Kurz und Bündig - Kai Weyand: Schiefer eröffnet spanisch

Eine Männerfreundschaft bildet das personale Zentrum von Kai Weyands erstem Roman, «Schiefer eröffnet spanisch». Schiefer, ein gescheiterter Altlehrer, Theo, ein naiv-gescheiter Junglehrer, und der namenlose Ich-Erzähler, von Beruf Privatdetektiv, treffen in einer städtischen Szenerie aufeinander. Schiefer lebt dort als zurückgezogener Kauz, muss aber aus Geldknappheit einen Untermieter bei sich aufnehmen und wählt – nicht zufällig – Theo.

Eine Männerfreundschaft bildet das personale Zentrum von Kai Weyands erstem Roman, «Schiefer eröffnet spanisch». Schiefer, ein gescheiterter Altlehrer, Theo, ein naiv-gescheiter Junglehrer, und der namenlose Ich-Erzähler, von Beruf Privatdetektiv, treffen in einer städtischen Szenerie aufeinander. Schiefer lebt dort als zurückgezogener Kauz, muss aber aus Geldknappheit einen Untermieter bei sich aufnehmen und wählt – nicht zufällig – Theo. Als der am ersten Schultag mit Anzug und Aktentasche die Wohnung Richtung Schule verlässt, bricht in Schiefer das eigene Elend wieder auf. Dabei deutet der Roman die Hintergründe von Schiefers Ruin als Lehrer nur an. So entwickelt man als Leser – alarmiert durch Medienberichte über die unheilvollen Zustände an deutschen Schulen – Neugier und Anteilnahme gegenüber der Figur. Denn eines ist unübersehbar: Der Mann ist fertig. Allein, arbeitslos, von Frau und Sohn getrennt, lässt er sich nur zögernd durch Schachspiele mit dem Nachbarn aus seiner Klause locken. Und erst die Konfrontation mit der idealistischen Arglosigkeit seines neuen Mitbewohners reißt ihn aus seiner düsteren Lethargie. Zusammen mit seinem Schach-Partner entwickelt Schiefer – mithilfe von reichlich Wein und Wodka – einen Plan: Die Unmenschlichkeit heutigen Lehrerdaseins soll offengelegt und Theo gerettet werden. Kai Weyand erzählt eine eigenwillige, immer wieder ins Skurrile kippende Geschichte zu einem brisanten Thema. Sein waches Gespür für sinnliche Details und seine Lust, eingefahrene Denkfiguren durch kleine Irritationen ins Schleudern oder zum Schweben zu bringen, verleihen dem Text bei aller Empörung auch Witz und eine gewisse Aufsässigkeit. Überhaupt darf man den Bericht über Schiefers Rachefeldzug nicht als Sozialreportage missverstehen. Das eigentliche Thema des Romans, jenseits des Elends von Schule und Lehrer-Sein, ist die Einsamkeit seiner Figuren, die in atmosphärisch dichten Passagen und poetischen Bildern zum Ausdruck kommt. Dabei findet der Freiburger Autor nach merkwürdig holpriger Syntax auf den ersten Seiten rasch einen eigenen, jazzig entspannten Sound. Auch die Liebesgeschichte, die er zweien seiner Figuren gönnt, ist wohltuend diskret, zärtlich verhalten inszeniert. Allerdings hat diese Zurückhaltung auch ihren Preis. Der Ich-Erzähler bleibt, gerade im Kontrast zu seinen anschaulich gezeichneten Kumpanen, ein blasses Konstrukt – und das Ende der Geschichte ist diffus, ein unlösbares Rätsel. Das ist schade. Nach so viel Engagement mag man nicht einfach ins Ungewisse entlassen werden.



Kai Weyand
Schiefer eröffnet spanisch
Wallstein, Göttingen 2008. 215 S., 17,90 €
 

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