Golf
Golfspielerin schlägt den Ball aus dem Bunker / picture alliance | CHROMORANGE / Ruth Roeder

Lifestyle-Teilzeit oder Familien-Teilzeit? - Wie sieht eine gerechte Arbeitspolitik aus?

Das Schlagwort „Lifestyle-Teilzeit“ sorgt für Empörung – und verdeckt die Kernfrage: Soll jeder Teilzeitwunsch gleich gelten, ob für Pflege, Erziehung oder Golf? Von Marx und Engels über Papst Johannes Paul II. bis zum Bundesverfassungsgericht finden sich Antworten.

Gregor Thüsing

Autoreninfo

Prof. Dr. Gregor Thüsing ist Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im Deutschen Bundestag und wurde 2024 in den Deutschen Ethikrat berufen.

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Letzte Woche war ich Ehrengast beim CDU-Parteitag. Das klingt wichtiger, als es ist. Aber interessant war es allemal. Über 440 Seiten Anträge. Und das Wort „gerecht“ oder „Gerechtigkeit“ taucht hier insgesamt über 100-mal auf. Die Suche nach diesem hohen gesellschaftlichen Wert ist also immer noch ein politischer Trigger. Ihn auf den Einzelfall herunterzubrechen, ist oftmals schwer. Stichwort: Lifestyle-Teilzeit. Es könnte das Unwort des Jahres werden. 

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Markus Michaelis | So., 1. März 2026 - 15:20

Hier geht es glaube ich um mehr. Es geht auch um einen Ausgleich zwischen allen Menschen und um realistische Ziele der Gesellschaft.

Bei den Gesetzesänderungen ging es nur um das einklagbare Recht auf Teilzeit, aber etwas breiter stellt sich ja auch die Frage, ob es überhaupt zulässig sein soll Teilzeit zu arbeiten. Es stellt sich auch die Frage, ob es Menschen frei gestellt sein soll Beruf und Ausbildung frei zu wählen und damit vielleicht nicht soviel wie möglich zu verdienen.

Ich selber bin sehr für eine Gesellschaft, in der man frei wählen kann, ob man Teilzeit arbeitet (wenn man einen Arbeitgeber findet) oder was man arbeitet - dann eben nicht soviel verdient.

Wenn man das will, kann man aber nicht gleichzeitig vom Staat beliebig viele nicht verhandelbare Leistungen verlangen, für Arme, Kranke, die Welt, das Klima etc. Die Leistungen für Arme sind auch nicht irgendwas, was gerade wer arbeiten will, sondern funktionierende Heizungen und Gesundheit.

Markus Michaelis | So., 1. März 2026 - 15:25

Wenn man von Teilzeit und freier Berufswahl spricht, sollte man daher auch immer die Leistungen mitdiskutieren, die man vom Staat erwartet.

Von den Größenordnungen: man sagt immer die Erben und Reichen sollen zahlen. Großer Reichtum sind aber Firmen, die kann man nicht einfach in Sozialhilfe umlenken - dann müsste man sie an die Chinesen oder Ölstaaten verkaufen, sonst käme kein externes Geld rein. Und man kann es dann einmal verteilen, dann ist es weg.

Ja, bei Vermögen und Erben wäre was zu holen (man müsste dann aber der Gerechtigkeit halber auch an hohe Renten und Pensionen ran) - aber nicht so viel.

Um viel mehr Geld geht es bei der Frage, ob alle Menschen Vollzeit in Berufen und Ausbildungen aktiv sind, die am meisten abwerfen, oder nach Neigung in Ausrichtung und Quantität arbeiten. Da geht es um viel mehr Geld. Also sollte man diese Dinge auch zusammen diskutieren.

Heidemarie Heim | So., 1. März 2026 - 15:40

Oder die 100. Debatte, Diskussion mit open end oder cliffhanger. Und das Wort Rahmenbedingungen für Arbeitswillige wie Sorry! Faulenzer durch Politik würde sich auch langsam aber sicher zum Unwort eignen geehrter Herr Prof.Dr.Thüsing! Bin selbst seit kürzeren in Rente nach einem wenn ich sagen darf turbulenten Arbeitsleben inklusive der Perspektive als Arbeitgeberin u. Quereinstiegen so man mich ließ u. mehr auf meine Arbeitsleistung/Vermögen als ein vor Jahrzehnten gemachtes Diplom Wert legte.
Und die Einstellungsgespräche konnten für die Personalchefs nicht besser laufen;), da es mir immer weniger ums Geld, als vielmehr um ein faires Angebot der anderen Seite ging. Auch musste ich während meines gesamten Wirkens nie um Lohnerhöhung anfragen,die kam stets automatisch. "Anerkennung", Identifikation mit dem Betrieb, dem Kollegium sowie gemeinsam erbrachte Leistung waren meine Triebfedern. Nur wenn ich bei Steuerklasse 5 auf meinen Lohnzettel blickte bekam ich Teilzeitgedanken;-) MfG