Tornados in Oklahoma, USA
Tornados in Oklahoma, USA / picture alliance / AP Photo | Mike Simons

Klimaforscher verabschieden sich vom Extrem-Szenario - „Maximale Dramatik war politisch nützlich“

Warum wird das drastischste Klimaszenario aus der neuen internationalen Modellgeneration gestrichen? Im Interview erklärt Klimaforscher Hans von Storch, weshalb Wissenschaftler an Extrem-Voraussagen zweifeln – und weshalb die deutsche Klimapolitik das ignorieren wird.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

So erreichen Sie Clemens Traub:

Hans von Storch ist einer der bedeutendsten deutschen Klimaforscher. Der ehemalige Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht war Professor an der Uni Hamburg, am Max-Planck-Institut für Meteorologie sowie an der Ocean University of China. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt Klimapolitik.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Peter William | Fr., 15. Mai 2026 - 18:36

Denn sinnvolle Lösungen wurden und werden in Deutschland bisher nicht umgesetzt. Wiedereinstieg in die Kernkraft. Ein Endlager für den Atommüll finden, nicht nur danach suchen. Energiespeicher ausbauen, bei Erd- oder Biogas das Verteilernetz anpassen um einen "bidirektionalen" Transport zu ermöglichen. Warum im Sommer Biogas zur Energieerzeugung genutzt wird ist schlichtweg unverständlich, da zeitgleich WKA im Redispatch abgeschaltet werden müssen und so weiter und so fort.

EEG stark umarbeiten oder noch besser, einfach komplett abschaffen. Green Deal ebenso. Es ist schlichtweg viel zu kompliziert für einen Kommentar bzw. einen Artikel bzw. ein Buch. Und 'for free' wird das sowieso niemand machen!

Markus Michaelis | Fr., 15. Mai 2026 - 18:45

Da ist natürlich etwas dran, aber man hat all die Nachteile, die damit verbunden sind, nicht sehen wollen: (a) die Abwägung gegen andere politische Aufgaben wird schwieriger, (b) Gruppen mit anderen Vorstellungen zur Klimapolitik haben dann zu schnell nicht nur andere wissenschaftliche oder politische Auffassungen, sondern sind (weil das eigene Bild so unangreifbar und die Klimafolgen so extrem sind) unwissenschaftlich, gar menschenfeindlich und demokratiefeindlich, (c) eigene Teilgruppen (wie Letzte Generation), die das Trommeln 1-1 ernst nehmen, sind nicht mehr einzufangen. Irgendwann wird man von seinem eigenen Trommeln getrieben.

Trommeln gehört oft dazu, ist auch nicht prinzipiell schlecht, aber beim Klima ist man meinem Eindruck nach etwas über das Ziel hinaus geschossen. Daran ändert auch ein Restrisiko für fatale Entwicklungen nichts - denn andere Entwicklungen können auch fatal aus dem Ruder laufen, weswegen das Abwägungsproblem bleibt.

Klaus Elbert | Fr., 15. Mai 2026 - 18:51

und wie müsste eine deutsche Klimapolitik aussehen, die Wohlstand generiert, damit auch der Rest der Menschheit vom deutschen Wesen genesen kann?

Jens Böhme | Fr., 15. Mai 2026 - 19:32

Seit Ewigkeiten steht bei mir die Frage, wieso die Bewohner in der Sahelzone deutscher Klimapolitik zujubeln sollten, wenn sie dadurch keinen Wohlstand bekommen? Die deutsche Rhetorik ist dahingehend, dass man sich mit rückständigen Ländern solidarisiere und sich an deren Wohlstandsniveau anpassen werde, um Gleichberechtigung zu erzielen. Solch Strategie ist vermutlich nur in von Hitze verbrannten Hirnen erfolgreich. Wer glaubt denn wirklich, dass die Einwanderer aus armen Weltregionen nach Deutschland kommen, weil hier Zerstörung des Wohlstandes, Rückbau und Verzicht propagiert werden?

soistes | Sa., 16. Mai 2026 - 06:26

Wir werden alle sterben. Stimmt irgendwann.

Was passiert jetzt mit den "Klimaflüchtlingen" die in die neuen Bullerbü Stadtteile außerhalb von Deutschland geflüchtet sind?

Wenn die jetzt schon feierlich die "Reise nach Jerusalem" & den "Bacon of Hope Gebetsteppich " von New York nach Venezuela über den Iran nach Kuba ausgebreitet haben?

Werden diese jetzt alle sterben, wo doch unser neues Exportschlagermodell "Timmy" jetzt sehr wahrscheinlich auch tot ist? Was wird jetzt aus dem neuen Walkampfmodell?

Fragen über Fragen, Jutta ich kann nicht mehr, endet das Szenario eventuell jetzt dort? Man weiß es doch nie:

https://www.youtube.com/watch?v=78PqbCP_zrs

Ingo Frank | Sa., 16. Mai 2026 - 06:34

der mehrheitlich Wohlstandsverwöhnten Deutschen und Europäer in der EU ….
könnte man zusammenfassend sagen ?
Und damit einhergehend die Zerstörung unseres Landes !
Mit freundlichen Grüßen a d Erfurter Republik

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 16. Mai 2026 - 07:07

unterscheiden zwischen Extremszenarios und Szenarien, die eher der "Erregungskurve" sensibler Menschen folgen.
Gerade als Wissenschaftler* sollte man die gesamte Bandbreite im Auge haben.
Bleibt zu erwähnen, dass ich immer schon gerne Katastrophenfilme sah.
Man kann aber nur unter bestimmten Voraussetzungen aus einem Extremszenario einen Normalzustand machen und das hat dann doch etwas mit Wahrscheinlichkeit zutun?
Ich fragte irgendwann einmal einen Menschen, dem ich geologisch/metereologische Urteilskraft zutraue.
Der meinte lapidar/grob, das schafft der Mensch gar nicht.
Nachdem ich jahrelang bewegten und beseelten Kindern und Jugendlichen zugeschaut hatte, fing ich an zu zweifeln an deren "Expertise".
Es sind Kinder und Jugendliche, entsprechend pfleglich sollten wir mit deren evtl. "Maximalängsten" umgehen.
Die Extremberechnungen sollten als genau solche ausgewiesen und eingeordnet werden.
Vor allem braucht es Tabellen über die extrem unterschiedlichen Ergebnisse...
Sapere aude

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 16. Mai 2026 - 07:17

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

Lebhaft in Erinnerung geblieben ist mir eine Verfilmung von John Steinbecks Roman "Die Früchte des Zorns".
Das hatte wohl noch wenig zutun mit CO2, wohl aber mit "gedankenloser" Bewirtschaftung von Ökosystemen.
Es reicht also für Niemanden hin, etwa nur eine wissenschaftliche Sparte zu betrachten.
Ich hoffe sehr, dass unsere Politiker* so etwas ähnliches wie "Gesamtschau" beherrschen, mindestens versuchen.
Der Mensch kann leider viel zerstören, er kann aber auch wieder aufbauen.

Normalerweise würde ich mir/mich? in einem Text anders behelfen.
Da meine Zeichenmenge in Kommentaren begrenzt ist, wähle ich das Sternchen gewissermaßen als Hinweis und Abkürzung.

Achim Koester | Sa., 16. Mai 2026 - 08:18

Die Aussage der "Rebellen" im IPCC bezieht sich ja nicht, wie jetzt Manche glauben, auf die kompletten Klimamodelle, sondern hat nur die Extremvariante RPC 8.5 für nicht plausibel erklärt. Das ergibt Sinn, denn die wissenschaftsbezogenen Sachstandsberichte gehen von einem "best" und einem "worst case" aus, wobei medial und politisch fast immer der schlimmste Fall, der nach seriösen Berechnungen eine Wahrscheinlichkeit von ca. 0,5% kolportiert wird, aus welchen Gründen, ist klar.
Es kann nicht schaden, wenn etwas mehr Sachlichkeit in die Debatte einfließt.
Dass Deutschland sich den neuen Erkenntnissen verschließen wird, steht auch für mich außer Zweifel, dafür ist das "Geschäftsmodell" zu erfolgreich.

G. Fischer | Sa., 16. Mai 2026 - 08:28

Nur mit Alarmismus konnte man den Rückbau von bestehenden funktionierenden Energiesystemen und den Einstieg in neue Versorgungssysteme, die ohne staatliche Förderung weniger Chance am Markt gehabt hätten, voran treiben. Es war keine Zeit für Vernunft, Abwägen, Hinterfragen. Und jetzt alles in Frage stellen und ggf. Fehler eingestehen? Jetzt muss die Kriegswirtschaft auf Pump retten, auch hier hilft Alarmismus.

Urban Will | Sa., 16. Mai 2026 - 09:39

führt werden, so trivial kommen sie daher. Gegen Ende wird es schon fast kindisch. Was Herr von Storch da sagt, reden all diejenigen, die sich seit Jahren vom linksgrünwoken Ideologie-zerfressenen Komplott zusammenschreien und diffamieren lassen müssen, seit Jahren. Dafür muss man kein Fachmann sein, dafür reichen 5 Cent gesunder Menschenverstand.
Aber es stimmt: in D wird sich nichts ändern, die Diener vom ÖRR weiter alles als „Klima“ verkaufen, was schrecklich klingt, die Farbkübel für die Sommerwetterkarte noch blutroter zusammengerührt.
Es liegt halt, so wie es in Demokratien sein sollte, am einzelnen, was er glaubt und was nicht, ob und wie er sich beeinflussen lässt.
Auf jeden Fall ist eine weitere Festung der Klima-Fanatiker nun gefallen. Und das ist schon mal gut. Wie man in der allg. Politik sieht, merken die Menschen irgendwann dann doch, wie sie vorgeführt und belogen wurden.Vielleicht auch beim Thema Klima.
Es wird Zeit,dass diese Fanatiker in die Schranken gewiesen werden.

Karl-Heinz Weiß | Sa., 16. Mai 2026 - 10:43

In Deutschland lag der Anteil der GRÜNEN-Wähler nie über 15%. Deshalb müsste zuallererst gefragt werden, wie die "nahende Klimakatastrophe " bis vor kurzem die Berichterstattung der "Qualitätsmedien" bestimmen konnte. Die zugrundeliegenden Mechanismen prägen auch die "Brandmauer": die Mehrheit der Wähler tickt auch bei diesem Thema anders. Durch verzerrte Wahrnehmung macht sich der Journalismus unglaubwürdig. CICERO ist eine der wenigen Ausnahmen.

Dr. Michael Bauer | Sa., 16. Mai 2026 - 14:51

Erfreulich ist, dass ein renommierter Klimaforscher die gängigen Katastrophenszenarien relativiert und damit etwas mehr Sachlichkeit in die Debatte bringt.
Leider bleibt aber auch hier die eigentliche Grundsatzfrage weitgehend unberührt: Wie groß ist der tatsächliche anthropogene Einfluss auf das Klima wirklich – und wie belastbar ist seine behauptete Relevanz für die drastischen politischen Maßnahmen der letzten Jahre?
Gerade diese Frage wird zunehmend kritisch diskutiert und sollte endlich offen, wissenschaftlich und ohne moralischen Druck behandelt werden. Denn wenn die zugrunde liegenden Annahmen weniger eindeutig sind als behauptet, müssen auch die daraus abgeleiteten, teils massiv überzogenen Maßnahmen realistisch überprüft und zurückgeführt werden.
Die Debatte braucht weniger Alarmismus – und mehr nüchterne Verhältnismäßigkeit.

Olaf Klepel | So., 17. Mai 2026 - 09:52

Der letzte Absatz bringt es auf den Punkt! Ich fürchte nur, es ist zu spät für Korrekturen. So leisten wir unseren Beitrag eben als schlechts Beispiel. Oder es passiert noch etwas unerwartetes.

Dorothee Sehrt-Irrek | So., 17. Mai 2026 - 11:43

klar in Bezug auf Modellrechnungen.
Die Annahme, ein Schmetterlingsflügelschlag in New York könne einen Hurrican in Florida auslösen scheint mir theoretisch zwar möglich, praktisch aber extremst unwahrscheinlich.
Dazu müßten alle Systeme auf diesen Flügelschlag hin ausgerichtet und durchgetaktet sein?
Nun haben Modelle schon unterschiedliche Parameter, aber haben sie auch genaue Kenntnisse darüber, wie sie zusammenhängen und unter welchen Bedingungen?
Die Versuchsanordnng der Quantenphysik mit Welle/Teilchen durch Beobachtung wirkt spektakulär, ist doch aber das NORMALE komplexer Systeme.
Wir müssen uns nur mal davon lösen, dass wir immer draufschauen müssen, um etwas zu bestimmen.
Der Mond existiert in einem wechselseitigen Abhängigkeits/Beobachtungsfeld, dass nicht verändert wird, indem wir ihn uns anschauen, die Erde schaut aber.
Wir können aber Bezüglichkeiten erkennen und innerhalb dieser unsere Räume etablieren, so vielleicht dann sogar einmal auf dem Mond wohnen...
Nur Fragen

In welchem Verhältnis stehen Unsicherheiten dieser Modelle zu einem menschlichen Lebenzeitraum?
Meinem Gefühl nach haben wir uns in den letzten Jahrzehnten in den Haaren gelegen ob der Wahrscheinlichkeit schlimmster Szenarien, man betrachte nur einmal Wetterberichte der vergangenen Zeit.
Bei einigen scheint mir der Normalhintergrund die "Apokalypse" zu sein.
Was hätte man nicht alles erreichen können, wenn wir nicht, überspitzt, mit der "Apokalypse" begonnen hätten?
Die Häufigkeit und Breite solcher "apokalyptischen" Vorstellungen bringt mich zu der Überlegung, ob und welche Klimax dem zugrundeliegen könnte und was man dagegen machen könnte, abgesehen davon, zu Mäßigung und Vernunft aufzurufen, immer wieder.
Auch ein bisschen Vernunft könnte Wunder bewirken inmitten von "Irrsinn"?
Allerdings haben meist Rentner* oder unabhängige Denker* die Zeit, sich in Gesamtschauen zu üben.
Zumindest Rentner* gibt es doch jetzt mehr?
Mir waren "Medikamente/Supplemente" aufgefallen, weil sie puschten