Büste des Komponisten Richard Wagner aus dem Atelier von Arno Breker aus dem Jahr 1986
Büste des Komponisten Richard Wagner aus dem Atelier von Arno Breker aus dem Jahr 1986 / Foto: Jens Gyarmaty

Ist Richard Wagner entnazifizierbar? - Wer mit dem Wolf heult

Die Bayreuther Festspiele feiern 150-jähriges Jubiläum. Doch eine eigentümliche Premiere, ein lautstarker Eklat um Michel Friedman und ein erschütterndes neues Buch stellen eine unangenehme Frage: Ist der Kosmos Wagner überhaupt entnazifizierbar?

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero. Im Verlag zu Klampen erschien von ihm zuletzt das Buch „Homo digitalis. Obdachlose im Cyberspace“.

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„Ich bin’s, der all dies Elend schuf!“ Gut vier Stunden hat es bis zu diesem großen Moment gedauert. Stunden, in denen ein tumber und unwissender Held einen heiligen Schwan erlegt, Zaubermächte besiegt und durch anfängliche Mitleidlosigkeit das Unheil der Handlung selbst immerzu mitverursacht. Und dann endlich, nach all dem großen Theater, der erlösende Moment: Er selbst ist es in all den zurückliegenden Stunden gewesen, der Martyrium und Siechtum, Tod und Niedergang durch seine Unwissenheit mitzuverantworten hat: „Und ich – ich bin’s, der all dies Elend schuf!“

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Johannes Renz | Fr., 14. August 2026 - 18:22

Mich wundert ja immer, warum ausgerechnet Wagner vom allgegenwärtigen Kampf gegen Rechts anscheinend ausgenommen wird. Auf dem grünen Hügel sieht man ja regelmäßig nicht nur Merkel oder Steinmeier, sondern sogar die grüne Ricarda Lang.

schreiben... Bleibt die spannende Frage nach der wahrlichen! Motivation dieser Akteure aus unseren politischen und gesellschaftlichen Eliten... ... 🤔, welche sie nach Bayreuth und zu Wagner zieht? A.H. hat sich dazu ja wenigstens unzweideutig geäußert..., aber Ricarda Lang und Oberstaatspräsident Steinmeier...??

>> Wäre interessant zu wissen... (reine Neugierde! 😉)

Markus Michaelis | Sa., 15. August 2026 - 00:30

Trifft es das wirklich. Ich hoffe, ich lehne mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster. Dass ich damit keine Mehrheiten vertrete, weiß ich ja.

Wagnerbegeisterung der Nazis kann gerne dazu führen weniger Wagner haben zu wollen, aber es ist etwas anderes als eine Nazibegeisterung Wagners. Ein deutsch-kulturelles Überlegenheitsgefühl (und Projekt) hatte zB auch Schönberg - sicher kein Nazi. Sehr kritische Bemerkungen über andere Menschengruppen haben auch viele Critical-Whiteness-Vertreter, manche Antirassisten, ohne dass man sie damit für alles verantwortlich machen sollte, was in Zukunft den kritisierten Gruppen passiert. Wir schimpfen über die "Ossis, Erzgebirgler" (gegen Rechts) - aus unserer Situation heraus, gegen Rassismus, aber wir wollen keine Vernichtungslager.

Sollten wir möglichst viele Menschen des Nazitums zu überführen und Menschsein als potenzielles Abgleiten in Nazitum sehen, an allen Ecken uns mit Nazis beschäftigen? Das ist mir zuviel Nazi überall.

"Das ist mir zuviel Nazi überall." -- ja, das ist ganz konkret das Ergebnis des unseeligen 'Nazi-Keulen-Aufschwungs' der letzten Jahre durch das Linksgrünwoke politische Lager..., bis hinein in die ehem. bürgerlichen SPD und die Union, exakt seit Gründung der AfD - eine klassische Überreaktion die am Ende genau das Gegenteil bewirkt von dem was sie eigentlich erreichen wollten (bzw. zumindest vorgegeben erreichen zu wollen...): der 'Nazi'-Begriff ist inflationär von Linksgrünwoke mißbraucht und völlig verwischt worden - jeder mit AfD-Sympathie oder auch nur -Verständnis ist 'Nazi'..., selbst 'besorgte Bürger'... - und das wird sich wohl auch nicht wieder rückgängig machen lassen..., meiner Einschätzung nach.

>> ist aber Linksgrünwoke scheiß egal!! 🤪

Das sehe ich auch so. Demokratie und allgemein gesellschaftliches Zusammenleben, egal in welcher Staatsform, ist eine schwierige Angelegenheit, mit einer unüberschaubaren Menge an auszutarierenden Gegensätzen. Und das noch dynamisch, d.h. jeder einmal gefundene Kompromiss hat eine kurze Halbwertszeit, dann haben sich Welt und Verhältnisse wieder so geändert, dass alte Kompromisse hohl oder dysfunktional geworden sind.

Wer diese Aufgabe dadurch angehen will, dass er unverhandelbare Menschheitswerte auf der einen Seite gegen Nazis auf der anderen Seite reduziert, fährt das gegen die Wand. Wie unsere Gesellschaft in 30 Jahren aussieht ist sehr offen, mit vielen gegensätzlichen Möglichkeiten.

Wenn "unsere (universellen) Werte" in so einer bunten Welt absolut unverhandelbar sein sollen, alles andere Nazi ist, befürchte ich auch, dass man irgendwann auf diese Art die echten Nazis wieder groß macht.

bereits auch zu spät...?? Nicht zuletzt weil es eben auch auf viele westliche Länder zutrifft, wie Sie neulich richtig bemerkt haben. Da werden 30 Jahre vielleicht garnicht reichen... ...? 🤔

Im Grunde bleibt nur der Versuch 'das Pendel weitestgehend einzufangen und zu stabilisieren', soweit möglich, also vor allem den Extremen entgegenzuwirken. Der allgemeine politische und gesellschaftliche Ausgleich in Form eines großen 'großen Klumpen' um die sog. Mitte, wie bis 2015 vielleicht, kommt wohl erstenmal nicht wieder, denke ich.

Angelika Sehnert | Sa., 15. August 2026 - 09:26

Vielleicht es es ein deutsches Schicksal, das man aushalten und demütig ertragen muss.
Das Dilemma ist nicht auflösbar, auf der einen Seite die Musik, die übrigens weltweit geschätzt wird, auf der anderen Seite die Person Wagners, dessen persönliche Dämonen ihn vom Freiheitskämpfer zum Antisemiten werden ließen. Seine republikanische Einstellung hielt ihn nicht davon ab, sich von LufwigII aushalten zu lassen.
Selten erwähnt wird seine Begeisterung für Heine in der Dresdner Zeit um 1840. Was ihn nur 10 Jahre später in seiner Schrift „Über das Judentum in der Musik“ zum Antisemiten werden ließ wird - trotz seiner kaum überschaubaren Korrespondenz-, wohl im Dunkel bleiben. Am ehesten wird es wohl eine narzisstische Kränkung gewesen sein,die so tief und für ihn so verheerend war, dass er sie geheim hielt, sein, trotz seines ansonsten großen Mitteilungsbedürfnisses.Er war ein Genie und die haben oft dunkle Seiten.Verantwortlich für seine Instrumentalisierung war und ist seine Familie.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 15. August 2026 - 10:15

Was ich aber resümmieren würde, nach den Forschungen zu Wagner und den veröffentlichten SA-/SS-/NSDAP-Akten, obwohl die in Bezug auf Antisemitismus eventuell wenig aussagekräftig sind, aber den Antisemitismus in Deutschland, in Europa und auch sonstwo auf der Welt, sollte man besser ernst nehmen.
Obwohl, das war doch wohl ein schönes Bild, Herr Friedmann und Frau Wagner.
Sobald die ersten jüdischen Verwandten in den Familien willkommen geheissen werden, lösen sich eventuelle Animositäten hoffentlich friedlich auf, siehe dazu die Filme des französischen Komikers Christian Clavier "Monsieur Claude und seine Töchter".

Jens Böhme | Sa., 15. August 2026 - 10:22

Den ganzen Artikel schmunzeln musste. *Rienzi* womöglich auf der Blacklist, weil auf Reichsparteitagen gespielt, Richard Wagner - der Judenfeindeinflüsterer Hitlers in dessen Wiege und Martin Luther als *najainfalscheZeitgeborenerVerirrter* verklärt. Dass Richard Wagner Bombastmusik schrieb, ist kein Makel (moderner Bombast unter z.B. "Two steps from hell" googlebar). Ein Musikfestival mit philosophischen Brainstorming zu langweilen, musste zwangsläufig in Absage mit "Sicherheitsbedenken* münden.

Klaus Funke | Sa., 15. August 2026 - 10:39

Wagners notorischer, hartnäckiger Antisemitismus ist nicht zu erklären, wenn man nicht seinen Charakter einbezieht. Neid und Missgunst durchziehen sein Leben, damit auch Hass und ohnmächtige Wut. In Paris, wo er Operndirektor und Chefdirigent werden wollte, hat man den Juden Meyerbeer vorgezogen und dem die Stelle gegeben. Das war der Anlass für seine, Wagners, berüchtigte Schrift "Das Judentum in der Musik". Sein Schwiegervater Liszt, der auch antisemitische Tendenzen hatte, zog sich von diesem Feld zurück und wurde Priester. Wagners Werke starren von ekelhaftem germanischen Kult - sozusagen dem Gegenpol zu allem "Jüdischem", sie sind schwülstig, voller verklemmter Erotik und für einen feinsinnigen Menschen kaum zu ertragen. Die Nazis, allen voran Adolf Hitler, der in seiner Jugend von Wagners "Rienzi" "erweckt" wurde, sah in Wagner sein künstlerisches Idol und sein eigenes eingebildetes Künstlerspiegelbild. Und diesen Figuren hat man Bayreuth ein Denkmal gesetzt. Pfui, sage ich.

Karl-Heinz Weiß | Sa., 15. August 2026 - 11:47

„Von Bayreuth nach Auschwitz" kann dies Grundlage für eine ernsthafte Diskussion sein ? Wenn ja, müsste man den überbordenden Antisemitismus Martin Luthers anders gewichten. Würde dies an der Bedeutung Luthers für die deutsche, ja die Weltgeschichte etwas ändern ? Für die Evangelische Kirche wäre die Auseinandersetzung mit diesem Thema dringlicher als das Hissen von Regenbogenfahnen.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 15. August 2026 - 12:14

Mir ist es egal, ob und wie Wagner von der Nachwelt eingestuft wird. Wer sind wir eigentlich, dass wir uns erlauben ständig über Menschen aus der Vergangenheit in manchen Fällen unbarmherzig geradezu zu urteilen, ohne sie persönlich gekannt zu haben. Die Nazizeit ist um, ich mag nicht mehr ständig irgendwelche Urteile über Menschen vor oder aus dieser Zeit fabulieren, wer was wie war. Wagner ist tot. Egal wo er sich selbst sah. Seine Musik findet weiterhin Beachtung und wird und wurde immer wieder versucht neu zu interpretieren und zu inszenieren. Jedenfalls sind unsere Politiker Heuchler in allen Phasen ihres Lebens. Und das nicht nur beim Thema Wagner.

Klaus Funke | Sa., 15. August 2026 - 13:02

hr Kommentar wurde in die Warteschlange eingestellt, um von Website-Administratoren geprüft und nach Bestätigung veröffentlicht zu werden. Ich sage dazu auf gut Deutsch: Leckt mich am Arsch!

Thomas Veit | Sa., 15. August 2026 - 16:21

Antwort auf von Klaus Funke

Nase ('Zinken' - lt. Funke) und/oder seine Körpergröße wie schon früher mal hier unsachlich kritisiert...? Könnte das sein..., und daraus dann auf andere Charaktereigenschaften Wagners geschlossen... ...?

KI ist eben doch nicht (ganz so) dumm...! /😉🤣