- Wissenschaft als Charakterfrage
Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) soll bei ihrer Doktorarbeit plagiiert haben. Während sie aus Politik und Medien Unterstützung erhält, richten sich die Vorwürfe ausgerechnet gegen den Plagiatsjäger selbst. Das ist der wahre Skandal.
Schon wieder ist ein Politiker von einem Plagiatsvorwurf betroffen. Diesmal geht es um die Berliner Justizsenatorin Dr. Felor Badenberg (CDU). Ihre Wahl galt lange als Glücksgriff für die Politik in der Hauptstadt.
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die Dissertationen betreut und begutachtet haben? Sie müssen die Verantwortung übernehmen und man hört nichts davon.
Die Frage nach der Verantwortung der Doktorväter/mütter ist nur allzu berechtigt. Und man müsste die Frage anschließen, warum diese Probleme nur in wenigen ausgewählten Fächern auftreten. Oder gibt es Fälle aus den "harten" Wissenschaften (sciences)?
An den Universitäten werden seit kurzem Menschen in Lebensstellungen berufen, die wissenschaftliches Arbeiten selbst schon nicht mehr richtig gelernt haben. Sie sind die Produkte der Bologna-„Reform“ und der Massenuniversität. Im Zuge der Bildungsexpansion- Uni für alle- ist es zum Bildungsparadox gekommen: Bildung für alle bedeutet weniger Bildung für das Individuum.
Der Althistoriker Prof Sommer hat kürzlich festgestellt, dass 20% der Erstsemester in geisteswissenschaftlichen Fächern gar nicht studierfähig sind, 40% Mittelmaß, aus denen man mit Geduld noch passable Absolventen machen kann und nur 20%sind wirklich Elite, also das, was eine Universität hervorbringen sollte. Das ist auch etwa die Zahl, die ein funktionierender Arbeitsmarkt in dem Gebiet aufnehmen kann. Die 40% Mittelmaß finden sich entweder im Schuldienst, in prekären Arbeitsverhältnissen, meist bei NGOs, oder in der Politik wieder.
Noch Fragen?
Um zu bewerten, wie sehr überlastet Professoren sind, auch die alter Schule in kleinen Fächern, muss man wissen, dass die Monetarisierung unseres Lebens längst die Universitäten erfasst hat. Mittelzuweisungen orientieren sich seitens der Betriebswirte in den Universitätsverwaltungen an der Zahl der Absolventen. Sprich: wer viele Promotionen vorweisen kann, bekommt mehr Geld! Ohnehin müssen sich viele, auch kleinere Fächer, vermehrt über Drittmittel selbst finanzieren. Da bleibt nicht viel Zeit für Forschung,Lehre und Betreuung von Doktoranden,in Massenfächern wie Jura schon gar nicht. Die Zeiten, in denen ein Lehrstuhlinhaber im Fach Alte Geschichte mit drei, vier Studenten privatissime über die Ursachen und Gründe des Untergangs der Römischen Republik diskutiert hat, sind längst vorbei. Dabei sollten wir uns genau diese sehr genau ansehen. Man könnte viele Erkenntnisse für den gegenwärtigen desolaten Zustand der Bundesrepublik erlangen. Helmut Kohl konnte sowas noch.
Tempi passati.
dass unsere Professoren, von wenigen Ausnhmen abgesehen, ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben, im Gegensatz zuCambridge (Arday) und der Columbia Univerity, die gerade Annalena Baerbock eine Profesur verliehen hat.
Das Einzige, was ich an ihrem Artikel kritisieren möchte, ist der Begriff der "Erziehung"... ein typisch Deutscher Begriff a la "Ordnung und Sauberkeit"... so als müßte man an den Kindern oder Studenten "ziehen", um... ???
Also füher hat man die Schöler an den Ohren gezogen... aua...!
Nee, also da gibt's bessere Begriffe, nämlich zum Beispiel die "education" im Englischen, welches sich vom lat. "ducere" (Führen) ableitet.
In unserer Sprache gibt es so viele Möglichkeiten, Sachverhalte und Verhaltensweisen zu beschreiben, da muss man nicht auf Anglizismen setzen. wer das nötig hat, der beherrscht die deutsche Sprache nicht.
...und ich benutze sie wenig.
Mir ging es um die "Bedeutung" der beiden Begriffe "Erziehung" und "education": In meinen Augen muß man Lebewesen nicht "ziehen", sondern sie "wachsen" lassen.
"Förderung" und "Führung" können sie dabei durchaus gebrauchen, wenn sich der Einfluß von außen in Grenzen hält, die sich am Bedarf orientieren.
Wie wäre es denn mit dem Begriff "Bildung", auch wenn der momentan etwas aus der (woken) Mode gekommen ist?
Als ersten Schritt endlich den Doktorgrad und Professorentitel als Namensbestandteil bzw. -zusatz aus den Melderegistern, Ausweisen und Pässen streichen. Und den Bürgern und vor allen Dingen dem „Bildungsadel“ erklären, dass es in Deutschland keine Verpflichtung gibt, sie mit Frau oder Herr Dr. anzusprechen oder anzuschreiben.
Ich kann ihren Kommentar schon verstehen. Hätte durchaus seine Berechtigung. Aber bitte vergessen sie nicht die "Anständigen und Ehrlichen" Doktoren und vor allem Ingenieure. Letztere können kaum besche.....en. Da geht es nämlich um harte Fakten, Zahlen und anerkannte Naturwissenschaft ganz allgemein. Es ist schon komisch das die parlamentarisch so wenig vertreten sind. Woher kommt das nur?
Es geht nicht nur um Politiker in meinem Kommentar. Ich hatte mit dem „Problem“ Standesdünkel, Bildungsadel und akademische Überheblichkeit eine zeitlang auch beruflich zu tun, weshalb ich bei diesem Thema sehr hellhörig und kritisch bin. Die wirklich Fähigen benötigen diesen Popanz nicht!
ist aber sehr kurzsichtig gedacht..., gerade in unserer Zeit und für die Zukunft... ... 🤔
"Die wirklich Fähigen benötigen diesen Popanz nicht!"
Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen..., und fundierte Wissenschaft auch nicht... - zu letzterer gehören auch ehrlich erworbene Titel, völlig zu Recht. Nur durch Erfahrung und Selbstaneignung werden sie/Deutschland heute nicht mehr weit kommen... - sicher.
Als "Währung" der Wissenschaft wird ja gemeinhin die Reputation genannt, heutzutage pseudoobjektiv durch Zitationen und Drittmittel belegt. Diese Reputation wird mit dem Doktortitel für letzlich Nichtwissenschaftler in die Gesellschaft übertragen und für Karrieren monetarisiert. Das ist aufwändig, daher die Anreize zum Plagiieren.
KI macht dem Ganzen nun wohl den Garaus. Nicht nur wird das Zusammenfassen von (vermeintlichen) Erkenntnissen dadurch automatisiert, auch die Wissensschaffung dürfte weitgehend auf die KI übergehen. Was bleibt, ist die Vermittlung (der "Transfer") dieses Wissens, und das schaffen nicht Fachnerds, sondern eher schauspielerisch begabte Leute (mit fachlichem Grundwissen). Auf die werden sich die Wissenseinrichtungen nun stürzen, denn die bringen die Mittel herein.
Heißt für den Doktor (und den Professor), dass er seiner Kernfunktion - Wissensschaffung - verlustig geht. Und damit auch seiner Reputation. Nicht heute, aber bald.
Sie sind, noch, positiv gestimmt Herr Lanck. Das macht mir Mut. Naja, zum Ausklang der Woche wenigstens ein Hoffnungsschimmer in Wendezeiten oder Zeitenwende oder wie war das noch?
So bin ich für heute bedient lieber Herr Brodkorb!Denn wenn Sie mal einen Titel was unterirdisches Benehmen in der Ausübung des journalistischen Berufs vergeben möchten,empfehle ich Ihnen wärmstens das von Herrn Dr.Schmiese geführte Interview mit Frau Dr. Weidel,welche die von Ihnen angesprochene "charakterliche universitäre Erziehung" wohl noch genossen hat im Gegensatz zu ihrem promovierten Gesprächspartner.Und Frau Dr.Weidel,die keinen einzigen Satz aussprechen konnte ohne das alles uebertoenende Dazwischengequatsche dieses Herrn Doktors, als Zuschauer konnte man dem kaum noch folgen,davon abhielt das Gespräch nach 2 Minuten abzubrechen.Von Moderationen in denen Slomka,Lanz und wie sie alle heißen mögen schon schlechtes Benehmen zur Kunst erhoben haben im Umgang mit der AfD war dieses Sommerinterview ein neuerlicher journalistischer Höhepunkt! Und mittels Plagiaten erworbene Titel sind nichts anderes als Betrug! MfG
Ich schließe mich in allen Punkten Ihren Ausführungen an.
Vielen Dank Herr Brodkorb für Ihren kritischen und erhellenden Artikel!
Leider sind Sie ein einsamer Rufer in der Wüste -
was nichts daran ändert, dass Sie Recht haben und nicht oft genug mehr Qualität eingefordert werden müsste! Danke.
in der Wissenschaft existiert schon lange.
Seit Jahrzehnten stehen sowohl in den sog. Geisteswissenschaften als auch in den angeblich "neutralen" Naturwissenschaften Objektivität u. Suche nach wahrer Erkenntnis nicht mehr im Mittelpunkt allen Forschens u. Lehrens, sondern Ideologien und Gewinnstreben der Geldgeber.
Echte Wissenschaftler führen ein Schattendasein. Die meisten von ihnen können sich ihre Objektivität nur leisten, weil sie finanziell unabhängig sind d, h. keinem Geldgeber dienen müssen. Daher gibt es nicht mehr allzu Viele von ihnen.
Erst j e t z t kommt allmählich immer mehr ans Licht, wohin die Universitäten u. div. Hochschulen abgedriftet sind u. welcher Schaden dadurch angerichtet wurde, daß Masse statt Qualität in der Bildung Vorrang hat u. daß alle möglichen Äußerlichkeiten u. Nebensächlichkeiten mehr zählen als
Wahrhaftigkeit.
Eine Gesellschaft, die Reiche u. Blender mehr schätzt als charaktervolle, anständige Menschen, hat allerdings nichts Besseres verdient.
Wie wahr! Gute Beispiele sind da z.B. Herr Prof.Dr. Hans-Werner Sinn und Herr Prof.Dr. Gerd Ganteför, die ihre ehrliche Meinung erst öffentlich kundtun, seit sie emeritiert sind und nicht mehr vom Geld der "öffentlichen Hand" abhängig.
und war vorher stellvertretende Bundesverfassungsschutzpräsidentin und hat wesentlich an Gutachten gegen die AFD mitgewirkt. Da braucht man sich nicht mehr wundern. Und wird sie zurücktreten? Naja, vielleicht und dann wie Giffey an anderer Stelle wieder wie Phönix aus der Asche aufzuerstehen. Man fragt sich immer, warum so etwas nicht bemerkt wird. Ich habe Stefan Weber bei NIUS mehrfach gehört. Vor 20 Jahren gab es noch keine Computerprogramme, die so etwas detailliert offen legten. Viele Schriften waren noch nicht digitalisiert und deshalb fan man oft nur schwer Plagiate, das müssen wir den Professoren zugutehalten. Übrigens? Wurde bislang ein AFDler beim Plagiieren erwischt? Ich bin mir sicher, da wurden schon alle mehrfach durchleuchtet. Ich schreibe jetzt nicht, wohin diese Frau gehört. Aber geistiger Diebstahl ist strafbar. Wo bleibt der Staatsanwalt? Ach richtig, die dürfen ja wieder nicht.
"Und so was ist Justizsenatorin"
Ob beabsichtigt oder nicht,bezeichnete sie unser Herr Brodkorb deshalb wohl auch als ein Glücksgriff für Berlin;).Aus Sicht der Union mag dies zutreffend bzw. eine sozusagen "Expertin" für Gutachten an der richtigen Stelle positioniert zu haben gewesen sein.Doch bin ich fast sicher,nachdem ihr auch im Sinne der anderen Kampfparteien gegen rächts nur mäßig Erfolg beschieden war wenn man den Stimmenanteil der AfD trotz
behördlicher Unterstützung berücksichtigt,wird sie unter einer neuerlichen u. wie es aussieht roten und linken Regierung sowieso einer anderen Verwendung zugeführt werden?Was mich bei der AfD dagegen immer mal wundert ist,dass diese
solche Steilvorlagen o. "Interessenkonflikte" in Ämtern der politischen Konkurrenz nicht genutzt werden,um diese offen zu legen.Und wie Sie auch denken,hat man die Titel von AfD-Leuten schon doppelt u. 3fach aufs Korn genommen;). LG
"Anstatt der manchmal unbequemen Wahrheit nachzuspüren, werden politische Deutungskämpfe ausgetragen und Lehrstühle immer öfter anhand von Fragen weltanschaulicher Konformität vergeben."
Die Schulen unserer Eliten (incl. des Journalismus) befruchten sich in diesem Sinne selbst..., unterstützt von einer politischen Klasse welche selbst schon diesen Weg gegangen ist... ...
>> DAS führt auf längere Sicht unweigerlich zur politischen und wissenschaftlichen Inzucht... - mit all ihren 'unangenehmen Folgen'... ...
Leider ist Charakter heute nicht mehr entscheidend. Frau Badenberg mag eine fähige Politikerin sein, das hat erstmal nichts mit dem mutmaßlichen akademischen Betrug zu tun, den sie begangen hat. Aber der Doktortitel war und ist ein Karriere- Booster. Ohne den Titel wäre sie vermutlich nicht dorthin gelangt, wo sie heute ist oder jedenfalls wäre dieser Weg wesentlich schwieriger geworden. Deshalb dürfen derlei Betrügereien auch nicht folgenlos bleiben. Wenn ich mir unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in meinem Lebenslauf nen Job erschleiche, für den mir die Qualifikation fehlt, wird, wenn der Betrug nach Jahren hervorragender Ausübung dieses Jobs auffliegt, der Arbeitgeber mich trotzdem achtkantig feuern und anzeigen. Von der Justiz bekomme ich eins drüber gebraten, womöglich lande ich sogar im Knast. Es kann nicht sein, dass für Politiker völlig andere Maßstäbe gelten sollen als für den Normalbürger, DAS untergräbt das Vertrauen nachhaltig, dass es mit rechten Dingen zugeht.
"das Vertrauen ..., dass es mit rechten Dingen zugeht." - 🤣🤣🤣
👍 - Der war gut... ...
Die Formulierung hätte ich mir verkniffen.Sollte das Ergebnis der Prüfung sein, dass Weber recht hat, dann wäre das ein verheerendes Selbstzeugnis.
Für fragwürdig halte ich, dass genau die Alma Mater, die die Dissertation abgenommenes, die Prüfung vornimmt.
Das zu Grunde liegende Problem ist, dass Professoren Themen vergeben, in denen sie selbst gar nicht sattelfest sind und nur mit einem enormen Arbeitsaufwand gründliche Gutachten erstellen könnten. Das liegt an der viel zu großen Zahl von Promotionsvorhaben. - und natürlich an der schlechten Ausbildung. Es gehört zu wissenschaftlichen Propädeutik, dass man richtig zitiert und vor allen alles zitiert, was man verwendet. Die wissenschaftliche Leistung besteht auch darin, aus dem,was vorhanden ist, etwas Neues, Eigenes zu formen. Abschreiben kann jeder, Gedanken weiterzuentwickeln können nur wissenschaftlich Begabte. Auch ohne diese spezielle Begabung kann man eine gute Verwaltungsjuristin sein.Man sollte seine Grenzen kennen.
