Milo Rau
Milo Rau im Mai 2025 bei den Wiener Festwochen

Prozess gegen Deutschland - „Das war eine diskursive Hardcore-Massage“

Milo Raus „Prozess gegen Deutschland“ hat am vergangenen Wochenende für Kontroversen gesorgt. Im Interview mit „Cicero“ spricht Rau über die deutsche Angst vor dem Bösen, die Furcht der AfD vor dem Theater und die Erleichterung von Harald Martenstein.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero. Im Verlag zu Klampen erschien von ihm zuletzt das Buch „Homo digitalis. Obdachlose im Cyberspace“.

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Im Zuge der Hamburger Lessingtage hat der Schweizer Regisseur und Theatermacher Milo Rau am vergangenen Wochenende einen „Prozess gegen Deutschland“ auf die Bühne des Hamburger Thalia-Theaters gebracht. Mit dem künstlerischen „Schauprozess“ knüpft der 1977 in Bern geborene Rau, der seit drei Jahren auch Intendant der Wiener Festwochen ist, an eine Theaterform an, die er 2013 mit seinen viel diskutierten „Moskauer Prozessen“ sowie den „Zürcher Prozessen“ selbst entwickelt hat. 

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Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 20. Februar 2026 - 15:04

spannendes Interview!.
...und der Regisseur kennt sich aus mit der Geschichte und Funktion des Theaters.
Chapeau
Wir haben in Deutschland übrigens nicht einfach eine Demokratie, sondern, wie ich immer gerne betone, eine "verfasste Demokratie".
So einen Rahmen hat der Regisseur seinen "Darstellern" gegeben.
Ich bin beeindruckt.

Wenn ich es richtig verstehe, gehen Sie davon aus, dass das Grundgesetz der feste Boden ist?
In welchem Land haben sie denn die letzten 10 Jahre gelebt und wo informieren Sie sich?
Welche Regierung hat denn in diesen Jahren unsere Grundrechte akzeptiert? Der Boden des Grundgesetzes ist schon deshalb wackelig, weil es keine Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten gegen die Regierungen und Parteien kennt! Was dazu führt, dass die Parteien die leider nur auf dem Papier stehende Gewaltenteilung von Anfang an ausgehebelt haben und mittlerweile skrupellos missbrauchen. Sanktionen am Rechtsstaat vorbei, erfundene „Tatbestände“ wie „verfassungsschutzrelevante Delegitimerung des Staates“, Verfolgung von „Äußerungsdelikten unter der Strafbarkeitsgrenze“, und so weiter. Die ausufernde Unterstützung parteinaher Stiftungen und angeblicher (parteinaher) NGO‘s sowie massive finanzieller Unterstützung mit Steuermitteln angeblicher „Demokratieschützer“ und regierungsnaher „Faktenchecker“.

Sunstreet | Fr., 20. Februar 2026 - 23:39

Antwort auf von Sunstreet

Das ist eher eine Parteiendiktatur (Zitat von Arnim) von lobbygesteuerten, teilweise skrupel- und teilweise ahnungslosen Berufspolitikern, die gegen die Interessen der Bürger und deren im
Grundgesetz verankerten Rechte handeln und die die demokratischen Grundsätze des Geundgesetzes systematisch und bewusst missachten.
Ich sehe da eher einen Sumpf als festen Boden.

Ein frisch und vermeintlich demokratisch gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag, der sich selbstverständlich(!) selbst für einen für einen Demokraten und für einen Verteidiger der Demokratie hält, wie stimmt der ab über eine Nachzählung der abgegebenen Wahlstimmen, wenn ihm einige nicht ganz haltlose Zweifelsbekundungen an der Richtigkeit der ersten Auszählung bekannt werden?
Kann einem anständigen Menschen so etwas wirklich egal sein? Darf er tatsächlich meinen, die Hauptsache sei nicht die Wahrung der demokratischen Regeln, sondern sein eigenes Verbleiben im Deutschen Bundestag (auch wenn die Wähler ihn dorthin gar nicht gebracht haben, sondern schlampige Stimmenauszählungen)?
Das Menschenbild, das dem Gesetzgeber von 1951 bei seinem Entwurf des Wahlprüfungsgesetzes vor Augen stand, stimmt nicht überein mit dem Bild der traurigen Gestalten in den Fraktionen von CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke von 2026.

Enka Hein | Sa., 21. Februar 2026 - 11:17

Antwort auf von Armin Latell

...an das GG glauben.
Hier sei an den Spruch von Ulbricht erinnert: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."
Da sind wir heute auch.

Sunstreet | So., 22. Februar 2026 - 07:43

Antwort auf von Armin Latell

… meinen Sie denn mit ihrem Einwand? Können Sie das bitte konkretisieren?

Sunstreet | So., 22. Februar 2026 - 07:46

Antwort auf von Sunstreet

… war an Herrn Latell gerichtet. Sorry!

Gerhard Hellriegel | Fr., 20. Februar 2026 - 16:22

Soweit ich mich erinnere, sagte Herr Martenstein über Herrn Strauß: "Er war ein Reaktionär, aber er war kein Nazi." Und er zitiert ihn -mit dem Kommentar: "eklig".
Wenn Herr Rau daraus schließt, Herr Martenstein habe damit Herrn Strauß "als Lichtgestalt" dargestellt, dann sprechen wir unterschiedliche Sprachen.
Aber das Milieu der Theatermacher hat eben eine Vorder- und eine Hinterseite.

Claudia Koch | Sa., 21. Februar 2026 - 11:52

Antwort auf von Gerhard Hellriegel

Danke, Sie sprechen mir aus der Seele. Schade, dass Herr Rau Herrn Martensteins Worte verdreht - Absicht?

Stefan | Fr., 20. Februar 2026 - 16:36

"Ist mittlerweile selbst ein gebildetes Publikum nicht mehr in der Lage, Spiel und Realität voneinander zu unterscheiden?"
Verblendet, verdummt und geistig zurück geblieben.
Menschen die sich keine 6 Zahlen merken können und Dr. Alice Weidel als Reinkarnation von Heinrich Himmler halten, obwohl ihr lesbisches Liebesleben das Gegenteil zu Himmler darstellt.
Es fängt alles mit Bildung an und wer von NICHTS eine Ahnung hat der kommt dann eben auf solche skurrilen Ideen.
Vulkangruppe, grüne RAF Sympathisanten oder die Hammerbande.
Ausgeburten der Hölle, die den sogenannten Faschismus der AfD beklagen, aber selbst faschistoid und gesetzbrecherich daher kommen.
Und während der Kanzler Merz von einer zweiten Amtszeit träumt, schlagen linke Banden mit dem Hammer auf Leute ein und stecken das ganze Land in Brand.
Nun sollen auch genau diese Linken koalitionsfähig werden, wenn's nach der SPD geht.
Das ganze Land geht vor die Hunde und sie tun nichts,nur so als ob.
Es ist widerlich und ekelhaft.

A. Brand | Sa., 21. Februar 2026 - 12:03

Antwort auf von Stefan

denn er hat dieser linksextremen „Szene“ einen riesigen Spiegel vorgehalten! Er hat gezeigt, daß sie vorgeben die Demokratie retten zu wollen in dem sie sie abschaffen. Er hat eindrucksvoll belegt, daß sie genau das fordern, was sie der AfD unterstellen zu wollen und was sie nutzen, um ihr Verbot zu begründen. Sie sind die Zerstörer der Demokratie, nicht die AfD! Leider haben sie es nicht verstanden.

Milo Rau versucht das mit seinem Satz

„Als Martenstein sich nach seiner Rede neben mich setzte, sagte er: Ich habe abgeliefert, nicht wahr? Und wie jeder Schauspieler.....“

zu relativieren, der „Schauspieler“ hat abgeliefert!

Nein Herr Rau, das ist falsch, ich verfolge Martenstein seit vielen Jahren, JEDES Wort war ernst gemeint und jeder Satz war ein Volltreffer, und zwar gegen links, nicht gegen rechts!

Der Schuß ist nach hinten losgegangen, das AfD Verbot sollte propagiert werden, so bleibt nur das epochale Martenstein-Plädoyer für Freiheit und Demokratie in Erinnerung!

Manuela | Fr., 20. Februar 2026 - 16:39

Ich habe mir einige Teile von Prozess gegen Deutschland angeschaut und freue mich über die große Reichweite.
Denn aus meiner Sicht haben sich die Linken ziemlich entlarvt: humorlos, ideologisch verbohrt, viele im Publikum mit blasierten Mienen - einfach abschreckend.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 21. Februar 2026 - 10:20

Ja, Martenstein hat wirklich erstklassig argumentiert und die Tatsache, dass er auf Youtube ständig mit seinen Äußerungen zu sehen/hören ist und auch bei den freien Medien weiterhin seinen Nachhall erzeugt hat, spricht für diese Ausführungen zur Demokratie. Nur haben das die LINKEN inhaltlich verstanden? Da sie dabei sind, sich selbst zu zerbröseln mit ihrem aberwitzigen Faschismusvorwurf an die AFD dürfte dem ein oder anderen dämmern. Aber hat die Rede Martensteins den ein oder anderen im Publikum überzeugt? In den Msm war es kurz Thema und bei der UNION hat das welchen Eindruck hinterlassen? Führt das zu welchen Konsequenzen? Könnte die Brandmauer doch fallen? Aber nicht mit einem Lügenkanzler Merz und dieser verlogenen CDU, die gestern wieder gezeigt hat, dass sie ein Kanzlerwahlverein ist und sich dem Lügenwerk der Partei, besonders eines Merz beugt, nur um an der Macht zu bleiben. Und die Medien -voran der ÖRR mit 170 Mitarbeitern vor Ort zeichnen Pinocchio eine lange Nase.

Ingbert Jüdt | Sa., 21. Februar 2026 - 10:56

Diese Feststellung wird immer wieder mit dem Unterton (oder Brustton) von Empörung vorgetragen, als ob sie per se den Einsatz des SEK erforderte. Wenn aber der »linke Diskurs« immer stechender nach Verwesung stinkt, weil seine Protagonisten angestrengt über die Nekrosen hinwegsehen, die sich gebildet haben, wohin sonst als nach rechts soll der Diskurs denn wandern?

Nicht, dass ich mir nicht eine Erneuerung des »linken Diskurses« wünschen würde. Aber das wird nicht aus den Komfortpositionen linksliberaler Arriviertheit heraus geschehen können, sondern dafür muss man das tiefe Jammertal der selbstkritischen Bilanz durchschreiten. Der Linksliberalismus zahlt heute den Preis für seine Kooptation in die neoliberale Ordnung nach 1989. Im sich zuspitzenden dialektischen Widerspruch von Kapitalismus und Demokratie hat er die Orientierung verloren.

Eine Linke, die das verstanden hätte, hätte sich 2020 gegen Big Pharma an die Spitze der maßnahmenkritischen spontanen Massenbewegung gestellt.

wäre lediglich die dringend notwendige Korrektur dessen, was in den letzten gut 20 Jahren falsch gelaufen ist. Seit der Kommunistin Merkel gilt das Spektrum rechts der Mitte als undemokratisch, das ist eine Entwicklung, die die Demokratie nicht verträgt. Somit ist eine Verschiebung des Diskurses nach rechts im Sinne der Demokratierettung dringend notwendig.

Leider erkenne ich diese Verschiebung nicht, vielmehr handelt es sich dabei um den Versuch der Linken den Diskurs noch weiter nach links zu verschieben.

Die Begriffe links und liberal sehe ich in Kombination mit einander als unverträglich. Linke Ideologien sind immer intolerant, Intoleranz führt zwangsläufig zur Repression, Verfolgung, Unterdrückung, Ausgrenzung und Bestrafung Andersdenkender.

Liberale setzen das mündige Individuum in den Mittelpunkt, bei Linken ist es das alles bestimmende Kollektiv. Links kann niemals liberal sein.

Links und liberal zugleich. Auf Distanz zum kommunistischen Sektierertum, und trotzdem eine solide Vertreterin der Arbeiterschaft, die damals noch als Klasse existierte. Links und liberal zugleich war auch der Aufstieg aus der Arbeiterklasse auf dem Bildungsweg, notfalls dem zweiten, das war nicht Kollektivismus, sondern individuelle Bildungsanstrengung. Hegemonial und großmäulig war damals die Verachtung der Konservativen für die »Sozen« und dann auch (zu ihren Anfängen) für die Grünen.

Allerdings macht jede Hegemonie die Hegemonen großmäulig und snobistisch, und genau das ist mit den Grünen und der SPD nach 1990 geschehen, und daran hat auch sich Merkels »Vermittung« (ohne »l«) der CDU angepasst. Das Vakuum rechts davon hat die AfD gefüllt.

Für die Gegenwart pflichte ich Ihnen daher bei: die Stigmatisierung »rechter« Positionen in der Öffentlichkeit zerstört die Demokratie, anstatt sie zu retten.

Nach heutigen Maßstäben wäre die „Sozialdemokratie“ die z.B. Helmut Schmidt vertreten hat, mindestens rechtsnationalistisch, vermutlich sogar rechtsradikal.

Ich stimme Herrn Martenstein zu, ich wünsche mir einen Helmut Schmidt als Kanzler und deswegen wähle ich die AfD, weil nur die AfD die Positionen vertritt, die unter der SPD Helmut Schmidts konsensfähig waren! Ich habe noch nie SPD gewählt, Schmidt war vor meiner Zeit.

Für mich ist die SPD Helmut Schmidts keine linke Partei, zumindest nicht im klassischen Sinne, insofern kann ich Ihnen zustimmen, daß man sie als linksliberal einstufen kann. Verglichen zur damaligen Union war die damalige SPD sicher weiter links auf der politischen Skala, somit eine linke Partei.

Klassisch linke Parteien sind die SED/PDS/Linke, die Grünen und die heutige SPD, die CDU ist ebenfalls irgendwie linksbeliebig. Das was diese Parteien vertreten ist mit der Demokratie nicht vereinbar, nicht umsonst waren Kommunisten lange zurecht verboten.

Die AfD ist eine neoliberale Partei, auch wenn ihre Anträge in den Parlamenten und ihre Medienarbeit etwas anderes vermuten lassen. Aus meiner Sicht ist das aber lediglich eine sehr gute Marketingstrategie unterstützt noch von der unsäglichen Brandmauer der angeblichen „Demokratieretter“.
Alice Weidel kommt von Goldman-Sachs, die NATO wird hofiert und die Aufrüstung goutiert, Sozialleistungen sollen massiv gekürzt werden und AfD-Politiker in Gerichten und an exponierten Stellen mag ich mir gar nicht vorstellen.
Für mich zur Zeit eher ein Wolf im Schafspelz, der meiner Meinung nach mit der SPD von Helmut Schmidt nichts aber auch gar nichts gemeinsam hat! Oder sehen Sie einen Charakterkopf wie Herbert Wehner in der AfD? Wo ist die Erkenntnis zu Abrüstung und Friedenspolitik? Wo sind die Bekenntnisse zu den Grundrechten, Freiheit und Menschenwürde? Sehe ich alles nicht!

A. Brand | Sa., 21. Februar 2026 - 11:46

Der „Zwischenfall“ in Bochum ist nicht „ungewöhnlich“, er ist im höchsten Maße besorgniserregend, zeigt er doch wie weit die linke Hetze die Gesellschaft schon beeinflußt hat.

Linke, die in einem linken Theater linken Schauspielern in einem linksfaschistischen Schauspiel zusehen, sind nicht mehr in der Lage Realität von linkem Fiktionswahn zu unterscheiden, das ist beängstigend!

Sie lassen ihrem abgrundtiefen Haß auf alles Nichtlinke selbst an linken Schauspielern aus! Da fehlt nicht viel und sie greifen wie 33ff unbescholtene Menschen auf der Straße an!

Die mit Steuergeldern bezahlte Theaterszene ist ein Teil der Hetzmaschinerie! Der Titel „Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ ist krank! „Faschisten“ sind Menschen, wie kann es schön sein, Menschen zu töten!

Dieser „Szene“ muß radikal der Steuergeldhahn zugedreht werden, sie spaltet die Gesellschaft und Hetz gegen Andersdenkende, Milo Rau ist Teil davon!

Es kann nicht sein, das sowas von der Allgemeinheit bezahlt wird!

Haben Sie jemals etwas von Milo Rau gesehen?
Sie betreiben hier die mittlerweile typisch deutsche Empörungskultur ohne argumentative Aussagen, die hier vollkommen fehl am Platz und absolut nicht zielführend ist. Vor allen Dingen wenn man sich in der Form über Personen oder Vorgänge echauffiert, die man nicht versteht oder verstehen will. Das Verhalten passt zu Facebook oder X!

Herbert Schultz-Gora | Sa., 21. Februar 2026 - 18:32

Im Interview ist wiederholt von "Demokratie" die Rede, wenn es um Meinungsfreiheit und Toleranz geht.
Demokratie bedeutet doch nur, daß die Bürger Repräsentanten ins Parlement wählen, woraus sich dann eine Regierung bildet.

… die dann eigentlich ohne Bindungen an eine Fraktion laut GG nur nach ihrem Gewissen und unabhängig sachgerechte Entscheidungen zum Wohle des Landes und der Bevölkerung treffen sollten.
Im übrigen ist es nicht nötig Abgeordneter, also Mitglied des Parlaments zu sein, um Teil derRegierung zu sein!

A. Brand | So., 22. Februar 2026 - 12:29

wissen was Sie (sagen) wollen Herr oder Frau Straße, mal hü, mal hott und alles ohne Belege, paßt viel besser zu Gesichtsbuch & Co. die ich im übrigen allesamt nicht nutze und noch nie genutzt habe.....