Henry David Thoreau
Büste von Henry David Thoreau / picture alliance/AP Photo | Charles Krupa

Henry David Thoreau - Widerstandsgeist gegen die autoritäre Wende

Vor gut 150 Jahren erschien Henry David Thoreaus Essay „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“. Eine dringende Lektüreempfehlung, damit zukünftig der deutsche Grundrechte-Report wieder positiver ausfallen kann.

Autoreninfo

René Schlott, geboren in Mühlhausen/Thüringen, ist Historiker und Publizist in Berlin.

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Als Ende Mai in Berlin der jährliche Grundrechte-Report vorgestellt wurde, war das den Medien kaum eine Schlagzeile wert. Andere Ereignisse, vor allem aus dem Nahen Osten und den USA, dominierten die Nachrichtenagenda. Doch der Tenor des Berichts war alarmierend: Die Grundrechte in Deutschland sind zunehmend gefährdet. Wer die weitreichenden Freiheitseinschränkungen in der Corona-Pandemie mit Ausgangssperren, Grenzschließungen, Demonstrationsverboten, Polizeikontrollen, Isolationspflichten und Kontaktbeschränkungen noch vor Augen hatte, den konnte dieser Befund kaum überraschen. 

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Urban Will | So., 27. Juli 2025 - 09:50

gierung ist die, die am wenigsten regiert.“ Und dann schaue man sich den Irrsinn dieser Zeit an. Regierungen rühmen sich ja geradezu, viele Gesetze erlassen zu haben. Der Bürger wird täglich mehr entmündigt, enteignet, ignoriert. Ein Clique von selbstverliebten Dilettanten regiert.
Wer heute mit offenen Augen durch dieses Land geht, v.a. durch die Großstädte, und sich überlegt, wie es dort mal ausgesehen hat und aussehen könnte, wer sich überlegt, wo all die Milliarden, die der Staat uns wegnimmt, hinfließen, der kann, der muss doch den hier zitierten Satz von Thoreau: „Ich sah, dass der Staat einfältig ist...ich verlor die geringe Achtung vor ihm, die noch übrig war...“ nicht nur unterschreiben, er muss ihn ergänzen: „Ich sehe, dass der Staat einfältig, eiskalt und hinterhältig ist, dass er seine steuerzahlenden Bürger verachtet und ausnimmt...“ Für mich selbst kann ich sagen, dass ich jegliche Achtung vor diesem Staat, sprich seiner Regierung (nicht vor dem Land!) verloren habe.

Jens Böhme | So., 27. Juli 2025 - 10:38

In den 1950er Jahren gab es in der DDR einen staatstragenden Slogan "Vom Ich zum Wir". Es war die SED-Kampagne der freiwilligen Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Die Kollektivierung des freiheitlichen Systems in der Moderne ist wie das Corona-"Impfangebot" (in der Realität ein Impfdruck) ein schleichender Paradigmenwechsel. Dies fördert u.a. solch Parteien, wie die AfD. Ob der Kampf gegen Wirkungen und nicht gegen die Ursache den Erhalt des freiheitlichen Systems fördern, kann sich jeder Bürger selbst beantworten.

Markus Michaelis | So., 27. Juli 2025 - 14:37

Die Bedeutung der Grundrechte wurde auch 1949 diskutiert, ihren Kern fasst man glaube ich damals als Abwehrrechte des Individuums gegen den Staat auf. Dann kam die Fürsorgepflicht des Staates für das Individuum - was gut klingt. Aber wie so oft, ist es nicht gut, ganz verschiedene Dinge mit demselben Begriff zu belegen. Die Fürsorgepflicht des Staates ist immerhin, weil der Staat selber nichts kann, eine Pflicht, die man Menschen aufbürdet. Da scheinen mir andere Abwägungen angebracht als bei Abwehrrechten. Heute werden Grundrechte zunehmend als eine Norm aufgefasst, wie Menschen zu denken und zu leben haben und der Staat hat dafür zu sorgen, dass seine Bürger diese Grundrechte (also Normen) einhalten. Das ist wieder etwas ganz anderes.

Im Moment scheint mir das oft den Charakter zu haben, dass man sich ein einziges, richtiges Menschsein für alle Menschen vorstellt, und der Staat dieses durchsetzen sollte.

Jens Böhme | So., 27. Juli 2025 - 19:49

Antwort auf von Markus Michaelis

Eigentlich gibt es die Fürsorgepflicht des Staates, z.B. bei Wasser- und Strombereitstellung. Die schleichende Balkonkraftwerkisierung höhlt das Prinzip der Energiebereitstellung aus bzw. verschiebt die Fürsorge zur Fürsorge der Gefühle, Meinungen und Haltungen der Individuen. Solch Solidaritätskraftakt wird bitter für die Gesellschaft enden.

Eselsbrücke | Mo., 28. Juli 2025 - 09:47

dem geneigten Leser auch Thoreaus Tagebücher ans Herz legen. Sie sind ein Quell der Weisheit!