist auch den Notstand groß.

„Gute Arbeit gibt einem ein gutes Gefühl, besonders gute Arbeit ein besonders gutes Gefühl." ( Mark Sanborn)

Rainer Mrochen | Di, 14. Juni 2022 - 14:29

... davon hält? Schliesslich wollte die ja ihre Freiheit zurück, weil sie so sehr unter einer selbst gestrickten Pandemie gelitten hat. Oho, ich erinnere mich was ich mit 21 Lebensjahren getan habe. Wehrdienst geleistet. Hier kommt die ganze Perfidität des Systems "Demokratie" zum Ausdruck. Absolute Individualität, persönliches Glück und Wohlergehen sind die Maxime dieser "besonderen" Generation. Gemeinschaftssinn, bestenfalls im Kollektiv eines paternalistisch operierenden Staates.
Aber auch nur dann, wenn für mich (Abgeordnete) das Beste dabei heraus kommt.
Die Zeiten ändern sich, keine Frage. Allerdings muß es erlaubt sein zu fragen wo lediglich situativ, ideologisch verblendet gehandelt wird oder eben langfristig, unideologisch, vorausschauend? Ich denke ein Pflichteinsatz junger Menschen sollte zwingend sein. Ansonsten bleiben sie nur frühzeitig verwendbare Verwertungsobjekte einer kapitalistischen Industrie. Komische Zeiten?

Joachim Kopic | Di, 14. Juni 2022 - 15:15

... vielleicht, um den "Saustall", den manche täglich hinterlassen, aufzuräumen/zu säubern.
Merke: Wenn der Staat sich verkalkuliert, müssen es in erster Linie nicht die Verursacher, sondern die BürgerInnen (die zuverlässig sind) ausbaden. Jahrzehntelange Erfahrung - leider!

Achim de Jong | Di, 14. Juni 2022 - 17:06

Ich hätte da einen Gegenvorschlag zu machen. Jede(r) der auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist, ist automatisch angestellt bei soziale Dienste Deutschland. Diese Organisation gleicht in gewisser Weise der Heilsarmee und ist, zumindest was Uniform und Organisation betrifft, militärisch aufgebaut.
Und so bekommt jeder Mitarbeiter einen Dienstgrad und eine Aufgabe und ein Gehalt und muss dafür Leistungen erbringen.
Diese Leistungen entsprechen dem, was früher die Zivis erbracht haben, kann aber auch höherqualifiziert sein.

Wolfgang Borchardt | Di, 14. Juni 2022 - 20:32

.. dass ihr Zeit gestohlen wird. Deshalb muss es gleich zum Studium gehen, Berufdausbildung ist verlorene Zeit. Denkste! Wer praktische Erfahrungen Erfahrungen mitbringt, hat es nicht nur im Studium leichter, obendrein an Reife gewonnen ( für mich als HS-Lehrer war es den Studierenden sofort anzusehen), die besseren Berufschancen und eigentlich zehrt man das gesamte Berufsleben. Und selbst eine ungeliebte Dienstpflicht ist keine verlorene Zeit, sondern eine, die wertvolle Erfahrungen in (hoffentlich) sinnvoller Tätigkeit vermittelt und etwas von persönlichen Befindlichkeiten ablenkt. Das ist keine Freiheitsberaubung. Wer Rechte hat, hat auch Pflichten. Meine eigene Dienstzeit in der NVA - noch ganz preußisch - war nicht nur schlecht, sie hat Erfahrungen mit Menschen und Menschenführung vrrmittelt, die ich später (!) als sehr wertvoll erachtet habe. "Eingriff in die Freheit"? Dann wäre demnächst noch die Schulpflicht infrage zu stellen. "Das Gesetz nur kann uns Freiheit geben" Goethe

Ernst-Günther Konrad | Mi, 15. Juni 2022 - 10:28

Ich stimme Ihnen ja völlig zu Herr Krischke. So etwas ließe sich leicht gesetzlich durchdrücken. Nur frage ich mich, für wen sollten diese Jugendlichen das tun? Eine Dienstpflicht nimmt den Staat in einigen Bereichen aus der Verantwortung. Überall dort, wo Personal fehlt werden diese Dienstverpflichteten dann als "Notnagel" eingesetzt und im Bereich von Menschenkontakten mit einer Impfpflicht versehen. Können dann auch Ungeimpfte im Altenheim arbeiten oder in der BW dienen?
Lauterbach modelliert schon wieder ein Sommer Virus, Pfleger in allen Bereichen verlassen den Beruf wegen der Impfpflicht, das können auch keine noch so motivierten Dienstverpflichtenden auffangen. Diese werden politisch als Alibihilfen für den Personalnotstand verkauft. Wer will zu einer BW, die ihre Menschen nicht richtig besoldet, ausrüstet, schützt, die für dieses Land einstehen sollen und die sicher vorher gesinnungstechnisch durchleuchtet werden. Ja, die Idee ist richtig, aber was daraus gemacht wird nicht.

Udo Dreisörner | Do, 16. Juni 2022 - 09:38

Die Dienstpflicht wird oft einseitig gesehen. Mal nur aus der Perspektive des billigen Personalersatzes, mal nur aus der Sicht des Diebstahls einer Lebenszeit. Aus meinem Jahrgang kenne ich niemanden der sich beraubt fühlt, egal welcher Dienst gemacht wurde. Da ist alles dabei von Bundeswehr, THW, Feuerwehr, Caritas, kirchlicher Dienst und eben Zivildienst in verschiedensten Einrichtungen. Jeder hat für sich etwas mitnehmen können für sein Leben. Dazu gehören auch Negativerfahrungen aus denen man gelernt hat. Mein Dienst war 20 Monate lang, 10 Monate Krankenhaus und 10 Monate Altersheim. In dieser Zeit habe ich soviel für's Leben gelernt. Ganz besonders den Blick dafür daß das Meiste hier nicht selbstverständlich ist. Gemeinschaft und Verlässlichkeit standen ganz oben auf dem Lehrplan. Als Person der Verweigerungsgruppe 2 musste ich zur mündlichen Gewissensprüfung und ich bin heute noch sehr froh das ich diese Prozedur durchgemacht habe. Anstand, Respekt und Disziplin tät einigen gut.

Udo Dreisörner | Do, 16. Juni 2022 - 09:53

Jeder der Kommentare hier hat seine Richtigkeit. Ganz besonders der Vorwurf das der Staat nun versucht billige Arbeitskräfte zu bekommen für Wehr- und Sozialdienst. Das ist das Beschäm ne da aus Krankenhäusern Wirtschaftsbetriebe gemacht wurden. Aber auch schon Ende.der 80er Jahre war Personal knapp. Ich wundere mich immer wieder wofür sehr viel Geld vom Staat rausgehauen wird und wofür es sinnvoller eingesetzt werden könnte. Cum-ex, Wirecard setzen noch einen drauf. PKW Maut auch. Unfassbar was an Geld vernichtet wird ohne Konsequenzen für die Verursacher. Dieses Geld fehlt doch gerade in den Pflegeberufen um anständig bezahlen zu können.