Peter Sloterdijk - Souverän denken

Geistesgegenwart ohne Zeitgeistigkeit: Peter Sloterdijk zeigt, was es heißt, ein eigensinniger Einzelner zu sein und dem medial wie politisch zugespitzten Konformitätsdruck zu trotzen

Der Philosoph Peter Sloterdijk nimmt am 15.10.2012 auf einer Pressekonferenz in München (Bayern) teil
Nonkonformist und Platz 1 auf der Cicero-Liste der 500 wichtigsten Intellektuellen: Peter Sloterdijk / picture alliance

Autoreninfo

Norbert Bolz ist Professor für Medienwissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Er ist Autor zahlreicher Bücher; zuletzt erschien von ihm „Das richtige Leben“ (Verlag Wilhelm Fink, 2013). Im Jahr 2011 wurde Bolz mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnet

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Peter Sloterdijk ist der einzige deutsche Intellektuelle, den man als Denker im klassischen Sinne bezeichnen kann. Charakteristisch für jeden echten Philosophen ist, dass er sich nicht von unwichtigen Fragen ablenken lässt. Aber das wird unter modernen Lebensbedingungen immer schwieriger. Dass das philosophische Leben heute fast unvermeidlich auf Abwege gerät, hat drei Gründe: Die Politik verführt zum Gefälligkeitsdenken, die Medien verführen zur Selbstinszenierung, und die Universität verführt zur Resignation. Gegen diese Übel kennt Sloterdijk eine Medizin, die schon Nietzsche verschrieben hat, nämlich eine Dosis Übermut: Riskiert etwas, im Leben wie im Denken! Seid Abenteurer! Wagt es, gefährlich zu denken! Auf die Schiffe, ihr Philosophen, seid neugierig, es gibt noch eine Welt zu entdecken!

Zum Freimut des souveränen Denkers gehört der kalte, sichere Blick der Schätzung. Bei Peter Sloterdijk kann man sehen, wie man diesen Blick bekommt. Er versteht Selbstbehauptung als Selbstbehausung und Nietzsches Geschichte, wie die wahre Welt zur Fabel wurde, als Anleitung zur rhetorischen Welterfindung. In der Kraft, Namen zu geben und Metaphern zu prägen, kann man heute niemanden mit Sloterdijk vergleichen. Seine nichtargumentative Philosophie trifft mit absoluten Metaphern bildhafte Vorentscheidungen, die die ganze Welt strukturieren.

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Claudie cotet | Do, 31. Januar 2019 - 14:50

Cicero +
hier in frankreich leider zu kompliziert zu geniessen....
schade, ausgerechnet sloterdijk....

Heidemarie Heim | Do, 31. Januar 2019 - 16:16

Obwohl recht nah an die Grenze meines persönlichen Auffassungsvermögen gebracht, liest es sich für mich wie eine "Liebeserklärung";-) zwischen zwei philosophischen Kämpen/Streitern gegen die Mittelmäßigkeit. Danke Prof. Bolz und dem Cicero für diesen "außeralltäglichen" Artikel mit seinen vielfältigen "Denkanstößen" ganz im Sinne Sloterdijks! MfG

Gisela Fimiani | Do, 31. Januar 2019 - 16:21

Man vergleiche den allseits hochverehrten Habermas mit Sloterdijk und weiß, was mit souveränem Denken gemeint ist. Sloterdijk nimmt sich die Freiheit, mit allen Konsequenzen.

Heinz Meier | Do, 31. Januar 2019 - 17:48

nimmt sich die Freiheit , hat das Recht dazu und ist schon da, wenn die anderen zurück kommen.

Wolfgang Raub | Do, 31. Januar 2019 - 18:44

Die Leistung von Hn. Prof Sloterdijks kann ich leider nicht einstufen. Allerdings habe ich mitbekommen, daß er dem merkelrotgrünen Mainstream trotzt und sich eine eigene Meinung bildet, dazu auch steht und diese auch verteidigt.

wenngleich er da sicher nicht alleine steht.
Ich möchte dennoch präziser werden, um dann den Unterschied deutlicher werden zu lassen, Prof. Sloterdijk trotzt vielleicht der von Ihnen beschriebenen Gruppe, aber das steht für ihn nicht im Vordergrund.
SLOTERDIJK DENKT, Frau Merkel ist in seinem Weltzusammenhang bei allem gebührenden Respekt! evtl. nur eine Fußnote der Geschichte.
FÜR FRAU MERKEL schreiben evtl. "Legionen".
Über diesen Spannungsbogen denke ich auch ab und an nach.

Mercedes Kreuter | Do, 31. Januar 2019 - 19:38

Sehr geehrter Herr Bolz,
jeder Satz ein Ausrufungszeichen und meine vollste Zustimmung dafür! Sloterdijk ist wirklich ein Intellektueller, auf den wir als Nation wirklich stolz sein können. Seine Texte sind wohl ganz bestimmt nicht zur Nachtlektüre geeignet, da stimme ich Ihnen absolut zu. Es kann sogar manchmal quälend sein seinen Gedankengängen zu folgen, weil sie ein hohes Maß an Konzentration einfordern.

Ich würde zu gerne ein Gespräch zwischen Ihnen beiden verfolgen.

Dennoch möchte ich anmerken, dass gerade die quantitative Auszählung einen Überblick ermöglicht eben über die meist Genannten, diejenigen, die sehr häufig bemüht und zitiert werden, über die diskutiert wird.
Da sich mein Radius im Prinzip auf den Cicero beschränkt, war ich dann doch angenehm überrascht, dass in Deutschland überhaupt noch mit- und übereinander gesprochen wird, obwohl das Verfahren ja nicht angibt, in welchem Ton dies jeweils geschieht.
Da wäre ich dann vermutlich wieder nicht überrascht worden.

Christoph Kuhlmann | Sa, 16. Februar 2019 - 18:53

Bedürfnis die Sache auf den Punkt zu bringen. Das geht mir auch bei Sloterdijk so. Wie sagte Niklas Luhmann immer, Reduktion von Komplexität zum Aufbau eigener Komplexität. Ich halte dies für die zwingende Voraussetzung intellektueller Autonomie, die im Getöse derjenigen, die lediglich Informationen analog reproduzieren anstatt sie zu digitalisieren, so schwer zu bewahren ist.

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