Johns-Hopkins-Universität - Auf der Jagd nach den Zahlen

Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) misst, wie kalkulierbar die Corona-Krise ist. Auf Grundlage ihrer Zahlen wird die Situation weltweit eingeordnet. Was steckt hinter der Eliteuniversität aus den Vereinigten Staaten?

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Täglich weitere Fälle, täglich mehr Tote, täglich neue Zahlen /dpa

Autoreninfo

Rixa Rieß hat Germanistik und VWL an der Universität Mannheim studiert und hospitiert derzeit in der Redaktion von CICERO.

 

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Seit Beginn der Pandemie versorgt die Johns-Hopkins-Universität die Öffentlichkeit täglich mit neuen Zahlen zur Corona-Krise. Auch aus der deutschen medialen Berichterstattung sind ihre Daten-Updates nicht mehr wegzudenken.

Die täglichen Zahlen sind oftmals sogar aktueller als die des Robert-Koch-Instituts. Mit dem Ausbruch des Coronavirus hat es sich die Eliteuniversität zur Aufgabe gemacht, die Corona-Daten aus der ganzen Welt und aus unterschiedlichen Quellen zusammenzutragen.

Die schnelle Antwort auf eine medizinische Notlage

Als Antwort auf „den Notfall des öffentlichen Gesundheitswesen“ wollte man die Ausbreitung in Echtzeit „visualisieren und die neuen Fälle nachverfolgen“ können, schrieb Lauren Gardner, Ingenieurin und Gesundheitsexpertin an der JHU, in einem Blogeintrag.

Das JHU Center for Systems Science and Engineering veröffentlichte dafür bereits im Januar eine interaktive Karte, die den Überblick zur Ausbreitung des Sars-CoV2 stetig aktualisiert. Ende März waren täglich über 1,2 Milliarden Besucher auf der Website, um sich über die steigenden Fallzahlen zu informieren. Das verschafft der amerikanischen Bildungsinstitution eine Aufmerksamkeit, die sie auf den ersten Blick gar nicht nötig hätte.

Nach dem Vorbild der Universität Heidelberg

1873 wurde die private Universität nach dem Vorbild der Universität Heidelberg gegründet mit dem Ziel, Lehre und Spitzenforschung zu vereinen. Ein anscheinend erfolgreiches Konzept: Bis dato hat die JHU 39 Nobelpreisträger hervorgebracht, davon 18 für Medizin. Außerdem sind mehr als 26.000 Studenten eingeschrieben. Der gute Ruf, der der Universität im weltweiten Ranking den 12. Platz verschafft, zahlt sich aus. 6,2 Milliarden Dollar standen der Universität durch Privatgelder und staatliche Förderungen 2019 zur Verfügung.

Nicht ohne Grund spielt die Johns-Hopkins-Universität also eine tragende Rolle in der Corona-Krise. Abgesehen davon, dass man die Notwendigkeit einer öffentlichen Übersicht zur Corona-Lage schnell erkannte, gilt die Gesundheitsforschung der Lehrstätte als herausragend. Der Masterstudiengang in „Public Health“ belegte mehrfach den ersten Platz im „U.S. News & World“-Ranking.

Gesundheitsforschung und ein eigenes Krankenhaus

Auch das Johns-Hopkins-Hospital, das an die Universität angegliedert ist, schnitt ähnlich gut ab. In den vergangenen vier Jahren belegte es den dritten Platz und gilt somit als eines der besten Krankenhäuser in den Vereinigen Staaten.

Während man an der Universität derzeit Forschungen zu dem Verhalten des Virus anstellt, haben JHU-Mediziner ein Krankenhaus-Netzwerk zur Untersuchung von Blutplasma genesener Corona-Patienten aufgebaut. Man ist also nicht nur um einen stetigen Informationsfluss, sondern auch Fortschritt bemüht.

Ungenaue Quellen und finanzielle Probleme

An ersterem – der Datensammlung zu den Corona-Fällen – gibt es jedoch immer wieder Kritik. Die großflächige und gleichzeitige kleinteilige Informationssammlung speist sich aus unterschiedlichen Quellen. Die JHU-Wissenschaftler tragen hierfür nicht nur die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation zusammen, die sich aus regionalen und nationalen Gesundheitsministerin und den Medien speist, sondern auch aus deutlich weniger verlässlichen Quellen.

Private Datensammlungen ohne kommerzielles Interesse „finden über Umwege auf das Dashboard der Johns-Hopkins-Universität“. Es ist eine Erklärung für die häufig starke Diskrepanz zu den deutschen Zahlen des Robert-Koch-Instituts, das oft zeitversetzt seine Zahlen veröffentlicht. Doch das disqualifiziert das Johns-Hopkins-Dashboard nicht. Selbst wenn einige Zahlen nicht ganz korrekt sein sollten, so wäre doch das Gesamtbild stimmig, heißt es bei der Tagesschau.

Aber nur weil man versucht die Krise transparenter zu machen, heißt es nicht, dass sie einen verschont. Die Johns-Hopkins-Universität wird gebeutelt aus der Corona-Krise gehen. Mehr als 1.200 Mitarbeiter hatten aufgrund der Corona-Einschränkungen ihre Arbeit einstellen müssen. Das bedeutete Verluste von über 100 Millionen Dollar und – trotz der wichtigen Rolle der Universität in der Krise – dass weitere Stellen gestrichen werden müssen.

Jürgen Keil | Di, 12. Mai 2020 - 10:01

Nun hätte ich doch gedacht, Cicero bringt auch einen sachlichen Beitrag zu dieser "Analyse von Coronaschutzmaßnahmen- Schäden", die ein BMI- Referent unter interdisziplinärer Zuarbeit von externen Fachleuten erstellt hat. Na vielleicht ringt man sich ja noch durch.

Meinen Sie das ordentich mit Fehlern ausgestattete Dokument eines missionarischen Beamten, der gar nicht den Auftrag hatte, ein solches zu erstellen? Und das, was Sie so aufwertend "interdisziplinäre Zusammenarbeit" nennen, war letztlich nicht mehr, als sein "Meinungsdokument" mit den Aussagen von Corona-Gegnern zu bereichern.

Fazit: Ausser als neues "Beweisstück" für Corona-Leugner ist das Machwerk völlig untauglich.

bestens aus. Offensichtlich Sie nun auch Experte für Epidemiologie/Virologie geworden - dann zählen Sie doch mal aus Ihrer Sicht die Fehler des "missionarischen Beamten, der gar nicht den Auftrag hatte" auf. Übrigens unerhört, da gebe ich Ihnen recht. Da erstellt doch ein Beamter auf eigene Faust ein Dokument, ohne den Auftrag dazu zu haben. Ganz schlimm- wo kommen wir da eigentlich hin!

Seehofer hat an dem Papier lediglich moniert, dass der Eindruck erweckt worden sei, "die von dem Beamten mit anderen geteilte private Meinung stelle die Auffassung des Ministeriums dar. "Seehofer beteuerte jedoch, dass es nicht am Inhalt der Analyse gelegen habe (https://www.welt.de/politik/deutschland/article207881023/Innenministeri…). Das Papier kann demnach nicht ordentlich mit Fehlern ausgestattet sein, wie Sie unterstellen. Informieren Sie sich einfach mal.

Alexander Mazurek | Di, 12. Mai 2020 - 10:43

… University spielt bei Covid-19(84) die Rolle, die beim regime change Versuch in Syrien die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spielte. Beide weit weg vom Geschehen, aber nützlich.

Christa Wallau | Di, 12. Mai 2020 - 11:40

Wenn ich hier lese, daß diese - offenbar mit allerneuesten wissenschafts-technischen Möglichkeiten ausgestattete - Elite-Universität
auch von privaten Geldgebern finanziert wird, so
kann mir niemand erzählen, daß diese Leute nicht auf die Forschung Einfluß nehmen - und dies natürlich in i h r e m speziellen Sinne.
Das muß nicht unbedingt negative Auswirkungen haben, bringt aber in jedem Falle eine gewisse
Einseitigkeit mit sich.
Außerdem machen mich die "privaten Datensammlungen" skeptisch, mit denen die JHU
offenbar arbeitet.
Eine undefinierbare Quelle...

Damit möchte ich nicht sagen, daß die Arbeit der JHU nicht wichtig und notwendig ist (zumal es gar keine wirklich unabhängigen Forschungsinstitute mehr auf der Welt gibt!), aber es bleibt dabei: Wir müssen stets hinterfragen, wer von den veröffentlichten Ergebnissen profitiert bzw. sein persönliches "Süppchen" daraus kochen könnte.

Es wäre wirklich von Vorteil, wenn Sie sich über die Gegebenheiten in anderen Ländern informieren würden, b e v o r Sie darüber schreiben und (verschwörerische) Behauptungen in die Welt setzen. Privat-Unis sind in den USA keine Seltenheit. Das liegt u.a. daran: "Die Wettbewerbskultur in den USA ist traditionell stark ausgeprägt. Das liegt zum einen an der großen Zahl tertiärer Bildungseinrichtungen in den USA. Zum anderen hängt es damit zusammen, dass Bildung in den Vereinigten Staaten als Dienstleistung verstanden wird und die Hochschulen selbstständig über ihre Gelder verfügen."
https://www.college-contact.com/usa/hochschullandschaft
Hinzu kommt der Philanthropiesektor, der in den USA ungleich stärker entwickelt ist als hierzulande. Vermögende Amerikaner spenden z. T. sehr viel Geld an Ihre Alma Mater oder andere Einrichtungen, die sie unterstützen möchten. Das hat viel mit Staatsferne, die Sie grundsätzlich doch goutieren, und wenig mit finsteren Absichten zu tun.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 13. Mai 2020 - 10:52

In reply to by Gast

stimme zu.
Prof.Dr. Hendrik Streeck war auch an der Uni?
Ich finde uns nun mal, vermutlich einfach so, einfach nur toll, umso begeisterter bin ich, wenn ich z.B. durch so einen Artikel oder in Person von besagtem Professor die Excellenz woanders erkennen kann.

Ernst-Günther Konrad | Di, 12. Mai 2020 - 11:48

Ich vertraue der JHU mehr, wie dem RKI. Jede Statistik ist nur so gut, wie die Informationen es sind, die das JHU einpflegen und bewerten kann.
Jede Statistik ist nur so aktuell wie der Tag ihrer Erfassung und Meldung. Wenn am Wochenende niemand im deutschen Gesundheitsamt ist, fehlen diese Daten eben und dann wird es ungenau. Das Corona ausgerechnet das weltweit anerkannte Institut lähmt und personell und finanziell beeinträchtigt, läßt mich sprachlos werden. Wenn Pandemie weltweit ausgerufen wird, dann braucht es eine Institution, die alle erforderlichen Daten sammelt, bewertet und verbreitet. Das vermeidet gerade das, was niemand will. Spekulationen und Falschmeldungen.
Es ist Aufgabe der Politik aus den Zahlen und den ggfls. empfohlenen Maßnahmen mit allen möglichen Konsequenzen, wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch ihre eigenen Schlüsse zu ziehen und zu entscheiden. Derzeit besteht der Eindruck, dass Virologen alles entscheiden und die Politik sich hinter ihnen versteckt.

Charlotte Basler | Di, 12. Mai 2020 - 16:25

dass die JHU über aktuellere Daten verfügt als das RKI? Findet das niemand der Verantwortlichen blamabel? Wie kann es sein, dass Gesundheitsämter, die ja jeden aktuellen Fall mit samt seinen Kontakten nachgehen sollen, am Wochenende 2 und mit Feiertagen 3 bis 4 Tage nicht besetzt sind? Wie viele Kontakte von Kontakten der Infizierten können da passieren? Ist das dann noch kontrollierbar oder beschränken sich die Übertragungsgefahren bei Corona immer nur auf Werktage?

Elmar Stollberger | Di, 12. Mai 2020 - 21:52

Der außergewöhnliche Status der Johns Hopkins University ist ohne Nennung ihrer Financiers und deren Interessen nicht hinreichend zu erklären. Recht kritisch hat das etwa der Artikel „,Die USA haben das sicherste Gesundheitssystem der Welt' – Die Johns Hopkins University und das globale Pandemien-Management" der Nachdenkseiten unter die Lupe genommen:

https://www.nachdenkseiten.de/?p=59825

Das ist eine wichtige ergänzende Facette zur sicherlich auch gerechtfertigten Panegyrik dieser Ausnahme-Universität.

ist man ebendort breit aufgestellt, manchmal nicht zimperlich, aber immerhin gibt es Untersuchungen.
USA und Militär kann man evtl. auch in "fast einem Atemzug nennen"?
Danke für den Link
Sind andere Staaten der Welt so ganz anders aufgestellt?
Bedenklich wäre es jedenfalls, wenn in der Bundesrepublik die Excellenz zu wenig Beachtung fände.

ist man eben dort breit aufgestellt, manchmal nicht zimperlich, aber immerhin gibt es Untersuchungen.
USA und Militär kann man evtl. auch in "fast einem Atemzug nennen"?
Danke für den Link
Sind andere Staaten der Welt so ganz anders aufgestellt?
Bedenklich wäre es jedenfalls, wenn in der Bundesrepublik die Excellenz zu wenig Beachtung fände.

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