Ivanka Trump - Die scheinheilige Schönheit

Die „First Daughter“ Ivanka Trump ist zu einem einflussreichen Faktor in der amerikanischen Politik geworden. Als leuchtendes Vorbild will sie sich für Frauen in der Arbeitswelt einsetzen. Dabei hat sie jedoch nur eine privilegierte Gruppe im Blick, die Mehrheit der Frauen blendet sie aus

Bringt Ivanka Trump wirklich frischen Wind in den Feminismus? / picture alliance

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Hannah Fuchs studiert Philosophie an der Universität Wien. 

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Die älteste Tochter des US-Präsidenten, Ivanka Trump, trifft sich in diesen Wochen mit Delegierten der amerikanischen Regierung, um über Themen wie die Stärkung von Frauen in der Wirtschaft zu sprechen

Immer wieder tritt sie als engagierte Kämpferin für die Rechte von Frauen am Arbeitsplatz ein. Auch das Wort „Feministin“ nimmt sie gerne für sich in Anspruch. Beim Women20 Summit, der Ende April in Berlin zum ersten Mal stattfand, zeigte sich Ivanka Trump als selbstbewusste junge Frau und brachte mit ihrem verspielten Blümchenkleid frischen Wind neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde. So emanzipiert Trump auch wirkt, sie ist dennoch der verlängerte, feminine Arm von US-Präsident Donald Trump. Feminin, ja – aber auch feministisch?

Ein blendender Stern

Wenn US-Präsident Donald Trump und seine Tochter in der Öffentlichkeit auftreten, erinnert das ein wenig an die Konstellation „good cop – bad cop”. Während Donald Trump sich in seiner politischen Karriere bis jetzt ziemlich undiplomatisch verhalten und mit polternder Stimme undifferenziert entweder alles als „absolutely fantastic” oder „stupid” tituliert hat, ist seine Tochter der scheinbare Gegenpol. Ivanka Trump hat, im Gegensatz zu ihrem Vater, ein kontrolliertes, teilweise schon zurückhaltendes Auftreten und spricht mit ruhiger, leiser Stimme. In Interviews lässt sie sich Zeit, überlegt und gibt dann eine selbstsicher wirkende Antwort. Die Tochter des amerikanischen Präsidenten hat relativ schnell, anstelle von Melania Trump, die Rolle der First Lady im Weißen Haus eingenommen und scheint nun die beschwichtigende Stimme der Trump-Familie zu sein.

Die „First Daughter“ ist der glänzende Stern am eher düster wirkenden Himmel von dem ach so „great America”. Die hochgewachsene Blondine modelte in ihrer Jugend, bevor sie eine Karriere als Geschäftsfrau anstrebte und einen Bachelor mit summa cum laude abschloss. Existenzängste quälten die mittlerweile 35-Jährige nie. Nach nur zwei Jahren in einem Immobilienunternehmen stieg sie in die Firma ihres Vaters ein und wurde dessen Vizepräsidentin. Außerdem besitzt sie eine eigene Modefirma und eine Schmucklinie. Aktuell bekleidet sie mit ihrem Ehemann Jared Kushner im Weißen Haus ein Amt als Berater des Präsidenten. Während einige ihrer Altersgenossen, wie Paris Hilton, in ihrer Jugend mit peinlichen Auftritten Schlagzeilen machten, zeigte die junge Trump Zielstrebigkeit und Taktgefühl. Schnell könnte man meinen, das Leben der Ivanka Trump sei perfekt, ein wahres Vorbild, eine Frau, die ihr Leben lang gearbeitet hat und reich an Erfahrung ist. Tritt man jedoch einen Schritt zurück, wird schnell klar, dass der Schein trügt. Ihr strahlendes Lächeln blendet, ja verblendet einen beinahe.

Falscher Feminismus

Auf die Frage hin, ob Trump sich als Feministin sähe, antwortete diese auf dem Women20 Summit, sie setze sich auf alle Fälle für Frauen am Arbeitsplatz ein.

In ihrem aktuellen Buch „Women Who Work“ ermuntert sie Frauen, insbesondere (werdende) Mütter dazu, sich nicht zwischen Karriere und Muttersein zu entscheiden und eine gesunde „Work-Life-Balance” zu schaffen. Doch der Anspruch der dreifachen Mutter Feministin zu sein scheint dabei dubios. Trump schreibt für jene Frauen, die ihr Selbstbewusstsein in der von Männern dominierten Welt schon erlangt haben. Sie schreibt für und aus der Sicht einer weißen, privilegierten Frau. Es wird ein Bild gezeichnet, das sich eher an Smoothie-Manhatten-Yoga-Moms richtet als an schwarze Frauen und sozial schlechter gestellte Minderheiten.

Denn die eigentlichen Schwierigkeiten im Leben hat Trump selbst nicht erleben müssen. Ungleiche Bezahlung, Diskriminierung und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz scheinen Trump – trotz der abfälligen, sexistischen Kommentare ihres Vaters über Frauen – Themen zu sein, die sie nicht sonderlich interessieren.

Während Ivanka Trump mit ihrem Mann eine – zumindest von außen scheinbar – glückliche und funktionierende Ehe führt und nebenbei noch Personal wie Nannys und Chaffeure hat, mühen sich alleinerziehende Mütter damit ab, wie sie Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt bewältigen sollen, ohne dabei eine „schlechte” Mutter zu sein. Die breite Mehrheit der amerikanischen Frauen strebt keine große Karriere an, sondern ist mit einem durchschnittlichen Job und der Kindererziehung mehr als beschäftigt.

Ivanka Trump zielt aber nicht nur innerhalb der USA an dieser Zielgruppe vorbei. Auch im Ausland schenkt sie den Zuständen von Frauen am Arbeitsplatz kaum Beachtung. Die Kleidung ihrer Modefirma lässt sie in China produzieren. Dass Menschen dort unter menschenunwürdigen, prekären Umständen für ihr Überleben arbeiten, scheint sie dabei wenig zu kümmern. Bis jetzt hat sie sich zu diesen Umständen noch nicht wirklich geäußert, geschweige denn um eine Veränderung bemüht.

Feminismus ist unangenehm und unschön

Dabei haben sich viele Leute aus den oberen Schichten und Eliten seit jeher für Unterprivilegierte eingesetzt. Wohlstand allein ist noch kein Grund, unglaubwürdig zu sein. Doch Trumps Scheinheiligkeit dem Feminismus gegenüber macht sich nicht alleine durch ihre Herkunft bemerkbar. Die Themen, die sie anspricht, sind realitätsfern und abgehoben. Von Handlungen ganz zu schweigen. Trump ist eine Schönheitskönigin, wenn es darum geht, wunderschön zu reden, ohne etwas zu sagen.

Zwar inszeniert sich Trump in einer von Männern dominierten Welt als Feministin und findet ermunternde Worte für berufstätige Frauen. Feminismus bedeutet jedoch nicht, sich als hübsche Cheerleaderin auf die richtige Seite zu stellen, um dann das richtige Sprüchlein aufzusagen, zu dem dann möglichst viel Beifall geklatscht werden soll. Sie eckt in der Gesellschaft nicht an, sie stellt sich nicht auf die Seite der Unterprivilegierten, sondern sucht sich die angenehmen und unheiklen Themen aus.

Bloße Fassade

Ivanka Trump versteckt sich nicht hinter einer Fassade, sie ist diese selbst. Eine scheinbar makellose und von sich überzeugte Fassade. Sie steht dort, wo sie gerade zu stehen hat, ohne dabei eine eigene Position zu beziehen und bei dieser auch gegen Widerstände zu bleiben. Und dabei fällt es auch nicht sonderlich auf, dass ihre Worte so weich sind wie ihre Gesichtszüge. Die “First Daughter” ist somit vor allem eins: glatt.