- Wie verhält sich das Recht zur Moral?
Der Tod des Rechtsphilosophen Robert Alexy erinnert an eine grundsätzliche Frage: Was macht Recht eigentlich zu Recht? Alexys Antwort sprengt den juristischen Positivismus – denn wo Gesetze in „unerträgliches Unrecht“ umschlagen, endet ihre Geltung.
Anlass der aktuellen Sonntagsfrage ist ein trauriges Ereignis: Robert Alexy ist gestorben. Nichtjuristen wird der Name vielleicht nicht allzu viel sagen, und auch der eine oder andere Jurist wird von ihm noch nichts oder nicht allzu viel gehört haben. Für die – nicht nur deutsche – Rechtsphilosophie war er aber eine zentrale Gestalt. Schon in meiner Habilitationsschrift habe ich ihn zitiert. Er beschäftigte sich mit vielen Fragestellungen, vor allem aber auch der Frage: Wie verhält sich das Recht zur Moral? Die Frage ist seit Jahrhunderten aktuell. Geht Jura in Logik und Rhetorik auf, oder ist Rechtswissenschaft mehr, braucht es moralische Kategorien, um juristische Begriffe und Systeme zu entwickeln?
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Immer wieder kursiert die Mär, für den DDR-Grenzschutz gab es keine Auswahlkriterien. Die gab es sehr wohl, Hinz und Kunz kamen nicht an den Grenzzaun ("Mauer"). Die meisten waren Söhne aus zuverlässigen SED-Familien oder ähnlich "zuverlässigen", familiären Background. Das schloss nicht aus, dass es auch
Zwingend leitet sich gar nichts aus gar nichts ab. Alles ist immer ein Ausbalancieren widersprüchlicher Prinzipien und der Satz an Prinzipien ist weder klar definiert noch unveränderlich. Je weniger eine Gesellschaft unfähig ist, mit so einer Offenheit umzugehen, muss sie sich an absolute Wahrheiten und Moral halten - was dann auch ok ist und besser als Willkür und Chaos.
Mit etwas mehr politischer Reife ist aber nichts absolut. Zu absolut genommen, wird jedes Prinzip auch negativ. Absolute Grundwerte des GG pressen den Menschen in eine normative Vorgabe und werten alles ab, was nicht dieser Norm entspricht. Absolute Menschenrechte legen auch absolute Menschenpflichten fest, die nicht zu diskutieren, sondern zu erfüllen sind. Absolute Menschenwürde entwertet jede Religion oder Gemeinschaft und alle, die daran glauben.
Der Mensch ist offen, kann aber nur eine begrenzte Komplexität aushalten und verarbeiten, weswegen wir manche Dinge als quasi-absolut anbeten müssen.
Ich meinte natürlich, dass je weniger eine Gesellschaft fähig ist (nicht unfähig) mit Offenheit umzugehen, muss die Moral absolut werden.
Zitat Benedikt aus dem Artikel: "Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben."
Das möchte ich intensiv bezweifeln. Natürlich leitet die katholische Kirche eine Moral aus der Offenbarung ab. Man denke an Ehescheidung. Und natürlich hat die Kirche bis vor kurzem noch den Anspruch erhoben, dass der Staat sich der kirchlichen Moral unterwerfen muss.
Erst mit der Erklärung "Dignitatis humanae" des Zweiten Vatikanischen Konzils verzichtete die Kirche darauf und öffnete den Weg für eine Versöhnung von Kirche und Säkularismus.
Die Gegenbewegung ist der Integralismus, wie man ihn z.B. bei den Piusbrüdern findet. Die glauben heute noch, dass der Staat sich der geistlichen Führung der Kirche unterwerfen und kirchenchristliche Moral umsetzen muss. Stichwort: Christliche Scharia.
Scharia gibt's nicht nur im Islam, die gab's auch bei uns.
In den islamischen Ländern dagegen herrscht die Scharia aktuell noch immer in aller Härte.
Merken Sie den Unterschied in der Gefährlichkeit?
Natürlich ist das ein Unterschied. Allerdings eröffnet der Vergleich interessante Perspektiven. Und so lange ist es im Christentum auch nicht her, dass Old Ratze sich hätte hinstellen können und sagen, das war noch nie so. Doch, doch, das war so.
