- Wenn der Kaiserpinguin zur Ente mutiert
Der Kaiserpinguin gilt plötzlich als „stark gefährdet“. Doch Zahlen und Definitionen der Roten Liste erzählen eine andere Geschichte. Warum Medien Alarm schlagen – und mehr Nüchternheit in der Klimadebatte dringend nötig wäre.
Der neunte April 2026 zählte zu den nachrichtenstarken Tagen – von Islamabad bis zur Straße von Hormus, von Beirut bis Budapest und zu den Zapfsäulen in unseren Breiten. Dennoch schaffte es ein weiteres Thema prominent in die öffentlich-rechtlichen Nachrichten: die Aktualisierung der „Roten Liste“ durch die Internationale Naturschutzunion IUCN, in der Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen vereint sind.
Und umgehend mutierte der antarktische Kaiserpinguin publizistisch zur mitteleuropäischen Ente. Der Vogel, so unisono die Botschaft, sei „stark gefährdet“, bedingt durch den Klimawandel. Denn die Zahl der Kaiserpinguine „könnte sich in den nächsten 50 Jahren halbieren“. So machte es die öffentlich-rechtliche Runde; ARD und ZDF, SRF und ORF ließen sich den Aufreger nicht entgehen.
Kaiserpinguine brüten ihre Jungen auf dem mit dem Festland verbundenen Meereis aus, und wenn das zu früh dahinschmilzt, ist auch die Brut dahin. Man vernahm’s und war besorgt. Auffällig nur, dass keine Zahlen als Beleg genannt wurden, zum Beispiel diese: In der Antarktis leben nach bisherigen Schätzungen bis zu 500.000 ausgewachsene Exemplare, nämlich 200.000 bis 250.000 Brutpaare. Die IUCN nennt 180.000 Brutpaare und beruft sich auf Satellitenbilder; genaue Zählungen scheinen zu fehlen.
Wenn dieses Meereis weiter stetig abnimmt, gibt es demnach jedenfalls 2076 noch knapp 200.000 ausgewachsene Kaiserpinguine, nämlich knapp 100.000 Brutpaare. Als „stark gefährdet“ („Kennung 2“) gelten aber nach der Roten Liste jene Arten, deren Bestände so stark zurückgegangen sind, dass sie „in naher Zukunft“ vom Aussterben bedroht sein könnten. Woraus folgt: Der Kaiserpinguin ist keine stark gefährdete Art.
Im deutschen Fernsehen wird alles, was umweltaffine Instanzen verlautbaren, kaum kritisch hinterfragt
Mit dem „Zweiten“ dagegen sah man’s einmal mehr besonders düster, Moderatorin Dunja Hayali gelangen im „Heute Journal“ markige Sätze: Der Klimawandel ziehe den Vögeln den „Boden unter den Füßen“ weg, denn „ohne Eis kein Lebensraum“. Das ist als konditionierte Aussage richtig, nur hat es mit der aktuellen Situation in der Antarktis wenig zu tun – da schlittert Hayali selbst, flott und forsch wie gewohnt, auf arg dünnem Eis daher. (Was, man muss es wohl anmerken, nicht im Mindesten die Hetze entschuldigt, mit der zum Teil im Netz gegen sie gewütet wird.) Denn im soeben vergangenen antarktischen Sommer 2026 hat sich das Meereis im Vergleich zum Vorjahr deutlich erholt: Seine geringste Ausdehnung betrug jetzt 2,58 Millionen Quadratkilometer (immerhin noch über 60 Prozent der Gesamtfläche der EU). Vor einem Jahr waren es 1,98 Millionen Quadratkilometer; der Zuwachs beträgt dreißig Prozent, und die Fläche liegt über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre; beides kam in Hayalis Moderation wie auch im Beitrag danach nicht vor.
Zwar sind auch diese Zahlen von begrenzter Aussagekraft – die Ausdehnung des Meereises schwankt von jeher erheblich, und dieser Durchschnittswert liegt deutlich unter dem früherer Jahrzehnte. Klar scheint deshalb zum einen zu sein, dass der Klimawandel für die südpolare Artenvielfalt im Südpolarmeer ein erheblicher Risikofaktor ist, zum anderen aber auch, dass die Entwicklung nicht linear läuft, Prognosen über fünf Jahrzehnte hinweg ohnehin fragwürdig, um nicht zu sagen unseriös sind und jedenfalls die „Gefahrenstufe 2“ (stark gefährdet) für vom Eis abhängige Pinguine nicht plausibel ist. Wurden wir Zuschauer deshalb davor bewahrt, aus aktuellen Zahlen unsere eigenen Schlüsse zu ziehen?
Ganz abgesehen von einzelnen Sendungen und Personen: Es ist dieser Alarmismus, der populistischen Demokratiefeinden in die Karten spielt. Im deutschen Fernsehen zumindest, zumal im öffentlich-rechtlichen, wird alles, was umweltaffine Instanzen verlautbaren, kaum kritisch hinterfragt – von den Umweltministerien bis zu einschlägig agierenden (und nicht selten auch agitierenden) NGOs folgen sie ja neben sachlichen Beweggründen auch handfesten politischen Eigeninteressen, vom Kampf um öffentliche Wahrnehmung und öffentliche Gelder (einschließlich der Verteilung von Forschungsmitteln) bis zu Wahlkampfthemen und -strategien der Grünen in Europa.
Ohne Atomkraft lassen sich die „Klimaziele“ nicht erreichen
Das dürfte mit erklären, warum bestimmte Fakten in der via Bildschirm veröffentlichten Meinung kaum vorkommen – wie etwa, dass weder die EU noch ein Mitgliedsland allein in der Lage ist, dem Klimawandel wirksam zu begegnen. Deshalb sind isolierte Maßnahmen so teuer wie nutzlos. Vom globalen CO₂-Ausstoß verursacht z.B. Deutschland ganze 1,5 Prozent und die EU sieben bis acht Prozent, China, die USA und Indien zusammen aber über fünfzig Prozent; auch Russland und Japan liegen noch deutlich vor Deutschland. Sind diese Staaten bereit, dem deutschen (aber nicht einmal europäischen) Weg zu folgen und sich zugleich von den fossilen Brennstoffen und der Atomenergie zu verabschieden? Sie bauen beides aus und setzen sowohl auf erneuerbare Energien wie auch auf Öl, Kohle, Gas und die Atomkraft.
Haben „wir“ einen politischen Hebel, um diese wirtschaftlichen und/oder politischen Giganten zu einer Kursänderung zu veranlassen? Im Gegenteil: Wir müssen froh sein, wenn wir uns als liberale Demokratien gegen den wirtschaftlichen und politischen Druck behaupten, den allein schon die atomaren Weltmächte USA, China und Russland nach Bedarf ausüben. Selbst wenn „wir“, nämlich wir Europäer, alle klimarelevanten Maßnahmen verwirklichen, die etwa die Grünen heute fordern (und so womöglich unsere Wirtschaft nachhaltig ruinieren), ändern wir am globalen Klima nichts, solange die Giganten nicht umdenken und umschalten.
Müssen „wir“ deshalb resignieren und alles, was wir zum Nachteil der Wirtschaft überdreht haben, komplett zurückdrehen? Nein, doch mehr Augenmaß tut not, denn es ist ja nicht auszuschließen, dass die genannten Mächte früher oder später ihre Klimapolitik überprüfen – nicht wegen unserer Vorhaltungen, sondern weil der Irankrieg auch ihnen die Schattenseiten der Abhängigkeit vom Öl gerade drastisch vor Augen führt; das könnte sich wiederholen. Da haben gerade die Grünen wirklich mal einen Punkt, doch offenkundig fehlt ihnen und denen, die ihnen medial das Wort reden, ein Mindestmaß an nüchternem, illusionsfreiem Wirklichkeitssinn. Um es auf ein Beispiel zu beschränken: Dass die einen wie die anderen immer noch glauben, die vielbeschworenen „Klimaziele“ ließen sich global erreichen, ohne dass weiterhin und weithin die Atomkraft genutzt wird, zeigt, dass sie da noch viel weiter hinter dem Mond sind als jüngst die Crew von Artemis 2.
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Flaggschiff für die im Beitrag gut beschriebene alarmistische maritime Berichterstattung ist schon seit einigen Jahren die "Tagesschau", was offenbar nur zum Teil am Redaktionsstandort liegt. Hamburg war in der Vergangenheit (durchaus zu recht) stolz auf seine Weltoffenheit. Die "Große Freiheit" bei der Auswahl relevanter Themen spricht aber zunehmend dagegen, dass dieses Bewusstsein für die politisch „langen Linien" noch vorhanden ist. Oder muss man gut getarnte Werbung für den stark zunehmenden Kreuzfahrttourismus in antarktische Gegenden vermuten, der oft in Hamburg startet ?
Vergessen: Olaf, äh Timmy, die Hoffnung Deutschland´s. Was ist wenn er stirbt? Dann war es das, dann können wir komplett einpacken.
Und die Helfer erst, die alles geben, bis zum letzten, auch der von dem Unternehmensslogan: "Ich bin doch nicht blöd". Ob die sich danach im Ostsee Schlick....
Nicht auszudenken, was dann los ist? Rennt dann die gesamte Regierungsmannschaft von Meck-Pomm auch in die Ostsee, wie König Ludwig in den Starnberger See?
Dann gibt es danach auch noch eine handfeste Regierungskrise in Deutschland. Und wenn die dann zur globalen Klimakatastrophe mutiert, dann sind auch noch mehr Pinguine gefährdet.
Dann wird das nichts mehr mit den (Er)Zählungen im Fernsehen. Was wird dann aus uns? Weil zuletzt stirbt die Hoffnung. Oder ist diese nicht schon gestorben? Ach nein Timmy darf bitte nicht sterben, niemals! Sonst ist das Leben wirklich endlich. Tja Deutschland 2026. Wir schaffen das ;) Einfache Sprache geht anders!
Ich frage für einen Freund...
der weiß das bestimmt
Heute nach gefühlten 100 Lichtjahren wieder einmal im Auto für 15 Minuten ÖRR eingeschaltet. In dieser kurzen Zeitspanne zwei alarmistische Meldungen. Die erste betraf einen möglichen Temperaturanstieg. Schon bei einem Grad geht es mit uns … Hier habe ich auf Durchzug gestellt. Nach einigen Minuten dann ein Bericht über die zunehmende Belastung der Menschen durch Pollen. Hat natürlich mit - richtig - Klimawandel zu tun. Habe hier das Radio ausgeschaltet. Wird wohl wieder Lichtjahre dauern, bis ich mich überwinde, ÖRR zu hören.
Wo sieht Herr Voß "populistische Demokratiefeinde"? Ist nicht das, was wir gerade zur Abwehr "populistischer Demokratiefeinde" von Seiten Unsererdemokratie sehen, in Teilen demokratiefeindlich, weil gegen Geist und Zweck des Grundgesetzes verstoßend? Und was soll anders als das Grundgesetz die Demokratie definieren? Dieser Formulierung liegt die Behauptung zugrunde, die AfD strebe eine Abschaffung der Demokratie an, die in Medienkreisen für so evident gehalten wird, dass sie nicht mehr in Frage gestellt wird. Nur wird sie von ständiger gedankenloser Wiederholung nicht wahrer. Es gibt sehr gute Gründe, die extremistische Klimapolitik Deutschlands abzulehnen, die sich nicht gegen die Demokratie richten, sondern nur gegen die Vereinnahmung des Begriffs "Demokratie" zum Schutz linker Utopien, den Missbrauch der Wissenschft für die Angstmache vor dem Klimawandel und die mit religiöser Innbrunst vorgetragenen Verzichts- und Sühne-Forderungen.
Mit Schutz der Kakerlaken-, Mücken- oder Heuschreckenpopulationen ist schwer Propaganda zu machen.
Herr Voss hätte natürlich in seiner Zeit als Intendant des SWF/SWR dafür sorgen können, dass der Mitarbeiterstab nicht ausschließlich linksgrün tickt. Dann gäbe es jetzt in Leitungspositionen Menschen, die geradeaus und logisch denken denken können.
Aber immerhin: besser spät als nie.
Man kann gespannt sein, wie lange es noch dauert, bis die Revolte der Silberrücken, vor den Aktiven traut sich ja keiner, Mainstream wird. Wahrscheinlich zu lange. Die Angst vor den mit Steuergeld gemästeten NGOs ist einfach zu groß, so groß wie die Feigheit, endlich zuzugeben, dass man seit Jahren auf dem Holzweg ist. Da opfert man doch lieber noch ein paar hunderttausend Arbeitsplätze und schickt noch ein paar Milliarden an korrupte Regierungen, um den Regenwald zu retten
