Schriftsteller Martin Mosebach: „Die Dinge ruhen lassen, bis sie sich in das große Bild einordnen“ / picture alliance

Martin Mosebach kritisiert Papst Franziskus - „Twitter erlaubt keine komplexen Gedanken“

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Der Schriftsteller Martin Mosebach hat die Twitter-Aktivitäten von Papst Franziskus kritisiert. In der neuen Ausgabe des Cicero sagt er: „Ich erlaube mir, das nicht so gut zu finden, weil diese Twitter-Form keine komplexen Gedanken erlaubt.“ Mosebach zufolge sollte ein Papst „nicht in Interjektionen sprechen.“ Der Pontifex sei Gesetzgeber der Kirche und müsse als solcher „die ganze Fülle ihrer Lehre und Tradition darstellen.“ Es brauche, so Mosebach, „auch eine Instanz, die nicht wie aus der Pistole geschossen kommentiert, eine Instanz, die die Dinge ruhen lässt, bis sie sich in das große Bild einordnen.“ Für spontane und direkte Antworten gebe es weltweit Hunderttausende Priester.

 

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Werfen Sie hier einen Blick in das Inhaltsverzeichnis.

Christa Wallau | Sa, 1. Oktober 2016 - 13:31

Ähnlich wie Martin Mosebach sehe ich auch die
Aufgabe des Papstes nicht darin, den Gläubigen nach dem Mund bzw. nach dem (jeweils) beschränkten Verstand zu reden, sondern der Komplexität seiner gewaltigen Aufgabe durch abgewogene Aussagen gerecht zu werden.
Papst Benedikt XVI. (J. Ratzinger) hat sein Amt
in dieser Hinsicht m. E. vorbildlich wahrgenommen.
Bei dem neuen Papst zweifle ich manchmal an der gebotenen Seriosität.
Wie Mosebach richtig bemerkt: Für spontane,
direkte und durchaus auch mal widersprüchliche Antworten auf die vielfältigen Fragen und Probleme der Menschen gibt es
die Priester, Ordensleute usw. als die Seelsorger vor Ort. Die Kirche in ihrer ganzen "Fülle der Lehre und Tradition" ist ein gewaltiger Felsblock, den ein Papst weiterzurollen verpflichtet ist. Da braucht es wahrhaftig einen
besonnenen, überzeugten und begnadeten Menschen, und die Geschichte der Kirche zeigt hier leider viel mehr Versager als Menschen, die das schwere Amt vorbildlich ausfüllten.

Yvonne Walden | So, 2. Oktober 2016 - 10:21

Martin Mosebach macht erneut den untauglichen Versuch, die römische Kirche (Catholica) als Ansammlung von Engeln oder engelsgleichen Charakteren hinter vatikanischen Mauern darzustellen.
Dabei wurde diese Kirche bis ins späte Mittelalter von Despoten angeführt, von Päpsten also, die ihre Funktion als Gewaltherrscher auf eine absolut diktatorische Weise ausübten.
Der letzte Papst, der dies in extensio betrieb, war Pius IX., der keinerlei Widerspruch duldete und sich sogar für "unfehlbar in Glaubens- und Sittenfragen" erklärte.
Wer jedoch die Möglichkeit bekam, hinter die vatikanischen Kulissen zu blicken, mußte mit Entsetzen feststellen, daß es dort alles andere als sittsam zugegangen ist.
Wer Genaueres erfahren möchte, sei auf die umfassende "Kriminalgeschichte des Christentums" von Karlheinz Deschner verwiesen. Dieser vor einigen Jahren verstorbene Historiker befaßte sich eingehend und umfassend mit der römischen Kirchengeschichte und förderte erschreckendes zu Tage. Lesenswert!

Marc Billings | So, 2. Oktober 2016 - 14:04

... „...eine Instanz, die die Dinge ruhen lässt, bis sie sich in das große Bild einordnen.“

Treffender kann Politik & Glaube - per se - nicht beschrieben werden: Ein Leitsatz !

Wäre dieser Leitsatz zudem Grundlage aller Wissenschaften gewesen - im Abend wie im Morgenland - müsste ich diesen meinen Beitrag heute noch in eine Steinplatte hämmern.
Vorausgesetzt, der Hammer wäre schon erfunden worden, im Jahre 2016 -

Yvonne Walden | Mo, 10. Oktober 2016 - 13:07

Der Papst (Pontifex) ist im eigentlichen Sinne kein "Gesetzgeber" seiner Kirche, sondern ihr höchster Repräsentant.
Gesetzgebende Funktion hatten bzw. haben die Konzil-Veranstaltungen der katholischen Kirche.
Allerdings dürfte ein neuerliches Konzil zum gegenwärtigen Zeitpunkt ziemlich nutzlos sein, da die Kardinalsversammlung aus überwiegend rückwärtsgewandten Persönlichkeiten besteht, was die Päpste Johannes Paul II. und auch unser deutscher Papst Joseph Ratzinger in dieser Form gewollt und entsprechend gesteuert haben.
Wenn Mosebach allerdings fordert "die ganze Fülle und Tradition" seiner Kirche darzustellen, dürfen auch die ganz dunklen Seiten nicht ausgeblendet werden.
Der frühere polnische Papst Woityla formulierte zwar einstmals ein "globales Sündenbekenntnis" der katholischen Kirche, ohne jedoch auf Details einzugehen.
Die katholische Kirche ist und bleibt leider Gottes der einzige autoritär-regierte Staat in Europa. Ob dies den Verantwortlichen nicht zu denken gibt?

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