Philosophin über Judith Butler - "Geschlechtsidentität ist eine philosophisch leere Idee"

Sind die Gender Studies erledigt? Die britische Philosophin Kathleen Stock über die Irrtümer Judith Butlers, die Grenzen des Geschlechts und die Einschränkungen akademischer Freiheit durch Politik und Lobbyismus.

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„Wir können nicht über ‚Gender‘ reden und von Judith Butler schweigen“ / dpa

Autoreninfo

Vojin Saša Vukadinović (geboren 1979) ist ein in der Schweiz und Deutschland tätiger Historiker und Geschlechterforscher.

So erreichen Sie Vojin Sasa Vukadinovic:

Frau Professor Stock, wie viele Geschlechter gibt es eigentlich in Großbritannien?
Diese Frage ist heute gar nicht einfach zu beantworten. Was ich aber sagen kann: Vor anderthalb Jahren hat die britische Regierung eine öffentliche Beratung angekündigt, um den sogenannten Gender Recognition Act zu reformieren. Mit ihm werden die Kriterien bestimmt, nach denen jemand seine Geschlechtsidentität verändern kann.

Das ist vermutlich – wie in allen anderen Ländern auch – ein bürokratischer Vorgang.
Ja. Man braucht ein spezielles Dokument, das Gender Recognition Certificate. Man muss laut der bestehenden Regelung zwei Jahre in der bevorzugten Geschlechtsidentität leben und Schreiben von zwei Medizinern beziehungsweise Psychologen vorlegen, die bestätigen, dass man an Geschlechtsdysphorie leidet – dass also die biologischen Geschlechtsmerkmale und die geschlechtliche Selbstwahrnehmung sich unterscheiden. 

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Lisa Werle | Di, 31. März 2020 - 19:20

Es wird höchste Zeit für einen genderkritischen Feminismus. Endlich! Höchste Zeit, den ‚butlerschen Plunder‘ zu entmachten, der allen schadet – auch Transsexuellen. Als dieser Gender-Irrsinn in all seinen absurden Spielarten in den USA schon gang und gäbe war, habe ich gehofft, dass das hier so nie ankommt. Meine amerikanische Freundin sagte mir damals schon: „Oh doch, auch ihr werdet das erleben – und weil ihr Deutsche seid, werdet ihr dabei wahrscheinlich besonders gründlich sein“. Danke für den Artikel, Cicero! Und wer nicht auf das Buch von Professor Stock warten will, dem sei das Buch von Douglas Murray „Wahnsinn der Massen“ empfohlen, u.a. auch zu diesem Thema. Hoffentlich schärft diese Zeit unseren Blick für das wirklich Wichtige. Und gibt uns den Mut für Widerspruch.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 31. März 2020 - 19:23

weiblichen oder männlichen Geschlechtsidentität ausginge, was hätte man dann gewonnen?
Umgekehrt, was mutet man einer Person zu, die sich als Frau fühlt, aber in ein Männergefängnis gesteckt wird?
Sexuelle Übrgriffe, sagen wir so einer Person auf Frauen fällt auch nicht aus dem Rahmen, weil Frauen auch Frauen sexuell belästigen können.
Es gab Foucault, EBEN.
Danach verbieten sich restriktive und gewalttätige Muster in Gefängnissen und anderswo.
Foucault hofft auf neue Bilder, die nicht vom Meer (Gefäss von Tränen) fortgenommen werden.
Er legt sich nicht fest, ich möchte auch niemanden festlegen.
Das Interview ist mir bei allem Respekt zu streitbar, ich kämpfe weder gegen Männer noch gegen Frauen, noch sonstwen.
Solange die Leute sich selbst bestimmen wollen, bleibt Friedfertigkeit hoffentlich gewahrt, beginnen sie, mich bestimmen zu wollen, würde ich mich abwenden.
Mit Philosophie verbinde ich nicht selten Leid und Trauer, immer aber als von mir aus fernes Ziel, Friedfertigkeit.

Robert Zydenbos | Di, 31. März 2020 - 19:58

Als Hochschullehrer möchte ich Frau Kollegin Stock und Cicero dafür loben, dass sie Klartext sprechen und diese leider allzu etablierte Ideologisierung des akademischen Betriebs darstellen als das, was sie ist. Die modische Auffassung von Geschlechtsidentität als etwas rein individuell Wählbares ist widersinnig, nicht nur philosophisch leer, sondern intellektuell und somit gesellschaftlich schädlich. Mir ist auch nicht bekannt, dass 'gender studies' in der butlerschen Form auch nur ein nachhaltiges, fruchtbares, sinnvolles akademisches oder gesellschaftliches Ergebnis hervorgebracht haben. Wir haben hier zu tun mit einer quasireligiösen Dogmatik, die sich einer transparenten, rationalen Kritik nicht öffnet und sich ohne wirklichen Realitätsbezug im eigenen Kreis dreht.

Helmut Bachmann | Di, 31. März 2020 - 23:46

nachvollziehbar, warum dieses interessante und wichtige Interview so schnell "nach unten durchgereicht wird".

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 1. April 2020 - 07:23

sympathische Person.
Dann frage ich mich aber, ob sie auch eine sympathische Philosophin ist.
Scheint so, denn ihr Anliegen ist wohl der Schutz von Frauen, was ich ein bisschen wenig finde.
Männer sind für mich ebenfalls eine schützenswerte Spezies.
Die Geschlechtsidentität wäre philosophisch leer?
Das schreibt jemand nach Heideggers "Identität und Differenz"?
Ich bin keine Materialistin, Materie bringt nicht Geist hervor, es sei denn, diese/r ist ihr innewohnend und Geist bringt nicht Materie hervor, es sei denn, dass ihm/ihr Materie existenziell ist.
Wenn denn Genealogie war, ist und sein wird, dann sollten wir offen bleiben dafür, wie sie sich zeigt.
Aus der Möglichkeit der Vereinigung von Mann und Frau, dürfte es unendlich viele Spezifikationen und warum nicht auch "Fehler" geben?
Wenn ich mich als Frau ANNEHME, so habe ich auch schon mal das Gefühl, einen Mann vor mir zu haben, trotz gegenteiliger Beteuerung, bzw. eine Frau trotz "offensichtlichem" aber evtl. äußerem Bild?
Schwer

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 1. April 2020 - 07:37

freundlich vorbringen, habe ich selten Probleme damit, mich ihrer Argumentation zu öffnen.
So überlegte ich das vielleicht erste Mal geschlechtliche Identität, als ich "Das Leben des Brian" von Monty Python sah, überhaupt Monty Python und bis jetzt kann ich es nicht wirklich beantworten ausser: Ich wünsche Menschen ihren Frieden, solange sie sich indemselben bewegen, friedlich also.

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