Björn Höcke
Gründungsveranstaltung der Generation Deutschland; Björn Höcke im Thüringer Landtag / picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto / picture alliance/dpa | Martin Schutt /

Moderne nach Björn Höcke - Höckes Krieg gegen den „Hyperliberalismus“

Die neue AfD-Jugendorganisation bündelt ein Milieu, in dem Björn Höckes Erzählung von „Dekomposition“ und „Rekomposition“ zur Deutungsgrundlage wird – samt der Entlehnung eines analytischen Begriffs, der eigentlich aus einer innerliberalen Kritik stammt.

Felix Binder

Autoreninfo

Felix Niklas Binder hat in Passau Rechtswissenschaften, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und beschäftigt sich intensiv mit politischer Philosophie und Kulturkritik. Auf dem eigenen Substack schreibt er schwerpunktmäßig über das westliche Kulturphänomen des Wokeismus, Liberalismus und die Spannungen bzw. Symbiosen beider. 

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Bei der Gründung von „Generation Deutschland“ in Gießen zeigt sich, wohin sich die AfD-Jugend orientiert. Draußen protestieren Tausende, drinnen gibt sich die Partei eine neue Jugendorganisation, deren Vorsitzender offen erklärt, Björn Höcke sei sein großes Vorbild. Im AfD-Livestream tritt der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke entsprechend als ideologischer Pate auf. 

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Walter Buehler | Mi., 3. Dezember 2025 - 09:57

Blendet man die modische Begrifflichkeit aus, die heute den Jargon in den Sozial- und Politikwissenschaften prägt, dann schließt sich der Artikel von Herrn Binder unmittelbar an den Cicero-Artikel der Gebrüder Petri über den "Tech-traditionalismus" an.
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Während die Gebrüder Petri nach meinem Eindruck den Zionismus als Vorbild für einen "Post-Liberalismus" vorstellen wollen, bringt Bernd Höcke (nach dem Eindruck Binders) "innerliberale Kritik, postliberale Motive und neurechte Metapolitik" sowie die deutsche Tradition (bündische Jugend, Verbindungen, usw.) in die Diskussion ein. Er darf damit aber nicht auf die Tradition nationalsozialistischer Gedanken reduziert werden.
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Ob es je ein direktes Gespräch zwischen den Gebrüdern Petri und Bernd Höcke geben kann?
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Die ungelenke Diskussion über mediale Um- und Irrwege, wie sie heute - trotz des herrschenden "Liberalismus" - immer noch unverzichtbar erscheint, ist aber sehr lästig und eine Quelle vieler Irrtümer.

G. Fischer | Mi., 3. Dezember 2025 - 09:59

Es ist doch interessant, wie man sich an Herrn Höcke inzwischen auch philosophisch so prima abarbeiten kann. Ihn wird es freuen. Offenbar ist kein anderer Politiker derzeit so interessant und intellektuell unterwegs wie er. Interessiert es die AfD-Wähler? Eher nicht. Die schauen aufs Tagesgeschäft und die Irren und Wirren der alltäglichen Entscheidungen und deren Konsequenzen.

Dagmar Lubig | Do., 4. Dezember 2025 - 10:00

Antwort auf von G. Fischer

Tja, und warum schauen diese Wähler verunsichert auf das politische Tagesgeschäft, weil sie den früher wichtigen Fokus auf Familien -und Arbeitnehmerpolitik heutzutage missen!

Gerhard Fiedler | Mi., 3. Dezember 2025 - 11:55

wäre die bessere Überschrift gewesen. Sei’s drum! Gut, dass sich endlich einmal im Cicero jemand die Mühe macht, Höcke zu beschreiben, zu verstehen und ihm näher zu kommen, wie das Herr Binder tut. Danke dafür! Man muss ihm ja nicht in allem zustimmen. Ohnehin gehöre ich nicht zu jenen, die Höcke als „Nazi“ verstehen oder mit dieser Bezeichnung ihn niedermachen. Zwei lange Interviews mit Roger Köppel in der „Weltwoche“ haben u. a. dazu beigetragen. Um nur einen Punkt im Beitrag von Herrn Binder aufzugreifen, auch für mich ist die Nation eine Symbiose von Staat und Volk, die ein bewährtes historisches Erfolgsmodell ist. Zusammenschlüsse von Nationen wie z. B. die einstige Sowjetunion UdSSR, das ehemalige Jugoslawien oder unsere EU zeigen doch, dass solche Zusammenschlüsse oft nur diktatorisch regiert und zusammengehalten werden können. In den USA sind deren Staaten, vom Militärischen abgesehen, noch halbwegs eigenständige Staaten geblieben.

Sehe es ganz genauso, wie Sie. Und ich habe mir auch die Mühe gemacht, als die große mediale Vernichtungsmaschienerie über Herr Höcke einbrach, mir seine Reden und Interviews anzuhören, mir also auch ein eigenes Bild gemacht. Und ja, vieles was er sagt klingt vernünftig, manche ist Ansichtssache, wieder anderes ist nicht meine Überzeugung, Und das er bewusst sprachlich provoziert macht ihn noch lange nicht zum *Nazi*. Und die Menschen in seinem Bundesland können jederzeit ihn im Original im Landtag und bei Veranstaltungen erleben. Und die alternativen Medien und das Internet hilft ihm, ob man es will oder nicht, seinen Ruf langsam zu reparieren. Und die ewig gestrigen *Linksfaschisten* wittern in ihm Konkurrenz. Klar, dass die alles dran setzen, ihm ein braunes Kleidchen anzuziehen. Danke für den sachlichen und aufschlussreichen Artikel.

Stefan | Mi., 3. Dezember 2025 - 12:11

Wer die Demokratie in Deutschland, Städte und Wirtschaft wieder auf die Reihe bekommen will, der muß Politik zwangsläufig neu denken.
Björn Höcke tut das unentwegt und darin liegt der Schlüssel seines Erfolges. Gut das die Generation Deutschland darauf eingeht, denn wer sehen möchte, was beispielsweise dabei heraus kommt, wenn die jungen Leute in einer Partei meutern, der braucht sich nur mal den Laden von Friedrich Merz anzuschauen.
Da bekommt die Junge Union von Merz und Spahn sogar ihr Abstimmungsverhalten aufdiktiert.
Das ist meiner Meinung nach eine größere Gefahr für die Demokratie, als es Höcke jemals sein könnte.
Heraklit („Panta rhei“ – alles fließt). Der ursprüngliche Sinn ist: Alles ist im ständigen Wandel, man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, weil sowohl das Wasser als auch der Mensch selbst sich ständig verändern. Höcke führt das an, sonst „steigen wir wieder in denselben Fluss“ der nationalen Selbstzerstörung.
Schaut's euch an bei der CDU, es stimmt wohl so.

Karl-Heinz Weiß | Mi., 3. Dezember 2025 - 13:03

Einer der (sehr) seltenen Beiträge, die sich auch inhaltlich mit den Positionen Höckes auseinandersetzen. Die Anknüpfung an die Bündische Jugendbewegung, die nach WK I entstand, ist interessant. Hier sieht der ehemalige Gymnasiallehrer für Geschichte offenbar Potential. Das Auftreten der Autonomen in Gießen, das manche mit "leuchtenden Augen " verfolgt haben, dürfte dieses Potential mit ziemlicher Sicherheit nicht geschwächt haben. Und mit den üblichen ÖRR-Naziparolen ist eine Sinn suchende Jugend nicht zufrieden zu stellen.

Markus Michaelis | Mi., 3. Dezember 2025 - 13:54

Danke für den Artikel. Die Gefahr, dass Gesellschaften nicht mehr reden können, weil alle Begriffe entführt werden (Hyperliberalismus), ist da, aber nicht nur durch Höcke gegeben. Dass Höckes Vorstellungen wahrscheinlich auf einen (für mich) zu eng geführten ethnisch definierten Staat hinauslaufen würden, ist geschenkt. Ich sehe das Problem eher da, dass Diskussionen dazu, was diese Gesellschaft sein will, dringend notwendig wären, man dem aber ausweicht, glaubt genug getan zu haben, wenn man Höcke überführt. Ich sehe Höcke dabei als nicht so wichtig an - er wird unter normalen Umständen keine Mehrheiten bekommen, aber wenn man so tut, als gäbe es nichts neu zu denken, wird es irgendwann unkontrolliert.

Ich glaube auch nicht, dass der Gedanke eines "tragfähigen Rechts- und Staatsrahmens" dabei zentral ist. Das geht glaube ich mehr davon aus, dass grundlegende Dinge klar seien, denen wird dann dieser Rahmen gegeben. Es ist aber nichts so klar.

Markus Michaelis | Mi., 3. Dezember 2025 - 14:05

Einen tragfähigen Rechts- und Staatsrahmen in die Mitte zu stellen, würde für mich bedeuten, dass Staatsangehörigkeit von einem Konzern bereitgestellt wird. Eine Struktur mit genügend Kraft, sagen wir ein großer Versicherer, bietet mir gegen eine entsprechende Gebühr an, mit den Ländern der Erde Abkommen geschlossen zu haben + Infrastruktur zu organisieren, dass ich einen Reisepass habe, Aufenthaltsrechte und Gesundheitsversorgung + Pensionsansprüche. Tragfähig und rechtlich sauber. Zur Absicherung könnte ich auch zwei solche Mitgliedschaften haben.

Kriege erübrigen sich dann auch, weil ich logischerweise nicht für die Allianz oder Telekom kämpfe. Ich zahle auch nicht ins Negative ein, weil Rentenberechnungen für andere Mitglieder falsch waren. Dann würde ich kündigen.

Wie immer ist hier nicht der Platz, aber mein Bauchgefühl ist, dass wer von einem tragfähigen Rechts- und Staatsrahmen als zentral redet, wichtige andere Punkte ohne Diskussion für alle als verbindlich voraussetzt.

Maria Fischer | Mi., 3. Dezember 2025 - 15:12

Was unterscheidet die AfD, Herr Höcke&Co von den Grünen?
Nicht viel.
Beide verfolgen utopische Ziele, die sie politisch umsetzen wollen. Das geht nur mit einem repressiven Politikstil.
Haben wir in den letzten Jahren zur Genüge aus der LinksGrünen Ecke erlebt.
Wäre schade, wenn politisch nur ein farblicher Austausch stattfinden würde.
Joachim Fest, erwähnte dieses Phänomen in eines seiner Bücher.
Vollkommen austauschbar und so Deutsch.

können Sie Grüne und AfD gleich setzen?
Die Grünen sind Ideologen und Utopisten, richtig.

Die AfD ist eine pragmatische Partei, die Ordnung in die völlig entgleiste Situation bringen will.
Dass sie manchmal etwas akzentuiert argumentiert, liegt genau daran: die aktuelle Regierung und auch die vorherige haben die Situation geschaffen und weigern sich, daran etwas zu ändern und verteufelt nonstopp die Opposition in einer vollkommen undemokratischen Art und Weise.

naiv bin ich nicht. Wie die AfD sich in Regierungsverantwortung auf lange Sicht entwickeln wird, weiss man nicht.
Aber ihr eine Chance zu geben, bedeutet vorerst bestimmt eine Chance für Deutschland.

letzten Jahre tatsächlich ERLEBT, der repressive Regierungsstil, bezüglich der AfD sind es unbelegte BEHAUPTUNGEN... ...

Die 'staatsfinanzierten NGOs' - der Widerspruch in sich... - müssten bei der AfD an der Regierung allerdings schon mit 'Repressionen' bezüglich ihrer Bezüge rechnen - hoffentlich.

Peter William | Mi., 3. Dezember 2025 - 21:30

Adam Smith hat neben "Wealth of Nations", in welchem er wohl über den aufkommenden Kapitalismus und Liberalismus berichtet ebenfalls eine ethische und weniger bekannte Schrift "The Theory of Moral Sentiments" verfasst, in der er die damit verbunden Pflichten in der Gesellschaft beschreibt. Habe das alles nicht gelesen und kenne ein Buch von Deneen, in dem der Liberalismus als solches abgekanzelt wird. War überzeugend, seine Vision eines religiösen Staates teile ich als Naturwissenschafter natürlich nicht. Kann ich nicht! Ich persönlich werde mich von keinen Dogmen einengen lassen. Axiome, von mir aus, aber den Liberalismus als solches kann ich nicht ablehnen, denn dieser ist die Grundlage für freies wirtschaften/entwickeln/forschen. Deshalb bin ich auch nicht gegen die Roboter- und KI-Entwicklung. Wohin diese die Menschheit bringen wird kann ich nicht sagen. Ich schließe mich nur vielen Vordenkern an und warne vor dem was eintreten könnte, die Potentiale sind aber ebenfalls enorm.

Peter William | Mi., 3. Dezember 2025 - 23:23

So, dass war was auf mich zutrifft. Ich bin aber auch ein Freak, war ich schon immer, irgendwie. Eine christliche oder anderweitige Grundlage für die normale Bevölkerung und zum stiften eines Gemeinwesens ist sicherlich sinnvoll, zumal das Christentum eine Recht liberale Religion ist. Die Rolle der Frau wurde im Hyperliberalismus ad absurdum geführt, wahrscheinlich auch deshalb die Geschichte der Unternehmensverbandschefin? Einige wissen wie ich denke! Sollten die mir zur Verfügung stehenden Informationen stimmen, so ist dies eine für mich traurige Geschichte. 47 Jahre, Menopause, kinderlos, Arbeit Arbeit, wie ein Peon. Sie wird ihre Gene nicht weitergeben können, es sei denn die Stammzellenforschung ermöglicht dies nachträglich oder eben die Molekulargenetik. Das Werk des Feminismus ist Westen!

Urban Will | Do., 4. Dezember 2025 - 01:24

hier sagt und denkt, wirkt für mich fast schon seherisch. Was er beschreibt, bzw. was ihm vorschwebt, ist das, was uns in einigen Jahrzehnten durchaus blüht, wenn all der Irrsinn der letzten Jahre (Masseneinwanderung kulturfremder Menschen, die unsere Sozialsysteme überlasten und unsere Kultur zurückdrängen, von der Gewalt, etc. ganz zu schweigen) so weiter geht. Und es geht de facto so weiter, Merzens „Wende“ ist nicht spürbar, sie war eine seiner schlimmsten Lügen.
Außer es kommt die politisch-kulturelle Wende noch rechtzeitig, dann würde Höcke evtl. einer Regierung angehören.
Aber: sollte es so kommen, wie ich befürchte, werden große Teile unserer Städte rechtsfreie Räume sein, dort herrscht dann die Scharia. Die Sozialsysteme sind leer, der Staat bankrott.
Was dann noch zählt, ist das, was die Deutschen lange schwer vernachlässigten: Kinder, Familie, Zusammenhalt. Das wird es dann in wenigen Gebieten auf dem Land noch geben und es werden Menschen da sein,die es genauso auch leben.