Auf einem Schild der Demonstranten wird Friedrich Merz in Anlehnung an Franz von Papen karikiert, den Reichskanzler, der Hitlers Machtübernahme begünstigte
Auf einem Schild der Demonstranten wird Friedrich Merz in Anlehnung an Franz von Papen karikiert, den Reichskanzler, der Hitlers Machtübernahme begünstigte / picture alliance / IPON | Stefan Boness

Weimarer Verhältnisse? - „Der Rückgriff auf 1933 scheint mir frivol“

Herrschen in Deutschland bald „Weimarer Verhältnisse“? Im Cicero-Interview erklärt der Schriftsteller Jens Bisky, wie Mythen über die Weimarer Republik unser Denken prägen – und warum historische Analogien oft in die Irre führen.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur.

So erreichen Sie Clemens Traub:

Jens Bisky, geboren 1966 in Leipzig, ist ein deutscher Kulturwissenschaftler, Journalist und Autor. Bekannt wurde er durch seine Bücher zur deutschen Stadt- und Kulturgeschichte. Viele Jahre schrieb er als Feuilletonredakteur für die Süddeutsche Zeitung, bevor er zum Hamburger Institut für Sozialforschung wechselte. Mit Werken wie „Berlin. Biographie einer großen Stadt“ und „Die Entscheidung. Deutschland 1929 bis 1934“ gilt er heute als einer der profiliertesten deutschen Sachbuchautoren.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Markus Michaelis | Do., 4. Dezember 2025 - 18:38

Ich finde den Blick von Herrn Bisky gut: mehr Nachdenklichkeit über Möglichkeiten und Parallelen, aber keine simplen Drei-Sätze-Welterklärungen.

Eine Parallele könnte auch sein, dass sich die Deutschen vor WKI zu sicher waren die Spitze von allem darzustellen. Diese Fallhöhe hat sich dann über 30 Jahre Drama abgebaut. Das Gefährliche heute, aus Sicht dieser Parallele, wäre dann die wieder vorhandene Überzeugung die Spitze der Menschheit und universelle Prinzipien zu vertreten und damit wirtschaftlich wie gesellschaftlich vollkommen unrealistische Aufgaben anzugehen.

Nichts davon sind 100% Erklärungen. Der Artikel betont sehr richtig das notwendige Misstrauen gegenüber den eigenen Gewissheiten.

Stefan | Do., 4. Dezember 2025 - 19:14

1 : 1 wird's wohl nicht werden.
Weimar ist lediglich die Metapher für jenes Rote, welches sich heutzutage wieder anschickt die Barrikaden und Sturmnächte von längst vergangenen Tagen aufleben zu lassen.
Es ist dato nicht die Schiebermütze, die sie sich um gefährlich auszusehen hinters Ohr schieben, es dieser Tage offensichtlich die Regenbogenfahne, die als Deckmantel, für zumindest manchen Krawall Bruder dazu dient, kriminelle Energie konsequenzlos freisetzen zu können.
Gießen spricht da Bände !!!
Misslungene Politik von einer unseligen Koalition tut da ihr übriges.
Und wer ist Schuld ???
Natürlich die AfD !!!
Weimarer Verhältnisse, nein, Diktatur im Gewand einer Demokratie scheint das Ziel zu sein.
Also Leute, preiset den Herrn, das Ende ist nah ...

Urban Will | Do., 4. Dezember 2025 - 21:14

Weg zur Diktatur begann nicht durch seine Ernennung zum Kanzler, sondern ein paar Wochen später mit dem Ermächtigungsgesetz. Erst dann konnte er wie ein Diktator herrschen.
Wichtiger Aspekt dieses Gesetzes: Verbot der politischen Gegner.
Es sind die SPD und die Grünen, welche heute nach dem Verbot der größten Opposition schreien und es ist der Hetzer und Verfassungsfeind in Bellevue, der es am 9.11.25 ganz klar forderte. Für mich war dies der bisherige Tiefpunkt der dt. Geschichte nach 1945.
Wer heute über 1933 faselt und die AfD mit der NSDAP gleichsetzt, ist entweder dumm, weil er plappert ohne Wissen oder er ist ein Hetzer, weil er bewusst Falsches verbreitet.
Kein Satz im Programm und kein Wort von Seiten der Parteifunktionäre lässt darauf schließen, dass die AfD die Demokratie abschaffen möchte.
Derzeit erkenne ich die größten Verfassungs- und Demokratiefeinde dort, wo andere von Wahlen ausgeschlossen werden, wo Verbote gefordert und parlamentarische Grundrechte verweigert werden.

Wenn faschistoide Linke gegen den Faschismus aufmarschieren, wenn laute Minderheiten Demokratie und absolute Wahrheiten für sich allein beanspruchen, um sich für das Verbot Andersdenkender selbst zu legitimieren, darf man besorgt nach dem Wohlergehen der Demokratie fragen. Um den politischen Gegner in einer Demokratie kleinzukriegen, gibt es nur e i n e n Weg: gute Politik statt Ideologie und Klassenkampf.

Danke für diese wertvolle Ergänzung Herr Will. Ich lehne es ab, Menschen in der heutigen Zeit mit den Ungeistern dieser dunklen Zeit zu vergleichen, egal wo die politisch stehen.
Wer das tut, trotz punktueller Ähnlichkeiten relativiert die Verbrechen dieser Zeit. Schönes Wochenende Ihnen und allen im Forum.

Stefan | Do., 4. Dezember 2025 - 21:21

Die bunten Farben scheinen mir frivol.
Es ist, als ob sich die Regenbogengemeinde freiwillig das rosane Dreieck aufklebt.
Die schwulen Männer der Republik profitieren 0 davon.

IngoFrank | Do., 4. Dezember 2025 - 21:30

Unfähigen Regierungen nach Schröder, speziell nach 2015 dem Jahr der „Massenflutung der Sozialsysteme Deutschlands zahlen muss, war und ist dem meisten, damals unter vor gehaltener Hand, bereits klar gewesen,
und wird seit der „Wiedergeburt der GroKo unter einem Unionskanzler immer Klarerer:
Das ist das Volk bzw. deren Mittelschicht. Die die „hart Arbeitenden“ um die Plattitüde der SPD Genossen zu bemühen.
Aus dehnen ist noch mehr als jeden „Zweiten“ herauszupressen. Warten wir die nächsten direkten & indirekten Steuererhöhungen erst einmal ab…..
Der wackelnde Kanzler wird sich der SPD, den SED- Erben, der Grünen Sekte sich aus „staatspolitischer Verantwortung“ schon noch beugen wie er’s bisher immer tat um im Kanzleramt zu bleiben.
Dessen kann die deutsche Bevölkerung mehr als sicher sein……
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik
.

Konstantin Richter | Fr., 5. Dezember 2025 - 06:13

Hier sagt jemand, der von der Süddeutschen kommt und jetzt als "Sozialforscher" arbeitet, "Aber diese Republik braucht Erneuerung." Bemerkenswert. Nur von "Rechts" darf die Erneuerung natürlich nicht kommen. "Links" hat den Laden zwar runtergerockt, aber das hindert diese Brüder selbstverständlich nicht, immer neue Anläufe zu unternehmen um zur Sonne und zur Freiheit zu gelangen. Bei diesem ganzen Sammelsurium linker Parteien, von Parteigründungen und Umbenennungen wird mir ganz schwindelig. Von den Programmen ohnehin. Die Genossen kennen aber wohl das Bonmot nicht:
"Erfolg besteht nicht darin, keine Fehler zu machen, sondern darin, den gleichen Fehler kein zweites Mal zu machen“

Dagmar Lubig | Fr., 5. Dezember 2025 - 22:58

Die Zeit zwischen 1918 und 1929, die war meiner Meinung nach der eigentlicher Grund für das scheitern dieser Republik, 1929 war dieses "Kind" bereits in den "Brunnen gefallen".
Übrigens, die Weltwirtschaftskrise traf auch die Nachbarländer.

Hans Süßenguth-Großmann | Sa., 6. Dezember 2025 - 10:23

mit den quasi-militärischen Parteitruppen, nicht nur SA sondern auch Stahlhelm, Reichsbanner und Rotfrontkämpferbund die damals das Straßenbild geprägt haben, ist schon sehr gewollt und hat mit der Realität nichts AM Hut.
Was mit den frühen 30 Jahren gleich ist, ist die wirtschaftliche Krise und die Belastungen durch Entwicklungen auf die wir keinen Einfluss haben, damals die verschiedenen Ami Pläne und heute der Krieg in der UA. Die Zukunft zeigt in Richtung Wohlstandsverlust und in eine damit sinkende Zustimmung zu den aktuell agierenden Politikern. Die aktuelle Stimmung unterstützt die AfD und diese wird sich nicht leise weinend von der politischen Bühne verabschieden. Man muss mit ihr leben und umgehen, ansonsten können wir gleich die DDR wieder einführen, die war ja auch "demokratisch". Bei mir in der Straße steht, "Faschos ins Lager", will die Antifa dann die Wärter stellen?