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Symbolbild / picture alliance / imageBROKER | Christian Ohde

Kirchenkritiker Ralf Frisch - Wie ein nicht besonders christlicher Cancel-Versuch nach hinten losging

Die Evangelische Hochschule Nürnberg distanziert sich beflissen von ihrem Professor Ralf Frisch, der die eigene Kirche für ihr Desinteresse an Gott kritisiert. Doch die Reaktionen waren anders, als der Hochschulpräsident wohl erwartet hatte.

Ferdinand Knauß

Autoreninfo

Ferdinand Knauß ist Cicero-Redakteur. Sein aktuelles Buch: „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“ ist im März 2026 erschienen. 2018 erschien „Merkel am Ende“.

 

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Die Cancel Culture hat vielleicht ihren Höhepunkt schon überschritten, zumindest in der Theologie. Der Versuch des Präsidenten der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Thomas Popp, einen missliebigen Professor für ein kirchenkritisches Interview öffentlich in den Senkel zu stellen, ist auf ihn selbst zurückgeschlagen.  

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Christa Wallau | Mi., 17. Juni 2026 - 13:49

Jeder Kritiker des dort vorherrschenden "Geistes" (wenn man davon noch sprechen kann; besser wäre "Ungeist") wird gnadenlos attackiert u. sogar - wie im Falle von Ulrike Guerot an der Universität Bonn - seines Lehramtes enthoben.

Nicht ohne Grund haben sich inzwischen in die Enge gedrängte Wissenschaftler zu einem "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit" zusammengeschlossen.

Was die "menschenfreundliche Kirche" anbetrifft - ob evangelisch oder katholisch - , so befindet sich diese in Deutschland seit langem auf dem Holzweg.
Was Professor Frisch offen ausspricht, ist nichts anderes als die Wahrheit:
Es geht um „das Andersweltliche. Den Spirit, der die Christen von den Nichtchristen unterscheidet. Den Spalt, der sich von oben her auftut und nach dem viele Menschen, die in die Kirche gehen, vielleicht doch suchen.“

Wenn die Kirchen und die Theologie den Kern des christlichen Glaubens nicht mehr in den Mittelpunkt all ihres Lehrens und Handelns stellen, dann könne sie gleich einpacken.

Markus Michaelis | Mi., 17. Juni 2026 - 15:16

Auch ohne den Bezug zu Gott, ganz im Menschlich-Irdischen, würde ich die Worte von Herrn Popp kritisch betrachten. Natürlich ist es nicht prinzipiell schlecht menschenfreundlich sein zu wollen und kritisch über Teile der Kirche und Gesellschaft nachzudenken, die das eventuell nicht sind.

Nur geschieht so eine Aussage nicht im luftleeren Raum. Es ist heute eine politisch breite Frage, ob es eine Mitte gibt, die für Menschenfreundlichkeit, Demokratie, Werte, GG, Menschenrechte, Gerechtigkeit, also alles Richtige und Gute, steht, und eben alle anderen, die dann ja nur noch für Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Demokratiefeindlichkeit etc. stehen können, weil alle anderen Felder bereits abgedeckt sind.

Herr Popp müsste auch klar machen, ob er sich damit in diese Diskussion einsortieren will. Aus meiner Sicht ist das zu weit gegangen und so simpel, wie die Mitte sich selber und die Welt sieht (gesehen hat?), ist es aus meiner Sicht nicht.

H. Stellbrink | Mi., 17. Juni 2026 - 16:54

Das Problem besonders der evangelischen Kirche ist, dass sie sich immer schon zumindest in weiten Teilen sehr elastisch bei dem Versuch gezeigt hat, sich dem Zeitgeist an den Hals zu werfen. Das war in der Kaiserzeit und in Nazi-Deutschland so, und das ist auch heute so. Dadurch erscheint sie heute als Ableger der grünen Partei mit transzendentalem Heilsversprechen. Wo die Kommunisten Erlösung durch die Herrschaft des Proletariats versprechen, versprechen die Kirchen heute Erlösung durch Klimaschutz und muslimische Massenimmigration. Die Kirchen haben sich zu Pharisäern entwickelt, die den politischen und religiösen Konformismus mit dem linksgrünen Zeitgeist über die Nächstenliebe stellen. Ausgrenzung von AfD-Wählern und Hass und Hetze gegen die Partei sind zum Dienst an Gott erklärt worden und sind das Gegenteil von Nächstenliebe.
Vielleicht wird es bei dieser heuchlerischen, selbstgerechten Kirche langsam Zeit für eine neue Reformation....?

... gerade die scheinbar sich wiederholende Affinität der evanglischen Kirche zum jeweiligen Zeitgeist haben Sie m.E. zurecht angesprochen.
Und im ersten Moment habe ich mich ein bisschen über meine eigene Reaktion amüsiert, weil ich die Kritik von Herrn Frisch auch als überzeugter Atheist vollkommen teile und das Statement von Herrn Popp - sorry - für dümmlich halte.
Menschen, für die ein Glaube generell und hier der an die christliche Vorstellung von Gott wichtig und notwendig ist, ist das uneingeschränkt zu gönnen und zu gestatten, und das "Ausweichen" von Kirchen selbst in Allerweltsthemen, so wichtig sie im einzelnen sein mögen, ist eben wohl auch "nur" Populismus.
Wenn mich die vielen befreundeten, alteingesessenen und zumeist katholischen Gläubigen hier im Dorf absolut tolerant "nur" als engagiert, menschenfeundlich und humanistisch akzeptieren und sein lassen, dann kann ich da doch nur dankbar sein und sie bei Ihren Anliegen unterstützen.

Anonymsolangeesgeht | Do., 18. Juni 2026 - 10:43

Antwort: beide haben sich ideologischen Positionen verschrieben, die nicht ihrem Auftrag entsprechen. Der ÖRR berichtet regierungskonform und einseitig - und missachtet dadurch seinen Auftrag, ausgewogen zu berichten. Die Kirche betreibt spätestens seit Corona Politik in unerträglichem Ausmaß- und missachtet ihren Auftrag, sich den Glaubensfragen zu widmen.

Beide verlierverlieren ihre Anhänger. Beiden ist das gleichgültig. Denn das Geld fließt trotzdem weiter.

So lange das Geld weiter fließt, sehen weder die öffentlich-rechtlichen Medien noch die Offiziellen in den Kirchen einen Grund dafür, sich kritisch zu hinterfragen und endlich ihren Auftrag wieder gemäß den Statuten zu erfüllen!
Hier wären unsere "Volksvertreter" gefragt!
Sie müßten dafür sorgen, daß es überall so zugeht, wie es ursprünglich gedacht war.
Aber diese sind ja selbst Teil des Selbstbedienungssystems und machen daher gerne mit im herrschenden Meinungskartell!
Wenn sich in der sog, "Elite" (Politik, Medien, Kirchen, Bildungsstätten usw.) alle einig sind, hat das Volk keine Chance, sich gegen Zwangsgebühren und -steuern zu wehren - ob es damit einverstanden ist oder nicht.
So sieht die Lage in Deutschland leider heute aus.

Elon Musk hat Recht: Da gibt es nur eine Möglichkeit des Entkommens, nämlich lauter und dauernder Protest auf den Straßen und Zahlungsverweigerung!

Detlef Spitzbart | Do., 18. Juni 2026 - 10:58

Die unter den Teppich gekehrten Konflikte müssen in der evangelischen Kirche endlich ausgetragen werden! Allen voran der Widerspruch gegen jenen in den höchsten akademisch-theologischen Kreisen gepflegten Antizionismus, in dem Jean Amery bekanntlich die "ehrbare" Form des Antisemitismus erkannt hat. Übrigens bleibt es auch wahr, dass dogmatisches Reden von Gott und spirituelle Kommunikation ihren Wert oder Unwert erst dann erweisen, wenn sie in das alltägliche Leben der Menschen übersetzt worden sind, in die 'kleinen Dinge', mit denen die christliche Seelsorge zu tun hat. Das wird auch Ralf Frisch nicht bestreiten. Diese kleinen Dinge des Alltags begegnen uns vielleicht ganz 'ohne Gott', sie sind darum aber keineswegs gottlos, wie Eberhard Jüngel wusste, an den sich vielleicht mancher noch erinnern kann.