Haftbefehl
Aykut Anhan alias Haftbefehl bei einem Konzert im Jahr 2020 / picture alliance / Eventpress Hoensch | Eventpress Hoensch

Netflix-Doku über „Haftbefehl“ - Die linke Sehnsucht nach dem Opfer

Graue Hochhäuser, Zigarettenrauch, schnelle Autos, gebrochene Männer. Eine Netflix-Doku inszeniert den Rapper Haftbefehl als tragische Figur, als Produkt seiner Umgebung. Aber sie zeigt vor allem eines: einen Menschen, der sich selbst zerstört und dafür gefeiert wird.

Autoreninfo

Meltem Seker studiert Politikwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

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Haftbefehl, mit bürgerlichem Namen Aykut Anhan, wird heute als vieles gesehen: als Held, als Erfolgsgeschichte, als Opfer des Systems. Doch nichts davon stimmt. Die neue Dokumentation über den Rapper („Babo – Die Haftbefehl-Story“) zeigt das Leben eines Mannes, der in der Gosse aufwuchs, Gewalt erlebte und dessen Vater das Geld der Familie an Spielautomaten verlor. Ein Junge, der Sozialarbeiter kannte, der staatliche Hilfe bekam und der trotzdem mit dreizehn Jahren kokainabhängig wurde. Eine Geschichte, die wehtut, bei der man nicht wegsehen kann. Doch die Reaktionen auf sie verraten mindestens so viel über unsere Gesellschaft wie die Doku selbst.

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Sebastian Habel | Do., 6. November 2025 - 15:58

Dann doch lieber Selbstzerstörung im Stil von Ozzy Osbourne oder Alexi Laiho: Ohne Gejammer, ekelhaftes Assigehabe und Antisemitismus. Dafür mit guter Musik. Rest in Power.

Bernd Windisch | Fr., 7. November 2025 - 14:08

Antwort auf von Sebastian Habel

ekelhaftes Assigehabe war sein Spezialgebiet. Selbstzerstörung als Philosophie ist ekelhaft. Und ob die Musik von Osbourne die bessere war lassen wir mal dahingestellt sein.

Ernst-Günther Konrad | Do., 6. November 2025 - 16:41

*Haftbefehl zeigt, wohin es führt, wenn Verantwortung verschoben und der Opferstatus glorifiziert wird.* Keine Verantwortung und immer waren es die anderen. Vom Staat, den man hast alimentiert werden und nach ihm schreien, wenn es weh tut oder mit aller Gewalt irrational gegen diesen Staat antreten. Oder hat bei diesem Menschen einfach nur die Integration versagt? Hätten wir alle mehr machen müssen für diese arme Seele, die sich selbst ausgesucht hat , wie sie leben will. Und was verdient er an der Doku bei Netflix? Den vielen Interviews? Und jetzt noch Werbung durch Artikel in den Msm und hier im Cicero? Ich würde sagen, für den läufts.

@Herr Konrad, und die "Vorarbeit" hat Heidi Reichinnek von den LINKEN erledigt, in dem sie die "Opferrolle" bei der jungen Wählerschaft auf allen Kanälen kultiviert. Bürgergeld statt Eigeninitiative. Und bezüglich einer Gegenstrategie sieht es bei den anderen Parteien mau aus.

Markus Michaelis | Do., 6. November 2025 - 17:42

viel von den Verschwörungstheorien der anderen, aber das eigene Welt- und Menschenbild ist auch oft recht selektiv. Wie es gerade passt sind die Wirtschaft, der Kapitalismus, der Westen, Männer, die Mächtigen, die Rechten und alle möglichen Gruppen schuld, und dann wieder nicht. Aber immer mit dem Anspruch man selber verträte DIE Menschheit und alle guten Prinzipien.

Ich mag dem in vielen Fällen nicht folgen.

Gisela Hachenberg | Do., 6. November 2025 - 23:08

Ein Artikel über einen „solchen“ Rapper im Cicero. Muss das sein? Wen interessiert das, frage ich mich. Elend gibt es überall genug. Frau Seker studiert Politikwissenschaft. Das Fach scheint sehr beliebt zu sein…

... die Frage, was denn solche Gestalten mit Kultur zu tun haben.

Aber beim Lesen wurde mir klar: Es geht Frau Seker NICHT darum, ob das arme Rauschgift-Würstchen mit den herunterrutschenden Hosen einen Beitrag zur Kultur leistet.

Es geht ihr darum, dass eine politische Partei, nämlich die Linke, das arme Würstchen noch ein zweites Mal für eigene politische Ziele verwurstet.

Es geht um die politische Kultur der Linken.

Stefan | Do., 6. November 2025 - 23:49

Da wo der junge Mann herkommt zeigt das scheitern der Migration sich von seiner deutlichsten Seite.
Frankfurts kleine Schwester ist eben kein Witz.
Wie singen die Ärzte:
"Junge, warum hast du nichts gelernt ??? "
Warum eigentlich nicht und überhaupt wer hält dich davon ab, dich selbst zu zerstören.
Für mich gibt's da keine Runde Mitleid, denn im Bahnhofsviertel zu Frankfurt am Main gibt's genug Gesellschaftsresultate die keine Serie auf Netflix bekommen und die sind im Prinzip keinen Deut besser.