Papst Leo XIV
Papst Leo XIV / picture alliance / Rocco Spaziani | Rocco Spaziani

„Magnifica Humanitas“ - Eine Enzyklika für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz

Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution setzt Papst Leo XIV. mit seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ ein Zeichen: Jenseits von Technik-Euphorie und Untergangsszenarien entwirft er einen an der Menschenwürde orientierten Maßstab für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Autoreninfo

Otfried Höffe  ist einer der angesehensten lebenden deutschen Philosophen. Er hat in Tübingen, Sankt Gallen und Peking gelehrt. In Kürze erscheint von ihm im Alber Verlag: „Der gierige Staat. Bausteine für eine gerechte Wirtschaft“.

So erreichen Sie Otfried Höffe:

In einer Zeit, in der sich die negativen Nachrichten häufen, veröffentlicht das Oberhaupt der katholischen Kirche eine Enzyklika mit dem wieder Hoffnung weckenden Titel „Magnifica Humanitas“, zu Deutsch: „Großartige Menschheit“, aber auch „Menschlichkeit“.

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Klaus Funke | Sa., 20. Juni 2026 - 18:03

zerstört unser Leben, es wird nichts bleiben vom einstigen Menschsein. Der Kapitalismus im Endstadium zeigt, was sein Ziel ist: Maximalprofit ohne den Menschen. Die Menschheit schafft sich ab. Und die Liebe, die den Menschen einst erst erschaffen hat, wird zur technischen Nebensache erklärt. Dass das Kirchenoberhaupt sich an die Spitze dieser Bestrebungen zu setzen strebt, zeigt, Gott hat uns verlassen. Nietzsche hatte recht: Gott ist tot.

einer Bestandsaufnahme, andererseits ebnete Nietzsche den Weg für einen "genealogischen" Gottesgedanken, "Vater, Sohn und Kindeskinder" ff?
Ich habe überlegt und meine, dass die Lehrmeister Nietzsches u.a. Bach und Mozart waren, einer deren Lehrer wahrscheinlich Luther, davor Christus.
Nehmen wir doch bitte Abschied von "Schmalspurdenken" und zu starker Abschottung einzelner Wissenschaften.
Aber wir machen uns wieder unbeliebt, Herr Funke?

Axel Gerold | Sa., 20. Juni 2026 - 21:17

Unterstellen wir einmal, dieser Text des katholischen Kirchenoberhaupts sei ohne KI geschrieben worden (Und Professor Höffes Rezension ebenfalls). Dies dürften viele für eine Selbstverständlichkeit halten. Es fragt sich dennoch, wann ein Papst oder seine intellektuellen Hilfskräfte dereinst der Versuchung erliegen werden, ein päpstliches Lehrschreiben KI-unterstützt zu verfassen. Diese Enzyklika und diese Rezension sind deshalb so flach, weil sie an der großen theologischen Frage vorbeigehen: Entsteht mit der KI Gott überhaupt erst? Ist die traditionelle, biblische Schöpfungsgeschichte in der falschen Richtung verfasst? Steht Gott gar nicht am Anfang der Schöpfung, sondern als Ziel an ihrem Ende? Spätestens wenn eines Tages herauskommt: Enzyklika mit KI-Hilfe geschrieben, dürfte klar sein, worin „Offenbarung“ besteht. Verzichten alle Päpste fürderhin auf die Nutzung von KI, werden ihre Texte der Löcherlichkeit anheimfallen. Ds hat etwas von einem Dilemma!

René Maçon | Sa., 20. Juni 2026 - 21:47

„Sogenannte Künstliche Intelligenzen machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, wissen nicht, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. Sie haben auch kein moralisches Gewissen.“

Das klingt eher so, als hätte der Papst vor der eigentlichen, theologisch interessanten Frage gekniffen: Was, wenn der KI-Algorithmus mehr ist als ein stochastischer Papagei? Was wenn sich zeigt, dass er dem menschlichen Geist ebenbürtig ist? Was, wenn sich am Ende herausstellt, dass unser Geist auch nur ein durch evolutionäre Prozesse entstandener Algorithmus zur Verarbeitung von Informationen ist? Mit der Evolutionstheorie wäre diese Erkenntnis jedenfalls vereinbar. Die empirische Hypothese der Existenz eines allmächtigen und allgütigen Gottes steht dagegen im Widerspruch zur Evolutionstheorie.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 22. Juni 2026 - 08:05

liebenden Kommunikationsfähigkeit seines Vorgängers, gehe ich einmal davon aus, dass hier der Papst "spricht", wie zuvor auch Benedikt der XVI., in der Auslegung und Entfaltung der Schriften.
Getragen aber von der liebenden Kommunikationsfähigkeit seines Vorgängers.