Meyers Blick auf... - ...den Hass

Der Schweizer Journalist, Medienberater und Cicero-Kolumnist Frank A. Meyer spricht mit Cicero-Redakteur Alexander Kissler über den Hass und das, was als Hass bezeichnet wird

Frank A. Meyer glaubt nicht, dass es mehr Hass als früher gibt.

Romuald Veselic | Fr, 1. November 2019 - 08:53

denn Ihre Ansage zum Thema, wäre in anderen Medien nicht möglich, obwohl sich diese Medien der Wahrheit verschrieben haben. Nur wessen Wahrheit preisen sie? Die Wahrheit, laut Staatssender, ist im Besitz derer, die gegen Brexit sind. Die 1. Stufe der Diffamierung wurde erklommen. Man impliziert unterschwellig, dass die Gegenseite der Lügner-Verein ist.

Vor Kurzem sah ich mir eine Sendung über Brexit, wo man damit argumentierte, wie knapp das Referendum für Pro-Brexit ausgegangen ist; nur 51,9 %. Was der Staats-TV-Moderator nicht erwähnte, wie viel % die Pro-EU-Anhänger erhielten = 48,1 womit eine Differenz von 4% besteht. Diese Differenz wird nicht erwähnt, denn wenn eine (aus Dt. Politsicht) Partei mit 4% Vorsprung gewinnt (alle außer AfD), redet man in dt. Medien über grandiosen Sieg.
Und da will mir Staatspropaganda vermitteln, dass man nur die "Wahrheit" an die Konsumenten transportiert?

Ernst-Günther Konrad | Fr, 1. November 2019 - 09:03

Danke Herr Meyer. Wie immer treffend und klar, ohne halbseidenes Geschwätz auf den Punkt gebracht. Ich schreibe und sage schon seit Jahren, dass Sprache manipuliert wird und gerade auch die Journalisten sich daran beteiligen, mit "Kampfbegriffen" zu rüsten , um zu skandalisieren, auszugrenzen, umzudeuten, manipulativ zu lenken. Das sprachliche Hamsterrad, wie ich es gerne bezeichne, es dreht sich und dreht sich, mal langsam mal schnell und keiner hält es an, steigt aus und läßt den vernünftigen Sachverstand walten und rüstet auch gerade sprachlich einmal ab. Ja, jede Form der Kritik wird inzwischen als Hass interpretiert. Hätte ich meinem Deutschlehrer in den 70ern eine solche Begriffsverwendung oder Erklärung geboten, der hätte nur geantwortet: " Setzen, sechs, nacharbeiten, nachdenken, in den Duden schauen, dann wiederkommen und neu versuchen." Einige Journalisten sind komplett aus ihrer Mitte geraten und bieten teilweise unterbelichteten Politikern auch noch Hilfestellung. Danke!!

Jürgen Keil | Fr, 1. November 2019 - 09:52

Frau Künast und Frau Roth sind im Netz übelsten Beschimpfungen ausgesetzt. Beleidigungen, die zwar unsere Gericht als zulässig erachten, ich aber als unzivilisiert bezeichne. Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen kontern sie. Das ist ihr Recht. Aber wie sie das tun: „Wir müssen die Stichwortgeber benennen, all diese neurechten Plattformen, deren Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen beruht – von Roland Tichy über Henryk M. Broder bis hin zu eindeutig rechtsradikalen Blogs.“ Tichy und Broder als Neurechte zu bezeichnen und der Hetze und Falschbehauptungen zu bezichtigen, ist genau die Methode des Mundtodmachenwollens, die Herr Meyer kritisiert. Tichy und Broder berichten über, und behandeln Themen kritisch, oft in satirischer, auch spitzer Form. Aber Hetzer und Lügner? Frau Roth nähert sich damit dem Niveau, welches sie selbst kritisiert.

Ich teile ihre Einschätzung in vollem Umfang. Ich lese gerne die Beiträge von Herrn Broder auf Achgut.com und mag seine Videos zu Themen unseres Alltags in Deutschland. Ein wacher Geist der die Finger in die Wunden legt.Frau Roth und Frau Künast sind mir ausgesprochen unsympathisch und stehen für das wirre grüne Gesellschaftsmodell . So wie sie jetzt zurück keilen gegen ihrer Kritiker und sie als Rechte Ultras niedermachen ist billig und durchschaubar. Erbärmlich !

Ernst-Günther Konrad | Sa, 2. November 2019 - 07:34

In reply to by Jürgen Keil

Alles richtig, unterschreibe ich Ihnen sofort. Erlauben Sie mir nur eine kleine Änderung? Roth nähert sich nicht dem Niveaue, das sie selbst kritisiert, sie hat es bereits erreicht und überschreitet m.E. deutlich die Grenzen eines respektvollen und kritischen Umgangs. Sie lebt inzwischen Meinungsdiktatur.
Das ist derzeit das Geschäftsmodell einiger Grünen. Es gilt was die sagen, wer anderes meint ist ein Hetzer, ein Rechter, ein Nazi.
Ich lese hier ganz viele Kritiker und nicht einen auch nur ansatzweise braun gefärbten Kommentator. Ich lese Tichy, NZZ und Achgut, Bild, Focus, Welt und Klar.TV. Was bin ich den nun? Nur weil wir eine Bandbreite an Informationskanälen nutzen, sind bestimmte Menschen -Tichy und Broder- und viele andere als "rächst"? Die spinnen die Römer (grünen).

Brigitte Ernst | Sa, 2. November 2019 - 08:01

In reply to by Jürgen Keil

Herr Broder behauptet von jedem und jeder, der oder die nicht seine Meinung vertritt, er oder sie habe "einen an der Klatsche", das heißt, die betroffene Person sei nicht richtig im Kopf. So etwas kann man durchaus als Beleidigung werten. Und dabei hat er sich einige Opfer ausgesucht, die er wegen angeblich mangelnder Intelligenz regelrecht mobbt (z.B. Lamya Kaddor und Sawsan Chebli), zur hämischen Freude seiner Claqueure, die ihm regelmäßig zustimmen. Ob so etwas als Hetze zu werten ist, weiß ich nicht. Menschenfreundlichkeit ist es jedenfalls nicht.

Kai-Oliver Hügle | So, 3. November 2019 - 21:48

In reply to by Jürgen Keil

Roth bezeichnet Tichy als "Stichwortgeber", was ich sehr zutreffend finde. Was bei TE dann in den Kommentarspalten z. T. geäußert wird - dagegen sind selbst die wüstesten Tiraden im Cicero-Forum regelrecht staatstragend. Beispiele gefällig? Im Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre sprach jemand von "politischen Kanalratten des Establishments". Ein anderer Nutzer verglich die Methoden von SPD und Grünen mit jenen der NSDAP. Und nach dem Brand der Notre Dame forderte ein TE-Leser Macron auf, eine Bomber-Staffel nach St. Denis zu schicken - wo bekanntlich viele Einwanderer leben. Von da ist es m. E. wirklich nur noch ein Katzensprung zu Foren, in denen konkrete Mordaufrufe kursieren.
Was das mit Ironie oder spitzen Formulierungen zu tun hat, erschließt sich mir nicht - angesichts der Ereignisse in Kassel, Halle und den Drohungen gegen Habeck und Özdemir.

gabriele bondzio | Fr, 1. November 2019 - 10:08

weil man sich nicht mit ihnen auseinandersetzen will.“...was gewiss in der Auseinandersetzung in DE ein probates Mittel ist Andersdenkende auszuschalten. Macht sich der Bürger in DE berechtigte Sorgen auf Grund der sich wider zuspitzenden Lage an den bosnisch-kroatischen Grenze. Wo sich erneut tausende, junge Männer ansammeln, ähnlich wie 2015. Hasst man bekanntlich alle Ausländer. Einfach weil man in 4Jahren keinen sichtbaren Schritt in der Sicherung der EU-Außengrenzen weitergekommen ist. Wird die Unfähigkeit der EU-Spitze, einfach in Hass der EU-Bürger auf muslimische, junge Männer transformiert. Ungeachtet was viele von Ihnen in Europa schon angerichtet haben und anrichten werden. Hass wird nicht nur in vielen Fällen inflationär verwendet, er wird auch in vielen Fällen, durch Unterlassen/Unfähigkeit und Propaganda aufgebaut. Die Spaltung steht dabei im Vordergrund.

Christa Wallau | Fr, 1. November 2019 - 10:19

trägt dazu bei, die Kommunikation zu
erschweren, zu verzerren bzw. zu radikalisieren.
So ist es z. B. auch mit dem Begriff "Haß".
Im Deutschen ist dieses Wort keineswegs identisch mit dem englischen "hate", das eine viel
schwächere Bedeutung besitzt. "Hate" wird im englischen Sprachgebrauch bereits alles genannt, was starke Ablehnung bedeutet, aber keinesfalls aus einem - im deutschen Sinne - haßerfüllten Herzen kommen muß. Man sagt dort "I hate that" und meint damit nur: "Das mag ich gar nicht" bzw. "Das lehne ich ab". Ebenso benutzt man ja auch das Gegenteil: "I love muffins" heißt nichts anderes als "Ich mag Muffins sehr gerne".

Liebe und Haß in unserer deutschen Sprache stehen dagegen für Gefühle der äußersten
Zuneigung u. Hingabe bzw. der extremen Ablehnung u. des Widerwillens bis hin zur Vernichtungsbereitschaft. Deshalb sollte man mit diesen Begriffen sorgsam umgehen und sie nicht leichtfertig benutzen; denn sie führen
zwangsläufig zur Radikalisierung der Diskussion.

Genau.
Zum Beispiel bei "Ich liebe Edeka" wird diese leidenschaftliche Hingabe besonders deutlich, oder wenn jemnd sagt, "Ich hasse die Spätschicht", da muss man um das Leben der Person fürchten, die den Dienstplan erstellt hat.
Nein, nein, Liebe und Hass kann auch im Deutschen (wie im Englischen) sehr schwach oder sehr stark gemeint sein.
Für die stärkste Art, wie Sie es beschreiben, wurden extra die Adjektive "verzehrend" und "abgrundtief" erfunden.

Heidemarie Heim | Fr, 1. November 2019 - 11:05

Es geht wie Herr Meyer sagt, nicht nur darum andere mundtot zu machen die vermeintlich außerhalb des eigenen Meinungsspektrums liegen. Man betreibt damit bewusst und unhinterfragt einen Frontalangriff auf die Persönlichkeit des Gegenübers, um ihn als nicht mehr "gesellschaftsfähig" zu brandmarken. In finstereren Zeiten nannte man es an den Pranger stellen oder in Folge für vogelfrei zu erklären. Heute geht man etwas eloquenter aber deshalb nicht weniger perfide vor. Man benutzt diese sogenannten Totschlagargumente zum "sozialen
Mord" im Sinne von Ausschluss aus der Gesellschaft. Und mittlerweile kann sich wirklich niemand mehr sicher sein, morgen nicht auch zum Opfer solch eines Angriffs zu werden. Die letzten Umfragen betreffs freier Meinungsäußerung zu bestimmten Themen sind ein Beleg dafür in wie weit diese "sprachliche Tyrannei" schon Erfolg zeitigte. Der Vogel der Meinungsfreiheit sitzt im gülden demokratischen Käfig, aber es bleibt ein Käfig mit solchen (Aus-)Schließern! MfG

Maja Schneider | Fr, 1. November 2019 - 15:05

Vielen Dank für Ihre Worte, lieber Herr Meyer, Sie sprechen genau das aus, was in uns allen vorgeht, die wir interessiert und kritisch das aktuelle politische Geschehen und die inzwischen fast kaum noch vorhandenen Differenzierung unserer Sprache und bestimmter Begriffe verfolgen. Gerade das Wort "Hass" und die Art, wie es eingesetzt wird, ist dafür ein treffendes Beispiel.

Christoph Wirtz | Fr, 1. November 2019 - 23:31

... Menschen, die sich in inakzeptabler und/oder krimineller Weise vulgär, beleidigend oder sogar andere Menschen bedrohend äußern. Und dafür lassen sich natürlich auch abstoßende Beispiele finden, die dann in entsprechenden Reportagen immer wieder hervorgeholt werden. Aber um diese, meinem Eindruck nach zahlenmäßig zu vernachlässigenden Spinner, geht es nicht bei der riesigen Diskussion um "Hass-Kriminalität" in Politik und Medien. Tatsächlich geht es darum, im Interview wird es zutreffend benannt, möglichst große Teile der wachsenden gesellschaftlichen Kritik an zentralen politischen Weichenstellungen, die im wesentlichen ohne Debatte und gegen die Interessen vieler getroffen werden, in der öffentlichen Wahrnehmung in diesem "Hass-Komplex" zu verorten und sie damit zu diffamieren, für illegitim und nicht diskussionsfähig zu erklären.