Der ehemalige „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt vor seinem Auftritt bei Servus TV am Sonntag / dpa

„Links. Rechts. Mitte“ mit Julian Reichelt - Streitlustig aus der Asche

Zuletzt war es etwas ruhig geworden um den ehemaligen „Bild“-Chef Julian Reichelt. Dann gab er der „Zeit“ ein Interview, fing wieder an zu twittern und trat am Sonntag nun erstmals wieder öffentlich auf. In der Diskussionsrunde „Links. Rechts. Mitte - das Duell der Meinungsmacher“ auf Servus TV gab sich Reichelt gewohnt diskussionsfreudig – und kündigte an, mit einem neuen Projekt eine Marktlücke im Journalismus schließen zu wollen.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero. Er hat Journalistik studiert, arbeitete für verschiedene Medien und lebt in München.

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Wer wollte, konnte Julian Reichelt bereits tagsüber begleiten auf seiner Reise zum ersten TV-Auftritt nach seinem Rauswurf bei Axel Springer. Auf Twitter nämlich, wo Reichelt derzeit über 117.000 Follower hat. Dort postete der ehemalige Bild-Chefredakteur einzelne Wegmarken von seinem Ausflug von Berlin nach Salzburg, wo er am Sonntagabend in der Talkrunde „Links. Rechts. Mitte - das Duell der Meinungsmacher“ zu sehen war.

Das hatte was von einem Countdown, an dessen Ende Reichelt aus der Asche steigen und der halben deutschen Medienwelt vielleicht mal wieder zeigen würde, wo der Hammer hängt. Denn das kann der ehemalige Kriegsreporter außerordentlich gut und ungeniert wie wenig andere unserer Zunft: Draufhauen, oder, um es etwas milder auszudrücken, den Finger in die Wunde legen, wo der seiner Meinung nach hingehört.

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Hans Jürgen Wienroth | Mo, 17. Januar 2022 - 08:08

Ein sehr guter Bericht, der auch ein Bild des Journalismus im Lande zeigt. Vielleicht sollte sich einer der privaten TV-Sender des Herrn Reichelt bedienen, wäre sicher eine Bereicherung gegenüber dem ÖRR. Wer dort die Nachrichten schaut hat das Gefühlt, das „Auslandsjournal“ eingeschaltet zu haben. Nachrichten aus dem Inland haben Seltenheit. In diesem Land gibt es nichts Berichtenswertes, nichts Böses, so die Botschaft. Halt eine perfekte Demokratie!

Wolfgang Tröbner | Mo, 17. Januar 2022 - 09:14

Ich bin froh, dass es Servus TV gibt. Allein schon wegen der 3 Corona-Dokumentationen, die 2 Jahre inhaltsloser Corona-Quasselrunden des ÖR mit einem Informationsgehalt von Null mehr als aufwiegen. Und wer sich gestern den entsetzlichen, mehr als primitiven Corona-Talk von RTL angeschaut hat, weiß spätestens jetzt, wie Qualitätsfernsehen wirklich aussieht. Bei deutschen TV-Anstalten, ob privat oder öffentlich-rechtlich, ist es jedenfalls kaum zu finden. Schon aus diesem Grund würde ich mich freuen, wenn Reichelt (der Bild-TV für eine kurze Zeit sehenswert gemacht hat) bei Servus-TV anheuern würde. Allein schon deshalb, damit es ein glaubwürdiges Gegengewicht gegen die deutschen Erziehungs- und Manipulationsprogramme gibt.

Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Allein schon wegen der 3 Corona-Dokumentationen. - sehr sehenswert. - Außerdem sind sämtliche Talkshows auf Servus TV in keinster Weise mit dem regierungstreuen Einheitsbrei im deutschen Fernsehen zu vergleichen. Zu Herrn Reichelt kann ich nicht viel sagen, da ich die Bildzeitung nicht lese. Habe allerdings in Kommentaren gelesen, daß seine letzten Beiträge sehr offensiv waren. Vor allen Dingen auch gegen Merkel. Da konnte man sich schon denken, daß seine Zeit bei der Bild bald beendet sein würde. Wer nicht regierungskonform ist, der fliegt.

Peter Sommerhalder | Mo, 17. Januar 2022 - 09:21

wäre toll wenn es mehr "Reichelts" in Deutschland geben würde, mehr Journalisten, die den Finger in die Wunde legen. Es ist nämlich bitter nötig...

Leider habe ich das Gefühl, dass es in Deutschland erst zu einem Umdenken kommt, wenn die Nachteile in der Bevölkerung zu gross werden.

Wieso also nicht vorher schon umdenken...?

Christa Wallau | Mo, 17. Januar 2022 - 09:42

Weil ich wußte, daß Reichelt in dieser Sendung dabei sein würde, habe ich gestern abend auch
"Servus tv" eingeschaltet u. mir die Dikussion angesehen. Es hat sich gelohnt!
Dieser Mann scheint eine Einstellung zu seinem Beruf zu haben, die anders ist als die der meisten Heutigen in seiner Zunft.
Ich würde mich freuen, wenn es ihm gelänge, eine Gruppe von Journalisten um sich zu scharen, die - wie zu besten SPIEGEL-Zeiten -
sich wirklich kritisch u. objektiv bemühen,
a l l e s zu hinterfragen, was uns Bürgern als Wahrheit - von wem auch immer! - verkauft werden soll.
Dabei ist es für mich gleichgültig, welches Verhältnis Reichelt privat zu Frauen hat bzw. was er sonst tut, so lange es nicht kriminell ist.
Wenn unsere Gesellschaft nicht total zerfallen soll, dann brauchen wir g l a u b w ü r d i g e Vermittler. Dies können nur Menschen sein, die offen sind für verschiedene Meinungen und die alle Aussagen u. Ansichten gleichermaßen unter die Lupe nehmen. Auf geht's, Herr Reichelt!

Peter Sommerhalder | Mo, 17. Januar 2022 - 09:53

ist halt so eine Sache mit dem Umdenken, ich sehe es ja an mir:
So wie es ausschaut, höre ich erst auf mit dem Kettenrauchen wenn die Nachteile zu gross werden...

Peter Sommerhalder | Mo, 17. Januar 2022 - 12:07

In reply to by Peter Sommerhalder

wenn die Nachteile eh schon zu gross sein sollten, wieso sich noch die Mühe machen Umzudenken, denn dann kann ich ja gerade so gut getrost weiter kettenrauchen bis zum bitteren/finalen Ende...

Gerhard Lenz | Mo, 17. Januar 2022 - 09:56

Julian Reichelt, der Mann, der über seinen eigenen Größenwahn und seine sexuelle Zügellosigkeit stolperte, der seine Position ausnutzte, um abhängigen, jungen Journalistinnen schamlos Avancen zu machen - durfte sich also bei Servus TV produzieren. Und das beispielsweise neben einer Jule Neigel, die zunehmend abgehoben eine lebensrettende Impfung gegen ein potentiell todbringendes Virus als "Menschenversuch mit angeblich schwersten Impfschäden" verleugnet.

Feine Gesellschaft für Herrn Reichelt, passt ja.

Selbstverständlich wird der Lustmolch und verbale Rabauke mit Hang zum Rechtspopulismus in diesem Forum als Held gefeiert - der im aufopferungsvollen Kampf (gröl!) für die Freiheit der Presse unschuldig diszipliniert wurde.

Der Mann ist Geschichte, und wird nur noch gelegentlich als besonders schrille Stimme auftauchen.

Was allerdings den Cicero bewog, eine Sendung des österreichischen Schwurbelsenders zu besprechen, ist mir ein Rätsel...

Pausenfüller für Anne Will?

Aber auf jeden Fall muss Herr Reichelt was richtig gemacht haben, wenn Sie als Politbarometer in den Äther spiken & kein Strohhalm trocken lassen.
Wenn auch fmp. dieses aufwachen viel, viel zu spät kommt. Aber wie sagte der kleine Lord: "lieber spät als nie".
Aber nicht nur Bild war ja in den letzten 5 Jahren mehr wie verhalten. Keiner wollte ja nicht auffallen oder was falsches äußern, was der Macht missfiel.
Immer schön windschlüpfrig, denn das bringt Punkte in der Karriereleiter.
Nicht wahr ....
Und wenn auch weiterhin hier zwei, drei Schreiber wie die Regierung selbst die Alternativlose Fahne in den Wind hochgehalten wird, Demokratie & Wahrheit sind nur Buchstaben, solange dies nicht wirklich als Gefäß durch Taten gefüllt werden. Durchhalteparolen, Wahrheitsleugner & Möchtegerne gab es schon immer in jeder Epoche.

Auf jeden Fall möchte ich mich persönlich beim ganzen Cicero-Team für ihre unermüdliche Leistungen & Haltung für das Jahr 2021 eines jeden Einzelnen bedanken. DANKE

Enka Hein | Mo, 17. Januar 2022 - 10:19

....ist so etwas wie der BBC 1942 damals.
Wer wissen will was los ist muss den „Feindsender“ hören bzw. sehen.
Ich sehe gerne dort rein, weil neben einem unaufgeregtem Diskussionsleiter, ist die Runde immer ausgewogen.
Dieser Damen und Herren Verblödungszirkus im ÖRR aus D ist der Strom nicht wert der dort verplempert wird.
Bin mal gespannt was Reichelt so plant.
Der musste bei Bild nur über Metooklinge springen, weil man dort gegen ein paar linkspopulistische kreuz und quer gegenderte möchtegern Journalistinchen nicht die Eier in der Hose hatte, dagegen zu stehen. Schade.
Links, Rechts, Mitte...ein Format mit Tiefgang.
Bei uns subsumieren sich die ganzen Quasselrunden von „Willner“ bis „Blaszwerg“
unter dem Titel „Links, Linker, Grünmarxistisch“.
Schmuddel Ede hätte noch was lernen können.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 17. Januar 2022 - 10:30

Meine Frau und ich sind "Abonnenten" von Servus TV. Entweder schauen wir gleich oder später die Talks an und genießen den "Streit" der Meinungen. BILD hat sich am Ende keinen Gefallen getan, Reichelt auf die Weise "entsorgt" zu haben. Als täglicher BILD-Leser des politischen Teils ist deutlich festzustellen, dass kritische Stimmen dort nur noch sehr zaghaft zu lesen sind und auch der BILD-Talk deutlich schwächer geworden ist. Und ja. Ich warte auf sein angekündigtes Format und werde es mir in jedem Fall antun. Nein, ich bin und war nicht immer Reichelts Meinung, aber ich konnte ihm auch bei anderer Sichtweise gut zuhören, weil er inhaltlich argumentierte und nicht nur regierungskonform laberte. Reichelt sollte sich dennoch gut überlegen, ob und wie er sich von einem Sender abhängig macht und letztlich wieder unter Aufsicht gerät. Aber gut, das wird er besser wissen als ich. So.so. Er wird im neuen Format mit vielen Journalistinnen zusammen arbeiten. War das Provokation?

war mit Reichelt ein wahrer Hoffnungsschimmer im gleichgeschalteten Mediensumpf. Wer nur das Widerkäuen der eigenen Überzeugung wollte, für den war es die frühlingshafte aufgehende Sonne, weil er sein Hirn nicht überanstrengen wollte. Wer selbständig Denken gelernt hat, wird nun leider abgestoßen!

gabriele bondzio | Mo, 17. Januar 2022 - 11:12

als das Schwert ( Bulwer-Lytton)

Ein geflügeltes Wort, dem die Federn gerupft worden.
Was bleibt auch, wenn seitens früher, kritischer Presse, nur noch (abgesegneter) Einheitsbrei serviert wird. Da macht schon schon etwas Salz (wie Reichelt) , den geschmacklichen Unterschied.

Das wir nicht in einem System leben, das optimale Bedingungen bietet, wie so oft behauptet. Zeigt ja der Zulauf auf der Straße.

Was bleibt auch, wenn nicht mal mehr die Opposition im „hohen Haus“ funktioniert bzw. einfach in die Ecke gestellt wird. Nicht mal der Schein wird mehr gewahrt.

Was bleibt auch, wenn die letzten Bastionen der persönlichen Freiheit/Unabhängigkeit geschleift werden sollen. Wobei man sich auch im „hohen Haus“ nicht scheut, mit Lug und Betrug zu operieren.

Da bleiben nur noch die Füße auf der Straße.

Hanno Woitek | Mo, 17. Januar 2022 - 11:54

als eine demagogische rechte Politiker-Dreckschleuder, die voll auf den Primitiv-Menschen des Bild-Leser Kerns setzte. Ganz im sinne von Springer selbst, Bönisch, Walden, Kremp und Co.
Und da dieses Blatt, leider immer noch, so wunderschön PornoSchmutz, und Klum-Tittenwelten mit lächerlichen Queen-Geschichten und Politik vermixte - immer noch -trifft sie voll den Kern des verblödeten Teil Deutschlands. Und das will Döpfner auch weiterhin, garantiert Auflage auf Primitiv-Niveau.

Fuer mich war Reichelt ein Korrektiv zur Lobhudelei der Regierungsjournalisten, den Rest von Bild muss man ja nicht lesen. Nach Ihrer Ansicht bin ich ein Primitiv-Mensch, denn ich hatte ca. 1 Jahr ein Abo der Bild wegen Reichelt, nach seinem Abgang sofort gekuendigt. Ihnen rate ich Menschen nicht vorschnell in eine Schublade zu stecken, bin mir sicher, dass viele Primitiv-Menschen darunter sind denen Sie nicht das Wasser reichen koennen.

Konrad Paukner | Mo, 17. Januar 2022 - 12:51

Noch mehr Windräder, noch mehr Photovoltaikanlagen und immer noch keine ausreichende Speichermöglichkeit. Jede Dunkelflaute wird somit zu einem noch immer größeren Problem. Aber was soll's - jeder darf die Fehler die ein anderer schon gemacht hat, selber nochmal machen. Und besonderen Spaß macht es, wenn es nochdazu "Grün" ist.

Gerhard Fiedler | Di, 18. Januar 2022 - 12:20

Es ist eine gute Nachricht und ich freue mich auch darüber, dass demnächst in Deutschland freier Jornalismus mit Reichelts "Plattform" wieder Zuwachs erhalten soll, und CICERO und TE diesbezüglich nicht mehr allein dastehen. Man muss ja nicht alles teilen, was freier Journalismus so hervorbringt, aber frei muss er sein. Nur so kann erreicht werden, dass die verdummende Propaganda der meisten Medien und erst recht die von ZDF und ARD im Sinn unserer Regierung vielleicht damit mehr und mehr ein Ende finden wird. Ja, Herr Konrad, ich beobachte es auch so wie Sie, dass bei BILD kritische Stimmen nun ohne Reichelt nur noch sehr zaghaft zu lesen sind und BILD-Talks deutlich schwächer geworden sind. Das ist sehr schade!

Osvaldo Pugliese | Sa, 22. Januar 2022 - 13:45

" ... und Vorwürfe in einer diffusen und abstrakten und anonymen Weise zu verbreiten, dass man sich dagegen nicht mehr verteidigen kann.“

Tja, da ist er wohl mit dseinen eigenen Mitteln geschlagen worden.