Der Mensch und die Natur - Nicht unnatürlicher als eine Biberburg

In den aktuellen Debatten über Klima- und Umweltschutz wird der Mensch unsinnigerweise als ein Fremdkörper der Natur betrachtet. Besonders Linke verurteilen ihn als Alleszerstörer, ohne den die Welt viel schöner und besser wäre. Dabei stand der Mensch früher im Mittelpunkt ihrer Fürsorge

Biber
Ist der Biber genauso unnatürlich wie wir oder sind wir so natürlich wie der Biber? / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Die Natur gibt es nicht. Deshalb kann man sie auch nicht zerstören. Und schützen kann man sie auch nicht. Denn die Natur ist eine menschliche Erfindung. Sie ist, wenn man so will, eine sehr künstliche Konstruktion. Und zugleich ein Relikt magischen Denkens in einer sich aufgeklärt wähnenden Gesellschaft.

Man braucht sich nur die aktuellen Debatten über Klimaschutz, Plastikmüll oder Artenvielfalt anzusehen, um sich klar zu machen, dass es hier nicht einfach nur um den Erhalt einer lebenswerten Umwelt geht. Der Eifer, der dabei fast immer mitschwingt, und der angespannte Tonfall machen deutlich, dass es hier nicht einfach nur um eine funktionierende Biosphäre geht. Es geht um viel, viel mehr. Es geht um den Menschen – also um Ideologie.

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Christa Wallau | Sa, 29. Juni 2019 - 10:24

Weder der Mensch als natürliches Wesen noch die ihn umgebende Natur kennen moralische Prinzipien. N u r der Mensch hat es dahin gebracht,
Kulturen, Religionen und Ideologien zu entwickeln.
Diese können äußerst unterschiedlich aussehen, wie wir alle wissen. Aber dadurch steht der Mensch eindeutig ü b e r der Natur bzw. entwicklungsmäßig an ihrer Spitze.

Bei uns in Deutschland herrscht aber zunehmend die Auffassung, daß die Menschen sich selbst zu Gunsten der natürlichen Lebensumwelt zurücknehmen u. einschränken sollen. Gleichzeitig wird dogmatisch verkündet, daß alle Menschen das Recht haben zu leben, wo sie wollen (UNO-Migrationspakt). An strenge Geburtenkontrolle wagt sich in diesem Kontext keiner heran, obwohl diese für alle Menschen auf der Welt den größten Nutzen brächte.

Entweder man überläßt der Natur das Sagen oder man greift zu G u n s t e n des M e n s c h e n in sie ein. Aber dann muß man bereit sein, konsequent zu denken u. zu handeln. Sonst kommt man in Teufels Küche.

Christa Wallau | Sa, 29. Juni 2019 - 10:24

Wie unlogisch Naturschützer "ticken", fällt mir auf, wenn ich sehe, wie sie z. B. dem Indischen Springkraut zu Leibe rücken, das sich hier als Neophyt an Bachläufen u. in Auen verbreitet hat. Um die eigene Flora vor dem Aussterben (in Folge der vitaleren Kraft dieser Spezies) zu schützen, reißen sie es mit Stumpf u. Stiel aus. Andererseits haben sie nichts dagegen, sondern fördern es, daß Menschen aus anderen Erdteilen sich unter die hier ansässige Bevölkerung mischen. Warum befürchten sie nicht, daß auch bei diesem Vorgang Eigenes, hier über Jahrtausende Gewachsenes an Kultur und Moral unter die Räder kommen könnte???
Ähnlich unausgegoren sind die Ideen der
"Grünen", wenn es um alles geht, was mit der
Energiewende zu tun hat. Biosprit u. Windräder
greifen schädigend in die Natur ein, während sie
doch angeblich Nutzen bringen sollen. Sie benennen es richtig, lieber Herr Grau: In D herrscht eine "esoterisch angehauchte Mittelschichtsideologie", wahrlich kein Sproß einer
Hochkultur!

Horst Weber | Sa, 29. Juni 2019 - 10:45

"Natur gibt es nicht", stellt Herr Grau philosophoid fest. Richtig ist: der Mensch erfindet Begriffe für alles, was ihn umgibt, was er spürt, hört, sieht, riecht etc. So erfindet er auch "Aufklärung", die es a la Grau`er Theorie ebensowenig geben kann.
Ein Grau`sches Eigentor.-
Die Natur hat sicher kein Bedürfnis nach Deutungshoheiten von Philosophen. Sicher ist, dass der Planet Erde (wer erfand die Begriffe?)
ohne uns zumindest für all die Lebewesen auf ihm
ohne Menschen besser und nachhaltiger Lebensraum sein könnte.
Dass nun angesichts der Verdreckung von Luft, Wasser, Böden ausgerechnet Bieber dem menschlichen Unwesen gleichgestellt werden, hat wohl mehr mit Unkenntnis als mit naheliegendem Vergleich zu tun.
Der Mensch ist - leider - die Fehlkonstruktion des Universums, da er die Zerstörung eigenen Lebensraumes durch seine fehlgesteuerte Intelligenz munter vorantreibt - und dabei alles übrige Leben gleich mit einbezieht.

gerhard hellriegel | Sa, 29. Juni 2019 - 11:11

Ja, das ist schon dem älteren wittgenstein aufgefallen, dass philosophen sich gerne an sprachformeln und begriffsanalyse aufhängen.
Tja, und da hängen sie nun, schwer beladen mit binsenweisheiten. Beispiel: darwin redet von der "zuchtwahl der natur". Züchtet sie, wählt sie, die natur, die es nicht gibt? Bleibt mir die frage: kann er nicht oder will er nicht verstehen? Ich schlage vor, statt einfach um sich zu schlagen, vor die motivforschung die sachliche analyse zu stellen.

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 29. Juni 2019 - 12:26

Wie können Sie ein so kompliziertes und komplexes Thema so einfach und verständlich doch auf den Punkt bringen! Bravo

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 29. Juni 2019 - 12:57

Entwicklungen sind prädestiniert dafür, auf weltweiter Ebene verhandelt zu werden.
Dafür gibt es die Vereinten Nationen.
Ein Kurzschluss wäre es aber anzunehmen, dass weltweite Szenarien nicht demokratisch abgehandelt werden dürften, sondern nur von sich selbst weltweit denkend Ausweisenden, meist NGOs.
Wenn ich im Ernst davon ausgehen müßte, dass weltweit erfassende intelligenz sich auf NGOs beschränken würde, würde ich verzweifeln an der Menschheit bzw. den Aufgaben, die sich ihr stellen.
Internationale Zusammenschlüsse entlang weltweiter Probleme sind jedoch hervorragende Streiter für eben diese Probleme, auf die sie aber nicht die Weisheit gepachtet haben.
Eigentlich ist das das Arbeitsgebiet der UNO, wir lesen aber nur noch von NGOs, durch die sich dann wer "ermächtigt" fühlt?
Ich schätze die Rolle der Medien in gewisser Weise leider! sehr negativ ein und apelliere an verantwortungsbewußte Medien die institutionelle politische Vernetzung der Menschheit als UNO zu fö/o/rdern.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 29. Juni 2019 - 13:16

die sich selbst veranlasst sehen im Namen von Mensch, Natur oder Vernunft/Gott zu sprechen, sich selbst ausweisen zu können.
Sie versuchen es in diesem Artikel, Herr Grau, ich bin gespannt auf die Ausweise, manchmal recht forsch Handelnder oder gerne "Verschleppender" bis mal wieder Disruptionen anstehen.
Vulkane werden beobachtet und man sollte es nicht minder bei politisch Verantwortlichen.
Bedauerlich, dass mir überhaupt so eine Assoziation in den Sinn kommt, aber ich bin irgendwie recht vetraut mit Natur, Mensch und Vernunft/Gott.
Ich finde es nach wie vor sinnvoll zu unterscheiden zwischen verantwortlichem Handeln und Getrieben sein und das gilt für alles, was lebt.
Da ist es eben sinnvoll, sich einen wunderschönen Psalm wieder anzuschauen "Der Herr ist mein Hirte" als ein Bild des Paradieses oder v. Eichendorffs "Mondnacht", das sich meine Mutter als letzten Gruß wünschte.
Es ist uns vieles mitgegeben und vorgelebt worden, ich würde nicht auf die Karten des Kampfes setzen

Andreas Zimmermann | Sa, 29. Juni 2019 - 13:52

Ganz große Klasse. Nichts gegen Naturschutz, aber dieser schönen Analyse ist wohl nichts hinzuzufügen! Vielen Dank, Herr Grau.

Gisela Fimiani | Sa, 29. Juni 2019 - 15:02

...und der Bürger des nun dekonstruierten Nationalstaates, wird durch den „edlen Wilden“ ersetzt. Der romantische Utopismus ist der dürren, anstrengenden aufgeklärten Denkart als bequemer und angenehmer vorzuziehen. Jeder Fühlende darf sich austoben. Die neue Ideologie sollte uns zutiefst erschrecken, zumal wir spätestens seit dem evangelischen Kirchentag darüber im Bilde sind, wo Gott wirkt und auf wessen Seite er steht. Mich prüfend stelle ich fest, dass mir die Verdammnis droht. Ich möchte nicht zurück zum Dasein des Kindes. Ich weigere mich den neuen prophetischen Führern zu folgen. So bleibt mir nur, mit wachem Geist und Gottvertrauen dagegen zu halten, um meiner eigenen Dekonstruktion zu entgehen.

Christoph Kuhlmann | Sa, 29. Juni 2019 - 17:59

Der marxistische Ansatz denkt international. Insofern liegt es in der Logik der Sache, nicht mehr die SUV fahrende gewerkschaftlich organisierte Facharbeiterschaft zu focussieren, sondern die augebeuteten Arbeitnehmern in den Niedriglohnländern. Über die Umweltschäden, die man in diesen Ländern bei der Auslagerung von Produktionsstätten oder der Rohstoffgewinnung anrichtet, kommt man dann zu dem Schluss, dass die "Lösung" der sozialen Frage in den (ehemaligen) Industrieländern zu lasten des Proletariats in Niedriglohnländern geht, welche dieselben Prozesse am eigenen Leib erfahren, wie die Menschen hierzulande ca. 150 Jahre zuvor. Nur das damals Medizin und Umweltforschung bei weitem nicht so hoch entwickelt waren. Begriffe wie links und rechts sind diffus. Bei Greta reicht es definitiv nicht zum Marxismus. Intellektuell gibt es da etliches einzuwenden. Doch was nützt es? Bei 45 Grad Celsius im Schatten, wie in Frankreich? Wozu das Recht auf SUVs verteidigen? Ich habe andere Sorgen.

helmut armbruster | So, 30. Juni 2019 - 08:07

denn mit Verstand und auch nicht mit bestens begründeten Argumenten kann man Ideologen, Esoteriker und Religiöse überzeugen.
Denn deren festgefügte Überzeugungen beruhen auf Glauben und Glaube braucht keine logische Beweisführung. Er ergreift Besitz von uns und bestimmt unsere Sicht auf die Dinge.
Unsere Psyche selbst öffnet ihm die Tür. Über unbewusste Vorgänge im seelisch-psychischen Bereich findet der Glaube Zugang zu uns und setzt sich fest.
Keine Logik und kein noch so scharfer Verstand kann ihm etwas anhaben.
Nur ein anderer, noch stärkerer Glaube, kann ihn erschüttern.
Dass gerade unsere Zeit sich wieder verstärkt dem Glauben in Form von Ideologie zuwendet, kam überraschend. Aber, ob es uns gefällt oder nicht, wir werden damit leben müssen.

Jürgen Scheit | So, 30. Juni 2019 - 16:25

Sehr gute Analyse des ideologischen Wandels der Linken weg vom Menschen als Krone der Schöpfung hin zu Natur und Klima als neue Gottheiten, die unbedingt vor der angeblichen Zerstörungswut des Menschen zu schützen seien.
Leider werden hier die Grünen namentlich gar nicht genannt, die ja die eigentlichen Erfinder dieser neoreligiösen Ideologie der Klimarettung sind. Die Linken sind erst relativ spät auf diesen grünen Zug aufgesprungen, nachdem sie erkannten, dass marxistische Parolen zunehmend out sind und mit grüner Climatology-Gehirnwäsche vor allem jugendliche Romantiker als potentielle neue Wähler zu gewinnen sind. Bequemerweise bleibt hierbei ihr uralter 'Feind' als angebliche Quelle allen Unheils weiterhin derselbe, nämlich die bösen Kapitalisten, die nicht nur die armen Arbeiter, sondern jetzt eben auch die Natur rigurös ausbeuten und das Klima versauen durch Verbrenner-Autos, Kohlekraftwerke, Kreuzfahrtschiffe, UrlaubsFlüge, WaldAbholzen, chemiebasierte Landwirtschaft, etc.

Norbert Heyer | Mo, 1. Juli 2019 - 05:30

Die neue Religion ist die Wahrung der Schöpfung, Natur ist nur ein Teilbereich. Der Mensch als Nutzer der Bodenschätze, als Verbraucher von Luft und Wasser gilt als der größte Schädling in diesem Kreislauf. Extensive Land- und Viehwirtschaft gilt als weiterer Minunspunkt. Greta ist die derzeitige Etappenheilige dieser sektenähnlichen Bewegung und sie erfüllt die Vorgaben einer im Hintergrund agierenden Elite perfekt. Die Deutschen werden auch eine zusätzliche CO-2-Steuer ohne Murren akzeptieren, beruhigt sie doch das Gewissen und man ist auf der Seite der „Guten“. Wenn man die Milliarden für die Energiewende, ihren Nutzen und die nicht eingetretenen Effekte der Luftverbesserung berücksichtigt, müsste allen klar sein, dass diese Wende irgendwann wieder gewendet werden muss, weil die gigantischen Kosten in keinem Zusammenhang mit irgendwelchem Fortschritt stehen. Wer Atomkraft ablehnt, verzichtet auch darauf, moderne Problemlösungen zu entwickeln, die unsere Umwelt entlasten könnten.

gabriele bondzio | Mo, 1. Juli 2019 - 09:59

Wider mal ein böser Traum linksgerichteter Bestrebungen. Ich behaupte mal bös und frech, den Linken ging es nie um den Menschen selbst.Er war immer nur Mittel zum Macht-Zweck, einer utopischen Illusion.Im Grundgesetz soll es künftig um „alle Menschen“, nicht mehr um „Deutsche“ gehen. Ist eine sehr abstrakte Idee. Selbstredend der Gedanke,wo der Nationalstaat den Märkten keinen sozialen und ökologischen Rahmen setzen kann, muß dies die Europäische Union tun. Wie es klappt sieht man ja. Die Ökonomie ist völlig aus dem Ruder gelaufen, Schuldenberge häufen sich an. Erinnert mich sehr an die desolate Wirtschaft der DDR. Und was die Menschen selbst davon halten, hatten wir ja beim Schulzschen Vorstoß 2017, wo er von den Vereinigte Staaten von Europa bis 2025 sprach. Nationen, die diesem Konzept nicht zustimmen, sollten die EU aus Sicht von Schulz verlassen. Solche Ideen zeigen auf, wie weit man schon vom Menschen entrückt ist.

Ernst-Günther Konrad | Di, 2. Juli 2019 - 18:17

liebe Linken, dann braucht's auch keinen Klimawandel und keine gewalttätigen Demos mehr und vor allem Euer stetiger Kampf gegen rechts ist obsolet. Baut Euch doch eine Blechbüchsenarmee und Klonkrieger, dann müsst ihr Euch mit dem "ekligen" Menschsein nicht mehr beschäftigen. Die sehen alles gleich aus, denken so wie programiert und winken Euch fröhlich zu. So wolltet ihr das ja auch in der DDR. Hat halt nicht für länger geklappt. Dort menschelte es dann doch. Naja, Kim Jong UN hat bestimmt Platz für Euch. Ihr dürft ausnahmsweise hinfliegen, allerdings mit Oneway-Ticket. Nehmt die Grünen gleich mit.