„Okay, Boomer“ - Her mit dem Generationenkonflikt!

Die Jugend sagt ihrer Elterngeneration mit der Bemerkung „Okay, Boomer“ den Kampf an. Das finden viele Baby Boomer kindisch. Dabei sollten sie sich fragen, woher der Protest rührt: Sie stehen für eine Generation, die selbst nie ganz erwachsen wurde

Säuglinge
Ob Baby Boomer oder Generation Z: Alle waren sie mal klein / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Eine Gesellschaft, in der sich andauernd jeder über jeden empört, braucht regelmäßig neue Feinbilder. Denn auch die schönste Kampfzone wird in unserer überdrehten Medienwelt schnell öde: Linke gegen Rechte, Fahrradfahrer gegen Autofahrer, Veganer gegen Fleischis, Frauen gegen Männer, Progressive gegen Abgehängte – alles Schnee von gestern. Zeit also für eine neue Frontlinie. 

Und welch ein Glück: Vor zwei Wochen trat Chlöe Swarbrick auf den Plan. Chlöe Swarbrick muss man nicht kennen. Sie ist eine junge Abgeordnete der Green Party of Aotearoa New Zealand. Anfang November geriet sie in das globale Scheinwerferlicht der sozialen Medien. Auf den Zwischenruf eines Abgeordneten der konservativen New Zealand National Party (Todd Muller), antwortete sie nämlich mit der flapsigen Bemerkung: „Okay, Boomer“.

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Ellen Wolff | Sa, 23. November 2019 - 09:15

Sehr geehrter Herr Grau,

jetzt würde es mich schon einmal interessieren, was aus Ihrer Sicht die Kriterien für das „Erwachsensein“ sind. Sich einem erwachsenen Kleiderstil, was auch immer das sein mag, anzupassen kann es ja wohl nicht sein. Ich denke zum Erwachsensein gehört, Verantwortung für sich selbst, und sein Tun zu übernehmen, Konflikten nicht aus Feigheit oder Bequemlichkeit aus dem Weg zu gehen und seine eigenen Grenzen zu kennen. Und warum sollte es dem Erwachsensein entgegenstehen nach dem Sinn zu suchen und sich selbst zu verwirklichen, vorausgesetzt, das mit der Verantwortung geht dabei nicht unter ;)

Zum Erwachsenwerden gehört es, nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die Erziehung seiner Kinder zu übernehmen, damit diese später verantwortlich handeln können. Sie brauchen die Gelegenheit zu geben, sich an den Eltern zu „reiben“. Wir sind den Kindern keine Freunde oder Buddies, wir sind ihre Eltern. Auch hier liegt eine Grenze, die zu erfahren unseren Kindern gut bekommt. Wir sollten dem Generationenkonflikt nicht vermeiden, indem wir unserer Kinder Freunde werden wollen. Dazu brauchen sie uns nicht.

Sie haben recht. Das hatte ich bereits mitgedacht „ Verantwortung für sein Tun“ , das schließt die Erziehung der Kinder mit ein ;)

muss aber auch "gelernt" werden.Ich kann nicht umhin zu sagen, dass wir den Kindern zuviel abnehmen, sie regelrecht verzärteln.
Schon Kant prägte die Worte:“Das Gefühl darf nicht verzärtelt werde. Hang zur Gemächlichkeit ist für den Menschen schlimmer als alle Übel des Lebens. Kinder, die nicht schon verzärtelt sind, lieben wirkliche Vergnügungen, die mit Strapazen verknüpft, Beschäftigungen, zu denen Kräfte erforderlich sind.“

Altkluge urteilen altklug über nachfolgende Generationen. Wie aber urteilen die Jungen über die Alten? Scheint nicht zu interessieren. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass Ältere sich Jüngeren gegenüber grundsätzlich als reifer, verantwortungsvoller, wissender fühlen. Lebenserfahrung wird das gerne genannt, selbst wenn das Leben reich an Fehlern und Irrtümern war und ist. Altersstarrsinn ist nur ein Begriff, den Jüngere im Gegenzug nennen, denn bekanntlich schützt auch das Alter nicht vor Blödheit. Oder sollte etwa die Nachkriegsgeneration den Alten besonderes Verantwortungsbewusstsein bestätigen, trotz NS und Weltkrieg? Wie werden nachfolgende Generationen uns und unsere Vorgänger für das Versagen nicht nur in der Klimafrage beurteilen? Sicher nicht als verantwortungsbewusst, geschweige denn als erwachsen.

Barbara Ebert | Sa, 23. November 2019 - 09:33

es dürfte sich um die 68er handeln

Markus Michaelis | Sa, 23. November 2019 - 14:20

Sneakers und Basecap sind glaube ich weniger das Problem und auch weniger Zeichen für irgendwas.

Was ich aber vielleicht ähnlich sehe: die Orientierung an Jugendlichen wird im Moment überbetont - sie suchen selber nach Orientierung, viele sind bei den Grünen, viele bei der AFD. Es gibt keinen Grund sich besonders an Jugendlichen zu orientieren.

Die Jugend wird neue Impulse bringen, einfach weil sie frei ist von alten Weltbildern (oder etwas freier). Aber etwas taugliches Neues wird daraus eher, wenn die Jugend sich das (dann abgeänderte) Neue auch gegen Widerstände, auch und gerade der Alten, erkämpfen muss. Das Gerangel ist notwendig.

Etwas konstruktiver als im Moment könnte es sein.

Eric Runkel | Sa, 23. November 2019 - 16:30

Es ist interessant, dass CICERO das einzige Magazin ist, das aktuelle oder besser akute Probleme unserer Gesellschaft so konkret anspricht. Die Infantilisierung unserer Gesellschaft ist in ausländischen Medien, in der Literatur und auf Symposien seit Jahren ein Thema, das leider von unserer "embedded press" totgeschwiegen wird. Danke.

Bernd Muhlack | Sa, 23. November 2019 - 17:25

Verehrter Herr Grau, ich war just knapp 2 Wochen im KH. Das war wie mit den "Kreuzberger Nächten" der Gebrüder Blattschuß: erst fangse janz langsam an, aber dann ...
Zeitweise bereits Finale, jedoch: ich lebe noch, q.e.d.!
"Not yet Kameraden, not yet!"
Der Kaleu im genialen Film Das Boot zu den Männern!
Herr Grau, ich hatte mehrere (bereits gelesene) Bücher dabei, auch ihr geniales Bändchen Hypermoral.
Einige der Pflegerinnen kuckten mich ob meiner kleinen Bettbibliothek ungläubig an: hat er die falschen Medikamente, da stimmt doch was nicht!
Anastassia B., eine junge Assistenzärztin lieh sich die "Hypermoral" übers Wochenende aus. "Ich habe das in einem Aufguss verschlungen, echt klasse!" 26j und rundum perfekt.
Die geniale Autobiographie Scholl-Latours hatte ich ebenfalls dabei. "Wer ist das?" fragte sie.
Ein klein wenig enttäuscht ob dieser Frage, habe ich ihr das Buch geschenkt.
"Lesen Sie es bitte, dann ein Käffchen, Espresso u dann überlegen; Sie können das sicherlich sehr gut!"

Ich kenne nur einen infantilen jungen Menschen in der Altersgruppe 25 bis 30 Jahre. Alle anderen sind teilweise erschreckend erwachsen und betrachten die Welt sehr nüchtern. Fast alle studieren MINT-Fächer, Medizin, Jura etc. Denen fehlt echt die Zeit, um bei FfF mitzuhüpfen bzw. in ihren zukünftigen Berufen braucht es Kompetenz und saubere Sprache und keine Sprüche. Dennoch setzen die sich auch hart mit den Eltern auseinander und das ist auch wichtig für beide Seiten. Geht m. E. beides. "Wir sind mehr" ist ein arroganter Spruch, denn die Mehrheit hat keine Zeit für solcherlei Konzerte, sondern hält den Laden in DE am Laufen.

Wie schön, dass Sie wieder mitten im Leben angekommen sind!

Bernd Muhlack | So, 24. November 2019 - 18:04

In reply to by Michaela Diederichs

Also "wieder mittem im Leben angekommen" ist etwas übertrieben.
Wie sagt man so trefflich: cogito ergo sum.

Letzten MO kuckten wir des Abends auf Station/Zimmer 347 "hart aber fair"; Thema. "Die Situation der Krankenhäuser in D".
Zeitweise kuckten auch die "Schwestern" mit zu; solange niemand querulatorisch angeblich notbimmelte war das ja auch okay.
Alle Zuseher konnten ob so mancher Aussagen nur mit Kopf schütteln oder zynisch lachen. Es wurde quasi direkt, vorsätzlich ins Zimmer 347 hinein gelogen!

"Krankenschwester" ist übrigens meines Erachtens ein saublödes Wort, Bezeichnung; ich sage ja auch nicht "Krankenbruder" zu einem Pfleger!
Der Vorname und "Sie" sollte hinreichend sein, oder?
Man fummelt, gendert doch an möglichen herum, warum nicht an der "Krankenschwester"?
(ich meine natürlich das Wort, nicht die körperliche Person!)

Schön Sie wieder zu lesen. Hoffe die Hüfte schwingt bald wieder. Ihr Denken und ihre Hände tuen es jedenfalls. Herrlich und zutreffend wieder Ihr Kommentar. Auf das wir alle hier noch lange "meckern" und "philosophieren". Ach ja, und nie den Humor vergessen.
Der ist eine Bank im täglichen Wahnsinn.

Joachim Kiess | Sa, 23. November 2019 - 17:41

In der Vorstellung, Jeans, Sneakers u. dgl. seien Kleidung junger Leute, liegt vielleicht doch ein großes Missverständnis.

Genau umgekehrt ist es: DAS ist die
Kleidung der Babyboomer !

Die westliche Zivilisation krankt modetechnisch seit rund einem Jahrhundert daran, dass die jugendlichen Kleidungsstile der Männer aus den 1830er Jahren (zivile Uniformjacke der Bürgerlichen/des Adels, Langhose der Sansculotten plus der neuen Mode der Krawatte -abgeschaut von kroatischen Soldaten-) einfach rund 200 Jahre lang als "gut gekleidet" hingestellt wurde. Nur die Frauen haben sich seither modisch weiterentwickelt, diese sogar geradezu revolutionär.

Wenn jetzt endlich mal wieder eine Generation ihre Kleidung ein ganzes Leben lang beibehält (die Boomer), so ist das eine gesellschaftliche Normalisierung bzw. Rückbesinnung auf entsprechende Verhaltensweisen in den Jahrhunderten zuvor.

Die Jugend von heute ist insoweit das Problem:
sie ist schlicht einfallslos und unkreativ ...

Clara Schwarze | So, 24. November 2019 - 02:58

In Wirklichkeit ist das kein klassischer Generationenkonflikt denn dafür sind die "Boomer" viel zu alt. Sie sind die grob über 50jährigen.
Richtig ist allenfalls eins - die Gruppe 50+ hat zu viel Gewicht bei uns und v.a. die mittlere Altersgruppe zu wenig.
Darum dominieren bei uns entweder Kinder-Themen wie hopp-hopp-Kohlestopp, weil das alle niedlich und leicht instrumentalisierbar finden oder die ganz alten wie der "neue Kalte Krieg". Aber die Erfahrungen der mittleren Altersgruppe, die schon 9-11 und die NSA erlebt hat und mit dem Computer aufgewachsen ist, fehlen allzu auffällig. Das ist aber nicht der typische Generationenkonflikt.

Ernst-Günther Konrad | So, 24. November 2019 - 10:15

Herrlich locker geschrieben. Ich bin ein "Boomer" und deshalb nicht beleidigt, wenn das einer zu mir sagt. Habe für meine Kinder auch Kosewörter gehabt. Sehe weder Vorwurf, noch Despektierlichkeit darin. Für mich ist entscheidend, mit meinen Kindern auch strittige Themen respektvoll zu besprechen und auch von ihnen zu lernen. Ich kann sagen, das mir meine Kinder einiges beigebracht haben. Ich sehe und höre aber auch heute einige Dinge, die sie in ihrer Kindheit noch als "schwachsinnig" angesehen haben, plötzlich wie selbstverständlich in ihrem Lebensalltag wieder. Wir sollten die Jugend ernst nehmen und machen lassen. Wenn sie fragen- antworten, ungefragt Klappe halten. Sie gehen einfach mit vielen Dingen anders um, so wie wir es auch taten. Na und?
Wir waren doch auch nicht anders und heute höre ich mich Dinge sagen und Sachverhalte beurteilen, geradeso, als wären die Eltern noch unter uns. Ich rede mit der Jungend selber, lasse mir nicht von den Medien sagen, was die angeblich denken