Papst Benedikt und der sexuelle Missbrauch - Die 68er waren's

Der massenhafte sexuelle Missbrauch von Kindern hat die Katholische Kirche unter Druck gesetzt. Um seinen Nachfolger Franziskus zu unterstützen, hat sich Benedikt XVI. plötzlich zu Wort gemeldet. Sein Beitrag dürfte jedoch nicht dazu beitragen, die Aufarbeitung zu befördern

01.06.2018, Vatikanstadt: Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (M) empfängt den bayerischen Ministerpräsidenten Söder zu einem Gespräch.
91 Jahre alt und kein bisschen einsichtig: Papst Benedikt XVI. / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie arbeitet als freie Reporterin und Autorin. 

So erreichen Sie Antje Hildebrandt:

Hatte er nicht nach seinem Rücktritt versprochen, er wolle in Zukunft nur noch beten und schweigen? Hätte er sich daran gehalten, wären Papst Benedikt und der Katholischen Kirche eine riesige Blamage erspart geblieben. Benedikt, mittlerweile fast 92 Jahre alt, hat sich in der Diskussion um massenhaften sexuellen Missbrauch unter dem Dach seiner Kirche zu Wort gemeldet. Die hat nicht nur seinen Nachfolger gewaltig in Bedrängnis gebracht, sondern auch die Frage aufgeworfen, warum er nicht schon mit der Aufarbeitung begonnen hatte. Als er 2013 plötzlich zurücktrat, war das Problem längst bekannt.

Jetzt muss also ein Bauernopfer her, ein Buhmann – am besten einer, der mit der Katholischen Kirche so wenig zu tun hat wie der Papst – nun sagen wir mal – mit feministischen Pornos. Und den glaubt Benedikt jetzt gefunden zu haben: Die 68er-Bewegung wars. Nein, es ist kein Witz. Der ehemalige Papst hat das wirklich geschrieben. Man kann es nachlesen in einem Artikel, den er nach Rücksprache mit Papst Franziskus für das Bayerische Klerusblatt geschrieben hat. Die 68er-Bewegung sei Schuld daran, dass die Maßstäbe für Sexualität verlorengegangen seien, auch in der Katholischen Kirche. „Zu der Physiognomie der 68er-Revolution gehörte, dass nun auch Pädophilie als erlaubt und angemessen diagnostiziert wurde.“

Verschanzt hinter einer Lüge

Das Geständnis eigener Fehler, Versäumnisse oder Vertuschungsversuche der Kirche? Fehlanzeige. Mit einem einzigen Artikel hat es Benedikt geschafft, das Bemühen seiner Nachfolger um Aufklärung als unglaubwürdig zu diskreditieren. Und man fragt sich, was einen mehr erschrecken soll: Dass sich der greise Papst hinter dicken Klostermauern hinter einer noch dickeren Lüge versteckt. Oder dass die meisten Medien die Darstellung des Papstes einfach wiedergeben, ohne sie kritisch zu hinterfragen.

Wie gut, dass es noch die taz gibt, das Zentralorgan der Alt-68er. In einem bitter-bösen Kommentar räumt die Zeitung mit der „Verleumdung“ und der „Heuchelei“ des Papstes auf. „Es ist das alte Bild des in Versuchung geführten Gelehrten. Und wieder einmal wird das Opfer zum Täter erklärt.“ Ein  verzweifelter Versuch, das eigene Ansehen zu retten? Oder der längst überfällige, sprichwörtliche Tritt in den Hintern eines Geistlichen, der sich mit letzter Kraft an der Macht festklammert und sich weigert, der Realität ins Auge zu sehen?  Urteilen Sie selbst.  

Benno Pluder | Fr, 12. April 2019 - 16:10

Jetzt und in diesem Zusammenhang kann ich endlich mit diesem Begriff aus der Genderdebatte etwas anfangen.

Jetzt lichtet sich der vatikanische Nebel, in dem auch der vormalige Papst Ratzinger sein Handeln verstecken konnte. Papst Ratzinger wußte sehr wohl um die immensen sexuellen Verfehlungen seiner "geweihten" Kleriker insbesondere an Knaben, also von den massiven pädophilen Handlungen seiner Untergebenen. Offenbar hatte er nicht den Mut, diesen Augiasstall Vatikan auszumisten. Er hätte alles daransetzen müssen, diese psychisch Kranken einer Sexualtherapie zu unterziehen. Für ihn galt bzw. gilt jedoch: Was nicht sein darf, das nicht sein kann. Den Begriff Sexualtherapie nahm er nicht einmal in den Mund, denn Kleriker sollten doch ein geschlechtsloses Leben führen, um ihre "Heiligkeit" unter Beweis zu stellen. Dies alles schein mißlungen, nicht erst seit dem Ära Ratzinger. Anstatt Selbstkritik zu üben, zeigt er jetzt auf die Alt-68er, denen er alle Schuld am Versagen seiner Kirchendiener zuschiebt. Das macht ihn nicht glaubwürdiger und beweist nur sein eigenes Amtsversagen.

wozu mischt sich der Alt-Papst überhaupt ein? Warum kann ein Priester nicht für sein Handeln verantwortlich sein, wie jeder andere Mensch auch.

Helmut Bachmann | Fr, 12. April 2019 - 18:44

dass die 68er auch heute noch nicht in der Lage sind, die Verantwortung für den Pädaphilieskandal bei den Grünen zu übernehmen. Schade, dass es die TAZ noch gibt, wozu eigentlich?

Christa Wallau | Fr, 12. April 2019 - 18:50

Als in der Wolle gefärbte Katholikin (inzwischen aus der Amtskirche ausgetreten, aber weiterhin gläubige Christin) möchte ich nur folgendes zu bedenken geben:
Es hat im Laufe der Jahrhunderte unzählige Priester und Mönche gegeben, die es geschafft haben, ihre Sexualität zu beherrschen u. sich ganz ihrem geistlichen Amte zu widmen. Sie hatten weder eine Frau noch mißbrauchten sie ein Kind oder einen Jugendlichen. Das ist ein Faktum.
Daß sie diese Sexual-Askese in einem allgemeinen Umfeld mit strengen moralischen Vorschriften
besser zu leisten imstande waren als in einem, das
die 68ger errichteten, das dürfte eigentlich auch jedem klar sein.
Der alte Papst will - so glaube ich - mit seinen Anmerkungen n i c h t s entschuldigen oder von eigenem Versagen ablenken, sondern er weist darauf hin, daß eine strenge Sexualmoral nicht nur negative Auswirkungen haben, sondern auch manchen Priester ebenso wie Laien vor schlimmen Fehltritten mit schicksalhaften Auswirkungen bewahren kann.

in Ehren, wenn doch aber eine verquere Sexualmoral überhaupt erst zu den Schwierigkeiten führt?
Seit wann hätten die 68er großen Einfluss auf Priester gehabt?
Und was wäre das für eine "verführte" Moral, die sich die Grenzüberschreitungen aneignet, statt mit den 68ern zu rufen, "unter den Talaren, der Muff von 2000 Jahren".
Die Pädophilie war auch bei den 68ern eine Grenzüberschreitung, für die sie sich ja wohl entschuldigt haben, soweit ich weiss.
Meiner religiösen Meinung nach steht der Zölibat geradezu im Widerspruch zu den Lehren von Jesus Christus.

Meine volle Zustimmung und es wundert mich, im Cicero einen so unüberlegten und feindseligen Kommentar zu lesen, der auf die Argumente des emeritierten Papstes gar nicht eingeht. Hier handelt es sich wohl eher um den Beißreflex einer wegen der Kritik an 68 beleidigten Linken als um eine sachlich begründete Gegenmeinung. Im Übrigen hat sich der Papst zur Emeritierung auch deshalb entschlossen, weil er nicht mehr die Kraft hatte, gegen bestimmte Seilschaften zu kämpfen. Sein Nachfolger hätte, gelinde gesagt, mehr tun können, um in diesem Augiasstall auszumisten.
Abgesehen davon: Einen unheilvollen Einfluß der 68er zu konstatieren, heißt ja gerade, eigene Fehler der Kirche zu bekennen. Joseph Ratzinger hat als Anhänger der Reformen des Zweiten Vatikanums seit den späten 60er Jahren das zunehmende Abdriften des jüngeren Klerus in Richtung links erkannt und bekämpft. Damit liegt seine jetzige Kritik ganz auf der Linie seiner eigenen Lebenserfahrung. 68 gehört überwunden.

das in vergangenen Jahrhunderten die Priester ihre Sexualität im Griff hatten? Bei der Macht der Kirche hat sich doch keiner getraut aufzumucken. Wir sehen doch wie lange es gedauert hat bis in unsrer aufgeklärten Zeit die Geschädigten den Mut hatten sich zu Wort zu melden.

Sehr richtig Herr Langer. Hinter Nonnenklostern wurde unzählige Gräber tot oder neugeborener Kinder gefunden. Die Macht der Kirche bis zur heutigen Zeit beinhaltet den Zugriff auf Kinder und Frauen, zu deren Lustbefriedigung. Die Scham und die Angst der Menschen damals war genauso groß, wie sie heute ist. Die Uneinsichtigkeit und die Kunst des Vertuschens, sie hat überlebt, wie die absurde der Natur widersprechende Sexualmoral. Es hat immer den lüsternen Priester gegebn, wie es auch den ehrlichen und aufrichtigen Priester gab. Auch das hat sich nicht geändert.

... Priester und Mönche ihre Sexualität im Griff hatten. Natürlich nicht.

Aber es gab eben auch sehr viele, bei denen das der Fall war, wie heute auch
noch. Diesen aufrechten Menschen, die sich täglich bemühten bzw. immer noch bemühen, das Versprechen der Keuschheit einzuhalten, wird ihr innerer Kampf allerdings als Zerrbild vor Augen geführt, wenn eine Gesellschaft hingeht und jegliche Spielart von Sex nicht nur als zulässig, sondern sogar als erstrebenswert darstellt. Genau dies haben die 68er getan und damit dem Libertinismus Tür und Tor geöffnet.
Die Folgen für unsere Kinder und Jugendlichen sind m. E. mindestens genau so
verheerend wie das, was ihnen Kirchenleuten angetan haben.
Die Tatsache, daß sich inzwischen jeder daran gewöhnt zu haben scheint, wie das Thema "Sex"schon im Kindergarten besprochen wird, macht die Sache keineswegs besser. Wer rettet eigentlich die verkorksten Seelen der Kinder, die sich täglich Porno-Filmchen auf ihren Smartphones anschauen?

Bin ganz ihrer Meinung Fr. Wallau!
Der sexuelle Kindes/Missbrauch (Nonnen?), in der Kirche ist genauso wenig zu entschuldigen, wie überall anders!
Der Zölibat ist eine Frage, die sich jede Freiheit nehmende 68iger Generation eine andere! Dass diese Freiheiten nicht unbedingt vor den Klostermauern Halt machen (obwohl sie sollten) leider eine Tatsache.
Diesen "Stall" ausmisten, alles ans Tageslicht bringen und aufarbeiten, wird wohl einige Zeit und vielleicht auch Päpste brauchen, ist wohl der Widerstand, das Schuldbewusstsein, das Aufdecken, das Öffentlich machen geschehener Taten innerhalb des Klerus ein großer!
Wichtig ist einzig - der sexuelle Kindes/Missbrauch in der Kirche muss ein Ende haben!

Ulrich Jarzina | Fr, 12. April 2019 - 21:34

schrieb Dostojewski. Benedikt dreht in seinem Text den Spieß um: Wenn alles erlaubt ist, folgt daraus, dass Gott aus dem Leben der Menschen, ganz besonders der Theologen, verschwunden ist. Da hat er recht, finde ich. Ebenso recht hat er, wenn er die 68er Revolution als Ausgangspunkt dieser Entwicklung nennt. Wer nicht anerkennen will, dass es Dinge gibt, die in sich richtig oder in sich falsch sind, folgt dem Prinzip "nihil verum omnia licita". Das aber hat nichts mit Gott zu tun, im Gegenteil.
Benedikt zeigt mit diesem Text Grenzen für den Menschen auf, er "definiert" im wahrsten Sinne des Wortes. Wie viele Politiker und Prominente trauen sich das heute noch? Mit Grenzen scheinen wir momentan generell unsere Probleme zu haben...

Was den Kampf gegen sexuellen Missbrauch während Benedikts Pontifikat anbelangt, so empfehle ich die Lektüre des Briefes des ehemaligen Nuntius in den USA Vigano:
https://bit.ly/2DeAQIy

Antoine de Saint-Exupéry soll folgendes geschrieben haben:

Wenn ein Volk g o t t l o s wird, dann sind

- Regierungen ratlos
- Politiker charakterlos
- Beratungen ergebnislos
- Schulden zahllos
- Lügen grenzenlos
- Sitten zügellos
- Ehen bindungslos
- Mode schamlos
- Aussichten hoffnungslos

Freundliche Grüße
C. Wallau

Heidemarie Heim | Fr, 12. April 2019 - 21:41

Gerade noch rechtzeitig um alles darin verschwinden zu lassen! Köstlich auch der Vergleich von Dantes Höllenschlund und der Bemerkung Vergils. Ja, da fühlte man sich sichtlich auf den 68er-Schlips getreten. Blödes Gefühl, so als Sündenbock, gell? Doch die Sache ist zu ernst um diese unsäglichen Aussagen des einzig noch lebenden Ex-Stellvertreter Gottes als Lächerlichkeit abzutun. Ich war nie die Super-Christin, frage mich aber insgeheim, ob er und seine in schwarz und Purpur Gewandeten noch merken, wie sie sich an den Opfern des eigenen Klerus versündigen! MfG

Und wie kann ich da noch von Amt und Würden sprechen? Wenn sie Anderen Ihre Würde genommen haben?
Wenn ich mir die vage Absichtserklärung von Franziskus ins Gedächtnis rufe, wie sich die Kirche beim Schutz von Minderjährigen engagieren will. Sehe ich in den oberen Etagen saft- und kraftloses Personal. Sie sie sind keine Hirten ihrer Schäfchen mehr.
Die Kirche hat das Missbrauchs-Drama nicht im Griff, ich nehme an es geht auch weiter.
Denn nur vom Reden allein ändert sich nicht.
Es geht immer noch mehr um das Ansehen der Kirche, besser gesagt ihrer Würdenträger, als um die Opfer. Und hohe Würdenträger werden eher geschützt, den entlassen.
Nur eine Entlassung überführter Missetäter wäre eine ehrliche Antwort.

Und die willfährigen Schäfchen werden ständig weniger. Das sich das Drama nicht in den Griff bekommen lässt, zumal die Täter und Mitwisser in den eigenen Reihen als "Aufklärer" und Richter gleichzeitig fungieren, ist eigentlich logisch. Aber mich treibt bei jedem Kommentar zu diesem schlimmen Thema auch immer der Gedanke, inwiefern auch wir als Gesellschaft bis in die Familie hinein Mitschuld daran tragen bzw. trugen. Will heißen, wie gewollt oder gutgläubig haben alle Schäfchen die Augen verschlossen oder abgewendet, wenn es zu derlei Übergriffen durch den Klerus kam.
Hielt man es ähnlich wie in der eigenen Familie, wo kindliche Missbrauchsopfer beim fummelnden lieben Onkel oder gar dem Vater nicht gehört, nicht bemerkt und in Schutz dagegen genommen wurden? Was sollen die Leute denken! Erst heute,bei wachsender Erkenntnis ob dieser Abscheulichkeiten an Kinderseelen verübt, weiß ich wie dankbar man sein kann, ein waches und schützendes Elternhaus gehabt zu haben! Alles Gute! MfG

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 12. April 2019 - 22:30

in der der ehemalige Papst hier wohl schonungslos vorgeführt wird, aber wenn ich an die Opfer denke, ist er gerechtfertigt.
Der Papst hat wahrscheinlich die 68er nicht begriffen, aber so oder so gehört es sich nicht, "nach unten zu treten".
Wie kann er Schuld abladen, statt sich zu ihr zu bekennen und um Vergebung zu bitten?
Das macht mich sehr nachdenklich.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 13. April 2019 - 07:57

ich mag seine Betrachtungen zur 68er Bewegungen durchaus nachvollziehen. Das deren Ziele sich in großen Teilen in heutiger links/grüner Politik wiederfindet und nachhaltig die Gesellschaft zu ihrem Nachteil geprägt hat, kann ich durchaus unterschreiben. Aber das strafbare Sexualverhalten einiger Priester mit den gesellschaftlichen Veränderungen seit der 68er allein zu erklären, da erhebe ich Widerspruch. Es wird die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Einzelnen für sein Handeln an keiner Stelle reflektiert. Vielmehr könnte man seine Ausführungen dahingehend verstehen, die Gesellschaft hat sich u.a. "sexuell" befreit und deshalb mussten es die Priester auch?
Wenn 68er die freie Liebe predigen und damals bereits Grenzen an der ein oder anderen Stelle deutlich überschritten, "mussten" die Kirchenvertreter nachziehen?
Wenn der andere schlecht handelt ist das auch Grund für mich das gleiche zu tun? Die Sexualmoral der Kirche war schon immer Gegenstand von Kritik. Was hat Ratzinger getan?

Ernst-Günther Konrad | Sa, 13. April 2019 - 08:09

diesen Eindruck erweckt der Text von Herrn Ratzinger. Ich lese aber nichts davon, das Kinder in der Phase der Selbstfindung und Orientierung gegen ihren Willen und insbesondere von Vertrauenspersonen nachhaltig durch sexuellen Missbrauch in ihrer Entwicklung gestört wurden und anschließend leiden. Lange vor den 68ern - schon bei den alten Griechen - hielten sich die Mächtigen sog. Lustknaben-, dass zog sich bis heute durch die Geschichte. Es ist also, so sehr ich 68er Ideen ablehne, keine Erfindung dieses Generation. Wenn Väter, Onkels, Lehrer, Priester u.a. besonderes Vertrauen geniesende Menschen, das kindliche Urvertrauen, die Seele des Kindes missbrauchen, rechtfertigt weder ein Zeitgeist, noch das Wort eines "ehem. Oberhirten" oder das Vertuschen dieser Taten, das Handeln einzelner. Sex mit Kindern zu relativieren, weil es andere schon vorher getan haben oder propagieren rechtfertigt diese Taten nicht, es zeigt die Verruchtheit der Gesellschaft und Kirche. Weitere Chance vertan.

Armin Latell | Sa, 13. April 2019 - 18:26

welche Macht? Welchen Vorteil sollte dieser Mann davon haben, dessen irdische Existenz absehbar zu Ende geht? Hat er nicht freiwillig (zumindest nach außen) sein Amt abgegeben? Sind die wahren Gründe jemals ans Licht gekommen? Tatsächlich war Kirche nie unschuldig oder gar heilig. Eine Institution, hinter deren Kulissen, der Politik mindestens ebenbürtige, Machenschaften, Intrigen und Ränke herrschen. Ein Haifischbecken. Wer jemals anderes geglaubt hat, ist ein verführter, haltloser Mensch. Man muss sich nur die politischen Einlassungen der unteren Ränge zu Gemüte führen. Kirchentage, die pure Heuchelei. Wasser predigen, Wein trinken, Kirche, eine der reichsten Institutionen der Welt, ein Kardinal Marx gibt 50.000 Euro Spendengelder an Schlepperbanden weiter, Kirchengelder bleiben außen vor. Benedikt hin, Franziskus her: bin schon lange ausgetreten ob dieser Scharlatanerie.

Norbert Heyer | So, 14. April 2019 - 10:31

Die Kirche hat immer nach oben gebuckelt und nach unten getreten. Erst ein Martin Luther hatte den Mut, das Ablassgebaren der katholischen Kirche zu kritisieren. Die Abspaltung bedeutete den längsten Krieg in Europa mit verbrannter Erde und getrennten Kirchen. Dazu kommen noch Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und eine verquere Morallehrer. Wer selbst hohe Moralansprüche an die Gläubigen stellt, muss sich selbst auch daran messen lassen. Nun eine über Jahrhunderte praktizierte Unmoral gegen Zölibat, eheähnliche Verhältnisse und Vergehen an Kindern letztendlich der 68-Bewegung anzulasten, ist eher dem Umstand zuzuschreiben, dass der Altpapst seine Kirche aus der Kritik zu nehmen. Die 68-er haben die Sexualmoral zwar aufgebrochen - auch im negativen Sinn - aber die Schuld der katholischen Kirche liegt schon viel weiter zurück. So sehr ich Altpapst Benedikt für seine Ansichten schätze, aber hier liegt er mit seiner Schuldzuweisung völlig daneben. Er hätte besser weiterhin schweigen sollen.

der Martin hat als nützlicher Idiot die Kirche samt Vermögen den Fürsten ausgeliefert, und sein Christentum entjudet, was eine verquere protestantische "Moral" zur Folge hatte. U.a. auch die Einheit von Kirche und Staat in der Person des Herrschers. Hexenverbrennungen waren historisch gesehen eine protestantisch-säkulare Spezialität, die Kreuzzüge ein gescheiterter Versuch, die islamische Invasion zurück zu drängen und die Versklavung "Ungläubiger" zu beenden. Ich empfehle Rodney Stark: "Du sollst kein falsches Zeugnis reden".

Daniel Wetzler | So, 14. April 2019 - 13:51

Ratzinger möchte nicht von Versäumnissen der Kirche ablenken, sondern eine Erklärung für die fatale Entwicklung auch in der Kirche geben. Er liegt nicht falsch damit, wenn er sagt, daß die Gesellschaft