Vince Ebert
Vince Ebert; Hörsaal mit bunten Stühlen / picture alliance / ANP | -

Buchauszug „Wot se fack, Deutschland?“ - Der akademische Siegeszug der Irrationalität

Postmodernes Denken lehrt, den eigenen Intuitionen mehr zu vertrauen als wissenschaftlichen Tatsachen und Erkenntnissen. Wie zur Hölle konnte sich dieser Unsinn ausgerechnet in der akademischen Welt durchsetzen? Unser Gastautor Vince Ebert wundert sich.

Autoreninfo

Vince Ebert ist Physiker, Kabarettist und Autor. In seinem neuen Buch „Wot Se Fack, Deutschland?“ setzt er sich kritisch mit der Zukunftsfähigkeit der Bundesrepublik auseinander.

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Vince Ebert ist Physiker und Kabarettist. Der Text ist ein Abdruck seines neuen Buches „Wot Se Fack, Deutschland? – Warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben“, das am 14. August bei dtv erscheint

Vor mehr als 300 Jahren waren sich die Protagonisten der Aufklärung wie Francis Bacon, Voltaire oder Immanuel Kant sicher, dass durch Logik und Vernunft Dinge wie Aberglauben, Mythen und Magie schon bald der Vergangenheit angehören würden. Heute lassen sich sinnsuchende Akademiker von Kinesiologen ihre Energieströme ordnen oder informieren sich vor einem Hauskauf beim Feng-Shui-Experten über schädliche Wasseradern. 

Es ist absurd. Unzählige Generationen vor uns haben sich abgemüht, um endlich mehr vom Leben abzukriegen als das Allernotwendigste. Doch sobald Wohlstand und Überfluss zur Selbstverständlichkeit werden, sehen viele darin nicht mehr das Glück, das man noch steigern kann, sondern heillose Skepsis vor all dem, das uns diese beneidenswerten Zustände beschert hat. Seit geraumer Zeit wird in der gesamten westlichen Welt der Vernunft getrotzt. Und zwar nicht primär von den ungebildeten Schichten, sondern von einer geisteswissenschaftlich geprägten Akademikerklasse. 

2018 veröffentlichte die Washington Post einen Artikel, in dem Aristoteles beschuldigt wurde, er sei der Vater des wissenschaftlichen Rassismus. 2020 übergossen Aktivisten vor der Académie française in Paris eine Statue von Voltaire mit Farbe. Der britische Professor für „Black Studies“ Kehinde Andrews sagte 2021 in einer öffentlichen Debatte wörtlich: „Den Liberalismus zu verteidigen, ist das Schlimmste, was man tun kann. Denn der Liberalismus ist das Problem. Es sind die Werte der Aufklärung, die die rassistischen Vorurteile erst zementieren.“

Der Kerngedanke: Objektive Wahrheit gibt es nicht

Zwar sind es heute mehr denn je die Absolventen der MINT-Studiengänge (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), die die treibende Kraft von modernen Volkswirtschaften bilden. Mit philosophischen Theorien und geschliffener Rhetorik gewinnen Sie vielleicht einen Disput bei Markus Lanz, aber die echten Schlachten, die darüber entscheiden, wo wir technologisch, wirtschaftlich und letztlich auch kulturell in zwanzig oder dreißig Jahren stehen, werden maßgeblich von Menschen entschieden, die programmieren können, die Motoren, Flugzeuge, Energiesysteme oder Medikamente entwickeln oder unser Erbgut entschlüsseln. 

Für all die Germanisten, Politologen, Soziologen und neuerdings auch Genderwissenschaftler, die seit Jahren vermehrt in die Universitäten drängen, ist das schwer zu schlucken. Daher ist es kein Zufall, dass sich unter den westlichen, geisteswissenschaftlich geprägten Intellektuellen als Reaktion auf die Dominanz der Naturwissenschaften in den vergangenen Jahrzehnten eine Denkschule verbreitet hat, die man als „Postmodernismus“ bezeichnet. 

Deren Kerngedanke lautet, dass es so etwas wie objektive Wahrheit nicht gibt. Begriffe wie „wahr“ oder „falsch“ sind pure Erfindungen. Da jeder Mensch die Welt anders wahrnimmt und diese Wahrnehmung von seiner Individualität geprägt wird, ist nach Auffassung der postmodernen Denker auch alles, was wir angeblich für unumstößlich und wahr halten, lediglich „konstruiert“. 

Selbst so etwas wie Rationalität ist nur eine Sichtweise, eine persönliche und damit subjektive Perspektive. Damit stellte der Postmodernismus die gesamte Idee der Aufklärung massiv infrage, die ja gerade auf dem Prinzip von Rationalität basiert. Sogar messbare Evidenzen werden von den Postmodernisten angezweifelt: „Bilde dir bloß nichts auf die Brücke ein, die du da gebaut hast, denn in Wirklichkeit ist sie nur ein soziales Konstrukt …“ 

Dass kein Mensch versteht, was sie sagen

Dinge skeptisch zu hinterfragen, ist zweifellos eine große Errungenschaft des aufgeklärten Westens. Im Postmodernismus jedoch wird der Bogen überspannt. Denn wenn man buchstäblich alles anzweifelt, weil man davon überzeugt ist, dass es überhaupt keine objektiven Wahrheiten geben kann, löst sich unser gesamtes Wertesystem auf. Wenn es kein objektives Kriterium zwischen „wahr“ und „unwahr“ gibt, kann man auch nicht mehr zwischen „richtig“ und „falsch“ unterscheiden. 

Zudem krankt die Theorie des Postmodernismus an ihrer eigenen Widersprüchlichkeit. Wie will man wissen, dass die Theorie, die man formuliert, richtig ist, wenn man gleichzeitig behauptet, dass alles relativ ist und keine Wahrheit und keine objektiv richtige Perspektive existiert? Um dieses fundamentale Dilemma aufzulösen, bedienen sich die Postmodernisten eines genialen Tricks: Sie formulieren so, dass kein Mensch versteht, was sie sagen. Hier ein kleines Beispiel von Judith Butler, einem der Superstars der postmodernen Bewegung: 

„Der Übergang von einer strukturalistischen Betrachtungsweise, in der das Kapital soziale Beziehungen auf relativ homologe Weise strukturiert, zu einer Auffassung von Hegemonie, in der Machtbeziehungen der Wiederholung, Konvergenz und Reartikulation unterliegen, brachte die Frage der Zeitlichkeit in das Denken über Struktur ein und markierte einen Wechsel von einer Form der Althusser‘schen Theorie, die strukturelle Totalitäten als theoretische Objekte ansieht, zu einer, in der die Einsichten in die kontingente Möglichkeit von Struktur eine erneuerte Konzeption von Hegemonie einleiten, die mit den kontingenten Orten und Strategien der Reartikulation von Macht verbunden ist.“

Das klingt ein bisschen wie Richard David Precht auf LSD und erinnert an die legendäre „Hurz“-Nummer von Hape Kerkeling. Judith Butler ist aber keine Spaßmacherin, die sich über ein pseudointellektuelles Bildungsbürgertum lustig macht, sondern Philosophin und Professorin für Rhetorik und Komparatistik an der Universität Berkeley und gilt als eine der weltweit einflussreichsten Denkerinnen. 

So ist es ihr zum Beispiel zu verdanken, dass sich die westliche Welt heute so obsessiv mit dem Genderthema beschäftigt. Schon vor mehreren Jahrzehnten verfasste sie abstrakte Aufsätze darüber. 1990 erschien ihr erstes Buch „Gender Trouble“, in dem sie behauptet, dass das biologische Geschlecht („Sex”) nur eine kulturelle Norm, ein bloßes Konstrukt sei: 

„Doch der ,Leib‘ ist selbst eine Konstruktion – wie die unzähligen ,Leiber‘, die das Feld der geschlechtlich bestimmten Subjekte bilden. Man kann nämlich den Körpern keine Existenz zusprechen, die der Markierung ihres Geschlechts vorherginge.“

Wenn man sich durch ihr grausam kompliziert formuliertes Buch quält, erfährt man, dass ein Mensch nicht deshalb ein biologischer Mann oder eine biologische Frau ist, weil es so etwas wie männliche und weibliche Geschlechtschromosomen gibt, sondern deshalb, weil man von der Gesellschaft als „Mann“ oder als „Frau“ bezeichnet wird. Das anatomische Geschlecht eines Menschen ist laut Butler also etwas, was eigentlich gar nicht existiert, sondern nur durch unsere Sprache erschaffen wird. Das ist so komplett wirr und durchgeknallt, als würde man behaupten, dass Menschen, die keine Worte für Farben haben, in einer schwarz-weißen Welt leben. 

Anfällig für kompliziert klingende Erklärungen

Ich schreibe das deswegen so plakativ, weil diese Hypothese tatsächlich die Grundlage der gesamten Genderforschung darstellt. Wenn sich heute irgendwelche TikTok-Influencer als non-binäre, gender-fluide Hogwarts identifizieren – Judith Butler lieferte dafür vor rund drei Jahrzehnten den erkenntnistheoretischen Überbau.

Wie zur Hölle konnte sich die postmoderne Idee in der akademischen Welt durchsetzen? Ein Grund liegt sicher in der verqueren, kryptischen Sprache. Wenn etwas besonders kompliziert klingt, neigen viele Menschen dazu, es für überzeugender zu halten. In der Fachwelt bezeichnet man dieses Phänomen als „Illusion der Erklärungstiefe“. Die Werbung zum Beispiel macht sich das zunutze, indem sie die Wirksamkeit eines Waschmittels durch das darin enthaltene „TAED-System“ erklärt oder irgendein ungesundes Zuckerzeug als „probiotischen Drink mit körperidentischer rechtsdrehender Milchsäure“ verkauft.

1996 machte sich der amerikanische Physiker Alan Sokal einen Spaß und reichte einen Scherzartikel bei Social Text ein, einer renommierten Fachzeitschrift der Sozial- und Kulturwissenschaften. Sein Aufsatz trug den Titel: „Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation“ und enthielt eine beeindruckende, aber völlig zusammenhanglose Aneinanderreihung von Buzzwords der postmodernen Theorie. Zu Sokals großer Verwunderung wurde der Artikel tatsächlich publiziert, weil den Gutachtern offenbar nicht auffiel, dass sein Text nicht den geringsten Sinn ergab.

Das ist kein Zufall. Denn interessanterweise sind gerade Intellektuelle besonders anfällig für kompliziert klingende Erklärungen. Sie halten etwas für umso tiefgründiger, je schwerer es zu verstehen ist. Wenn es sich dagegen zu banal anhört, kann es ja wohl nicht stimmen. Oder wie es der postmoderne Philosoph Michel Foucault in einem Interview formulierte: „In meinen Aufsätzen müssen immer 10 Prozent Unverständlichkeit vorhanden sein, sonst halten die Leute einen nicht für einen tiefgründigen Denker.“

Grundlegende Skepsis gegenüber objektivem Wissen

Seit der Antike, seit Platon, Cicero und Seneca, betonen die großen Denker, wie wichtig eine klare Sprache insbesondere bei der Darstellung von komplexen Zusammenhängen ist. Im Postmodernismus scheint es genau umgekehrt zu sein. Dort versucht man, seine Gedanken zu verbergen, indem man einen grässlich komplizierten Sprachstil verwendet. Was zugegebenermaßen auch für einige Gebiete der modernen Physik gilt, wenn man zum Beispiel in der Stringtheorie darlegt, dass die Lichtkegelquantisierung der Nambu-Goto-Wirkung nicht manifest kovariant ist. Oder wussten Sie, dass sich die Gravitation bei geschlossenen Strings automatisch als masselose Spin-2-Anregung ergibt, wodurch die zusätzlichen Dimensionen kompaktifiziert werden? Aber das ist den meisten von Ihnen natürlich vollkommen klar. 

Alan Sokal übrigens enthüllte gleich nach der Veröffentlichung seines Artikels den Scherz und sorgte in der akademischen Welt kurze Zeit für eine heftige Diskussion über die wissenschaftliche Seriosität dieses Fachgebiets. Den Siegeszug der Postmodernen allerdings hat diese Debatte nicht aufgehalten. Das liegt vor allem an einem weiteren Kernpunkt der postmodernen Theorie. Ihre Vertreter hegen nicht nur eine grundlegende Skepsis gegenüber objektivem Wissen, sie behaupten darüber hinaus, dass die gesamte westliche Gesellschaft auf fundamentalen Machtstrukturen aufgebaut ist, die alleine entscheiden, was als Wahrheit gilt.

Vince Ebert
„Wot se fack, Deutschland?“ / dtv

Nach Ansicht der Postmodernisten ist zum Beispiel die Behauptung, es gäbe nur zwei biologische Geschlechter, schon deshalb unrichtig, weil sie von etablierten, weißen Wissenschaftlern, die Macht haben, vertreten wird. Ähnliches gilt für die medizinischen Risiken von Fettleibigkeit. Auch die existieren nicht, sondern sind pure Scheinbehauptungen von machtvollen Institutionen, die darauf zielen, übergewichtige Menschen zu diskriminieren. Auch Rassismus kann nur von Personengruppen mit Macht ausgehen. Folglich gibt es unter Schwarzen auch keinen Rassismus, da die gesamte schwarze Community nach wie vor unter den postkolonialen, weißen Unterdrückungsmechanismen leidet. 

Für Foucault, den mit Abstand einflussreichsten Vertreter der Postmoderne, stellte sich nicht die Frage: Wer hat recht? Sondern: Wer hat die Macht? Die Suche nach Wahrheit, Wissen und Erkenntnis tritt also bei ihm völlig in den Hintergrund, weil der gesellschaftspolitische Kampf gegen Hierarchien und Machtmechanismen viel bedeutsamer ist. 

Damit wird auch verständlich, wieso das postmoderne Denken so großen Einfluss an vielen Universitäten und Bildungseinrichtungen gewinnen konnte. Es ist keine wissenschaftliche Theorie, sondern eine als Wissenschaft getarnte politische Bewegung. 
Für Foucault gibt es eine klare Einteilung von Tätern und Opfern. Wer seiner Auffassung nach in einer machtvollen Position ist, ist automatisch ein Täter. Ausnahmslos und immer. Alle anderen sind für ihn hilflose Opfer in einer ungerechten Welt. 

Gewiss hat Foucault darin recht, dass es bei gesellschaftlichen Debatten immer auch um Machtfragen geht. Wer aber für buchstäblich jedes gesellschaftliche Problem die Machtfrage als Erklärung heranzieht, macht es sich zu einfach. Ein solches Weltbild bietet die perfekte Argumentationsgrundlage, um keine persönliche Verantwortung übernehmen zu müssen. Wenn ich nach 32 Semestern systemischer Achtsamkeitstherapie nur einen Aushilfsjob in der Stadtbücherei bekomme, liegt das nicht etwa daran, dass ich in meinem Leben ein paar verdammt bescheuerte Entscheidungen getroffen habe. Nein! Es ist die ungerechte Gesellschaft, die Schuld an meinem miserablen Leben hat. Ich kann nichts dafür! 

Akt der geistigen Selbstzerstörung

Postmodernes Denken lehrt, den eigenen Intuitionen mehr zu vertrauen als wissenschaftlichen Tatsachen und Erkenntnissen. Kein Wunder, dass dabei ein gefühliges Weltbild entsteht, in dem die Schuld immer nur bei der Gesellschaft liegt. Besonders erschreckend ist diese Entwicklung an unseren Universitäten und Bildungseinrichtungen. In vielen geisteswissenschaftlichen Fakultäten geht es immer weniger um die Suche nach Wahrheit, sondern um das Infragestellen von objektivem Wissen. 

In der Genderforschung werden biologische Tatsachen relativiert, teilweise sogar geleugnet, in den Sozial- und Kulturwissenschaften geht es nicht mehr um eine sachliche und ergebnisoffene Analyse von Phänomenen wie Rassismus, Sexismus oder wirtschaftlichen Ungleichheiten, sondern um pauschale Schuldzuweisungen gepaart mit einem immer stärker um sich greifenden politischen Aktivismus.

Die Dekonstruktion von Fakten ist eine Besessenheit vieler angeblich so progressiver, akademisch gebildeter Menschen. Doch durch diese Dekonstruktion wird nichts erschaffen, sie diskreditiert jene intellektuellen Instrumente, mit denen wir bisher den Fortschritt vorangetrieben haben. Das Ziel dieser Dekonstruktion ist das Dekonstruieren von noch mehr. Der aufgeklärte Westen führt so seit geraumer Zeit einen ideologischen Kampf gegen Rationalität und Objektivität. Es ist ein Kampf gegen sich selbst und ein Akt der geistigen Selbstzerstörung.

 

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Markus Michaelis | Di., 5. August 2025 - 15:03

Ja, es gibt dieses Relativierungsdenken- so richtig aber auch nur, solange man damit eine nicht geliebte Gesellschaft/Staat kritisiert. Sobald man selber die Strukturen stellt, wird meist umgedacht, dann wird zB der Staat auf einmal heilig.

Auch eine Judith Butler scheint, wenn es an konkrete politische Fragen geht (Palästina, Migration) von kosmisch-festen Wahrheiten überzeugt zu sein. So sehe ich das auch in der Gesellschaft: Treiber ist nicht eine Relativierung, der große Treiber sind umgekehrt weite Kreise, die felsenfest davon überzeugt sind die eine Wahrheit, die Wissenschaft, die ganze aktuelle Menschheit und die einzig mögliche Idee des Menschseins überhaupt zu vertreten. Es ist diese betonharte Überzeugung der eigenen Weltsicht, die ein wenig ängstigt.

Wenn sie in D Menschenrechte, Demokratie, GG, Rechtsstaat, Gerechtigkeit, Klima etc. aufzählen, ist doch nicht das Problem, dass das alle relativieren wollen, sondern dass umgekehrt Gedanken darüber Erschütterungen auslösen.

Brigitte Miller | Di., 5. August 2025 - 15:21

danke Herr Ebert.

Christa Wallau | Di., 5. August 2025 - 15:41

Ich würde eher von "ungeistiger" Selbstzerstörung sprechen bzw. von "Zerstörung jeglichen Geistes".

Wenn selbst der sogenannte gesunde Menschenverstand (der - weiß Gott - keine intellektuellen Höchstleistungen voraussetzt u. daher normalerweise bei den meisten Leuten vorhanden ist) an den Schulen und Hochschulen eines Landes nichts mehr zu melden hat, sondern zum populistischen Feind erklärt wird, dann sieht es für den VERSTAND in verfeinerter Höchstform erst recht zappenduster aus.

Der Kampf gegen Rationalität, Objektivität und gegen daraus abzuleitende vernünftige Handlungsweisen bedeutet nichts anderes als die Herrschaft von Idioten über kluge Klarseher und Klardenker.
Wenn letztere (ohnehin immer in der Minderheit) lange genug erfolgreich diffamiert und in die Ecke gedrängt wurden, kann das entstehen u. herrschen, was sich in den USA und eben auch in Deutschland ausgebreitet hat:
die Herrschaft eines blühenden, öffentlich geförderten und zur Staatsdoktrin erklärten Unsinns!

Danke liebe Frau Wallau. Das sehe ich ähnlich bis genauso. Leider werden heute sog. Wissenschaftler oder Experten parteipolitisch eingekauft und über NGOS bezahlt, damit sie scheinwissenschaftliche Behauptungen aufstellen, die näherer Überprüfungen keine Stand halten. Es werden Behauptungen aufgestellt und Naturgesetze in Frage gestellt und sofort jegliche inhaltliche Diskussion darüber unterbunden, im Wissen darüber, dass man eben kein Recht hat. Ob Corona oder Klima, die angeblich Tausend Geschlechter oder die Wetterprognosen. Den Idioten gehen die Themen nicht aus.

Christoph Kuhlmann | Di., 5. August 2025 - 16:25

Grundsätzlich, jedes Phänomen, welches in der Gesellschaft existiert, ist ein soziales Konstrukt. Die soziale Schichtung, die Familie, die Gesellschaft, der Staat usw. Natürlich auch das Geschlecht, es wird nämlich je nach Kultur sehr unterschiedlich definiert. Man muss dann halt das biologische Geschlecht vom soziologischen Geschlecht unterscheiden. Das wird bewusst unterlassen, spätestens bei der Gesetzgebung finde ich das extrem problematisch. Zum Beispiel wenn Minderjährige chemisch in Ihrer Entwicklung gehemmt werden. Dazu müsste man erst einmal klären, ob ein Teenager, der sich von seinem Elternhaus emanzipiert einen freien Willen hat, ob es dem Wunsch der Eltern oder einer neuen Gruppe von Bezugspersonen entspricht. Das ist extrem teuer und aufwändig, insbesondere in einer Zeit, in der die Regierung Leistungen bei den Krankenversicherungen kürzen will.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 5. August 2025 - 17:40

Ich glaube jedoch, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben, wenn ich auch die Postmoderne nicht mehr so stark mitbekam.
Sie ist aber spannend und resultiert evtl. aus einer vermeintlichen! Infragestellung der Vernunft, die sich französische Philosophen vlt. bei Nietzsche "Also sprach Zarathustra" abgeschaut haben?
Sie könnten jedoch Nietzsche missverstanden haben, wie soviele Denker* zuvor.
So schlimm finde ich mein Sternchen nicht in philosophischen Überlegungen:)
Nietzsches Überlegungen sind vlt. noch wuchtiger und folgenreicher als die der "einfachen" Aufklärung.
Deswegen habe ich in gewisser Weise auch nichts gesagt.
Man kann andeuten, andenken, aber ich scheute immer davor zurück, es auszudenken, auszuformulieren etc.
Nietzsche zeitigte entsetzliche Folgen, ich rate also jedem, die Texte selbst zu lesen und Erkenntnisse selbst zu verantworten, als sie Denkern* anzulasten.
Das tiefe Denken konnte ich bei Adorno spüren und Foucaults Vorwort zur "Ordnung der Dinge", ein Genuß

Sabine Lehmann | Di., 5. August 2025 - 17:56

Herrlich. Ich liebe Vince Ebert. Also jetzt nicht so wie Sie denken, Herr Ebert;-)
Selten sieht man Sie noch im Fernsehen, was sehr schade ist, was aber sicher wiederum auch eine Kausalität dessen darstellt, was Sie in Ihrem humorvollen und eloquenten Text durchleuchten. Denn nicht jeder Kabarettist ist im ÖR der Verpeilten noch willkommen und gern gesehen. Je kritischer sich jemand vom Mainstream abhebt, desto größer ist die Gefahr outgesourcet zu werden: "Du kommst hier net rein, basta!"
Denn die neuen Türsteher der staatlich verordneten Gesinnung, die Wächter des Heiligen grünen Grals, sie sind recht fleißige Gesellen, ihnen entgeht nichts, wahrlich nicht. Später liest man dann eine Randnotiz in irgendeinem Käseblatt, man habe sich auf eine Beendigung der "Zusammenarbeit" geeinigt, so flüssig und schleimig, dass man schon gar nicht mehr merkt, wie man ver***** wird.
In diesem Sinne, den Humor nicht verlieren und das Rückgrat erst recht nicht;-)

Gisela Hachenberg | Mi., 6. August 2025 - 14:01

Antwort auf von Sabine Lehmann

Wie Sie wissen, liebe Frau Lehmann, lese ich Ihre Kommentare sehr gerne. Sie sind immer auf den Punkt, mit einer Prise Witz und Ironie, aber vor allem sehr mutig!
Auch ich liebe Vince Ebert (so wie Sie! 😉) Leider gibt es zu wenige von seiner Sorte.
Ihren Kommentar unterschreibe ich von der ersten bis zur letzten Silbe. Bin auch gespannt, wie lange er noch seine Meinung kundtun darf. Man hat es ja lieber mit Böhmermann zu tun. Aber halt, hieß es nicht „woke und links ist out“?? Träumen wir weiter! Beste Grüße an Sie!

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 5. August 2025 - 17:57

alles folgenreich und die Postmoderne nimmt sich davon sehr wahrscheinlich nicht aus.
Haben wir den Pfad der "naiven Dichtung" und Menschwerdung mit dem Sündenfall verlassen und sind verdammt zur, wie Schiller meinte "sentimentalischen Dichtung"?
Was gibt es doch für schöne auch theologische Texte.
Herr Grau empfindet es evtl. wieder als "Geraune", ich meine jedoch, dass wir Dichtung, Verdichtung sein dürfen, ohne Schuld, allerdings nicht ohne Fehl und Tadel.
Ich empfehle insgesamt die "Poetische(n) Begegnungen" kuratiert von Frau Dr. Frauke Tomczak-Föll.
Wenn sie selbst ihre Gedichte liest, spürt und hört man m.E. den Text-umhüllenden Ton.
Nur gelesen wirken ihre Gedichte evtl. bedacht.
Ich glaube nicht, dass man sie darauf verkürzen kann.
Einst dachte ich,
"Ich spreche tiefe Seltenheiten,
es rart die Sprache dieses Tuns.
Sie spart auch leicht die Antwort
und geht so still in ihren Tod."
Was soll ich Ihnen sagen?
Irgendwann sprach ich wohl doch.
Liebe Grüße an alle Liebende

Jens Böhme | Di., 5. August 2025 - 19:10

Wahr, gut, richtig und falsch sind humanistische Konstrukte, um Ordnung zu schaffen. Klimagerechtigkeit, konstanter Meeresspiegel, viel Flatterstrom=mehr stabile Netzfrequenz - alles Konstrukte, um Ordnungen zu schaffen. Erklär einer Katze oder einem Hund die Farben. Dass die Sonne gelb leuchtet, ist Quatsch, wie die (wunderschönen) farbigen Galaxiefotos oder der rotsehende Stier. Selbst die Farben an sich sehen Menschen unterschiedlich. Für mich war der Himmel früher (als Kind) blauer als heute. Bis ich in meinem uralten Schulbuch eine Zeichnung vom Himmel sah, die lange Zeit in meinem Gehirn gespeichert, mir suggerierte, dass der Himmel früher blauer war. Ist es richtig, dass die Saurier aussterben? War es falsch, dass Mensch sesshaft wurde? Gibt es wirklich links und rechts, mitte, hinten und vorn? Frag die Maus! Sie wird uns das konstrukt-iv erklären.

Gerhard Fiedler | Di., 5. August 2025 - 19:36

Sie sprechen mir aus dem Herzen. Es ist heute gang und gebe, sich mit Begriffen und Formulierungen, möglichst mit englischen oder lateinischen Textbausteinen geschmückt, sich so auszudrücken, dass man, wenn auch unverstanden, seriös und gebildet rüberkommt. Dieser Praxis bedient sich derzeit besonders die Politik, Medien und Verwaltungen. Eine solche Sprache soll Achtung und Zustimmung erzeugen. Man geht ohnehin davon aus, dass das dumme Volk eh nichts von allem versteht. Da denke ich auch an den vor Tagen hier im Cicero vom Autor gebrauchten Begriff Disruption, unter dem jeder etwas anderes verstand. Doch am besten, werter Herr Ebert, werden Sie mit der Nennung der legendären „Hurz“-Nummer von Hape Kerkeling dem akademischen Siegeszug der Irrationalität gerecht. Mein Kompliment!

Popper | Mi., 6. August 2025 - 08:13

"Die Elektrizität ist der reine Zweck der Gestalt, der sich von ihr befreit, die Gestalt, die ihre Gleichgültigkeit aufzuheben anfängt; denn die Elektrizität ist das unmittelbare Hervortreten oder das noch von der Gestalt herkommende, noch durch sie bedingte Dasein, – oder noch nicht die Auflösung der Gestalt selbst, sondern der oberflächliche Prozeß, worin die Differenzen die Gestalt verlassen, aber sie zu ihrer Bedingung haben und noch nicht an ihnen selbständig sind."

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831)

Martin | Mi., 6. August 2025 - 09:52

Die ehemaligen sog. " Geisteswissenschaften sind mittlerweile völlig degeneriert und bis auf das erfinden abstruser Ideologien / Theorien weitgehend nutzlos geworden. Ein wenig schade ist das schon. Aber heutzutage braucht man halt Mathematiker, Physiker, Biologen, Informatiker, Ökonomen, Juristen. Die ehemaligen o.a. sog "Geisteswissenschaften" sind zu einer brotlosen Kunst "heruntergewissenschaft" worden. Die Zahl der Studienplätze sollte drastisch reduziert werden, ich denke über 50% können weg, von gendertheorien, germanisten, Politologe oder Soziologen. Am drolligsten sind die selbsternannten Philosophen.
Bei Butler fasziniert mich, dass es eine Person geschafft hat, ihre (abstrusen) persönlichen Ideologien der Menschheit als Wissenschaft zu verkaufen. Und (zu) viele glauben diesen Unsinn auch noch.
Die ehemaligen Geisteswissenschaften haben sich überlebt.

Lisa Werle | Mi., 6. August 2025 - 10:10

Zu viele Worte in dieser Welt, zuviel sinnfreies Geschwätz. Nicht nur bei Butler. Die wir lesen mußten und deren Texte wir alle (ich wette) weder mochten noch verstanden. Aber wir taten so als ob. Die Diskussionen dann waren Kabarett pur (im Nachhinein betrachtet) - aber "voller Erkenntnis".
Danke Vince Ebert für die klare Sprache. Ob es hilft? Lesen werden es die 'falschen' Leute. Aber die sind dann wenigstens getröstet und bestätigt.

Johannes | Mi., 6. August 2025 - 11:14

eine Ausgeburt für Geistes- und Sozialwissenschaftler, um durch eine Fundamentalkritik alles in Frage zu stellen und zu Gunsten bzw. als Mittel zum Zweck die Minderheiten zu benutzen, um alles umzuschreiben und neu zu definieren.

Wie definiert man denn einen Mann? Zunächst an seinem Pimmelchen. Wächst der Mann aber lediglich unter Müttern, Tanten, Freundinnen und Omas IN DEUTSCHLAND auf wird er schon andere Eigenschaften mitbringen als wenn er unter Männern IN ITALIEN aufwachsen würde. Anhand von Verhaltensweisen, Werten und Test könnte man das sicherlich wissenschaftlich belegen.

Aber wegen ein paar Zwittern, androgynen Frauen, oder ehemals unterdrückten Ethnien oder gelebten Stereotypen gleich ein großen neues Kabitel der Rationalität, Denkart und Machtkonstruktion aufzuschlagen, erscheint irgendwie wie ein Hilfeschrei des Nihilismus.

S. Kaiser | Mi., 6. August 2025 - 14:12

In einem podcast zu seinem Buch erklärte Ebert, dass die progressiven Theorien in den Geisteswissenschaften dh rühren, dass im letzten Jahrhundert die Naturwissenschaften ihnen in gesellschaftl. Relevanz den Rang abgelaufen haben.
Man könnte auch plakativ sagen, aus profanem Neid über den eigenen Bedeutungsverlust. Schon immer hatte ich den Eindruck, dass gerade die Sozial“wissenschaften“ banale Erkenntnisse „verschwurbeln“ müssen, um annähernd akademisch zu klingen. Warum sie in westl. Gesellschaften damit durchkommen, bleibt mir allerdings ein Rätsel. Vielleicht ist es ein „der-Kaiser-ist-nackt-Phänomen“. Die nicht-akademischen Schichten erkennen es sehr wohl, aber die akademischen vertrauen ihrer eigenen Wahrnehmung nicht.
Vielleicht sollte man Butler&Co darin bestärken, dass die Schwerkraft ebenso ein soziales Konstrukt wie eine Brücke ist, und sie ihrem Gefühl fliegen zu können mal einfach vertrauen sollten. Ggf. würde sich manch wokes Phänomen damit physikalisch erübrigen.