- Der Verfall der Wissenschaftsfreiheit durch Moral
Wissenschaft soll neuerdings der Gesellschaft dienen – und gefährdet damit ihre eigene Freiheit. Die Idee einer gemeinwohlorientierten Forschung wurde längst zur „Haltungswissenschaft“. Wissenschaftsfreiheit verlangt aber gerade die Trennung von Erkenntnis, Moral und Politik.
„Aber ist es nicht Aufgabe der Wissenschaft, der Gesellschaft zu dienen und für sie Verantwortung zu übernehmen, zumal wenn Wissenschaft vom Staat finanziert wird?“ Das fragte mich neulich einer meiner Studenten. Ich antwortete, dass es einen guten Grund habe, weshalb das Grundgesetz die Wissenschaftsfreiheit nicht einem Ethos, sondern allgemeinen Gesetzen unterstellt, ergänzt durch wenige spezielle Gesetze, die Schutzgüter betreffen, und nur in der Lehre sowie bei Beamten Verfassungstreue und Mäßigungsgebot gefordert werden. Auch die staatliche Finanzierung sei gerade als Garant der Unabhängigkeit von steuernden Eingriffen gedacht. Der Verfall der Wissenschaftsfreiheit, für den es hinreichende Anhaltspunkte gibt , sei vielmehr durch die Moralisierung der Wissenschaft begünstigt worden.
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wurde zu einem ideologisch geprägten Kampfbegriff einer linkslastigen Ideologie, indem man "die Wissenschaft" insgesamt auf den Teil reduzierte, der sich dieser Ideoligie unterwarf, z.B. den IPCC. Echte Wissenschaftler verstehen ihren Forschungsauftrag nicht so, dass die Sicherung von Fördergeldern im Vordergrund steht, sondern als das Streben nach Erkenntnis. Dazu gehört auch das Schema von These und Antithese.
Dominante Lehrmeinungen habe ich am eigenen Leib genug erfahren. So konnte ich einen Gutteil meiner Daten für meine Dissertation in Physik nicht nutzen, weil es der, mittlerweile als falsch erwiesenen, Lehrmeinung eines Großkopfeten widersprach und mein Doktorvater diesem nicht widersprechen wollte. Pech gehabt :-).
Schaut man Wissenschaft rückblickend kritisch an, so erkennt man, dass sie strengenommen immer fehlerhaft war. Die Fehler werden aber dank der harten Arbeit der Wissenschaftler immer weniger. Dadurch wurden großartige und segenbringende Entwicklungen in Naturwissenschaft, Medizin und Technik möglich.
Wenn man Wissenschaft realistisch anschaut, ist sie stets fehlerhaft. Lautstarke Totschlagargumente wie "Das ist Wissenschaft!" verbieten sich daher.
was ich gemeint habe. Ich wollte sagen: Politik gibt es auch innerhalb der Wissenschaft. Nämlich den großkopfeten Professor aus dem Eingangspost, gegenüber dem mein Doktorvater nicht durch Widerspruch unangenehm auffallen wollte.
Die Fehlerhaftigkeit gilt jedoch auch für die, welche, wie Frau Stahl bemängelt, die Wissenschaft zu einer bestimmten Haltung und Moral zwingen wollen. Die Geschichte der Menschheit ist voller moralischer Haltungen (zB. Brandmauer), die von den Befürwortern nach bestem Wissen und Gewissen als richtig angesehen wurden, aber letztendlich krachend gescheitert sind.
Mehr Bescheidenheit und Demut bezüglich der eigenen Erkenntnisgrenzen ergäbe mehr Toleranz gegnüber Andersdenkenden.
Frau Stahl zeigt sehr schön auf, wie in einer Konstellation der ideologischen Besoffenheit nach dem Ende des Kalten Kriegs das Verständnis von Wissenschaft zu exakt der Funktion umgerüstet wurde, die man der sozialistischen Welt bis dahin vorgeworfen hatte: der weltanschaulichen Eigenlegitimation der neoliberalen westlichen Ordnung, die in eben dem Moment als »liberale westliche Demokratie« sakralisiert wurde, in dem der dialektische Widerspruch von globalisiertem Finanzkapitalimus und Demokratie sich zu entfalten begann.
Sehr konsequent findet Frau Stahl daher auch klare Worte zur Corona-Krise und ihrem Protagonisten Fauci, in der die Selbst-Sakralisierung des Westens ihren bislang verheerendsten Ausdruck gefunden hat: am Endpunkt der beschriebenen Entwicklung wird »Wissenschaft« zu ihrem Gegenteil: zum Glaubensbekenntnis an eine szientistische Expertokratie, die auch abweichende Fachmeinungen buchstäblich als Ketzerei dämonisiert.
Der Brunnen ist tief, in den das Kind gefallen ist!
*Auch die staatliche Finanzierung sei gerade als Garant der Unabhängigkeit von steuernden Eingriffen gedacht.* Und da liegt der Hund begraben. Politiker gelenkt von NGOS und Ideologie einer Minderheit steuern inzwischen die Wissenschaft. Wer sich gerade anschaut, dass es für den Gender Gaga Lehrstühle gibt und wie wissenschaftliche Grunderkenntnisse und Naturgesetze verdreht, verschwiegen, uminterpretiert oder dem Diskursverbot anheimfallen, hat Belege genug dafür, dass unsere Wissenschaft dem Zerfall ausgesetzt ist. Und das Schlimme ist, dass auch links-grün verstrahlte Professoren mitmachen und eine an sich linke Minderheit durch lautes Schreien die Vernunft versucht zum Schweigen zu bringen. Und selbst wenn Dekane und andere UNI-Verantwortliche versuchen dagegen zu halten werden sie damit erpresst, dass dann keine Gelder mehr fließen. Das hat schon kriminellen Charakter.
Dass zunehmend Systemfragen zur richtigen Demokratie gestellt werden, deutet das fortschreitende Ende des Systems an. Panta rhei. Eine in der Menschheitsgeschichte kurze Phase neben der Idee des Sozialismus. Die klassische, griechische Demokratie und auch die klassische, römische Republik zeithistorisch kurz und ohne jegliche, sehnsüchtige Rückkehr, lehren neben anderen sehr kurzen, bürgerlichen Idealsystemen - dass wird nichts.
Wenn Wissenschaft wirklich auch (zuerst?) ihren Beitrag zur Demokratie und Menschenwürde leisten soll, wie kann ich dann zB wissenschaftlich Ideen zu einer regelbasierten Weltordnung beitragen, die uns ja auch so wichtig ist, zumindest geben wir das vor.
In der Welt haben wir etwa die Chinesen, für die Harmonie und Ordnung an erster Stelle stehe. Nichts darf das angreifen, wenn das klar ist, dann schauen wir mal. In muslimischen Ländern steht der Koran und Gottes Wille an erster Stelle, daraus leiten sich dann Menschenwürde und evtl. Demokratie ab, aber sie werden nie Gottes Wille gefährden. Stämme sehen erstmal die Funktion des Stammes als zentral an. Usw. Darunter kommen noch viele gegensätzliche Traditionen und Erfahrungen.
Was könnte eine werteorientierte Wissenschaft im Dienste von Demokratie und Menschenwürde zu solchen Fragen beitragen, außer der Welt mitzuteilen, wie erschüttert wir sind und wie recht wir haben?
Echte Wissenschaft bedarf tatsächlich einer minimalen weltanschaulichen und moralischen Grundlage. Ich denke, dass echte Wissenschaft ohne eine humanistische Gesinnung gar nicht möglich ist. (Rationalität, Wahrheitsstreben usw.)
In einer humanistischen Gesinnung ist natürlich auch ein allgemeiner moralischer Impuls enthalten, dass die eigene Forschung zum Wohle der Menschheit sein solle, und nicht zu deren Schaden.
Problematisch wird es, wenn dieser allgemeine moralische Impuls auf den Zeitgeist hingebogen wird, und in den Wissenschaftsstrukturen Meinungs- und Mitmach-Zwänge entstehen, diesen moralischen Impuls auf eine enge und zeitgebundene Weise auszulegen.
Diese Engführung ist dann ihrerseits nicht mehr humanistisch, weil nicht mehr auf Vernunft, Wahrhaftigkeit usw. zielend, sondern auf Gefolgschaft.
Die entsprechenden Chartas hätten das klarer formulieren sollen. Wissenschaftsjournalisten hätten Fehlentwicklungen kritisieren sollen.
Gut, dass Cicero diesen Artikel bringt.
Die Deklaration der DFG ist klassischer Gramtschi: „Gibt vor, zu verteidigen, was du angreifst“ und „unterstelle deinen Gegnern, dass zu zerstören, was sie verteidigen“.
Wissenschaftsfreiheit setzt Wissenschaft voraus. Nur dann, wenn es um Evidenz, Empirie, Rationalität und Ergebnisoffenheit geht – um die Erlangung neuer Erkenntnisse, einer größtmöglichen Annährung an die Realität, an fruchtbare, weiterführende Forschung geht, ist Wissenschaftsfreiheit gerechtfertigt. Nur dann sind auch krude Ideen evtl. fortschrittsfördernd und können zu neuen Horizonten führen – worin die Wissenschaftsfreiheit begründet ist.
Wissenschaft ist nicht gegeben, wenn sie Partei ist, nicht ergebnisoffen, wenn sie Wissen nicht zulässt, weil es gegen ihre Moral verstößt oder per Gesetz Geschlechter schafft. Pseudowissenschaften unterliegen nicht der Wissenschaftsfreiheit.
Frau Stahl hat recht und es ist Sache der Wissenschaft(ler), sich gegen die Vereinnahmung zu Wehr zu setzen. Oder damit zu leben, dass es
Kleiner Nachtrag. Die Wissenschaftsfreiheit endete in Deutschland mit dem Divers-Urteil des BVG. Die Nennung eines 3., juristischen Geschlechts, wird auch Biologen in Stellenanzeigen vorgeschrieben (mwd), die es besser wissen. Damit schafft ein Gericht scheinbar wissenschaftliche Fakten und zwingt ganze Wissenschaftszweige, die zumindests formal und öffentlich anzuerkennen.
