Moser liest
„Striker“, „Die Richtige“, „Sie wartet, aber weiß nicht, auf wen“ / Bild: Canva / dtv / Klepenheuer & Witsch / S. Fischer

Moser liest - Künstlerliebe, Randzonen, Arthur Schnitzlers „Reigen“

Drei neue Romane zeigen, wie unterschiedlich Literatur heute erzählt: Martin Mosebach blickt in „Die Richtige“ auf Macht und Missbrauch in der Kunstwelt, Helene Hegemann erzählt in „Striker“ vom Überleben am Rand der Gesellschaft, Roland Schimmelpfennig adaptiert Schnitzlers „Reigen“ in die Gegenwart.

Autoreninfo

Ulrike Moser ist Historikerin und leitet das Ressort Salon bei Cicero.

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In der Kunstwelt

Wieder ein Kunstroman. Wieder Schauplätze kultureller Selbstvergewisserung wie Venedig und Paris. Manches mag auf den ersten Blick vertraut wirken im neuen Roman von Martin Mosebach, aber der Ton, den er dort anschlägt, ist ein gänzlich neuer: schärfer, abgründiger, manchmal fast satirisch. Da ist der Künstler mit dem Habitus des Malerfürsten, Louis Creutz, hochmütig, gefühlskalt, für den seine Modelle Material sind, Haut und Fleisch, die es in Perfektion auf der Leinwand zu bannen gilt. Und da ist Astrid, fröhlich, unbedarft, die einem Mann aus der Gönner-Entourage von Creutz als Ehefrau zugeführt werden soll. Dabei ist sie längst als Beute des monomanischen Künstlers vorgesehen. Nicht von elegischem Verfall, wie Mosebachs letzter Roman, handelt „Die Richtige“, sondern von Zerstörung. Daraus mag große Kunst entstehen, aber es ist die Figur des Künstlers, die Mosebach fast lustvoll und vielleicht mit einer Spur Selbst­ironie in seinem großartigen Buch demontiert. Umso mitfühlender ist sein Blick auf die, die um der Kunst willen auf der Strecke bleiben.

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