Szene
Szene aus „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ / picture alliance / Sammlung Richter | -

Privileg und Progressivität - Szenen linker Lebensart

Auf einer lauschigen Sommerterrasse, Blick auf irgendeinen romantisch besungenen Flusslauf, lässt sich bei einem kühlen Apéro vortrefflich über die verfahrene Weltlage schwadronieren. Hauptsache, man bleibt von ihr verschont.

Pietzcker

Autoreninfo

Dr. phil. Dominik Pietzcker studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik in Freiburg i. Br., Dublin und Wien. Bis 2011 in leitender Funktion in der Kommunikationsbranche, u.a. für die Vereinten Nationen, die Europäische Kommission und diverse Bundesministerien. 2012 Professur für Kommunikation an der Macromedia University of Applied Sciences, Hamburg. Seit März 2026 Magnolia Professur an der Shanghai International Studies University. Zahlreiche Veröffentlichungen zu interkulturellen und wirtschaftssoziologischen Themen. 

So erreichen Sie Dominik Pietzcker:

Mit Oliven und Anchovis schmeckt der Vermouth auf Eis besonders herb. Während in der Küche der Lammbraten mit Rosmarin schmort, versammelt sich die kleine Gesellschaft aus Ärzten und Juristen, Universitätsprofessorinnen und Pastorinnen, Ministerialbeamten und Stiftungsräten um den Jubilar. Ein Boomer wird sechzig. Als Projektkoordinator für Westafrika unermüdlich in Diensten des universalen Menschheitsfortschritts unterwegs, verbindet er gekonnt den runden Geburtstag mit der verdienten Frühpensionierung. 

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Sebastian Habel | Di., 5. August 2025 - 11:23

Herr Pietzcker, Sie haben bei der Beschreibung dieses Abendessens wirklich kein Detail und Stilmittel ausgelassen, dass mir den Mageninhalt den Hals hochzutreiben vermag. Überheblichkeit, Gönnerhaftigkeit, Doppelmoral usw. Während des Lesens malte ich mir die Teilnehmer der Runde aus, und sie sahen alle aus, wie die Sauce-Bernaise-gesichtigen Mitglieder des Graichen- Kellner-Habeckclans. Grauslich! Bleibt nur zu hoffen, dass die moldawische Haushaltshilfe, solange noch Kohle da ist, der feinen Gesellschaft die Bude leerräumt und sich aus dem Staub macht, bevor klar wird, dass der nachhaltige ETF doch nicht so viel abwirft, wie man sich zuvor eingeredet hatte.

Karl-Heinz Weiß | Di., 5. August 2025 - 11:44

Die im Bild gezeigte Filmszene von Anfang der 70er Jahre kann weiterhin als "aktuell " durchgehen, nun mit MP Winfried Kretschmann als angehendem Rentner. Im Autoländle BW liefen die Wähler seinerzeit scharenweise zu ihm über. Bestens bezahlte Jobs und Geringschätzung des Automobils - aus der Traum. Und plötzlich werden ostdeutsche Landtagswahlergebnisse nachvollziehbarer. Bei den Folgewirkungen von Umbrüchen sind die Bewohner der neuen Bundesländer weiter. Noch!

Thomas Veit | Mi., 6. August 2025 - 11:12

Antwort auf von Karl-Heinz Weiß

nachvollziehbarer." - meine Rede, s.u.

Der Osten ist einfach schon eine Stufe weiter..., weil er jene hier geschilderte - alt 68er an der gesellschaftlichen Macht - im Wesentlichen ausgelassen hat bzw. musste...

Die bundesweite Wahllandkarte zeigt es... 🤔

Ernst-Günther Konrad | Di., 5. August 2025 - 12:01

Das könnte die einleitende Geschichte zu einem Krimi sein, dessen Vorgeschichte sie hier erzählen, um dann, die einzelnen Personen und Charaktere in der Vordergrund rückend, aus ihrer Mitte heraus eine "Leiche" zu generieren, an der entlang sich die Geheimnisse all dieser Menschen, die da bei ihnen zusammen gekommen sind Herr Pietzcker, locker und flauschig, dann aber unaufhaltsam ehrlich und unnachgiebig, deren Vergangenheit offenlegend, zu einer Gruppe werden läßt, die sich am Ende des Tages alle selbst verdächtigen und beschuldigen werden, Täter zu sein. Und am Ende dieser Geschichte, wenn alle Personen auserzählt sind, rückt die "Leiche" in den Mittelpunkt. Und schnell wird man erkennen. Nein, es ist gar kein einzelner Mensch, sondern es ist ein ganzes Volk, das die liberale Demokratie zu Grabe getragen hat und es erst merkt, als es zu spät ist. Sie sehen Herr Pietzcker, es ließe sich aufbauend auf ihren Artikel noch vieles ausschmücken, weiter erzählen oder phantasieren. Danke.

Dr. Michael Bauer | Di., 5. August 2025 - 12:17

Ein persönlicher Erlebnisbericht, eine Filmrezension? Bin etwas ratlos..

Rainer Mrochen | Di., 5. August 2025 - 14:17

Antwort auf von Dr. Michael Bauer

Mir scheint Herr Pietzcker, in diesem Fall, ein echter Genussmensch zu sein. Vor allem bei der Zerlegung selbstreferentieller Gutmenschen Narrative linker Szene-Eiferer. Der Nachtisch zu diesem 3-Gänge Menü wird am Schluss geliefert: "Momentan sieht es allerdings so aus,... Sobald das Sedativum aus Sportberichterstattung und billigem Entertainment seine Breitenwirkung verliert, heißt es: bye, bye, liberale Demokratie." Wenn das nicht ein Festmahl ist?!

Thomas Veit | Mi., 6. August 2025 - 08:42

Antwort auf von Dr. Michael Bauer

Entwicklung werden hier seziert, mMn nach.

Das ist es, Herr Dr. Bauer. Eine Filmrezension der (alt-) bundesdeutschen Gesellschaftsentwicklung..., und deren Ergebnisse sozusagen - oder die Frage: wie konnte es soweit kommen...? 🤔

Birgit | Di., 5. August 2025 - 14:57

Genau so ist es in dieser Blase. Die werden erst wach, wenn es ihnen an den Kragen geht. Wohnraumbewirtschaftung, nur noch 25 qm pro Person und Zwangseinqurtierungen zur Milderung der Wohnungsnot, Rentenkürzungen, Vermögensteuer zur Finanzierung der gewünschten Sozialtransfers. Diese Leute merken gar nicht , wie sehr ihren Wohlstand und den ihrer Kinder gefährden

Thomas Veit | Di., 5. August 2025 - 15:07

Also eines steht m.E. fest nach lesen des Einführungskapitels >> diese Szene findet NICHT im Osten der Republik, der sog. ehemaligen DDR, um es genau zu sagen..., statt... 🤔

/Ironie

Elisa Laubeth | Di., 5. August 2025 - 18:15

Das war ja eine literarisch und stilistisch gelungene Version eines aktuellen Bestsellers. Glückwunsch. Sehr gelungen.

Ich habe genau solche Figuren in meinem Umfeld. Man läuft jetzt übrigens zur CDU über, spendet sogar für den Kommunalwahlkampf. Ganz so doll möchte man es dann doch nicht haben, von wegen Umverteilung, Erbschaftsteuer und einem Asylantenheim in der Nachbarschaft, das den Wert des geräumigen, freistehenden Familienheims mit Einliegerwohnung für die polnische Pflegekraft von Oma drücken könnte.

Markus Michaelis | Di., 5. August 2025 - 18:32

Das ist wohl auch oft so. Für problematischer halte ich aber, dass man von der eigenen Weltsicht so überzeugt ist, dass man sich die Welt gar nicht anders vorstellen kann, als dass die eigene Weltsicht universell für alle Menschen gilt und dass, alle Diskriminierung einmal beseitigt, alle Menschen diesem Weltbild beitreten wollen.

Diese zu enge Weltsicht sorgt dann für eine Überforderung (bis Hilflosigkeit), wenn man der realen Welt und realen Menschen gegenüber steht, die oft nicht in dieses Weltbild reinpassen.

Urban Will | Di., 5. August 2025 - 18:47

hier aufgeführtes Bild eines – wohl fiktiven - Treffens überprivilegierter Linksliberaler ist Ihnen gut gelungen. Man sah sie förmlich da sitzen und sich die Schultern wund klopfen ob ihres Erfolges und ihrer Gutheit.
Doch was Sie gg Ende als dunklen Schatten prognostizieren, könnte die Erlösung sein.
Die liberale Demokratie ist längst tot, Ihr „bye bye“ verhallt im leeren Raum. Sie wurde getötet von der Herrscherin aus der Uckermark. Und das Grab dann schön gepflegt von Ampel und jetzt der Lügenregierung des Möchtegerngutsein-Kanzlers (von den drei letzten Kanzlern der unfähigste) Merz.
Es werden die von Ihnen als „extremistisch“ bezeichneten Parteien sein – bzw. sind es andernorts schon – die sie wieder auferwecken. Und wenn es nur über den Umweg passiert, dass sich die einst Bürgerlichen, nun sich vor den Linksgrünen in den Dreck geworfen habend, über eine innere Revolution wieder erneuern. Was bedeutet: wir verbünden uns mit d "Abtrünnigen“ und kehren zurück zur Vernunft.

Wolfgang Brennenstuhl | Di., 5. August 2025 - 18:54

Richtig: eben linke Lebensart: einen "2016er Chateau Le Bourdieu Cru Bourgeois" für 8€ bis12€.
Wie wäre es denn mit eimem "Volnay clos des Chenes" ( ca. 90€) aus der Bourgogne.
Passt hervorragend zu geschmortem Lamm.
MfG

IH | Di., 5. August 2025 - 20:33

Das köstlich beschriebene Millieu linksgrüner Zeitgenossen gibt es tatsächlich. Eben diese Zeitgenossen würden allerdings nicht einmal auf den Gedanken kommen, dass sie einer arroganten und dekadenten Gesinnung folgen.

Thomas Veit | Mi., 6. August 2025 - 09:46

Dieses hier beschriebene bestens saturierte altlinke bürgerliche Milieu existiert praktisch im Osten praktisch nicht - von den Zuwanderungsinjektionen aus dem Westen seit den frühen 90ern abgesehen...

Vielleicht sieht genau deshalb auch die bundesdeutsche Wahllandkarte so aus wie sie aussieht, ein strenger Strich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze...!?

Im Osten hat die Gesellschaft aufgrund des Fehlens dieser hier beschriebenen wohlstandslinken alt-68er-Klasse und der Lebensumbrüche durch die politische und wirtschaftliche Wende 89 eine andere viel direktere Struktur - "politischen und ökonomischen Systemverlierer" sind bereits in der Mehrheit..., und auch "das Sedativum aus Sportberichterstattung und billigem Entertainment" hat dort seine Breitenwirkung bereits zum größten Teil verloren nach 20+ Jahren.

Die gesellschaftlichen Schlüsselpositionen sind allerdings auch im Osten von Importen genau aus diesem altlinken Milieu besetzt - Richter, Uni-Leitung und Spitzenbeamte...

Hans Süßenguth-Großmann | Mi., 6. August 2025 - 09:49

den Verdacht, dass es auch Spaß macht die "Dekadenz" in Szene zusetzen. Alles gut, die Damen und Herren haben ihr "Heu in die Scheune" gebracht, es sei Ihnen gegönnt.
Ärgerlicher finde ich die Gutmenschen, die als Kriegsdienstverweigerer sich nun als Hobby Generäle äußern und niemals und nimmer aufgeben wollen, solange sich noch ein Ukrainer zu Kriegsverwendung finden lässt. Diese sind aber meistens noch nicht im Ruhe- oder Vorruhestand, könnten sich aber auch so eine Party leisten.