- Geschichten, die größer sind als ihre Epoche
Drei Klassiker führen durch Liebe, Macht und Intrige und öffnen den Blick auf ganze Epochen. Sie erzählen von Karrierismus, politischer Verführung und moralischen Grauzonen und zeigen, warum große Literatur und Geschichtsschreibung bis heute nachwirken.
Bist du Schuft genug?
Die großen Romane des 19. Jahrhunderts bieten den besten Eskapismus für literarisch anspruchsvolle Menschen des 21. Jahrhunderts. Statt der omnipräsenten Jane Austen nehmen Sie lieber einen Roman von Henri Beyle, alias Stendhal.
Neben der „Kartause von Parma“ und „Rot und Schwarz“ darf sein „Lucien Leuwen“ nicht fehlen. Es ist zugleich ein Entwicklungs- und Liebesroman voller Menschenkenntnis und ein Sittengemälde Frankreichs zur Zeit des „Bürgerkönigs“ Louis-Philippe. Der Held ist ein junger Mann aus sehr reichem Hause. Er steht als Offizier und dann als Ministerialbeamter dauernd vor der Frage, ob er Schuft genug sein kann, im Dienst des korrupten „Juste Milieu“ gegen seine Ideale zu handeln – etwa als er für seinen Minister eine Wahl manipulieren soll. Ob Lucien seine große Liebe, eine sittenstrenge Adlige, heiraten wird? Das erfährt man nicht. Der Roman ist trotz rund 900 Seiten unvollendet, weil Stendhal das Mammutprojekt aus Angst vor dem Zorn des Königs aufgab und zu Lebzeiten unveröffentlicht ließ. Er schrieb also nur für die Nachwelt, für uns.
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... gefällt mir gut.
Anders als viele meinen, sind wir meistens Zwerge, die auf den Schultern von Riesen stehen, jedenfalls was den Intellekt angeht.
