Paris Fashion Week - Die Mode ist tot, es lebe die Mode

Mit Jean-Paul Gaultier ist einer der letzten Modeschöpfer der alten Schule von der Bühne getreten. Mit ihm ist eine ganze Epoche zu Ende gegangen. Haute Couture wird heutzutage nur noch von russischen Oligarchenfrauen und reichen Asiatinnen gekauft. Die Mode hat sich demokratisiert

Jean Paul Gaultier bei einer Modenschau in Paris 2017
Macher und Musen: Jean-Paul Gaultier / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Mode ist politisch. Denn Mode bildet Machtverhältnisse ab: ökonomische, kulturelle und soziale. Deshalb kündigte Mode auch immer von gesellschaftlichen Umbrüchen: Coco Chanels „kleines Schwarzes“ war nicht nur Ausdruck der Emanzipation, es war selbst emanzipatorisch; Christian Diors „New Look“ stand für die Restauration der 50er Jahre; und der Twiggy-Style der 60er symbolisierte die sexuelle Revolution und die zweite Welle des Feminismus. Mode ist auch deshalb politisch, weil sie seit Menschengedenken Distinktionsmerkmal ist. Sie markiert die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Klassen, zu Berufsgruppen und Subkulturen. Zugleich spiegelt sie Rollenbilder von Frauen und Männern, von Mächtigen und weniger Mächtigen. Und sie gestattet einen Blick auf die sozialen Strukturen, die all das hervorbringen.

Wenn in Paris zweimal im Jahr die großen Haut Couture Schauen laufen, dann haben wir es also mit mehr zu tun als mit einer Reihe exzentrischer Inszenierungen überteurer Klamotten. Mode ist eine Sprache, in der eine Gesellschaft zu sich selber spricht. Insofern sind die Haut Couture Präsentationen immer ein Blick in einen kollektiven Spiegel. Was man dieses Jahr in diesem Spiegel sehen konnte, musste einen jedoch nachdenklich stimmen. Oder melancholisch. Je nach dem.

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gabriele bondzio | Sa, 25. Januar 2020 - 10:53

Es hat wohl auch etwas mit dem Zeitgeist und dem Umstand, dass die Textilbranche als zweit dreckigste Industrie gilt, zu tun. Demgemäß müssten Modelabels immense Schwierigkeiten, bezüglich ihres Ansehens in der Öffentlichkeit überwinden. Und vom „Bild“ in breiten Massen, leben auch die exklusiven Modeschöpfer in der Kreation ihrer Marke. Auch wenn sich wenige diese Mode leisten konnten.
Das Fazit von Herrn Grau, dass die Berechenbarkeit von Strukturen wegbrich, ist nicht von der Hand zu weisen.

Andreas Johanning | Sa, 25. Januar 2020 - 12:54

Als wenn Mode eine Erscheinung des patriarchalischen 19. Jahrhunderts ist. Kleidung als Distinktionsmerkmal begleitet die Menschen (ja, Männer und Frauen) seitdem Sie Kleidung tragen können. Dementsprechend verändert sich die Mode ständig. Mal langsamer, mal schneller. Selbstverständlich werden auch in Zukunft Modedesigner daran mitwirken. Alte Designer sterben oder gehen in Rente. Neue, deren Namen wir noch nicht kennen, folgen nach. Der Artikel suggeriert das Ende der Modegeschichte. Solchen Aussagen ist grundsätzlich zu misstrauen.

Da muss ich widersprechen. Der Autor, Herr Grau, zeichnet nicht das Ende der Modegeschichte, sondern einer Ära in der Modegeschichte. Siehe seine Sätze :"Mit Jean-Paul Gaultier ist einer der letzten Modeschöpfer der alten Schule von der Bühne getreten. Mit ihm ist eine ganze Epoche zu Ende gegangen."

Andreas Zimmermann | Sa, 25. Januar 2020 - 14:57

Mmhh … Mode ist ein Thema mit welchem ich nie wirklich etwas anfangen konnte, um welches ich mich erfolgreich jahrzehntelang gedrückt habe und nicht einmal während meiner Jugend hat mich dieses Thema groß berührt. Ist das oben beschriebene Thema ein Verlust? Möglich, aber ich finde nicht wirklich. So wie auch ich keinen Bock hatte, mich mit gerade derartigen modischen Firlefanz auseinanderzusetzen, scheint es vielen zu gehen. Wenn sich die Menschen nicht mehr für so abgehobene Extravaganzen interessieren, sondern für andere oder wirklich wichtige Themen, dann ist das nicht so eine Katastrophe. Kurz und gut - Wenn die Modewelt auf die Größe schrumpft die ihrer eigentlichen Bedeutung entspricht, dann ist das eben so und eher nebensächlich! Ich würde lügen wenn ich etwas anderes behaupte aber die Reduktion der Artenvielfalt unseres Planeten, Umweltzerstörung, Überbevölkerung und die Arroganz & Kurzsichtigkeit unserer Eliten machen mir mehr Bauschmerzen. Oder hab ich da was übersehen?

Herr Zimmermann.
Nur vielleicht die Reihenfolge: Coronavirus ist eine gefährlichere Alternative zur Klimarettung.
Die westlichen Aktivisten sind nicht bereit für ihre Sache, ihr Leben zu opfern. Deshalb ist derer Protest nur auf einen Viertel des globalen Problems beschränkt. Denn sie wissen, hier - EU/USA/Kanada/AUS ihnen nichts passieren kann. Anderswo wären sie mit Gummigeschossen von den Bäumen geholt.
Die simple Begründung vor Ort: Protestler auf den Bäumen machten einen gefährlichen Job, der vorsehbare Risiken birgt. Beim nächsten Mal, werden sie keine Fäkalien von den Bäumen auf die Ordnungskräfte werfen. Das nämlich, wird anderswo, als bakteriologische Kriegsführung betrachtet, und womit der Bestand des Kriegsverbrechens erfüllt. Anhand der daraus erfolgten DNA, kann man die Verbrecher ermitteln.

Maria Fischer | Sa, 25. Januar 2020 - 17:13

eine der schönsten und kreativsten Formen der menschlichen Kommunikation und eine wunderbare Vorlage zu Schillers Spieltheorie: „Der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt“
Jedes Haus, Chanel, Gucci, Givenchy, etc hat seine eigene DNA die weitergeführt wird, siehe Clare Waight Keller bei Givenchy.
Auch die Strenge in den Modeateliers in Paris wird fortgeführt, die Schneiderinnen haben dort das Sagen.
Die Geschichte von net-a-porter beweist wie erfolgreich Designer Mode vermarktet werden kann und das diese keinesfalls nur von reichen Gattinnen gekauft wird.
Die Mode z.B. in Paris unterliegt klaren Codes. Diese Codes sind aber nicht statisch und nicht nur an teure Labels gebunden, sondern haben Geist und Stil als Voraussetzung.
Was spricht gegen ein paar teure Loafers kombiniert mit günstigen Jeans? Passt nicht zum Grünen/ Merkel Zeitgeist nicht wahr? Kann ich verstehen. Frau Merkel passt aber auch nicht in „das kleine Schwarze" von Chanel.
Der Inhalt würde fehlen.

aber das was in Paris von den "etablierten" Modehäusern vorgeführt wird, trägt doch kein "Normalsterblicher" (s. Bild:, 2. von rechts), Frau Fischer.
Auch was sonst auf dem Catwalk präsentiert wird, ist nicht für die breite Masse konzipiert. Das ist "Mode" für einige wenige Abgehobene. Damit kann man im Karneval in Venedig auftreten. Und bezahlbar ist dies auch nur für Betuchte.
Salute

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 26. Januar 2020 - 12:30

Das wäre ja nicht das Schlechteste.
Ich würde überlegen, ob die großen alten Männer und Frauen nicht noch stärker für Epochen standen, die sich ausprägen konnten und bekleidet, in Szene gesetzt werden wollten, die Moderne hingegen sich personalisiert, individualisiert, stilisiert.
Vielleicht läuft es auf das Gleiche hinaus, mehr Freiheit, mehr Kreativität?
Ich glaube nicht.
Das eine ist Bekleidung als Massenware - Gott sei Dank dafür! - das andere künstlerischer Ausdruck.
Kunst steht vielleicht im Rampenlicht, weniger Mode?
Irgendwie auch ein Luxusphänomen einer WOHL lebenden Massengesellschaft.
`Jeder Mensch ist ein Künstler´, da oder dort...

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