Kultur im Lockdown - „Wir Künstler tun etwas für dieses Land”

Der Jazz-Trompeter Till Brönner rüttelt die Berliner Kulturpolitik wach. Nachdem er jüngst in einem Video erklärte, dass der jetzige Lockdown das Aus für viele Künstlerinnen und Künstler bedeuten werde, schildert er hier, wo aktuell die Probleme in der Kulturbranche liegen und wie man eventuell Abhilfe schaffen kann.

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Till Brönner bläst den Marsch / dpa

Autoreninfo

Björn Eenboom ist Filmkritiker, Journalist und Autor und lebt im Rhein-Main-Gebiet.

So erreichen Sie Björn Eenboom:

Der Trompeter Till Brönner zählt zu den bekanntesten Jazz-Musikern Deutschlands. 1971 in Viersen geboren, studierte er Jazztrompete an der Hochschule für Musik Köln. Später spielte er als Solokünstler mit nahezu allen Legenden der Branche  von Dave Brubeck bis Nils Landgren. Brönners aktuelles Album erschien im Oktober unter dem Titel On Vacation". 

Herr Brönner, bei einem Konzert gemeinsam mit Jeff Goldblum, beschrieb die US-Komikerin Sarah Silverman Ihren Sound einmal wie ein heißes Messer, dass durch Butter ginge. Nun, zum Lockdown-Light, blasen Sie mit einem dringenden Appell, die Kulturbranche besser zu unterstützen, scharf ins Horn. Was war für Sie der Auslöser, Ihren Unmut öffentlich zu machen? 

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Holger Jürges | Di, 3. November 2020 - 16:48

...für eine funktionierende Gemeinschaft, lieber Herr Brönner, sie hält die Seele im Gleichgewicht und lehrt im besten Fall Demut, Kunst erbringt uns eine große Nähe zum Ursprung und "dem Ding an sich".

Dazu ein Fragment aus meinem Gedicht "An die Nacht":

Bin ich auch winzig klein
in dir, die alles übersteigt,
so wag ich doch zu sein,
als Seele, die sich zu dir neigt.

Charlotte Basler | Di, 3. November 2020 - 18:54

für dieses Land. Und gleichzeitig tun wir was für Kunst und Künstler. Wir erwirtschaften Steuern, mit denen u.a. Kunststätten subventioniert werden und wir konsumieren Kunst.
Allerdings zahlen wir, um uns abzusichern, auch viel Geld in zB Arbeitslosenversicherungen ein. Das ist auch solidarisch. Warum machen das Künstler nicht?

bin ganz ihrer Meinung. Wir bezahlen genug über Steuern und indirekt möglicherweise über Städtische Gebühren für „Kunst“. Ich bin aber nicht bereit darüber hinaus irgendwelche Zahlungen zu leisten, nur damit die KULTURSCHAFFENDEN mir sagen was ich zu denken und wie ich zu handeln habe.
Liebe Kulturschaffenden, klopft mal an die Türe von Böhmermann, Ärzte, Gröllemeyer u.v.m. die doch bei jeder Gelegenheit Haltung zeigen. Deren Konto ist
voll. Die können bestimmt was entbehren.

Ronald Lehmann | Mi, 4. November 2020 - 14:44

In reply to by Enka Hein

Und wenn mir das Brot in der Kehle stecken bleibt, dann tut es das Lied erst Recht.
Wie im wahren Leben, es ist immer ein geben & nehmen.
Die ganz dunkle Ecke davon:
"Wenn der Staat gibt, entstehen Untertanen, weil diese in der Bittstellung knien. Bestes Beispiel z.Z. bei Beamten, die sich nicht bewegen, ohne das Herrschen eine Taste gedrückt hat. Wer nicht oder eigenständig denkt & handelt, hat keine Chance wie z. B. H. G. Maaßen. Oder die Abhängigkeit der Künstler vom staatsvereideten Fernsehen. Ich sage nur Steimle. Egal wie gut einer ist. Wenn Cäsar den Finger nach unten dreht, hat ein dieser verloren. Und Künstler kann man in der Obrigkeit auch als..... gut gebrauchen.
Damit die Futter-Grippe auch immer gut gefüllt ist, muss ein dieser auch nach der erwünschten Marschmusik marschieren.
Ansonsten ist es eine Brotlose Kunst wie im Mittelalter.
Oder noch schlimmer: Kunst wird als Geldanlage gesehen, wo dann diese wegen dem Wert hofiert wird & nicht als Erquickung der Seele.

Frau Basler, Sie sind falsch informiert: auch Künstler zahlen über die Künstlersozialkasse in die gesetzliche Krankenkasse und in die Arbeitslosenversicherung ein. Und: Auch Künstler erwirtschaften Steuern.