- AfD, NSDAP und der Mythos vom rechten Rand
Im heutigen politischen Diskurs wird die AfD häufig in die Nähe der NSDAP gerückt. Doch historisch war der Nationalsozialismus alles andere als eindeutig rechts. Ein Blick zurück stellt Gewissheiten in Frage – und wirft neue auf.
Im Jahr 1924 stellte sich die Frage, wo im Plenarsaal die aus dem Stand auf Fraktionsstärke in den Reichstag eingezogenen Völkischen sitzen sollten. Dies sorgte bis zur konstituierenden Sitzung für Streit. Da die Deutschvölkischen im Wahlkampf kapitalismuskritische Töne angeschlagen und sich als Sozialisten bezeichnet hatten, tendierte der Reichstagspräsident Paul Löbe (1920–1924, 1925–1932) dazu, sie zu den Kommunisten zu setzen. Dagegen allerdings regte sich unter den Völkischen erbitterter Widerstand, da diese es ablehnten, neben einer antinationalen Partei sitzen zu müssen.
Die Idee Löbes, die Völkischen links zu plazieren, war nicht aus der Luft gegriffen. Bei den kurz zuvor abgehaltenen Wahlen in Mecklenburg, Thüringen und Bayern hatten die Völkischen darauf bestanden, nicht als Rechtspartei geführt und plaziert zu werden. In Thüringen wollten sie sogar „am linken Flügel der Bürgerlichen sitzen, also zwischen Demokraten und Sozialdemokraten“. Die Wahrnehmung der Völkischen als links war im Frühjahr 1924 nicht selten, „denn sie haben sich antikapitalistischer gebärdet als die Mittelparteien“.
Der Streit um die Plazierung der NSFP
Als der Reichstagspräsident die Führer aller im Reichstag vertretenen Parteien zu sich bat, um die leidige Frage der Sitzordnung zu klären, bestand der Fraktionsführer der NSFP, Albrecht von Graefe, für seine Fraktion plötzlich auf den Platz ganz rechts außen. Da der Streit mit den Deutschnationalen, die dort saßen und sitzen bleiben wollten, nicht geklärt werden konnte, stimmten alle Fraktionsführer ab, wem der Platz am Rand zugeteilt werden solle. Denkbar knapp (5:4 Stimmen) behaupteten die Deutschnationalen ihre angestammten Sitze. Die NSFP wurde links daneben und rechts von der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) plaziert, die erfolglos gegen die neuen Nachbarn protestierte. In den Sitzungsplänen der Reichstagshandbücher firmierten sie unter dem Kurztitel „Nationalsozialisten“, waren aber hellblau eingefärbt. Die Deutschnationalen waren mit der klassischen Farbe der Konservativen, einem kräftigen Blau, markiert. Erst in der fünften Wahlperiode ab 1930 wurden die Nationalsozialisten braun eingefärbt.
Auch in Bayern versuchten die Völkischen vergeblich, die Plätze auf der äußersten Rechten für sich zu reklamieren. Nach den Landtagswahlen 1924 brachte der Völkische Block (die Tarnorganisation der verbotenen NSDAP) einen Antrag zur Geschäftsordnung ein, um „die Sitze auf der äußersten Rechten dieses Hauses zu bekommen“. Allerdings lehnte die überwältigende Mehrheit des Landtags diesen Vorstoß genauso ab wie acht Jahre später. Auch hier bestanden die Nationalsozialisten, die jetzt wieder als NSDAP im Landtag saßen, auf die Plätze, die traditionell der Bayerischen Volkspartei (BVP) zukamen. Wieder lehnte die Mehrheit der Abgeordneten den Antrag der Nationalsozialisten ab, da „an der Tradition des Hauses, die über 60 Jahre zurückreicht, festgehalten werden soll“.
Der kometenhafte Aufstieg der NSDAP 1930
Auf Reichsebene war die NSDAP 1930 erfolgreicher. Nachdem die Völkischen und die Nationalsozialisten bis 1930 erhebliche Verluste erlitten hatten, erlebte die NSDAP bei den Septemberwahlen 1930 einen kometenhaften Aufstieg. Jetzt wagte sie ich erneut daran, den Deutschnationalen deren traditionelle Sitze ganz rechts zu entreißen. Da die Nationalsozialisten 1928 nicht einmal Fraktionsstärke besessen hatten, hatte sich die DVP, die mit der Entscheidung von 1924 überhaupt nicht einverstanden gewesen war, ihre Plätze links neben der DNVP zurückgeholt. Die Nationalsozialisten mussten zwischen Kleinparteien und DVP sitzen.
1930 kam es wie schon 1924 zu Besprechungen bei Paul Löbe, der die „Platzfrage“ mit Fraktionsvertretern erörterte. Dabei brach Streit zwischen Nationalsozialisten und Deutschnationalen aus. Während DNVP-Mann Oskar Hergt für seine Fraktion vor allem mit der Tradition der Plazierung ganz rechts argumentierte, führte Wilhelm Frick für die Nationalsozialisten an, dass diese „die am weitesten rechts stehende Partei“ seien. Das sahen auch die Vertreter der anderen Fraktionen so und wiesen den Nationalsozialisten den begehrten Platz zu.
Goebbels’ Tagebucheintrag zur Sitzverteilung
Warum wollten die Nationalsozialisten nun rechts außen sitzen, wo sie sich doch in ihrem Selbstverständnis, wie gesehen, dort eher nicht verorteten, sondern den Gegensatz zwischen Rechts und Links überwinden wollten? Bei der Beantwortung dieser Frage ist die räumliche Lage im Reichstag zu beachten. Die Sitze rechts außen lagen der Regierungsbank direkt gegenüber, nur von einem Gang getrennt. Die zugewiesenen Sitze 1930 füllten einen prominent zu sehenden Abschnitt und gingen noch über den Zwischengang hinaus. Während die nationalsozialistischen Abgeordneten zuvor auf Hinterbänken oben saßen, wo sie weder die Redner von dort richtig hören konnten noch selbst vernehmbar waren, war dies auch eine vertikale Aufwertung.
Zudem verdrängte die NSDAP die DNVP von ihren angestammten Plätzen, was auch ein symbolischer Erfolg war. Diese mussten sich nun in der Nähe der bürgerlich angepassten Mitte einreihen, während die Nationalsozialisten ihre Radikalität durch die Außenposition unter Beweis stellen konnten. Da links außen die Kommunisten saßen und sich als Gegenstück verstanden, lag der Platz rechts außen darüber hinaus nahe. Entsprechend notierte Goebbels in sein Tagebuch: „Zum Reichstag mit Frick und Göring. Severing über die Platzverteilung. Wir sind die Matadore. Und bekommen diesmal auch die besten Plätze.“ Diese lagen eben vorne, gegenüber der Regierung – und rechts.
Zu bedenken ist auch der akademische Beamtenhintergrund des in dieser Sache das Wort führenden Nationalsozialisten Wilhelm Frick. Dieser war promovierter Jurist und im bayerischen Staatsdienst beschäftigt, zunächst bei der Polizei, später im Oberversicherungsamt. Eine Plazierung rechts war ihm sicher plausibler als anderenorts, wenn man nun einmal eine Sitzordnung im klassischen Schema akzeptieren musste. Im Reichstag beziehungsweise ab 1938 im „Großdeutschen Reichstag“ war diese Ordnung dann tatsächlich aufgehoben. Es handelte sich bei dieser Einrichtung aber auch nicht mehr um ein echtes Parlament, sondern um eine Akklamationsversammlung.
Die ideologischen Wurzeln des Nationalsozialismus
Wie sieht es nun in analytischer Hinsicht aus? Sebastian Haffner hat in seinen „Anmerkungen zu Hitler“ festgestellt, von der konservativen Opposition aus gesehen, habe Hitler links gestanden. Und weiter: „Hitler ist keineswegs so leicht als extrem rechts im politischen Spektrum einzuordnen, wie viele Leute heute zu tun gewohnt sind.“ Hitler habe näher bei Stalin als bei Mussolini gestanden. Der amerikanische Politikwissenschaftler Seymour Martin Lipset brachte die revolutionäre Bewegung des Nationalsozialismus in einen Gegensatz zu von ihm als rechtsextrem gekennzeichneten Bewegungen wie derjenigen von Horthy in Ungarn, Salazar in Portugal oder Dollfuß in Österreich: „Die Rechtsextremisten sind konservativ und nicht revolutionär.“
Das Egalitätsversprechen für die „Volksgenossen“, die Kontrolle der Ökonomie, die Feindschaft gegen die habsburgische wie die preußische Monarchie, gegen die traditionellen Eliten, gegen das Bürgertum und die Kirche, der Antikapitalismus, die Glorifizierung des Arbeitertypus, der starke Zustrom von linken und kommunistischen Organisationen wie dem Rotfrontkämpferbund, die soziale Aufwärtsmobilisierung und die Sozialpolitik – das alles spricht einerseits dafür, Hitler und den Nationalsozialismus nicht auf der Rechten einzuordnen. Andererseits sprechen sein Nationalismus und Rassismus, der freilich auch links zu findende radikale Antisemitismus, der Antimarxismus und Antibolschewismus – obschon nicht das Zentrum von Hitlers Ideologie –, das Fortbestehen von Privateigentum und marktwirtschaftlichem Konkurrenzprinzip, sein taktisches Bündnis mit den Konservativen und der Industrie gegen eine Verortung auf der Linken, sofern man darunter zumindest die Übernahme der Grundprinzipien der Französischen Revolution und des Sozialismus versteht.
Hitler war ein Produkt der Moderne und kein reaktionärer Antimodernist. Er bediente zeitgenössische Erwartungen von Rechts und Links. Das machte ihn so erfolgreich. Sein Radikalismus schöpfte habituell und inhaltlich aus beiden Lagern. Die Idee, auf einer Achse den Weg rechts von der Mitte über die Konservativen und Rechten zu Hitler und den Nationalsozialisten führen zu lassen, ist unterkomplex und anachronistisch.
Faschismus zwischen Rechts und Links – Ein transnationaler Vergleich
Aufschlussreich ist der Vergleich mit Herkunft und Zusammensetzung anderer faschistischer Bewegungen. In einer Aufsehen erregenden und viel debattierten Studie mit dem sprechenden Titel „Ni droite, ni gauche“ hat der israelische Historiker Zeev Sternhell, selbst weit links stehend, die linken sozialistischen und syndikalistischen Wurzeln des französischen Faschismus herausgearbeitet, die dann mit dem Nationalismus und Antimaterialismus zu einer revolutionären Bewegung fusionierten. Sternhell hat damit den faschistischen Anspruch, „weder rechts noch links“ zu sein, ernst genommen.
Der Führer der italienischen Faschisten Benito Mussolini entstammte bekanntlich selbst der Sozialistischen Partei Italiens (des Partito Socialista Italiano, PSI), hatte syndikalistische Autoren gelesen und rebellierte gegen die etablierte Ordnung. Der Bruch mit dem PSI war seinem interventionistischen, gegen Deutschland gerichteten Kriegskurs geschuldet. In ihrer ideologischen Vieldeutigkeit und ihren rechten wie linken Wurzeln und vor allem im Anspruch, den Rechts-links-Gegensatz in einer neuen Gemeinschaft aufzuheben, sind sich die faschistischen Bewegungen der Zwischenkriegszeit tatsächlich nahe und rechtfertigen insofern den generischen Faschismusbegriff.
Parallelen gibt es auch zum Peronismus in Argentinien, dessen Einordnung bis heute umstritten ist, und dem Movimiento Nacional-Socialista de Chile (MNS), das nach dem gescheiterten Putschversuch von 1938 die linke Volksfront unterstützte. Auch intellektuelle, transnational anzutreffende Phänomene wie die „Konservative Revolution“ dieser Zeit zeigen ideologische Nähe zwischen Rechts und Links, Austauschverhältnisse und Suche nach Zukunftskonzepten, welche die weltanschauliche Polarität aufheben. Bereits die „Ideen von 1914“ und der nationale Sozialismus des Ersten Weltkriegs stellten Versuche der Integration dar, bis sie von einer noch schärferen weltanschaulichen Polarisierung überholt wurden.
Defensiver Nationalismus statt eliminatorischer Antisemitismus
Mit Blick auf die gegenwärtige politische Lage fallen die Unterschiede zwischen den heutigen rechten Parteien und nationalsozialistischen und faschistischen Bewegungen auf. Während jene einen defensiven Nationalismus gegen die arabisch-islamische Migration ins Feld führen, verfochten die Nationalsozialisten einen eliminatorischen Antisemitismus, eine Zusammenarbeit mit islamischen Befreiungsbewegungen und einen offensiven Imperialismus, der sich im Lebensraumprogramm verdichtete. Während die Nationalsozialisten vor der „Machtergreifung“ auf proletarischen Straßenterror und nach dem Machtantritt auf staatlichen Terror setzten und sie sich wie auch der italienische Faschismus auf gewalttätige Parteiarmeen stützten (SA, Squadrismus), setzen die heutigen Rechtsparteien auf medial distribuierten Populismus und klassisches „Law and Order“.
Sie haben häufig starke Führungsfiguren, aber auch einen ausgebauten und mächtigen bürokratischen, teilweise föderal strukturierten Apparat. Von Führerparteien und dem Durchsetzen des Führerprinzips kann man im eigentlichen Sinne nicht sprechen, es gibt auch zahlreiche Führungswechsel, welche diese Parteien überstehen (so in der AfD oder im Rassemblement National, der sich zudem umbenannt hat), und sogar einen Wechsel der hegemonialen Parteien dieser Richtung wie in Italien; alles undenkbar für den historischen Nationalsozialismus und Faschismus. Bei den damaligen rechten Parteien war der Gegensatz insbesondere zum Nationalsozialismus in der Haltung zur Monarchie, zum Adel, zur Kirche, zur hierarchischen Gesellschaft und zum Primat eines unpolitisch und neutral gedachten Staates gegenüber einem Primat von Partei und Weltanschauung erkennbar. Hinzu kam die konservative Angst vor der Massenmobilisierung der Arbeiterschaft und jeder Form des Sozialismus.
Was hat es mit der Hufeisentheorie auf sich?
Trifft dann also die Hufeisentheorie für die Zeit des „Europäischen Bürgerkriegs“ (Ernst Nolte) zu, nach der die Extreme parallel im gleichen Abstand von der Mitte lokalisiert sind? Gilt gar: „Les extrêmes se touchent“? Die Theorie geht zurück auf den sowjetischen Handelsdelegierten in Berlin, Volker Knopp, mit dem man im Frühjahr 1922 beratschlagte, ob als neuer deutscher Botschafter in Moskau ein republikanischer Parlamentarier oder ein konservativer Berufsdiplomat entsandt werden solle. Knopp nahm ein elastisches Stahl-Lineal und bog die Enden zusammen. Ohne viel Druck kämen die Bolschewisten und Rechten schnell zusammen, mit den Mehrheitssozialdemokraten und liberalen Demokraten könne man aber nicht. Also bat er um einen Berufsdiplomaten, und so wurde Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau nach Moskau geschickt.
Habituell und programmatisch spricht einiges für die Hufeisentheorie. Allerdings bleiben auch starke Gegensätze zwischen den Extremen, und nicht zuletzt ziehen sie ihre politische Kraft aus der gegenseitigen Feindschaft. Die zwei- oder mehrdimensionalen Diagramme, wie sie die Politikwissenschaft zur politischen Verortung gerne verwendet, etwa das Nolan-Diagramm und zahlreiche ähnliche, fangen dagegen die Nähe der Extreme unzureichend ein. In jedem Fall konnte das Rechts-links-Schema auch durch den Nationalsozialismus, der es transzendieren und überwinden wollte, nicht außer Kraft gesetzt werden, und es ist bis heute erhalten geblieben. Die Rechts-links-Unterscheidung war selbst stärker als diese gewaltige und gewalttätige totalitäre Bewegung und überlebte deren Zerstörung!

Peter Hoeres: Rechts und links. Zu Klampen, Springe 2025. 216 S., 24 €
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Ich würde daraus den Schluss ziehen, dass es nicht so einfach ist zu sagen, wir haben jetzt aus unserer Geschichte DIE politischen Gefahren verstanden, weil alles immer gleich wäre, und dieselben Gefahren immer wieder neu kämen.
So wie Hitler sich in seiner Zeit bei allem bedient hatte, was ihm nützlich war, und die Leute daneben lagen, die Hitler nur daraufhin abklopften, ob er nun ein Bollwerk gegen den Sowjetkommunismus ist oder nicht und andere damals bekannte Dinge, so greift es heute womöglich auch zu kurz, die Politik nur nach der Frage verstehen zu wollen, ob die Nazis wiederkommen oder nicht.
... jedenfalls nicht so wie damals.
Wenn ich richtig gelesen habe, bedienten sich Hitler und Co. jeweils rechts und links im Spektrum der damaligen politischen Meinung der Bevölkerung.
Und das genau trifft heutzutage eher auf das linke Spektrum mit seinem verlängerten Arm, der Antifa zu.
Kompromisslos und Totalitär halt.
Das Braun von damals, ist offensichtlich das bunte Meinungsdiktat von heute.
Ich persönlich jedenfalls nehme das so wahr.
Mir gefällt das Bild vieler Städte in unserem Land eben so wenig. Besonders das Bild, was die Hauptstadt Berlin abgibt: Die Hamas und viele ihrer Sympathisanten aus der linken Szene verbreiten dort unbehelligt Judenhass und machen Antisemitismus wieder salonfähig. Ich finde das abscheulich. Gegen diese Linke muss es eine entschiedene Brandmauer geben Leider ist wohl auch Bundeskanzler Merz auf dem linken Auge blind? Wenn er genau hinschauen würde, könnte er erkennen, dass der Antisemitismus in der Linken tief verankert ist, was nicht wundert: denn die Ikone der Linken – Karl Marx – war ein ausgesprochener Judenhasser. Passagen von Karl Marx über Juden lesen sich wie Texte von hitlergetreuen Nazis: "Welches ist der weltliche Grund des Judenthums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld. ... Selbst das Weib wird verschachert" (aus NTV, Von Wolfram Weimer)
ist das heutige Rot: Kommunisten sind rotzlackierte Nazis! Die ticken so - sie benehmen sich so - sie lügen genau so!
Parallelen zu damals zu suchen um zwecks eines 'Erkenntnisgewinns' eine Schablone zu finden, sie man/Frau über die heutigen Entwicklungen legen zu können.
Der erhoffte 'Erkenntnisgewinn' bleibt dann aber zwangsläufig aus..., und führt eher zu Verirrungen >> linkes AfD-Faschismussyndrom z.B., denn Geschichte wiederholt sich eben NICHT... 🤔
>> So lese ich auch den gesamten Text des Professors...!? (am Küchentisch 😉)
zum Zeitpunkt des Entstehens der NSDAP war eine völlig andere als heute, geprägt durch die Folgen des verlorenen Krieges. NSDAP und heute AfD leben dennoch von den ungelösten Problemen. Probleme, die Weimarer Republik nicht lösen konnte und die die CDU heute mit dem Bremsklötze SPD wohl auch nicht lösen wird. Wenn sie es im Alleingang schaffen würde, könnte die AfD tatsächlich halbiert werden. Aber das Gegenteil ist eingetreten, weil Menschen wollen, dass Probleme nicht geleugnet, sondern gelöst werden.
Der Faschismus war weder links noch rechts. Mussolini ging einen Weg, irgendwo zwischendurch, mal so, mal so. Heute wenig bekannt, dass das Erstarken der italienischen Mafia in den USA allein durch Verbot der Mafia und deren Verfolgung durch Mussolinis Fascista in den 1920er Jahren der Auslöser war. Die Judenverfolgung spielte bis Anfang der 1940er Jahre in Italien gar keine Rolle. Die Kriegswirtschaft Italiens war irgendwo bei ca. zwanzig oder weniger Prozent. Italien war nie ein homogener faschistischer Staat, 1943 setzte der faschistische Rat Mussolini ab. Die sowjetische Kriegsproduktion vor 1941 war mickrig und innovativ blass, siehe erbärmlicher Finnlandfeldzug 1939/40 (genehmigt im deutsch-sowjetischen Zusatzprotokoll Ribbentrop-Molotow). Die Frage, ob Faschismus links oder rechts sei, führt bei moderner Lösungsfindung zu nichts - nein, es hemmt jedwede Lösung.
Parteiprogramme sind immer mehrdimensional. Es bringt deshalb wenig Erkenntniszuwachs eine Partei wie die AfD auf einer eindimensionalen rechts-links Skala einzuordnen.
Historische Vergleiche mit ähnlichen Fällen können unterhaltsam sein, helfen aber kaum, das Phänomen AfD zu verstehen.
Man kommt auch bei der AfD nicht umhin, das Parteiprogramm selbst zu analysieren. Die Ablehnung der EU-Einwanderungspolitik kann man auf der politischen Skala ebenso wie nationalistisches Gedankengut "rechts" verordnen. Im Bereich der Wirtschafts-, Umwelt-, und Identitätspolitik ist der Übergang zu linken Positionen fließend. Auch die geringe Begeisterung für die Prinzipien einer freiheitlich demokratischen Grundordnung dürfte die AfD mit linksextremen Parteien gemeinsam haben.
Wirtschaftssystems …“ Dieses Zitiat von Goebbels aus „Der Angriff“, einem NSDAP-Blatt, zeigt zumindest, dass die Behauptung, diese Partei sei rein rechts gewesen, nicht ganz stimmen kann.
Des weiteren sollte man doch einfach mal die Parteiprogramme vergleichen und schauen, ob es auch nur in Ansätzen Übereinstimmungen gibt. Das der NSDAP bestand aus 25 Punkten und einige davon (Abschaffung von Zins- und Kapitalerträgen, Verstaatlichung großer Unternehmen) findet man heute eher bei den Linken.
Ich kenne das AfD-Programm nicht im Detail, aber wer auch nur in Ansätzen dort Übereinstimmungen mit dem der Nazis findet, sollte dies doch einfach mal aufzählen.
Weiterhin: der unangefochtene Chef der Partei machte lange vor seiner Kanzlerernennung nie einen Hehl daraus, dass er die Demokratie und den Parlamentarismus verachtete.
Wo bitteschön hat man das von einem der AfD-Chefs je gehört?
Diese Gleichsetzung ist ein billiges Mittel der Linksgrünwoken in Politik und Medien. Futter für die Dummen.
Manches noch erinnert, manches nicht gewusst, manches infolge Indoktrination falsch gedacht. Bei dem Thema fällt mir eines immer wieder sofort ein. Die Hitlerschergen nannten sich N a t i o n a l s o z i a l i s t en. Im zweiten Teil des Wortes kann man eigentlich klar und unverkennbar erkennen, wessen politische Geisteskinder, die waren. Und nichts, aber auch gar nichts muss sich die AFD und ihre Mitglieder und Wähler vorhalten lassen. Selbst ein provozierender Höcke wäre in einer NSDAP allenfalls als Mitläufer geduldet worden, würde man auch nur annehmen, er würde gedanklich diesen Verbrechern anhängen. Ich selbst lehne es ab, ständig gegenüber anderen die Nazikeule zu schwingen und irgendwelche Vergleiche mit einem dieser Verbrecher zu ziehen. Die waren als Menschen und Monster einzigartig und das sollten sie bleiben. Und während ich am Anfang noch ein mulmiges Gefühl hatte, wenn mich jemand als rechts bezeichnete, so lässt mich das inzwischen kalt. Ich weiß, wer und was ich bin.
wie mich... - Danke! Das Buch werde ich mir holen... 😉
PS: gerne auch 'Durchschnitts[ein]gebildeten' - seien wir ehrlich... ... - bezogen auf politisch-historisches Wissen...
... würde mein 15-jähriger Enkel zu Ihrem Sich-ehrlichmachen sagen.
Und mir fällt da spontan der alte Werbespruch einer Getränkemarke der Siebziger in Verbindung mit Filmchen von durchgeknallten Hippietypen m/w/d beim Partyfeiern ein: "Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?"
Gegen das Sich-was-einbilden auf die eigene Meinung und das eigene Wissen ist man - eben ehrlich gesagt - nur schwer gefeit. Am drastischsten fällt mir dieser Dünkel aber bei den Extremisten aller Couleur auf, und am ärger- wie lächerlichsten finde ich persönlich ihn bei vielen Linken und Grünen: die sehen sich ja - paradoxer Weise! - immer auf der rechten Seite! :-)
