Medienkritik - „Wie soll man einen Israeli denn erkennen ohne sein Käppchen?“

Kolumne: Brief aus Tel Aviv. Knapp die Hälfte der jüdischen Bevölkerung in Israel ist säkular, jeder Fünfte glaubt nicht an Gott. Trotzdem gibt es kaum einen Fernsehbericht, in dem nicht früher oder später ein Ultraorthodoxer durchs Bild läuft. Wieso machen die Deutschen das Land „heiliger“, als es ist?

Ein Mann mit Kippa nimmt am 05.03.2017 bei der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit in der Paulskirche in Frankfurt am Main (Hessen) teil.
Selbst wenn man davon absieht, was die x-fache Verwendung des immer selben Bildes über die Originalität deutscher Medienmacher aussagt, so ist sie doch vor allem eins: irreführend / picture alliance

Autoreninfo

Die Schriftstellerin Sarah Stricker lebt seit acht Jahren in Tel Aviv. Ihr Debütroman „Fünf Kopeken“ (Eichborn) wurde unter anderem mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet, dem höchst dotierten Preis für ein deutschsprachiges Erstlingswerk, und wird derzeit in mehrere Sprachen übersetzt.

So erreichen Sie Sarah Stricker:

Einer der vielen Vorteile, wenn man in Israel lebt, ist, dass man im Laufe der Jahre unzählige Deutsche wiedersieht, die mal eben für einen Besuch vorbeikommen, was sie, wenn ich in Schwäbisch Gmünd oder Bremerhaven oder, wie es sich für eine Schriftstellerin eigentlich gehört, auf dem Steckdosen-nächstgelegenen Platz eines Berliner Cafés leben würde, wahrscheinlich eher nicht täten. Auch diese Woche ist mal wieder ein alter Bekannter da. Wir schlendern durch Tel Aviv, die Sonne dreht für Anfang November noch mal so richtig auf, als sein Blick plötzlich an einer Häuserzeile hängen bleibt, in die sich, fast versteckt hinter ein paar Büschen, eine winzig kleine Synagoge quetscht. 

Der Bekannte bleibt stehen, linst verstohlen ins Innere. Ob er da wohl mal reindürfe. Ich sehe von seinen Flip Flops zu den kurzen Hosen, zu den nackten Armen, an denen noch der halbe Strand klebt. In dem Aufzug sei das vielleicht keine so gute Idee, sage ich. Überhaupt seien Synagogen in Israel jetzt nicht unbedingt mit deutschen Kirchen zu vergleichen, die man einfach so besichtigen gehe; meistens sei es besser, man lasse sich von jemandem mitnehmen, der sich ein wenig auskenne.

„Hm, ja, verstehe“, sagt der Bekannte, „würde denn vielleicht dein Freund mit mir hingehen?“ Nein, das sei jetzt mal wirklich keine gute Idee, antworte ich und beginne zu lachen, vielleicht ein wenig zu heftig, zumindest schaut der Bekannte auf einmal so befremdet, dass ich schnell hinterher schiebe, dass mein Freund Atheist sei, und zwar ein ziemlich leidenschaftlicher, dass er ein massives Problem mit dem Einfluss der Orthodoxie auf den Staat habe, ihre politischen Vertreter für durch und durch korrupt halte, dass die Chance, gerade ihn in eine Synagoge zu kriegen, wohl so ziemlich bei null läge.

Was macht einen Juden zum Juden?

„Aber ich dachte, er sei Jude?“, sagt der Bekannte verwirrt. „Ist er ja auch“, antworte ich, „aber eben nicht religiös.“ Der Bekannte runzelt die Stirn, schüttelt energisch den Kopf. „Aber das ist doch ein Widerspruch in sich!“

Ich hole tief Luft, ein wenig genervt, denn einer der Nachteile, wenn man in Israel lebt, ist, dass die Gespräche mit Deutschen sich oft ziemlich ähneln, dass man gelegentlich vergisst, dass sie nicht „die Deutschen“ sind, sondern alles Einzelpersonen, sie auch für die Aussagen der vorherigen Besucher und der deutschen Medien und im Grunde für ganz Deutschland in Haft nimmt. 

Nein, das sei kein Widerspruch, erkläre ich so geduldig wie möglich. Vielmehr sei die Frage, was einen Juden denn jetzt zum Juden mache, eine, auf die es sehr unterschiedliche Antworten gäbe. Für die einen sei es die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft, für die anderen zu einer ethnischen Gruppe; wieder andere definierten Jüdisch-Sein vor allem über die Bindung an eine Kultur, an Traditionen, eine gemeinsame Geschichte. 

Der Glauben war den Nazis egal

„Eins lässt sich aber mit ziemlicher Sicherheit sagen: Wann immer es im Laufe der Jahrhunderte darum ging, Juden auszugrenzen oder ihnen für irgendwas die Schuld in die Schuhe zu schieben oder sie gleich ganz auszulöschen, war es den Tätern ziemlich schnuppe, wer denn nun gläubig war und wer nicht“, sage ich, wobei mir selbst nicht entgeht, dass mein Ton bedenklich von genervt zu aggressiv umschlägt. 

Tatsächlich, rede ich mich in Fahrt, tatsächlich seien die Juden in Deutschland nie so wenig religiös gewesen, wie in der Zeit vor Hitlers Machtergreifung. Dennoch könne ich mich nicht erinnern, dass die Nazis vor den Gaskammern nach einem Glaubensbekenntnis gefragt hätten. Und auch die Hamas habe bisher nicht angeboten, den Raketenbeschuss einzustellen, wenn nur alle Juden zum Islam überträten, kümmere sich herzlich wenig darum, ob bei ihrem „alle Juden ins Meer treiben“-Ziel denn vielleicht auch Säkulare dran glauben müssten – was, ja, ja, zugebenermaßen alles schon ziemlich aggressiv ist, wie gesagt, Ain‘t My First Time At The Rodeo.

Kein Land wie jedes andere

„Aber was hält deinen Freund denn dann überhaupt hier?“, fragt der Bekannte. Was jetzt wiederum ich befremdlich finde. „Naja, die Tatsache, dass das seine Heimat ist? Er hier geboren wurde? Seine Familie und Freunde hier leben? Dass er nun mal Israeli ist?“ Der Bekannte runzelt erneut die Stirn, schaut von der Synagoge zurück zu mir. „Und woran macht sich das fest, wenn nicht am Glauben?“

Meine Güte, woran sich denn sein Deutsch-Sein festmache, will ich rufen. Ob er solche Fragen denn eigentlich auch in anderen Ländern stelle. Aber ich weiß selbst, dass das unfair ist, dass mein Ärger weniger von ihm, als davon herrührt, dass ich es einfach schon so unheimlich oft erlebt habe, dass Deutschen zu Israel nichts anderes als Religion einfällt – was, schon klar, natürlich auch nicht von ungefähr kommt. Ja, Israel ist kein Land wie jedes andere, nicht zuletzt, weil die Meinungen darüber, ob es eher ein Staat für die Juden oder ein jüdischer Staat sein soll, eben auch innerhalb der Bevölkerung sehr weit auseinander liegen.

Die Macht das Rabbinats – und der säkulare Alltag

Ja, Konzessionen, die bei der Gründung vor fast 70 Jahren an die damals kleine Minderheit der Religiösen gemacht wurden, bestehen zum Teil bis heute, geben ihnen zum Beispiel das alleinige Recht, Ehen zu schließen und zu scheiden, oder sorgen dafür, dass am Shabbat, dem für viele einzig freien Tag, um Freunde und Familie zu besuchen, weder öffentliche Busse noch Züge fahren. Ja, ultraorthodoxe Männer verbringen zum Teil ihr halbes Leben mit religiösen Studien ohne einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, während ihre sieben, acht, neun Kinder überwiegend von staatlichen Hilfen leben und Schulen besuchen, denen die Regierung erlaubt, selbst zu entscheiden, ob sie Kernfächer wie Mathematik oder Englisch überhaupt unterrichten wollen … wie gesagt, ich lebe selbst mit einem Mann zusammen, der mich schwerlich vergessen lässt, welche Macht das Rabbinat in diesem Land inne hat.

Aber: Er ist mit seiner Kritik daran keineswegs allein. Gegen das Fahrverbot öffentlicher Verkehrsmittel am Shabbat sprechen sich zum Beispiel 63 Prozent der jüdischen Israelis aus. 49 Prozent geben an, nicht religiös zu sein; 20 Prozent sagen, sie glauben nicht an Gott. Die Zahl der Ultraorthodoxen liegt hingegen bei gerade mal 8 Prozent. In der deutschen Wahrnehmung scheinen sie jedoch eine sehr viel prominentere Stellung einzunehmen.

Die Realität des Fernsehens

Kurzes Geplauder aus dem Nähkästchen: In den vergangen Jahren wurde ich mehrfach von deutschen Fernsehteams in Tel Aviv besucht, um zu irgendeinem Thema interviewt zu werden. Falls Sie sowas noch nie gemacht haben: Interviewt werden heißt, man redet fünf Minuten über sein neues Buch; anschließend läuft man fünf Stunden die Straße rauf und runter, guckt nachdenklich in die Sonne, tut so, als würde man spontan irgendwelche Freunde treffen, damit die Fernsehmenschen später etwas haben, was sie unter das über-das-Buch-Reden schneiden können. Meistens verabredete ich mich mit den Teams der Einfachheit halber bei mir zu Hause – in einer Gegend, in der, das jetzt mal nicht statistisch überprüft, sondern rein gefühlt, 99 Prozent der Menschen nicht religiös sind.

Kurzer Einschub, weil sich hier erfahrungsgemäß manchen die Frage stellt, woher ich das denn wissen wolle: Anders als im Christentum, wo man seinen Glauben auch gerne mit sich alleine ausmachen kann, gibt es im Judentum eine Reihe von Kleiderregeln, an deren Einhaltung sich ziemlich gut der Grad der Religiosität ablesen lässt: Frauen mit Perücke oder einem locker ums Haar geschlungenen Tuch; Männer mit schwarzen Hüten oder einer Kippa, deren Größe, Farbe und Material wiederum etwas über die Untergruppe verrät, zu der der Betreffende sich zugehörig fühlt … kurz gesagt, wenn Ihnen jemanden mit Hotpants entgegen kommt, ist die Antwort wahrscheinlich: zu keiner. Einschub Ende.

Meine Gegend ist also ziemlich säkular. Trotzdem war unter all den Beiträgen kein einziger, in dem nicht spätestens nach 30 Sekunden ein rauschebärtiger Mann mit Schläfenlocken durchs Bild lief (und/oder ein Soldat mit Uzi über der Schulter – aber darüber reden wir ein andermal). 

Bilder und ihre Wirkung

Anderes Beispiel: Vor einer Weile habe ich einen kleinen Text geschrieben, in dem es unter anderem um Israelis in Berlin ging. Das Thema ist nicht neu, in den vergangenen Jahren ist eine ganze Reihe von Artikeln dazu erschienen. Eins hatten jedoch erstaunlich viele gemeinsam. Das Foto: ein Kippa-bedeckter Hinterkopf vorm Brandenburger Tor. Selbst wenn man davon absieht, was die x-fache Verwendung des immer selben Bildes über die Originalität deutscher Medienmacher aussagt, so ist sie doch vor allem eins: irreführend. Tatsächlich dürfte der Anteil der Religiösen unter den Israelis in Berlin verschwindend gering sein, sind es in überwältigender Mehrheit Säkulare, die es in die deutsche Hauptstadt zieht.

Also schrieb ich vorsorglich der Redaktion eine Mail, in der ich freundlich darum bat, bei der Veröffentlichung doch bitte auf dieses eine Foto zu verzichten – woraufhin mein Artikel, I kid you not, mit einem siebenarmigen Leuchter illustriert wurde.

Ja, aber das müsse ich doch verstehen, erklärte mir die Bildchefin am Telefon. Wenn ich schon keine Männer mit Käppchen wolle, würde der Leser doch überhaupt nicht kapieren, dass es bei dem Text um Israelis gehe. Was mir natürlich einleuchtete. Ich meine, hey, wann hat man Emmanuel Macron schon mal ohne Baskenmütze gesehen? Und was wären die Berichte über Kataloniens Unabhängigkeitsbestrebungen ohne das regelmäßige Einblenden einer Paella?

„Ist ja gut“, sagt der Bekannte, allmählich selbst ein wenig ungeduldig, nachdem er eine leicht abgeschwächte Version des Obenstehenden über sich hat ergehen lassen, „aber was heißt es denn sonst, Israeli zu sein?“

Typisch israelisch

Das ließe sich so nicht beantworten, wehre ich ab, dafür seien „die Israelis“ zu heterogen, man könne nicht das ganze Land über einen Kamm scheren… aber während ich mich noch um Festlegungen winde, merke ich selbst, dass das wiederum ziemlich deutsch ist, dass ein Israeli, Vorsicht: Überleitung!, dass ein Israeli an meiner Stelle nie so lange zögern würde, dass er längst geantwortet hätte, denn wenn eins mal wirklich typisch für einen Israeli ist, dann, dass er keine Angst vor klaren Aussagen hat. Dass er extrem direkt ist, was manchmal taktlos oder kränkend oder auch einfach unverschämt sein kann, aber hie und da auch ziemlich befreiend. Dass er den Pragmatismus der Höflichkeit vorzieht, sei es, weil das moderne Hebräisch nicht mal über halb so viele Worte wie das Deutsche verfügt und große Schnörkel schlicht nicht erlaubt, sei es, weil das Leben hier einem Hochdruckkessel gleicht und für zu viel Romantik gar keine Zeit bleibt. 

Wenn eins typisch für Israelis ist, dann dass in jedem Mann ein Macho steckt. Und in jeder Frau auch. Und oft genug auch schon in den Kindern. Dass die sich bisweilen aufführen, als gehöre ihnen die ganze Welt. Und dann doch so herrlich tough und unerschrocken und selbstbewusst sind, dass ich manchmal wünschte, ich hätte meiner Kindergartenjahre hier verbracht.

Streit als Sport

Wenn etwas typisch für Israelis ist, dann dass sie, während der Deutsche sich noch fragt, ob die Idee, die er da neulich hatte, jetzt wirklich sooooo gut ist, einfach schon mal loslegen, was zu irren Erfindungen und Innovationen und ständig neuen Start-up-Gründungen führt. Aber eben auch zu großem Dilettantismus. Dazu, dass man niemals, aber auch wirklich niemals das bekommt, was man eigentlich will, über was sich dann so laut gestritten wird, dass es garantiert die ganze Nachbarschaft mitkriegt. 

Wenn etwas typisch für Israelis ist, dann, dass sie nichts so fürchten, wie für dumm verkauft zu werden, dass sie lieber stundenlang weiter debattieren, als dass einer riskieren würde, zu früh aufzugeben, einander beschimpfen, anbrüllen, verwünschen – nur um sich nach Beilegung des Zwists geradezu anerkennend auf die Schulter zu klopfen, wie zwei Tennisspieler, die sich nach dem Match die Hände reichen.

Wenn etwas typisch für Israelis ist, dann dass sie ein großes Talent für Freundschaften haben, sowohl zum Pflegen alter, als auch zum Knüpfen neuer, dass sie es zumindest mir extrem leicht gemacht haben, mich in dieses Land zu verlieben, gerade weil es eines ist, dass sich nicht so leicht definieren lässt. 

Aber alternativ können wir uns natürlich auch auf die Liebe zum Hummus einigen.

Holger Stockinger | Mo, 6. November 2017 - 10:47

Auf die Frage, wo seit der "Reichskristallnacht" die Juden denn geblieben seien, gab es keine Antwort seitens meiner Mutter, damals 11jährig.

Für ein Referat über das "Drama des begabten Kindes" zu zweit erfuhr ich erstmals, daß meine Mitreferentin ein "Jude" ist. Immerhin war sie nicht zu zweit, was ja "nochmehr" Juden bedeutet hätte.

Israel sei faschistisch, habe ich nicht ganz tausendmal gehört.

Ob "Linke" oder "Rechte", der Hass auf Juden scheint nicht ausrottbar. Daß jüdisches Leben etwas anders ist als "Normalo-Dasein" und das Jiddische die deutsche Sprache "bereichert" hat, entgeht den meisten Zeitgenossen ...

Dr. Roland Mock | Mo, 6. November 2017 - 10:53

Ich finde den Beitrag sehr interessant. Gerade weil ich selbst Judentum weder ausschließlich mit Religion noch ausschließlich mit der Politik des Staates Israel identifiziere. Wenn ich den Begriff „ Judentum“ höre, denke ich eher an Heroen der Kultur: Marc Chagall, Kurt Tucholsky, Joseph Roth, Roman Polanski ... Auch an Albert Einstein, den Held meiner Jugend, und an Wolf Biermann, den Held meiner Studentenzeit. Leider, leider ist es aber so, daß prominente Deutsche jüdischer Herkunft/ Identität immer wieder den Fokus öffentlicher Verlautbarungen auf das Thema Nazis und Hollocaust legen. Und bei vornehmlich jüngeren Menschen damit den Eindruck erwecken, als sei es a u s s c h l i e ß l i c h dies, was jüdische Identität und deren Bezug zu Deutschen und Deutschland ausmache. Der von mir hochgeschätzte, weil schonungslos ehrliche, Publizist Rafel Seligman kritisiert dies seit Jahrzehnten, wird leider wenig gehört. Was ich schade finde.

Holger Stockinger | Mo, 6. November 2017 - 11:03

Auch die kleinste "Synagoge" unterscheidet sich von katholischen Kirchen: Kein Sprechgesang, sondern eine gute Stimme zeichnet sich aus.

Jacqueline Gafner | Mo, 6. November 2017 - 12:35

der mit einem Augenzwinkern deutlich macht, weshalb Stereotype so bald ebenso wenig verschwinden werden wie Wegweiser am Strassenrand. Wozu sich auch durch die komplexe Realität unnötig verunsichern lassen, wo man sich in der Welt doch auch einfacher zurechtfinden kann?

Christa Wallau | Mo, 6. November 2017 - 12:40

Diese Frage hätte ich wirklich gern einmal präziser
beantwortet.
Wenn es nicht die Religion ist, die zählt, was dann?

Nicht jeder Isareli ist ein Jude. Klar. Es gibt ja auch Palästinenser mit israelischem Paß. Und es gibt Juden mit Pässen aus aller Herren Länder, besonders Pässen aus den USA.

Was aber ist dann ein Jude?
Ist jeder Jude, auch der Atheist, beschnitten?
Wenn ja, warum? Soll man einen Juden an der
Beschnittenheit erkennen können?
Spielt die Abstammung die entscheidende Rolle?
Ist jeder, der von einer Jüdin geboren wird, ein Jude? Was - wiederum - hat die Mutter zur Jüdin
gemacht: ihre Religion oder auch nur ihre Herkunft?
Wenn eine zum Christentum konvertierte Jüdin ein Kind zur Welt bringt, kann dieses Kind dann trotzdem noch Jude sein?
Bilden Juden also seit Jahrtausenden eine genetisch festgelegte Volksgemeinschaft?

Wer kann es mir erklären? Was kennzeichnet
j e d e n Juden?

Antwort 1:
Von aussen betrachtet hat er Kopf, Körper, Arme und Beine, ist also Mensch.
Innerlich? Ist ein Jude gegenüber einem anderen Juden so unterschiedlich, dass man ihn wie jeden anderen Menschen erst mal kennenlernen müsste um ihn/sie auch nur einigermaßen abschätzen zu können.

"Was kennzeichnet jeden Menschen?"
Antwort 2:
Wie unter Antwort eins. ;-)

... Was macht aus einem beliebigen Menschen, den Sie, lieber Herr Pohl,
unter Antwort 1 beschrieben haben, einen s p e z i e l l e n Menschen, nämlich
einen "Juden"?
Oder: Wenn sich jemand als Jude bezeichnet, muß man ihm das glauben oder
an welchem Kriterium kann man es verifizieren?
Ich weiß, welche Kriterien es n i c h t sind, die einen Juden auf jeden Fall kennzeichnen, nämlich
1. daß er ein Israeli ist, also einen israelischen Paß besitzt
(In den USA leben etwa so viele Juden wie in Israel!)
2. daß er an den alttestamentarischen Gott glaubt u. sich also der jüdischen
Religion u. dem jüdischen Gesetz verpflichtet fühlt
(Viele, die sich Juden nennen, sind Ungläubige!)

Was also ist es dann, was einen Menschen ausmacht, der sich - trotz Fehlens obiger Kriterien - Jude nennt? Ist es das Bewußtsein seiner Abstammung von Menschen, die Juden waren (genetisch-völkischer Aspekt)?
(Das Beschnitten-Sein, ein äußerer Aspekt, kann es nicht sein. Das haben andere auch!)

... kann ich Ihnen in Gänze nicht beantworten, sofern Sie davon ausgehen, ich sollte dies über Äußerlichkeiten versuchen wollen. Es sei denn ein/e Jude/Jüdin trägt einen Hinweis auf seinen Glauben (z.B. Kippa, Stern oder etwa in Kleiderordnung der Orthodoxen). Beschnitten sein gehört nicht dazu (kann sein, muß nicht sein)

Wenn mir jemand sagt, er/sie sei Jude, dann geh ich zunächst davon aus es stimmt.
Das nicht jeder Jude/Jüdin Israeli ist oder umgekehrt, gilt als gesicherter Fakt.

Wer sich als Jude/Jüdin sieht tut dies aus seiner familieren und/oder traditionellen Bindung heraus oder trat dem Judentum bei. Einen genetisch, völkischen Aspekt gibt es dabei nicht. Den gäbe es möglicherweise bei völlig isolierten und abgeschlossenen Gesellschaften oder herbeifantasiert, wie schon gehabt, bei lächerlichen Rassenspinnern.
Kein Jude/Jüdin ist verpflichtet an einen sog. alttestamentarischen Gott zu glauben oder an ihn gebunden zu sein.

Nach religiöser Sicht wird man - anders als im Christentum, wo die Taufe entscheidend ist - nicht zum Juden gemacht, sondern zum Juden geboren. Sprich: Wenn die Mutter Jüdin ist, ist man es auch. (Die einzige andere Möglichkeit ist zu konvertieren). Daher kann man theoretisch nicht wie in Deutschland „aus der Kirche austreten“ - wer als Jude zur Welt gekommen ist, bleibt es auch, selbst wenn er Atheist ist.
Natürlich gibt es Menschen, die sich selbst anders definieren, die also ethnisch Juden sind, sich aber nicht so bezeichnen, weil sie nicht religiös sind. Das ist die Inbenperspektive und jedem freigestellt. An der Aussenperspektive ändert das jedoch nichts - das haben nicht zuletzt die Deutschen ziemlich eindrucksvoll bewiesen :( Im Dritten Reich wurde jeder als Jude eingestuft, der mindestens einen jüdischen Großelternteil hatte, wobei mit „jüdisch“ hier nur die Abstammung gemeint war; ob jemand auch religiös lebte, spielte keine Rolle. Der Staat Israel wurde ...

... der Staat Israel wurde auf der Basis dieser Erfahrung gegründet, daher definiert er Juden in seiner Einwanderungspolitik genau so: Jeder, der mindestens einen jüdischen Großelternteil hat oder hatte, darf nach Israel einwandern und hat ein Recht auf die Staatsbürgerschaft. Laut seinen Statuten sieht Israel sich als Heimstätte aller, die anderswo unter Antisemtismus leiden könnten - ob religiös, beschnitten oder sonst was spielt da keine Rolle. Aber nur zur Sicherheit: Das ist die Definition des Staates Israel. Die Religiösen im Lande sehen das anders. Für die ist jemand, der nur einen jüdischen Vater hat (also „jüdisch genug“ ist, um nach Israel einzuwandern) kein Jude. Aber wie mein schon jemand vor mir schrieb: Ein Volk ist niemals durch EINEN Aspekt allein definiert. Was macht schon den Deutschen zum Deutschen? Oder den Amerikaner zum Anerikaner? Sind die, deren Eltern eingewandert sind, weniger amerikanisch als die, bei denen schon die Groß- oder Urgroßeltern in die USA kamen?

Christa Wallau | Di, 7. November 2017 - 12:49

In reply to by Philipp Eckstein

Ich möchte kurz versuchen zusammenzufassen, was mir von freundlichen
Kommentatoren, bei denen ich mich bedanke, auf meine Frage hin
mitgeteilt wurde:
1. "Israeli" und "Jude" ist nicht dasselbe. Aber: Jeder, der mind. einen jüdischen Großelternteil hat(te), darf in Israel einwandern.
2. Israel sieht sich als das "Land der Juden", aber man muß sich dort nicht
zur jüdischen Religion bekennen. Auch andere Menschen (Christen, Muslime)
können Israelis werden(?)
3. Das wichtigste Merkmal eines Juden ist seine "Abstammung". Das ist ein biologistisches Kriterium. D. h.: Man bleibt Jude, auch wenn man es gar nicht mehr sein will.
4. Es gibt eine Verquickung von religionsgeschichtlicher Tradition u. Ansprüchen des jüdischen Volkes und dem Anspruch a l l e r Bürger Israels, auch wenn sie keine Juden bzw. nicht religiös sind, auf die territoriale Integrität ihres Landes, so wie es
1948 als Staat proklamiert und verschiedentlich erweitert wurde, also faktisch jetzt besteht.

Christa Wallau | Di, 7. November 2017 - 12:49

In reply to by Philipp Eckstein

... Warum bezeichnet sich ein Jude immer noch als Jude, auch dann, wenn er gar nichts mehr mit der jüdischen Religion zu tun hat, also Atheist oder Agnostiker ist?
Ein Christ, der sich vom Christentum losgesagt hat, nennt sich doch auch nicht
mehr "Christ"!
Ist es ein "völkisches", elitäres Denken, das sich hier manifestiert?
Sozusagen: Die Juden sind d a s Volk auf der Welt mit einem besonderem Anspruch auf Identität, welche über Staatsangehörigkeit und Religionszugehörigkeit hinausgeht?

können oder wollen Sies nicht verstehen?
Nach Halacha ist Jude, wer von einer jüdischen Mutter geboren ist (schlau von den Altvordern, Vater könnte jeder Mann sein!), oder wer konvertiert ist entsprechend den Rabbinischen Vorschriften.
Der Staat Israel befindet sich auf einem Teil der römischen Provinz Palästina, aus dem AD 70 die Juden durch Titus vertrieben wurden, der Tempel auf dem Berg Moria in Jerusalem wurde zerstört, die Schätze geplündert -nachzulesen bei google-. Über die Jüdischen Königreiche besser das Alte Testament lesen, aber das wissen Sie ja längst.
Dass Israel AUCH gegründet wurde, um endlich all den Menschen, die sich selber als Juden sehen, oder die von Anderen als solche klassifiziert werden, einen Zufluchtsort zu geben, sollte Ihnen doch klar sein.
In Israel leben Juden, Moslems, Christen, Drusen, Atheisten, Orthodoxe, usw. demokratisch zusammen, nur "Palästinänser" als solche sind eine Erfindung Arafats von 1964, denn ALLE Israelis sind auch Palästinänser.

Wenn Sie das im Ernst meinen, dann ist das wohl Unwissen jedoch versetzt mitr Bösartigkeit - "völkisch und elitär" - der Besserdeutsche beschuldigt die Juden. Für Sie zu Mitschreiben: Juden sind die, die als solche verfolgt werden. Haben die Nazis nach der Religionszugehörigkeit gefragt?

Lesen Sie die Bibel! Um zu erfahren, was es mit den Juden auf sich hat, beginnen Sie bei Abraham, der von Gott angewiesen wurde, ins Land Kanaan zu ziehen , als den Bestimmungsort für das zukünftige Volk Israel (1Mose1-3).Sie werden dort lesen von Menschen mit großem Gottvertrauen aber auch von Entwicklungen hin zu abgrundtiefer Gottesferne (z.B. Hosea, Joel etc.). Einen jeden Juden kennzeichnet..., dass er zu Gottes auserwähltem Volk gehört und mit dem Gott besonders seit der Rückführung der Juden aus allen Teilen der Erde im späten 19.Jh. (z.B. Hesekiel 36,24) und noch zukünftig - vielleicht in naher Zukunft - seine Plane ausführen wird (z.B.Sacharja13,9), ...dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde und als Jude geboren wurde,....dass sie wie jeder andere Mensch erkennen müssen, das dieser der Messias ist, der Erretter und Erlöser.

Udo Dreisörner | Mo, 6. November 2017 - 13:26

Sehr guter Artikel der nachdenklich stimmt und man erwischt sich selbst dabei wie wenig man über das Judentum weiß. Das Israel schnell als pauschal "heiliger" angesehen wird hat bei mir persönlich mit einer Art Schutzfunktion zu tun, die mir / und in der Schule eingehämmert wurde bis es auch der Letzte geglaubt hat. Israel = Judenstaat, Jude = deutsches Schuldgefühl forever. Immer wieder und wieder wurde uns eingetrichtert das wir als Deutsche die schlimmsten Verbrecher auf Erden sind. Für immer. Egal ob 1967 geboren wie ich oder früher oder später. Wenn das Wort Jude fällt zucke ich manchmal heute noch zusammen. Allein nur wegen der Schulzeit. Ist das nicht schlimm? Es wurde damals nicht gelehrt es besser zu machen, offen und Tolerant zu sein. Es wurde das ewige Schuldgefühl gelehrt. Und wenn der Eindruck entstanden war das es einige noch nicht kapiert hatten wurde eben der Film "Nacht und Nebel" nochmal gezeigt, auch wenn sich einige wieder übergeben mussten. Schlimm!

... Das hatten deine Lehrer auch, Schuldgefühle! Laut Erzählungen meiner Großeltern und Urgroßmütter, wußten die genau was abging mit ihren Nachbarn, die abtransportiert wurden.
Bei uns ( bin Baujahr 90) war es eher etwas zu viel, Reli, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Deutschunterricht und das über mehrere Schuljahre... führt so etwas bei der Jugend dazu, dass es " ein alter Hut" und "egal" ist?! Dass das Holocaustdenkmal in Berlin eben auch nichts anfangen können? Niemand würde in New York lächelt selfies schießen mit dem Denkmal von 9/11 oder?!
Wir hatten das Glück, dass mein Opa ( gläubiger und praktizierender Jude) sich als Zeitzeuge angeboten hatte unmittelbar uns nach Stutthof begleitet hatte.

Reiner Jornitz | Mo, 6. November 2017 - 13:54

Jedes Volk auf dieser Welt hat sein Päckchen zu tragen . So kann man und hat niemand . das Recht eine Kolatoralschuld Deutschlands an allem , was hier schlimmes passiert in die Schuhe zu schieben. Nach General Bonhof aD hat 5 Jahre damit verbracht die beiden Kriege zu hinterfragen und ist zu dem Schluss gekommen das diese Kriege viele Väter hatten. Dazu gehörten England , USA Frankreich und Israel , Polen. So sieht das Land wie es ist eines von 149 auf der Welt. Jeder kann seinen Teil denken

Sorry, aber wer ist General Bonhoff? Und wen interessiert, was dieser unbekannte Militär sagt? Und wie hat Israel das Kunststück fertig gebracht, an der Entstehung des Weltkrieges II. beteiligt gewesen zu sein, obwohl es erst im Mai 1948 gegründet wurde? Es gibt ein passendes Sprichwort, das lautet „Hättest du geschwiegen, wärest du ein Pgilosoph geblieben“.

Gemeint ist der ehemalige Generalmajor der Bundeswehr Gerd Schultze-Rhonhof, der mit etlichen geschichtsrevisionistischen Büchern und Youtube-Videos bekannt wurde. Seine steile These: "Hitler wollte Frieden." Die als Reaktion auf die Repressalien gegen Juden in Deutschland ab 1933 erfolgten internationalen Boykottmaßnahmen werden in gewissen Kreisen als Kriegserklärung Judäas gegen das Deutsche Reich dargestellt. Die Frage nach jüdischer Identität hatte Herrmann Göring bereits damals umfassend geklärt: "Wer Jude ist, bestimme ich!" Ob in Bezug auf Hitler oder aktuell auf Luther: Die Stimmen, die Juden seien an ihrem Unglück selbst schuld, werden nicht verstummen. Das Gerücht über die Juden wuchert weiter.

Bernhard K. Kopp | Mo, 6. November 2017 - 15:43

Die Autorin weiss aber auch, dass das Judentum nur über die Religion die fast 2000-jährige Diaspora überlebt hat. Darin liegt wohl auch der Grund für die soziale Grosszügigkeit gegenüber den Orthodoxen. Die Autorin weiss auch, dass es ohne die religiös determinierte kulturelle Identität der Juden kein Theodor Herzl, keine Balfour-Deklaration und kein Israel wären. Individuelle Freiheit entbindet nicht vor dem Respekt für die Lebenslinie der Religion. Wir müssen auch nicht christlich-religiös sein um die kulturhistorische Bedeutung der christlichen Religion, mit allen Irrungen und Wirrungen, für unsere abendländische Zivilisation anzuerkennen.

Michael Lang | Mo, 6. November 2017 - 16:00

Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat ein Artikel in der SZ über die Strandpromenade in Tel Aviv. Welches Bild war dort zu sehen - nicht ein Schwuler Bodybilder, keine halbnackte Joggerinen, nicht kopfbetuchte arabische Joggerinen - nein, ein schläfenbelocktes Jingl auf einer Bank.
Wenn man die Realität ein bißchen kennt - das tue ich - weiß man, dass für Ultraorthodoxe die Strandpromenade in Tel Aviv ungefähr so trejfe - unkoscher - ist wie ein Bordell im Vatikan. Aber das ist kein Problem für den SZ-Korrespondenten - er schafft den Schläfenbelockten heran. Dafür kann man dann bei nächster Gelegenheit einen tiefschürfenden Artikel über den ach so schlimmen Antisemitismus in Deutschland schreiben.

Realität Deutschland 2017!

... wie ein Bordell im Vatikan."
Stimmt Herr Lang, was z.B. Tel Aviv angeht.
Was nicht stimmt, im Bericht über den wir hier reden ist nicht von Tel Aviv allein die Rede sondern von deutscher Medienberichterstattung über Israel insgesamt. Zwischen Israel, incl. besonders z.B. Jerusalem (immerhin die Hauptstadt des Landes) und z.B. Tel Aviv liegen sozusagen Welten.
Von wo aus Bild-berichten ausländische Medien im Allgemeinen wie mit Vorliebe? Überwiegend jeweils aus den Hauptstädten der Länder aus denen sie berichten.

Ein Junge mit Peies könnte ihnen überall in Israel, also auch auf Bänken, vor die Kamera kommen. Allzu lange suchen müssen Sie da nicht.

Rolf Pohl | Mo, 6. November 2017 - 17:54

... auch deutsche Medienvertreter sich überwiegend dort aufhalten und von dort aus berichten weil es die Hauptstadt Israels ist, läuft zwangsläufig, "früher oder später", ein Ultraorthodoxer durchs Bild.
Liebe Sarah Sie sollten also ab und zu mal von Tel Aviv aus nach Jerusalem fahren dann wird Ihnen dort folgendes auffallen: Der Stadtteil Me`a Sche`arim liegt in Jerusalem, nicht wahr?. Machten Sie dort z.B. Filmaufnahmen liefen Ihnen nahezu ausschließlich Ultraorthodoxe jeden Geschlechts und Alter vor die Kamera. Von ein paar Touristen dazu mal abgesehen.
Und eben diese Ultaorthodoxen verteilen sich dann auch z.T. über die ganze Stadt. Logisch nicht wahr?
Also liebe Sarah, nicht verzagen, hinfahren und beobachten. Vom schönen und weltoffenen Tel Aviv aus sehn Sie`s nicht. ;-)

Übrigens, Israel ist, wie all seine Menschen, nicht heilig und kann auch von niemandem heilig gemacht werden. Nicht einem Fernsehbericht, egal von wem gedreht, könnte dies je gelingen.

...stimmt es leider mitnichten, dass die Mehrheit der Medienvertreter in Jerusalem leben würde. Sowohl die Korrespondenten der ARD, und des ZDF, also auch die des Spiegel, der Süddeutschen Zeitung und des BR-Radios - sie alle leben in Tel Aviv, und damit in einer Hochburg der Säkularen. Trotzdem spiegelt sich von dem, was auch sie täglich sehen müssen, nichts in der Berichterstattung. Natürlich gibt es in Israel Orthodoxe, das macht die Autorin in meinen Augen ja auch völlig klar. Es geht nur darum, dass man Israel unrecht tut, wenn man die andere Seite unterschlägt. Und wenn man, wie ein anderer Kommentierender das ja auch erwähnt, selbst einen Text über den Tel Aviver Strand mit Kippa-Trägern bebildert, dann tut man das.

Das lieber Herr Eckstein wurde, jedenfalls von mir, nicht geschrieben.
Überwiegend wird, incl. Bildberichterstattung, aus Jerusalem berichtet.

"dass man Israel unrecht tut, wenn man die andere Seite unterschlägt."
Das ist nicht richtig, selbst da nicht wo Orthodoxe per Bild erfasst werden. Denn, es gibt Orthodoxe in Israel so wie es Mönche z.B. in einigen Orten Deutschlands gibt und die dort ebenfalls gelegentlich ins Bild kommen. Fest steht, die Bindung vieler Istaelis zum Judentum ist ausgeprägter als z.B. diese Bindung Deutscher in Deutschland daran.
So ist`s also auch möglich, dass "Ihnen", auch am Strand von Tel Aviv, ein Kippaträger oder Junge mit Peies ins Bild geraten kann.

Ich versteh erstens die Kritik der Autorin nicht, zweitens ist Israel selbstverständlich ein weltoffenes, hochinteressantes Land und Staat in dem vielfältig orientierte Menschen leben. Darunter eben auch einn Anteil von Orthodoxen, die logischerweise jeweils ins Bild geraten.

Karl Meyer | Di, 7. November 2017 - 00:16

Sie habe es "schon so unheimlich oft erlebt habe, dass Deutschen zu Israel nichts anderes als Religion einfällt". Tja, woran das nur liegt? Vielleicht daran, dass in Deutschland der Begriff des Volkes diffamiert und aberzogen wird. (Siehe die Verunwortung von "völkisch" - übrigens die wortgetreue Bedeutung von "deutsch").
Es gebe nur "Menschen", so die realitätsblinde Ideologie der grünen Teletubbies, und der eine glaubt dies, der andere halt das. Nathan der Weise im Abitur für alle lässt grüßen.

Markus Gerle | Di, 7. November 2017 - 11:36

Ich frage mich, was der Artikel soll. Die Medien und insbes. die MSM berichten doch immer in Stereotypen über das Ausland. Ich war beruflich schon in Israel und habe auch außerhalb Israels schon viele Israelis kennen gelernt. Und siehe da, das sind alles unterschiedliche Individuen und noch nicht einmal alles Juden. Aber die Medien berichten doch auch über andere Länder mit den gewünschten Stereotypen. Besonders krass viel mir bei der Berichterstattung über die Balkan-Kriege auf. Da kamen auch nur alte Müttchen mit Kopftuch vor. Als ich dann beruflich in der Region tätig war, stellte ich glücklicherweise fest, dass die Realität anders ist. Und man schaue mal auf die aktuelle Berichterstattung über die USA (oder China, oder ....). Hat alles nichts mit der Realität zu tun. Warum sollten sich die Medien ausgerechnet bei Israel anders verhalten? Daher der Aufruf: Einfach nicht alles für voll nehmen, was man in den Medien konsumiert, sondern sich selbst ein Bild machen.

Jana Meyerhofer | Di, 7. November 2017 - 14:29

... diesich darüber aufregt. Der Artikel spricht mir aus dem Herzen! Ich kenne Israel von vielen Reisen und das Land hat so viel mehr zu bieten als in Deutschland gezeigt wird. Klar, über andere Länder wird auch oft tendenziös berichtet. Aber nicht überall gibt es einen Konflikt wie den zwischen Israelis und Palästinensern, den es zu lösen gilt. Wenn man da so tut, als seien alle ultraorthodox, kommt man nicht weiter. Denn nein, der Nahostkonflikt ist kein religiöser, sondern vor allem einer zwischen zwei Völkern.

Liebe Jana, wenn es denn überwiegend so wär wie uns die Autorin berichtet, hätten Sie selbstverständlich recht.
Selbstverständlich hat Israel viel zu bieten und darüber wird auch berichtet in Wort und Bild.

"Wenn man da so tut, als seien alle (Israelis) ultraorthodox,"
Bitte Jana, geben Sie nur ein Beispiel wo und von welchen deutschen Medien derart falsch wie flach berichtet wurde oder wird. Danke ;-)

Sam Jakob | Di, 7. November 2017 - 18:01

... Die nicht in Deutschland ausgestrahlt werden.
Ein Artikel der mir mal wirklich aus dem Herzen spricht und ziemlich gut umschreibt was ich/ wir in Israel erlebt haben und uns auch anhören dürfen. Bedauerlicher Weise bin ich dann doch so " deutsch denkend " und denke zulange über die passenden Worte nach.

Jana Meyerhofer | Di, 7. November 2017 - 23:37

Tatsächlich berichten die deutschen Medien über andere Volksgruppen doch genauso stanzenhaft. Wann immer es um "Moslems" in Deutschland geht, sieht man Frauen mit Kopftüchern. Die Tatsache, dass viele Menschen sich in Deutschland vielleicht als muslimisch bezeichnen, weil sie sich der Kultur verbunden fühlen und Traditionen pflegen, sich aber weder verhüllen noch in eine Moschee gehen, fällt in der Bildsprache unter den Tisch.

Ruth Falk | Sa, 11. November 2017 - 17:18

einen Israeli ohne Kippa? Genauso wie einen Schotten ohne Kilt, einen Baiern ohne Lederhosen: garnicht, weils halt alles nur Menschen sind. Und wenn dann ein Saupreiss eine Lederhosen trägt, ist er noch lang kein Baier.

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