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Für den Jazzer Erik Leuthäuser klappt es mit der deutschen Sprache einfach am besten / Nils Stelte

Jazzer Erik Leuthäuser im Porträt - Deutsch ist geil

Weltschmerz und Sehnsucht: Der lyrische Jazzer Erik Leuthäuser berührt mit selbst geschriebenen deutschen Texten und autobiografischem Scatgesang.

Autoreninfo

Jens Nordalm leitet die Ressorts Salon und Literaturen bei Cicero.

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Wer viel Raum in sich hat, braucht nicht viel Raum um sich. Die Einzimmerwohnung von Erik Leuthäuser im Berliner Westen ist wirklich klein. Markant im Zimmer sind die Billie-Holiday- und Ella-Fitzgerald-Poster, die vielen CDs und Platten und das rot-orangene E-Piano, das er schon als Kind hatte. In der Begegnung ein ernsthafter, uneitler und ehrlicher Mensch und Künstler. Er zeigt sein Suchen – aber in der Musik nimmt man ihn auch wahr als einen, der gefunden hat: den richtigen Ausdruck und sich selbst.

Wer den 1996 in Freital bei Dresden geborenen und international preisgekrönten Jazzsänger spät entdeckt hat, der hat ihn vielleicht zuerst gehört vor drei Jahren auf dem Sampler zum 50. Geburtstag des legendären deutschen Jazzlabels MPS: Musik Produktion Schwarzwald. Zwischen Oscar Peterson und Monty Alexander diese nie gehörte Tenorstimme – klar und samten, jugendlich und reif, freundlich irgendwie.

Jazz auf Deutsch

Er selbst betont den „Weltschmerz“ und die „Sehnsucht“ in den Jazz-Chansons seines bisherigen Hauptwerks „Wünschen“: „Wenn man mit zwanzig in Berlin all die verschiedenen Türen sieht, die man noch nicht aufgemacht hat, und sich fragt, welche soll ich jetzt aufmachen?“ Solche Geschichten will er erzählen. Er tut es auf Deutsch – ziemlich einzigartig im heutigen Jazz. „Die Frage ist: In welcher Sprache kann ich komplexe Gefühle am besten ausdrücken? In welcher Sprache gibt’s noch nicht so viel, das ich geil finde? Im deutschen Pop finde ich viele Wendungen oft langweilig oder kitschig. Und ich habe eben auch sehr früh mit Musik und mit dem Texteschreiben begonnen und habe einfach auf Deutsch spannendere Wendungen gefunden als auf Englisch.“

Neben eigenen Texten gibt es auf „Wünschen“ auch Lyrik von Mascha Kaléko oder für ihn geschriebene Stücke von Dota Kehr, der Berliner Liedermacherin. Gerade vor Corona hatte er mit Konzerten auf der Bühne der „Bar jeder Vernunft“ begonnen, bei denen er mit dem Material von „Wünschen“ spielte. Als wir darüber sprechen, freut er sich immer noch: „Bei diesen deutschen Texten hängen mir die Leute mehr an den Lippen – und das macht mehr Spaß.“

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Tomas Poth | Di, 23. März 2021 - 16:08

Das ist eine so wunderbare Sprache, vielschichtig, aussagekräftig und detailreich. Leider wird sie derzeit von einigen Gender-Gaga-Aktivisten ruiniert.

Quirin Anders | Di, 23. März 2021 - 16:56

In reply to by Tomas Poth

Allerdings müssen wir bei den Gender-Gaga-Spielchen ja nicht mitmachen.
Lassen Sie uns einfach unsere Sprache so pflegen und damit am Leben erhalten, wie wir sie gelernt haben. Wenn alle, die der Gender-Unfug in unserer Sprache stört, sich selbstbewusst an dieses Rezept halten statt den vermeintlichen Zeitgeist nachzuschwätzen, dann wird der "Ruin" zumindest unserer Sprache noch länger auf sich warten lassen.

Ronald Lehmann | Di, 23. März 2021 - 18:48

In reply to by Tomas Poth

MHD - MINDESTHALTBARKEITSDATUM

Und noch viel lesen, bevor die RESET-TASTE gedrückt wird.

Ja,wir hatten schon Französisch, Russisch, Englisch ....
Alles Vorbilder & dies immer in jeglicher Hinsicht.
... was konmt als nächstes?
Chinesisch?

Robert Müller | Di, 23. März 2021 - 22:47

In reply to by Tomas Poth

Sehe ich nicht so: Ein großes Problem sind die langen Wörter. Wie soll man die singen? Das Englische hat es da deutlich besser.

Ich glaube allerdings, dass das im Deutschen im Prinzip auch anders geht, aber es sehr, sehr schwierig ist, weil man neue Wege gehen muss. Wahrscheinlich sind nur Künstler dazu in der Lage.

Tomas Poth | Mi, 24. März 2021 - 11:51

In reply to by Robert Müller

Schauen Sie mal ins finnische, die kennen auch "Bandwurmwörter" wie wir aus der deutschen Sprache.
Wenn Sie die singen wollen versuchen sie den einzelnen Silben entsprechende Tonwerte zu geben. Geht schon.

Fritz Elvers | Di, 23. März 2021 - 20:53

Muss ich mir merken, bis 2023, wenn die Geschäfte wieder öffnen.
„Denn wär’n wir alle nur ein kleines bisschen verständnisvoller – dann weiß ich, dass alle viel zufriedener wär’n.“
Hä, ok! Brilliant! Goethe hätte es nicht besser sagen können.