Polizeiabsperrung vor dem Weißen Haus in Washington
Als Trumps Grab-them-by-the-pussy-Tape um die Welt ging, blieb das folgenlos. Warum? / picture alliance

Metoo-Debatte - #Tabuerhalt

In der Metoo-Debatte werden, wie in anderen öffentlichen Diskussionen um sexuellen Missbrauch auch, nur die Täter an den Pranger gestellt, die schon an Macht und an Einfluss verloren haben. Die Herrschenden kommen nicht zu Fall

Autoreninfo

Sophie Dannenberg, geboren 1971, ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Ihr Debütroman „Das bleiche Herz der Revolution“ setzt sich kritisch mit den 68ern auseinander. Zuletzt erschien ihr Buch „Teufelsberg“

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Man könnte es für eine Revolution halten. Kein Tag ist zuletzt vergangen, an dem nicht ein Hollywoodstar, ein Politiker oder auch mal ein ganz normaler Chef als sexuelles Monster geoutet wurde. Die Öffentlichkeit steht kopf. Frauen klagen an, Produktionsfirmen richten Hotlines ein, männliche Journalisten publizieren kleinlaute Kommentare. Auf einmal reden alle über das, was jeder wusste. Nun plötzlich ist das ein Riesenskandal.

Es wirkt wie ein qualitativer Sprung. Gestern noch war den Mächtigen der Zugriff auf die Genitalien ihrer Untergebenen eine Selbstverständlichkeit, heute scheint das vorbei zu sein. Obwohl diese Revolution, wie jede andere, durchaus hysterische Züge trägt, ist sie wichtig. Es darf nicht sein, dass jungen Menschen, die Karriere machen wollen, die sexuelle Integrität genommen wird. Höchste Zeit, dass wir ein neues Verständnis von menschlicher Würde entwickeln.

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Holger Stockinger | Di., 12. Dezember 2017 - 00:31

gleicht einem fliegenden Klassenzimmer: Der Rasenmäher des Gärtners brachte die Hausfrau um!

Politische Fragen werden nowadays so beantwortet, daß im ERSTEN auf den sonntäglichen Tatort eine Geisterbeichtstunde unter Moderation von Wills Anne Talkshowmitquatschern zwanghaft folgen muss ...

Peter Lieser | Di., 12. Dezember 2017 - 08:46

Das hört sich für mich alles nach einer geplanten Strategie von Trump- Gegnern in den USA an. Mit der langfristigen Zielrichtung Trump aus dem Amt zu fegen. Kann man der heutigen Presse entnehmen, da werden Trumps vermeintliche " Verfehlungen" wieder aufgekocht. Komisch, dass unter Clinton, Bush und Obama in Hollywood niemand sexuell belästigt wurde..........

wolfgang spremberg | Di., 12. Dezember 2017 - 17:42

Antwort auf von Peter Lieser

besonders im Hollywood Establishment haben sich sehr für Anstand und Moral eingesetzt. Was Harvey Weinstein so trieb war in diesen Kreisen offensichtlich allgemein bekannt. Das war für die "liberale Elite" allerdings kein Grund sich entsprechend einzusetzen. Das hätte zu Nachteilen führen können. Da schweigt die "liberale Elite" lieber und ermöglicht weitere Opfer. Übrigens gab es nicht nur Weinstein....

Marita Pierig | Mi., 20. Dezember 2017 - 11:41

Antwort auf von Peter Lieser

Nein, vor Trump gab es keinen Vergewaltigungsskandal in Hollywood. Heute wissen wir auch warum. Weinstein hat 1,4 Millionen Dollar an Hillary gespendet.

Wolfgang Dubbel | Di., 12. Dezember 2017 - 12:52

Ich warte noch immer auf die Festnahme des Täters, der die Frauen auf sein Hotelzimmer geschleppt hat.

Karl Kuhn | Mi., 13. Dezember 2017 - 09:34

"Als etwa ein Tape um die Welt ging, auf dem sich Donald Trump [..] blieb das folgenlos. Warum? Weil er gerade am Aufsteigen war. Der durfte das also."

Das grenzt schon an verschwörungstheoretischen Kappes. Es war einfach so, dass Trump trotzdem gewonnen hat, weil Politiker zum Glück immer noch nicht nur wegen ihrer moralischen Makellosigkeit gewählt werden. Es hätte auch anders ausgehen können, die Wahl war ja knapp.

Wenn dann noch behauptet wird, der Odenwaldschulskandal wäre deswegen möglich gewesen, weil die linke Deutungshoheit damals schon perdu war, kann ich nur noch lachen. Die ist nicht perdu, sondern putzmunter. Das Ganze hatte in der öffentlichen Wahrnehmung (bis auf ein paar Szenekenner) mit 'Links' überhaupt nichts zu tun.

Auf den Gedanken, dass die Beschuldigungen u.a. deswegen so weit zurückliegen könnten, weil auch die (wie auch immer zustandegekommenen) Karrieren fast aller BeschuldigerInnen gleichfalls am Ende zu sein scheinen, kommt die Autorin nicht.