Smartphone Schulranzen
Schulranzen und Smartphone: Pausenhofkombination im 21. Jahrhundert / picture alliance / SZ Photo | Stephan Rumpf

Kinder- und Jugendschutz - Eine Versachlichung dieser Social-Media-Debatte ist überfällig

Nicht nur Bildungsministerin Karin Prien fordert ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren. Ausgerechnet eine von ihr eingesetzte Kommission liefert jetzt aber die Grundlage für eine differenzierte und sachliche Debatte. Die ist längst überfällig.

Ben Krischke

Autoreninfo

Ben Krischke ist Leiter Digitales bei Cicero, Mit-Herausgeber des Buches „Die Wokeness-Illusion“ und Mit-Autor des Buches „Der Selbstbetrug“ (Verlag Herder). Er lebt in München.

So erreichen Sie Ben Krischke:

Wer die sozialen Medien nutzt, dealt in der Regel nicht mit Drogen, kauft keine Waffen, vertreibt keine Kinderpornografie und plant auch keinen Anschlag auf den Reichstag. Er schaut sich Bilder und Videos an. Zu den beliebtesten Themen gehören Food, Reisen, Tanz und Fitness. Das sogenannte „Doomscrolling“ – also das Scrollen wie im Rausch – mag problematisch sein. Ebenso die Illusion perfekter Körper und perfekter Leben. Und zur Wahrheit gehört schon auch, dass so ziemlich jede Störung auf Tiktok oder Instagram ihre eigene affirmative Community bekommen hat.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Urban Will | Do., 25. Juni 2026 - 15:00

und Kontrolle und dann auch noch „Melden“ in einem Satz höre, dann wird mir schlecht.
Der Staat hat sich heraus zu halten in der Kindererziehung. Ja, es läuft dort viel schief, aber wie soll es denn nach Prien laufen? Meldet dann Familie A, dass in Familie B der Sprössling aber ganz schön viel am Handy daddelt? Und kommt dann das Jugendamt und nimmt B das Kind weg? Ok, das ist jetzt etwas übertrieben dargestellt, aber wie soll es laufen?
Und wo soll es enden? Wenn die Büchse mal offen ist, dann kommen bald auch Regeln über social media allgemein und „was noch gut und was nicht mehr gut“ ist und man kann sich denken, was die Obrigkeit für „nicht gut“ hält. Nämlich alles, was denen nicht links genug ist.
Hier vermute ich das eigentliche Ziel.
Der Staat möchte die totale Kontrolle über das, was der Untertan noch an Medien konsumieren darf.
Und Menschen wie Prien, lieb und brav und unschuldig daherkommend (wie Genosse Günther) sind sehr gefährlich.
Zeit für die Wende!!

Thorwald Franke | Do., 25. Juni 2026 - 19:16

Schon beim Fernsehen war klar, dass es das Niveau senken würde. Weil das Medium selbst es erfordert. Auch bei Erwachsenen.

Der Klassiker zu diesem Thema, den jeder kennen sollte, ist "Wir amüsieren uns zu Tode" von Neil Postman. Das war 1985.

Das besondere an diesem Buch: Man erfährt, dass die Kulturtechnik des Lesens für die Demokratie eine entscheidende Rolle spielt. Nur mit Show bekommt man keine informierten Bürger, sondern nur Zuschauer.

Die Idee, dass junge Menschen erst einmal vor allem Bücher lesen sollten, ist deshalb eine goldrichtige Idee. Auch das Lesen von nicht zu kurzen Zeitungsartikeln ist eine Einübung in das Denken. Das darf auch online sein, es muss nicht gedruckt sein. Aber es muss das Lesen und Erfassen von längeren Texten sein.

Was wir in Wahrheit bräuchten wäre ein Herangehen an die Eltern, um ihr Bewusstsein zu bilden (bei weniger gebildeten Eltern), und um ihnen Hilfen zu geben, z.B. wie man das Smartphone der Kinder kontrolliert. Die Eltern sind's!

"Was wir in Wahrheit bräuchten wäre ein Herangehen an die Eltern..." - Wie lange soll das dauern? Wieviel Eltern nehmen solch Staatsbetreuung ernst? Das Lesen von längeren Texten wird immer noch an den Schulen über Jahre angeboten und geübt, sofern wer der Meinung ist, das würde für die Zukunft der Kinder was bringen. Das gleiche Elend findet bei Mathematik statt. Man fragt sich wofür Division mit Bruch oder Integralrechnung später das Leben erleichtern. Dabei geht es bei Lesen und Mathematik in der Schule darum, die Synapsen im Gehirn in Kindes- und Jugendalter besser und intensiver zu verknüpfen, damit diese Kinder und Jugendlichen später halbwegs Zusammenhänge schneller und besser begreifen.

Jens Böhme | Do., 25. Juni 2026 - 19:58

Wie will man 12- oder 13-Jährige im Internet verifizieren? Ich sehe noch keine Versachlichung der Diskussion. Es läuft auf die Entanonymisierung der gesamten Webnutzer über digitale Ausweisdaten hinaus. Diese Jugendschutz-Scheindebatte ist nur ein Wegweiser zur totalen Kontrolle aller Bürger im Web.