Heimat-Debatte - Deutschland, peinlich Vaterland?

Mit Heimat assoziieren viele immer noch Gartenzwerge, Lodenmäntel und Vertreibung. Dabei steht der Begriff doch auch für Werte, die unser demokratisches Selbstverständnis ausmachen. Die Begegnung mit Flüchtlingen gibt uns Gelegenheit, ihn von seinem historischen Muff zu befreien

Gartenzwerge
Der Gartenzwerg gilt immer noch als Vorbote der Spießerhölle / picture alliance

Autoreninfo

Reinhard Mohr (*1955) ist Publizist und lebt in Berlin. Vor Kurzem erschien sein Buch „Deutschland zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung. Warum es keine Mitte mehr gibt“ (Europa Verlag, München).

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Die politische Diskussion in Deutschland leidet unter einer eklatanten intellektuellen wie sprachlichen Schwäche. Vor allem bei jenem Thema, das seit bald drei Jahren das Land aufwühlt, herrscht eine geradezu abenteuerliche Gedankenarmut, die sich in phrasengesättigten öffentlichen Hohlräumen ausbreitet.
„Bunt“ wird gegen „braun“ in Stellung gebracht, grenzenlose „Weltoffenheit“ gegen bornierten „Nationalismus“. Dem äußerst bescheidenen Niveau dieser Auseinandersetzung entspricht der Drei- bis Fünfwort-Satz. Die berühmtesten lauten „Wir schaffen das“ und „Der Islam gehört zu Deutschland“.

Vor allem die legendäre Äußerung eines ehemaligen Bundespräsidenten von mittelmäßiger Begabung ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine vermeintlich mutige Feststellung so gedankenlos und politisch dumm sein kann, dass selbst das Gegenteil, ihre Verneinung, noch falsch und unzutreffend ist. Die Auseinandersetzung um derartige Glaubensbekenntnisse der schlichten Denkungsart dreht sich notwendig im Kreis, und man erinnert sich dankbar an Sepp Herberger, dessen Satz „Der Ball ist rund“ eine geradezu aufregende philosophische Tiefe aufweist.

Geprägt vom Heimatfilm                              

Zu den Wörtern, die wie Backförmchen kreuz und quer durch den politischen Sandkasten fliegen und die üblichen Reiz-Reaktionsschemata auslösen, gehört „Heimat“. Auch wenn Edgar Reitz‘ gleichnamige Filmtrilogie vor Jahrzehnten eine kleine Bresche schlug und wir nun sogar einen „Heimatminister“ namens Horst Seehofer haben, über den sich die „Heute-Show“ gratiskomisch lustig machen kann: Seit 1945 war das Wort Teil eines toxischen Vokabulars, ein zumindest anachronistischer, in den Augen großer Teile der Öffentlichkeit reaktionärer, ja gefährlicher Begriff. Schon deshalb galten Heimatvertriebene – ganz im Gegensatz zu den Flüchtlingen von heute – als Fußtruppen revanchistischer, neonazistischer Machenschaften.

Der berüchtigte deutsche Heimatfilm der fünfziger Jahre hat eine ganze Generation schon rein ästhetisch auf die Barrikaden und ins innere Exil getrieben– doch auch die Verdrängungsfunktion des Heile-Welt-Kinos war offensichtlich. „Heimat“ wurde so zum Antipoden jeder ernsthaften Bemühung um Vergangenheitsbewältigung, Aufklärung, Fortschritt und Zukunft.

Gartenzwerge und Lodenmäntel

Die Rede von der Heimat atmete den Nazi-Geist von „Blut und Boden“, dunkelbrauner Ackerscholle und Jägerzaun, hinter dem sich eine ganze Armada von Gartenzwergen verschanzte. Das Zigeunerschnitzel im „Goldenen Hirschen“, dem ein oder zwei „Jägermeister“ zu folgen hatten, komplettierte das Bild der Heimat, zu der der Lodenmantel genauso gehörte wie der sonntägliche Kirchgang und das örtliche Schützenfest, für das der Metzgermeister stets 500 Grillwürste beisteuerte.

Das alles war ein Graus, eine protofaschistische Spießer-Vorhölle, die in den siebziger Jahren die damals 18-25-Jährigen massenhaft in die Flucht trieb – in Richtung Berlin, München, Frankfurt, Köln und Hamburg. Parole: Deutschland peinlich Vaterland.

Mit politisch aufgeladener Inbrunst reiste man nach Frankreich und Italien, beschäftigte sich mit dem Spanischen Bürgerkrieg, half portugiesischen Olivenbauern bei der Ernte, aß Pasta statt Birkel-Eiernudeln, Baguette statt Schwarzbrot und trank Grappa statt Korn. Traf man im Ausland auf deutsche Touristen, dann schämte man sich. Um nicht als „Landsmann“ erkannt zu werden, bemühte man sich um das Erlernen möglichst mehrerer Fremdsprachen. Die Zahl der Italienisch-Kurse explodierte, vorzugsweise im Verbund mit einem mehrwöchigen Strandaufenthalt bei Cinque Terre.

Die Innenausstattung der Wohngemeinschaften war das genaue Gegenteil des patriarchalischen Familienheims: Orangenkisten statt Gelsenkirchener Barock, Matratzen statt Eichenholzbett mit Wandleselampe in Tulpenform. Bloß keine falsche Gemütlichkeit. Auch der bürgerliche Sauberkeitsfimmel wurde nachhaltig bekämpft – vor allem durch kreatives Nichtstun. Der ominöse Putzplan stand meist nur auf dem Papier. Wirklich zuhause war man in der Welt draußen.

Die linke Szene als Ersatzheimat

Von nun an ging es um Gesellschaft statt Dorfgemeinschaft, um Emanzipation und Autonomie, Vietnam, Orgasmusschwierigkeiten und Weltrevolution. Sauerbraten, Lederhosen und Christmette gehörten zu einer anderen Galaxie. Man suchte eine neue Heimat in fremden Kulturen. Dabei reiste man bis nach Afghanistan und Indien.

Die oberschlesischen Heimatvertriebenen und die Sudetendeutschen trafen sich derweil immer noch jedes Jahr an Pfingsten, und der deutsche Schlager war einfach nicht totzukriegen. Dafür dröhnten die Boxen in den Wohngemeinschaften umso lauter. „Light my Fire“. Derweil zog der Jasmintee auf dem Stövchen, der Ölofen bollerte vor sich hin, und gleich tagte die Stadtteilgruppe.

Während die WG zur Ersatzfamilie wurde, entwickelte sich die linke Szene, ohne dass es irgendjemand bewusst war, zu einer Ersatzheimat, die schnell tiefe Wurzeln in die aufgewühlten Seelen schlug. Ein Netz aus Alternativläden, politischen Gruppen und linken Kneipen bildete das neue Dorf, Zentrum der gemeinsamen Sehnsüchte und Utopien – die emotionale Matrix der zweiten Heimat. Männer, pardon: Genossen, begrüßten sich mit fahrigen Umarmungen ersatzweise kleinen Boxschlägen an die Schulter, bei Frauen dauerte es ein wenig länger, und es war meist zärtlicher, weniger verklemmt.

Doch so sehr man ständig mit der Revolution beschäftigt war, die gerade keine Heimat kennt, so stark war die Identifikation mit den lokalen Gegebenheiten des revolutionären Kampfes. Nicht nur bei Hausbesetzungen offenbarte sich ein ganz eigener Lokalpatriotismus von links, die Verteidigung von Revieren und Reservaten, die Bindung an die alternative Scholle diesseits des Horizonts, und sei es die Landkommune im Vogelsberg oder die „Republik Freies Wendland“. „Ihr kriegt uns hier nicht raus! Das ist unser Haus!“ sang Rio Reiser mit „Ton, Steine, Scherben“ durchaus besitzerstolz im berühmten „Rauchhaus-Song“.

Bochum, ich häng an Dir!

Das intensiv durchlebte Drama der Selbst- und Weltveränderung brauchte nicht nur symbolische Orte, sondern auch Rückzugsgebiete, in denen man sich wohl und verstanden, „zu Hause“ fühlte, wo es Sicherheit und Geborgenheit. Eh voilà.

Selbstverständlich wäre niemand etwa in der Frankfurter Sponti-Szene auf die Idee gekommen, das linksradikale Milieu als „Heimat“ zu bezeichnen, in der laut Ernst Bloch ja sowieso noch niemand wirklich war. Doch heute, mehr als 40 Jahre später, empfindet jeder, der Teil dieser Szene war, zuweilen ungeahnte Heimatgefühle samt sporadischer Wehmutsanfälle quer durch Raum und Zeit, die es mühelos mit Herbert Grönemeyers transzendenter Bochum-Liebe aufnehmen können.

Es gehört zu den Absurditäten der politischen Debatte unserer Tage, dass Asylbewerber, Migranten, Schutzsuchende, Flüchtlinge oder Geflüchtete ihre Heimat verlassen, um sich bei uns in Sicherheit zu bringen, hierzulande aber angeblich nur auf hochgestimmtes Weltethos und das Asylbewerberleistungsgesetz treffen sollen, doch bei Gott nicht auf Menschen, die Deutschland, Bayern, das Allgäu, Amrum oder Kyritz an der Knatter ihre Heimat nennen und sie so lieben wie Syrer, Iraker und Afghanen die ihre.

Dabei läuft gerade diese bigotte Selbstverleugnung dem wohlverstandenen Interesse an gelungener Integration diametral zuwider: Wo hinein sollen denn Menschen aus Afrika integriert werden, wenn die aufnehmende Gesellschaft selbst nicht weiß, was sie ist, woher sie kommt und was sie will? Was sie prägt, besonders macht, erfolgreich, liebenswert und attraktiv.

Heimatbindung wird nur Fremden zugesprochen

Die ganze Welt weiß, was „typisch deutsch“ ist. Die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung weiß es bis heute nicht. Routiniert wird auf das Grundgesetz von 1949 verwiesen, von dem allerdings kaum ein Migrant je gehört haben, geschweige denn, es gelesen und verstanden haben wird. Dennoch: Mehr als ein geschichtsloser, abstrakter „Verfassungspatriotismus“ à la Habermas ist nicht im Angebot des malstift-„Bunten Deutschland“. Denn das ausdrücklich Eigene – die in Jahrhunderten gewachsene Kultur, Traditionen, Alltagsgewohnheiten – grenze die anderen aus, sei diskriminierend, ethnozentristisch, schlimmstenfalls rassistisch. Identität, kulturelle Prägung und Heimatbindung wird nur den Fremden zugesprochen, so die Reflexe eines immer noch großen Teils der politisch-kulturellen Öffentlichkeit. 

Inzwischen jedoch dringt die Wirklichkeit „draußen im Lande“ mehr und mehr in die realitätsblinden Diskurskorridore, und plötzlich richtet sich die harmlose Frage „Na, geht’s wieder mal in die Heimat?“ nicht mehr nur an die kofferpackenden türkischen Nachbarn in Gelsenkirchen, sondern auch an traditionsbewusste Schwaben im Prenzlauer Berg, die zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten für ein paar Tage ins Reich von Daimler, Maultasche und Trollinger heimkehren.

Der Kern der Zivilgesellschaft

Längst ist vielen klar, dass die je verschiedenen Heimatbindungen in einer demokratisch verfassten Gesellschaft alles andere als einen Widerspruch zu den Prinzipien der europäischen Aufklärung bilden. Im Gegenteil: Sie sind der Ort, an dem die in Sonntagsreden rituell apostrophierten Werte und Regeln ganz praktisch gelernt und gelebt werden – selbst da, wo über sie erbittert gestritten wird. Sie machen den realen Kern jener selbstbewussten „Zivilgesellschaft“ aus, die stets als rhetorische Allzweckwaffe ins Feld geführt wird, wenn es um die „Rettung“ der Demokratie geht.

Weinliebhaber kennen den aus Frankreich stammenden Begriff des „Terroir“. Damit ist nicht nur die bloße Erde gemeint, auf dem die Reben wachsen, es geht auch um die Landschaft, die Lage, das Klima, die Weinbautradition, kurz, um eine je besondere Mischung aus Geist und Materie. Vielleicht ist Heimat, so verstanden, stets eine Mischung aus Leitkultur und „Terroir“ – auch wenn es dafür noch keine deutsche Übersetzung gibt.

ingrid Dietz | Mo, 14. Mai 2018 - 16:00

wo mein Heim steht und ich mich heimatlich verbunden fühle !

Natürlich kann man das lächerlich machen -
man muss es aber auch nicht unbedingt lächerlich machen !

Michaela Diederichs | Mo, 14. Mai 2018 - 16:09

Ein sehr gelungener Beitrag zum Thema Heimat. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Joachim Wittenbecher | Mo, 14. Mai 2018 - 16:31

Herrn Mohr kann ich in vielen Einzelaussagen zustimmen. Die Politisierung des Heimatbegriffes lehne ich aber ab. Richtig wäre die Ausrichtung auf einen demokratischen Patriotismus, bestehend aus den Orientierungspunkten Freiheit (Grundgesetz) u n d nationale Identität (in einer offenen und toleranten Auslegung). Die nationale Identität besteht hauptsächlich aus der kulturellen Gemeinsamkeit (Sprache, Alltagssitten, Geschichte, Literatur, Musik etc.) der Staatsbürger und umfasst auch Migranten, die einen Angleichungsprozess durchlaufen haben. Der jetzt etwas unüberlegt und vorschnell eingeführte Heimatbegriff - insbesondere der des Heimatministeriums - ist ein anderer Begriff für den ländlichen Raum. Großstadt kann aber auch Heimat sein.

Michaela Diederichs | Mo, 14. Mai 2018 - 23:37

In reply to by Joachim Wittenbecher

Wenn 2/3 der hier lebenden Deutsch-Türken Herrn Erdogan wählt, dann bin ich mir nicht sicher, ob die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und in Deutschland wirklich beheimatet sind, zumal Herr Erdogan eine Assimilation auch ausdrücklich verneint. "Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit". So viel zur Politisierung des Heimatbegriffes. Heimat hat nichts mit dem ländlichen Raum zu tun. Heimat ist Identität mit Sprache, Kultur, Geschichte, Literatur, Musik und auch dem Essen. Suchen Sie mal in einer deutschen Großstadt nach deutscher Küche - das wird zunehmend schwieriger.

https://www.focus.de/politik/videos/erdogan-erhielt-hierzulande-63-1-pr…

Jürgen Lehmann | Mo, 14. Mai 2018 - 16:53

18 bis 25-jährige flüchteten nicht alle in die Städte, um der Spießer-Vorhölle zu entkommen.

Ich habe auch mit 19 Jahren meine „Heimat“ verlassen, aber nicht um in einem Städte-Moloch unterzutauchen, sondern zwecks beruflicher Weiterbildung.

Seit mehreren Jahrzehnten ist meine „Heimat“ ein wechselnder Begriff geworden.
Ich fühle mich dort wohl, da wo ich lebe.

Und trotzdem stehe ich dazu, dass meine „HEIMAT“ eine Erinnerung an die ersten
18 Lebensjahre ist und letztendlich diese „Heimat“ als Begriff über den anderen steht.

Der Drang in die Städte führt bekannterweise in allen Staaten unseres kleinen Planeten zu einem immer größeren Chaos und eine Rückbesinnung in das „TERROIR“ wäe wünschenswert.

Michaela Diederichs | Mo, 14. Mai 2018 - 23:59

In reply to by Jürgen Lehmann

Zur Heimat gehören für mich auch Brauch und Ritual. Die Einteilung des Jahres in Jahreszeiten, christliche Feste und Feiertage, in Spargel- oder Grünkohlzeit und O’zapft is! und dergleichen mehr. Egal wo ich augenblicklich beheimatet bin, Heimat ist immer dort, wo ich meine Sozialisation erfahren habe und die kann ich so wenig verleugnen wie meine Eltern. Ich kann mich in eine neue Heimat einleben und integrieren, wenn die Werte meiner neuen Heimat der alten ähnlich sind. Sind die Kulturen zu unterschiedlich, wird es m. E. sehr schwer. Und Deutschland versucht gerade wild verbissen 199 Ethnien zu vereinen. Ein ambitioniertes, möglicherweise vergebliches Unterfangen. Selber keine Heimat haben wollen, aber andere hier beheimaten. Wie das gehen soll, bleibt mir unbegreiflich und rätselhaft. Wenn alle heimatlos sind, hat keiner mehr eine Heimat.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1221/umfrage/anzahl-der-…

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 14. Mai 2018 - 17:07

Autor nun eigentlich steht, ich bin mir auch nicht sicher, ob Habermas wirklich in letzter Konsequenz über die auch Fallstricke seines Denkens nachgedacht hat, aber halten wir doch mal fest, es war und ist DENKEN, wie auch beim Autor und Erinnerung:)
Denken ist anstrengend, es tut manchmal weh, manchmal könnte man vor Glück weinen, aber als ich meine Kinder bekam, habe ich nicht gemeint, es weitermachen zu können, weil ich sie für keinen freien Moment verpassen wollte.
Wo ist man frei nach getaner Arbeit, wenn man zwischen Kant und Foucault "hin- und herspringt"?
Ich war traurig, dass ich nichts Handfestes gelernt hatte.
Ich wünsche Frauen viel Kraft, sich trotz vieler Arbeit immer auch für ein Leben mit Kindern zu entscheiden, wenn es ansteht und finde es völlig okay, wenn Frauen im Bus stillen oder auf einer Hinterbank des Parlaments etc.
Es hat sich schon soviel getan, dass wir bestimmt mittlerweile auch Philosophinnen mit Kindern und Mann haben?
Die Sprache könnte anders sein

Daniel Wischer | Mo, 14. Mai 2018 - 17:07

Ob die fünfziger und sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland wirklich so ein Graus waren, lassen wir dahin gestellt. Im Rückblick muten dem Ausbruch der zumeist akademischen Jugend mit Verweis auf Marx, Mao, Che, den Doors et. al. und der einhergehenden Verteidigung der "rechten Lehre" durchaus engstirne geistige Züge an. Der Dogmatismus und die Rechthaberei akademischer Zirkel waren doch irgendwie auch "deutsch". Und der schwäbische Trieb zum eigenen "Häusle" lebte sich durchaus auch im Hausbesetzer-Berlin der frühen 80er aus. Die heutige Debatte um das Eigene und das Fremde markiert sicherlich einen intellektuellen Tiefpunkt, da nicht mehr Standpunkte ausgetauscht werden, sondern ein Glaubenskrieg ausgetragen wird, dazu mit schlichten Schlagworten (auf beiden Seiten). Wer das Eigene nicht schätzt, kann vermutlich auch dem Fremden nichts abgewinnen; die sogenannte Weltoffenheit und Toleranz sind zumeist nur vordergründig und sagen den Zuwanderern vermutlich nichts.

hat für die akademische Jugend in der DDR keine Rolle gespielt. Durch die Bedingungen im real existierenden Sozialismus konnte die im Westen existierende Bewunderung für Mao, Che & Co. bei der DDR-Jugend nur wenig Resonanz finden. Das mag auch der Grund dafür sein, dass der Heimatliebe in den östlichen Bundesländern ein anderer Stellenwert zukommt. An Gartenzwerg und Lodenmantel denkt dabei in der Regel niemand, sondern eher an die Traditionen des jeweiligen Landstrichs.

Christa Wallau | Mo, 14. Mai 2018 - 17:08

Es ist hoch-nötig, über HEIMAT und andere, ähnliche Begriffe nachzudenken u. in aller Offenheit zu diskutieren. Insofern gehört dieser Artikel von Herrn Mohr zu den wichtigsten, die im CICERO in letzter Zeit erschienen sind, und er enthält bereits gute Denkansätze.
Wegen der Komplexität der Sache selbst, aber auch der Schwierigkeiten bei der Beschreibung des Phänomens, das sich "Heimatgefühl" nennt, kann ich hier aufgrund der Zeilenbegrenzung nur wenige Punkte ansprechen.
Ein guter Ansatz besteht m. E. darin, sich der Sache über den Begriff "heimatlos" zu nähern. Eindeutig negativ sind doch wohl die Gefühle, die hierbei wachgerufen werden: Fremdheit, Wurzellosigkeit, Lieblosigkeit, Einsamkeit, Zurückgeworfen-Sein auf das eigene Ich, täglich neuer Kampf um Anerkennung ...
Natürlich gibt es andererseits die E n g e der Heimat (-Verbundenheit), aus der junge Menschen natürlicherweise ausbrechen wollen, aber das mindert nicht deren grundsätzlichen Wert
und Notwendigkeit.

csonka györgy | Mo, 14. Mai 2018 - 17:10

Die Heimat ist wie die Mutter. Sollten vielleicht die Deutschen statt Vaterland Mutterland sagen, wie die Ungarn oder auch die Russen?

Bettina Diehl | Mo, 14. Mai 2018 - 17:22

Unterallgäuer "Zuhause" nach Garmisch gefahren. In einigen Dörfern sah man - ich nehme an, es war Firmung" gut und traditionell gekleidete Erwachsene und Kinder in die Kirche gehen. Ich empfand dies als eine Augenweide, ich fühlte mich so verbunden, nach so vielen Kopftüchern, die wir bspw. in Murnau sahen. Ja, ich spürte Heimat. Mein Mann ist Engländer und sah dies genau wie ich. Es sah nach Heimat aus, ein Stück Identifikation. Ich hatte das Gefühl im Land meiner Eltern, meiner Kindheit zu sein. Heimat ist in GB schon lange verloren gegangen - wir befinden uns auf diesem Weg, aber es schmerzt.

wolfgang spremberg | Mo, 14. Mai 2018 - 18:17

wie dich selbst. Wenn man sich selbst nicht liebt...die eigene Familie, die Heimat....wie will man dann Fremde lieben ? Erwartet man von Fremden Respekt wenn man sich selbst nicht respektiert.
Warum sollen sich Fremde in eine Gemeinschaft integrieren die sich selbst verachtet ? Möchten Sie zu einem Club, einem Verein etc. gehören, deren Mitglieder sich der Mitgliedschaft in diesem Club, in diesem Verein schämen ?
Menschen "flüchten" tausende von Kilometern, durchqueren zahlreiche andere Länder, riskieren ihr Leben um hier, in unserer Heimat zu leben und diese Heimat ist uns peinlich ? Wie peinlich müsste dann einem Afrikaner Afrika sein ? Einem Syrer Syrien ?
Danke für diesen Artikel Herr Mohr.

Reinhard Zeiss | Mo, 14. Mai 2018 - 18:43

Sollte Herr Mohr Nicht mal seinen Namen ändern !
Ist doch rassistisch !
Gutes Beispiel für den Zustand unserer Heimat !
Mfg

Maria Schneider | Mo, 14. Mai 2018 - 20:22

Die Kopftücher schaffen in mir eine tiefe Verzweiflung. Dennoch wird mir so meine Heimat bewußter - auch, weil ich aus einer erzkonservativen, fränkischen Stadt stamme. Zum Studium ging ich nach Heidelberg, was ich bis heute als gottlos, kapitalistisch, snobistisch & zunehmend linksextremistisch empfinde.

Heimatlosigkeit wird es hier solange geben, wie die die Nachkriegsgeneration nicht lernt, ihren Schmerz und ihre Scham über ihre "bösen Nazieltern" abzulegen, die sie glauben, verachten zu müssen. Unsere Wurzeln wurden gekappt & nun sind wir wie Blätter im Wind.

In Portugal singen abends Alt & Jung in den Kneipen zusammen. Als ich dies das erste Mal erlebte, mußte ich weinen - Verlustschmerz über das, was wir nicht mehr haben.

Die Portugiesen sprechen von "A minha terra", was "mein Boden/Land" bedeutet, wo schon immer die Großeltern abseits der Stadt leben.

Es ist essentiell, dass wir uns mit uns selbst aussöhnen. Erst dann werden die Fremden uns respektieren.

Dimitri Gales | Mo, 14. Mai 2018 - 20:27

In der Tat nur schwer übersetzbar, vielleicht verstehen es noch am ehesten die Bayern. Aber es gibt die Muttersprache, die ist automatisch Heimat. Bezeichnend und symptomatisch für Deutschland ist das Nachäffen angelsächsischer Begriffe oder Worte, die danach klingen, wie das furchtbare Wort "Handy", das in der englischen Sprache etwas ganz anderes bedeutet als das von den Franzosen verwendete "tragbares Telefon" (téléphone portable). Die Deutschen haben immer noch ein Identitätsproblem, das sie mit "Europa" oder der Globalisierung versuchen zu verwässern.

Theo Lodtz | Mo, 14. Mai 2018 - 20:43

Da sieht man mal wieder, wie informiert unsere heranwachsende Führungselite ist.
Also für alle, die mit einem Gartenzwerg nix anzufangen wissen: Er (der Gartenzwerg) ist sichtbar gemachte Arbeit, in dem er zeigt, was er gerade tut. Also fleißig, gestaltend, schaffend. Was ist so peinlich daran? Ihr habt sie nicht mehr alle!

Sepp Kneip | Mo, 14. Mai 2018 - 22:02

Warum wird das Wort Heimat oft so verächtlich gemacht? Leute, die einfach nirgends zu Hause sind, tun mir ein bisschen leid. Viele wissen die Heimat gar nicht zu schätzen, weil sie sie nie vermisst haben. Sie leben in der Heimat und merkens gar nicht. Aber genau dann sind sie in der Heimat.

Wo sind denn die meisten Heimat- und Sehnsuchtslieder entstanden? Irgendwo in der Ferne, in der man zwangsläufig sein musste. Oft in den Kriegen, in der Gefangenschaft. In solchen Momenten ist einem aufgegangen, was Heimat bedeutet. Die Urlaubsreisen, vor allem auch nach dem Krieg, waren keine Heimatflucht. Nein, sie waren eine Abwechslung um festzustellen, wie schön es auch zu Hause sein kann. Es ist möglich, dass es doch etwas gibt, was einem die Heimat vergällen kann. Das ist eine Politik, die es darauf anlegt, die Heimat der schon immer hier Lebenden von denen, die gerade erst gekommen sind, zerstören zu lassen. Einige europäische Länder versuchen, das zu verhindern und werden kritisiert.

Tomas Poth | Mo, 14. Mai 2018 - 22:44

gut gesprochen. Auch gepaart mit Selbstverachtung unserer Geschichte und Verachtung der Generationen die zwei Weltkriege durchleben mußten, einschließlich DDR-Überwachungstaat mit Schießbefehl. Wer von den heutigen wohlfeilen Antifa-Schreihälsen wäre denn 1933 bis 1945 oder danach in der DDR aufgestanden und hätte den Hals so voll genommen wie sie es heute auf billige Art tun, um das zu verhindern was unser Land in den Abgrund stürzte und nachfolgenden Generationen auf ewig serviert wird.

Klaus Dittrich | Mo, 14. Mai 2018 - 22:58

„Die politische Diskussion in Deutschland leidet unter einer eklatanten intellektuellen wie sprachlichen Schwäche. Vor allem bei jenem Thema, das seit bald drei Jahren das Land aufwühlt, herrscht eine geradezu abenteuerliche Gedankenarmut, die sich in phrasengesättigten öffentlichen Hohlräumen ausbreitet.“
Wunderbar formuliert!

Ich erinnere daran, dass viele "Ossis" nach der "Wende" ihre bisherige Heimat verloren haben. Möglicherweise wirkt diese Art Heimatlosigkeit heute nach.

„Heimatbindung wird nur den Fremden zugesprochen, so die Reflexe eines immer noch großen Teils der politisch-kulturellen Öffentlichkeit.“ Ob es ein großer Teil ist, sei dahingestellt – leider ist es der dominante Teil. Diese sollten durchaus mal zu Tucholsky greifen: „Das ist in schlechten Büchern, in noch dümmeren Versen und in Filmen schon so verfälscht, dass man sich beinahe schämt, zu sagen: man liebe seine Heimat".

Markus Schellewald | Di, 15. Mai 2018 - 07:51

Für mich ist Heimat in folgendem Text zusammengefasst:

1. Glück und Frieden sei beschieden
Deutschland, unsrem Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden
Reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen
Schlagen wir den ärgsten Feind.
: Lasst das Licht der Eintracht scheinen,
Auf dass keine Mutter weint. :

2. Edle Tat soll uns erbauen
Deutschlands Fleiß – der Freiheit Flor
Gottes Macht woll´n wir vertrauen
Täglich Gutes nehmt euch vor.
Christlich' Tugend, bestes Streben
Gehe aus dem Volk hervor.
: Jugend, sei du Deutschlands Leben
Und des Vaterlandes Chor. :

3. Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland.
Danach lasst uns alle streben,
Brüderlich mit Herz und Hand.
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand.
Blüh' im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland

Ich finde, damit ist alles gesagt.

Gerdi Franke | Di, 15. Mai 2018 - 09:02

Jeder hat sein spezifisches Heimatverständnis. Und jeder hat ein Recht darauf. Und niemand sollte sich von Flüchtlingen oder "Globalisten" davon abbringen lassen!

Bernhard Jasper | Di, 15. Mai 2018 - 09:59

Was denn nun, Herr Mohr? Der Stadtteil als „Heimat-Kiez“, eine Art Stammesterritorium mit Schrebergärten, Stadtteil-Geschichte und Zapfhahn?
Stadteile repräsentieren heute in erster Linie die Tendenzen zum unverwechselbaren Eigenleben. Lifestyle als Brauchtum und Folklore. Ein fixiertes Leitbild, etwa die Bürgerstadt des 19. Jahrhunderts existiert nicht mehr. Die Gesellschaft hat sich aufgelöst mit verschiedenen Lebensstilen. Und da wo Fußballvereine, etwa wie die „alte Tante Hertha BSC“, als Symbol für eine Stadt steht, ist Hopfen und Malz verloren, denn die „Heimspiele“ trägt sie im "Olympia-Stadion" von 1936 aus, ein eher berüchtigter als berühmter Ort.
Der „genius loci“ jedoch, dieser (Schutz)geist, der etwa die Familie, das Haus oder einen bestimmten geistigen Ort verkörpert, scheint es immer weniger zu geben. Der Mensch ist sich am Ende jedoch immer gleichgeblieben. Er sucht diesen Schutz, er sucht diese endzeitliche Friedensordnung, dieses himmlische Jerusalem.

Gerhard Lenz | Di, 15. Mai 2018 - 10:41

Aber ist es nicht so, dass jeder Deutsche in seinem Heimatverständnis die Werte unterstreichen kann, die ihm wichtig sind?
Für die einen mag Deutschland die Gartenzwergfamilie oder die sonntägliche Wanderung oder Radtour symbolisieren, für den anderen eher der bunte Prenzlauer Berg.
Aber dass ist es vielleicht, was deutsche Heimat wirklich auszeichnet und ausmacht - oder ausmachen sollte: Toleranz und Verständnis für den Anderen.

Wolfgang Tröbner | Di, 15. Mai 2018 - 10:43

Mit Verlaub, aber der Artikel ist mir ein wenig zu sehr aus der Perspektive eines Altlinken geschrieben. Klischees über Deutschland wie Heimatfilm der 50-iger Jahre, Gartenzwerge und Zigeunerschnitzel sind zwar weit verbreitet, aber sie stimmen längst nicht mehr. Meinen letzten Gartenzwerg habe ich übrigens als Kind gesehen. Was Heimat tatsächlich bedeutet und welche Gefühle damit zusammenhängen, erfährt man erst dann, wenn man längere Zeit (mindestens 1 Jahr) im Ausland gelebt hat. Und zwar, um dort zu arbeiten oder zu studieren, nicht, um als Tourist durchzureisen. Erst dann lernt man, die Heimat mit all ihren Vorzügen, aber auch Nachteilen, zu schätzen. Die Aussage, dass die Begegnung mit Flüchtlingen Gelegenheit gäbe, den Begriff "Heimat" von seinem historischen Muff zu befreien, halte ich für einen fundamentalen Trugschluss. Dazu braucht es nicht die Flüchtlinge, sondern nur einen wachen Verstand und die Erfahrung des Alltagslebens in einem anderen Land. Sonst nichts.

Siegfried Kaiser | Di, 15. Mai 2018 - 10:49

Antonyme von Heimat ist "Fremde". Das sagt doch schon viel aus, wie auch das Englische "Homeland".
Die Indefikation mit Heimat teile ich auch sehr gerne, wie es Reinhold Messner in seinem Buch "Leben" beschrieben hat:
Heimat ist für mich ein Gefühl, ich kann sie riechen, schmecken, fühlen, hören und sehen.

Mathias Trostdorf | Di, 15. Mai 2018 - 11:25

Die Geschichte hat ja gezeigt, daß jede Bewegung auch irgendwann wieder eine Gegenbewegung erzeugt. Insofern bin ich überzeugt, daß noch etwas Hoffnung besteht, die Auswüchse der gesellschaftlichen Entwicklung insbesondere der letzten zwanzig Jahre noch irgendwie wieder ein bißchen ausgebremst werden. Rückgängig machen kann man vieles natürlich nicht mehr.

Bernhard Jasper | Di, 15. Mai 2018 - 11:52

Herr Mohr, damals im „Häuserkampf“ entdeckte man die traditionelle Stadt neu, es war auch ein Wertewandel. Stadtwohnungen erschienen wieder akzeptabel, Fassaden wurden schön gemacht.

Dieser „Häuserkampf“ wird heute von Spekulanten und „Investoren“ geführt. Stadt-Entwicklung wird dem Wettbewerb überlassen. Und der Flächennutzungsplan scheint nicht mehr für eine endzeitliche Friedensordnung („himmlisches Jerusalem“) der Kommune zu stehen. Und so werden Menschen verdrängt, denn junge Familien mit Kindern können sich die Preise in den Städten zunehmend nicht mehr leisten, seitdem Häuser nicht mehr als schützende Heimat, sondern als Spekulationsobjekt begriffen wird. „Ihr kriegt uns hier nicht raus! Das ist unser Haus!“, erhält so seine Aktualität zurück.

Tobi Werlander | Di, 15. Mai 2018 - 12:18

Heimat ist ein Entfaltungsraum, der sich optimalerweise weiterentwickelt über viele Generationen.
Heimat ist eine Wertegemeinschaft mit Bereitschaft zur Grundlagensicherung.
Die wirtschaftl. Sicherung erfolgt im globalen Wettbewerb; wissenschaftl. Kulturen ganz vorn, die islamischen Länder ganz hinten.
Wenn wir keinen Wohlstand mehr erzeugen können, dann verlieren wir auch alles andere.
DE erlebt einen Qualitätsabbau in Bildung, Wirtschaft, Sicherheit, Gesundheitsversorgung. Wir waren Qualität.

Um unsere Kultur zu schützen, müssen wir unsolidarisches Verhalten begrenzen (Spaltung in Haram und Halal, hohe Geburtenrate auf begrenzter Erde, junge Leistungsverweigerer im Sozialsystem).
Einwanderungsgrenzen sind notwendig für Kulturerhalt und Naturerhalt. Nichteinwanderern kann man helfen durch globale Hilfe vor Ort.
Keine Revolution (Selbstüberforderung), sondern Weiterentwicklung der komplexen Gesellschaft.

Reiner Kraa | Di, 15. Mai 2018 - 15:34

So schwierig ist die Sache mit der Heimat nun auch wieder nicht. Die "Schutzsuchenden" aus alle Welt, die zu uns nach Deutschland kommen, suchen nicht den Schutz unserer Heimat, sondern eben den des vom Autor genannten Asylbewerberleistungsgesetzes. Schließlich sind sie auf der Reise hierher durch viele sichere Länder gekommen, die schützen könnten. Erinnert sei an den "Schutzsuchenden" aus Togo, der partout nicht in Italien bleiben will. Jeder Deutsche aber, der meint, seine Heimat nicht länger ertragen zu können, weil zu eng, zu spießig, zu kleinlich, egoistisch, nazistisch u. a. m., kann völlig unbedroht und unbehindert die Freiheit einer neuen Heimat suchen. Etwa die beim Oliven pflücken in Portugal oder anderswo. Und er kann auch jeder Zeit wieder zurück, falls es doch nichts war. Ich finde, das ist eine tolle Heimat, die wir haben. Lasst sie uns erhalten!

thom schnell | Mi, 16. Mai 2018 - 09:44

Seit 1945 war das Wort Teil eines toxischen Vokabulars, ein zumindest anachronistischer, in den Augen großer Teile der Öffentlichkeit reaktionärer, ja gefährlicher Begriff.

Schönes Beispiel, für das leben in der linken Echokammer! Man selbst gehört natürlich zum großen Teil der Bevölkerung, weil alle Bekannten genauso denken, wie man selbst. Wobei die ihr sogenanntes "kritisches" Denken, selbst erst mal von den Medien vorgedacht bekommen haben.

Claudia Westphal | Mi, 16. Mai 2018 - 10:26

Dieses Heimatwunschdenken passt nicht in unsere durchökonomisierte Welt. In vielen Gegenden gibt es keine Jobs mehr und entweder die Leute verlassen ihre "Heimat" oder aber sie richten sich in Hartz IV ein mit der Möglichkeit, da oder dort mal aufzustocken.

Diese Debatte ist ebenso sinnlos, wie der aktuell angestossene "verlässliche Generationenvertrag". Ein solcher kann nur dann verlässlich sein, wenn es Generationen gibt, aber dem steht auch wieder die Wirtschaft entgegen, die eben nicht nachhaltig sein will, sondern ihren Gewinn im Hier und Jetzt sieht.

Vielerorts gibt es eben nur entweder oder. Entweder Heimat (was auch immer damit verbunden sein soll), oder Job. Die Digitalisierung mag eine Verbesserung bringen, allerdings erhöht sie die Anzahl der Konkurrenten aus dem Ausland. Niemand wird mehr auswandern muessen, wenn man sich nur noch einloggen muss.

Eine Heimatdebatte ist nicht nur sinnlos, sondern irrefuehrend, weil sie etwas vorgaukelt, dass nicht mehr da sein wird.