- Der Untergang Europas ist kein Naturereignis
Nach Ceuta greift Harald Martenstein zu Jean Raspails „Heerlager der Heiligen“, einer so hellsichtigen wie widerwärtigen Untergangsfantasie von 1973. Robin Alexander sieht darin den Einzug neurechten Gedankenguts ins Feuilleton. Beide verfehlen den Kern des Romans.
Kurz vor Mitternacht tritt der Präsident der Republik vor die Mikrofone. Vor der Küste liegt die Flotte: eine Million Menschen an Bord. Bei Sonnenaufgang werden die Schiffe auf Grund laufen, und die Armee steht an der Küste. Der Präsident sagt, man könne die Landung verhindern, doch um den Preis, eine Million wehrloser Menschen zu ermorden. Feigheit gegenüber den Schwachen, fügt er hinzu, sei die subtilste und tödlichste Form der Feigheit. Er gibt an, den Schießbefehl bereits erteilt zu haben. Doch dann verstummt er mitten in der Rede. Mehr als dreißig Sekunden lang hört das Land nichts als den Atem seines Präsidenten.
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Herrn Patnis Artikel sind eigentlich immer interessant und anregend. In diesem Sinne seien auch diese Bemerkungen gemeint: ich glaube die lohnendste Sache an dieser Diskussion ist, darüber nachzudenken, wie überfordert wir mit diesen (und anderen) Entwicklungen sind. Auch die Institutionen sind überfordert. Große Dinge werden glaube ich mehr durch stetig mahlende Tiefenströmungen bewegt. Dazu gehören Technik, Informations- und Reisemöglichkeiten, Demografie, Religionen, Völker, Migration, Kultur, aber nicht so direkt, wie es sich vielleicht deren Protagonisten wünschen.
Robin Alexander ist sicher auch immer gut, aber er vertritt für mich meist diesen "alten Standpunkt", Dinge mit ruhiger Vernunft zu betrachten und für vernünftige Leute sei dann schon alles klar. Das geht glaube ich heute zu sehr daran vorbei, dass eben alle überfordert sind.
Die Überforderung ist weniger, dass wir unsere Ziele nicht erreichen. Was die Ziele sind, wer "wir" ist ... alles schwimmt.
Die "einzig intellektuell spannende Frage" dabei finde ich nicht nur das Nachdenken über die Menschenrechte, ob man schießt oder nicht. Das ist auch eine spannende Frage. Alleine um die Menschenrechte spinnen sich viele Gegensätze und schwierige Fragen - wie damit umgehen. Wir wollen Weltoffenheit und universelle Werte - wie gehen wir damit um, dass in der Welt so verschieden gedacht wird. Ich finde dass das Thema der Migration generell, von Armutsmigration und Schutzmigration nochmal schärfer in manchen Facetten ganz viele ganz zentrale Fragen des menschlichen Zusammenlebens und individuellen Selbstverständnisses berührt. Alles ist dabei offen.
Mehr intellektuell spannende Fragen, mehr offener Raum alles neu zu denken, oder eben nicht, geht kaum, könnte man meinen?
Das Thema wurde 1990 auch im BBC-Film "Der Marsch" dargestellt und ist schon deshalb unverdächtig, "neurechtes Gedankengut" zu sein. Eine wesentlich spannendere Frage ist weiterhin, warum ausgerechnet eine in der DDR sozialisierte Kanzlerin 2015 Grenzen für "nicht kontrollierbar" erklärte und nahezu die gesamte Presse ( auch der Arbeitgeber vom talkschaugestählten Robin Alexander) frenetisch applaudierte. Löbliche Ausnahme: CICERO.
Die Soldaten sollten nicht ihre Gewehre gegen diese Ankommenden richten sondern ehr gegen auf ihren eigenen, den Befehl lesenden Präsidenten richten !
Und warum ?
Er hätte sein Land, das Territorium seines Volkes, schützen müssen! Hätte er dies getan, wäre es nicht zu dieser Situation und Gewissensentscheidung gekommen. ……
Man vergesse es nicht, um aus der Fiktion in die Gegenwart zu kommen, 2015 hieß es: wir können unsere Genzen nicht schließen, es geht weder technisch noch rechtlich. Was aber beantwortet die Frage, warum ging es bei Corona die Grenzen dicht zu machen samt das Wegsperren der Bevölkerung o b w o h l sich in der Zwischenzeit keinerlei Änderungen technisch und rechtlich ergaben ? So könnte man es m M nach auch sehen wenn man das Problem ganz nüchtern und ohne moralische Scheuklappen betrachtet.
Das es anders entschieden wurde geschenkt. „Jetzt sind sie nun mal da“
Mit freundlichen Grüßen a d Erfurter Republik
Vor Jahren habe ich den Roman von Jean Raspails „Heerlager der Heiligen“ gelesen.
Ich finde die heutige Zeit darin wieder. Im Roman wird all das genau beschrieben, was man heute sieht. Die Feigheit und Mittäterschaft der Kirchen, des politmedialen Komplexes und vieler Bürger.
Ob man den Roman nun genau seziert oder nicht.
Im Roman ging es um hungernde Inder. Heute geht es um Eroberungsmigration. Wer das alles nicht erkennt, wird ein böses Erwachen erleben. Ich stimme Herrn Martensteiner zu.
Robin Alexander ist ein Journalist, der bei den "Unsere Demokratie" Politikern angesehen war. Er ist gerne auf der Welle des Erfolges mitgeschwommen. Vielleicht hat er Angst, daß man für zu viel Nähe auch bezahlen muß.
Harald Martenstein ist der Wortführer all jener alten Linken, die mit Unbehagen, gelegentlich auch Entsetzen registrieren, was sie und ihre weniger begabten und intelligenten Epigonen in den letzten vierzig Jahren so angerichtet
haben. Er gehörte seinerzeit sicher auch zu den erklärten Strauß- Gegnern, wäre aber heute heilfroh, wenn wieder ein intelligenter, durchsetzungsstarker Rechtskonservativer für politische und öffentliche Ordnung sorgen würde. Wenn Probleme endlich wieder gelöst und nicht wahlweise negiert oder zerredet würden.
Aus seinen Kommentaren spricht die ganze Frustration, die unendliche Enttäuschung über einen in
jugendlichem Eifer begonnen Kampf, der eine ganz andere Richtung genommen hat, der nicht mehr individuelle Freiheit gebracht hat, sondern weniger, weil der Staat ein alles regulierendes, von Parteien vereinnahmtes, hochkomplexes Gebilde geworden ist, das aber seine wesentlichen Aufgaben, innere und äußere Sicherheit zu garantieren, kaum noch erfüllen kann.
... mit Ihrem Beitrag schreiben Sie nicht nur mir aus der Seele, sondern beschreiben mit Herrn Martenstein und seinen Beweggründen auch mich als Altlinken.
Doch meiner Lebenserfahrung nach sind Enttäuschte (das halte ich mir oft vor Augen) auch immer wieder in Gefahr, vom sprichwörtlichen, nicht christlichen Paulus zum Saulus zu regredieren: Fritz Teufel letztlich als NPD-Anhänger, die ursprünglich zumindest irgendwie linke RAF als mordende terroristische Vereinigung.
Und, wie in Cicero-Artikeln und hier von Foristen m/w/d schon mehrfach festgestellt, ähneln sich linke und rechte Gewaltfantasien und -taten zum Teil erschreckend, und m.E. am schlimmsten in der Überzeugung, "die anderen" umerziehen wenn nicht eliminieren zu müssen, damit "alles den richtigen Gang" gehen kann.
Ich wünsche Herrn Martenstein, mit dem als damaligem Feuilletonchef der Münchner Abendzeitung mich ein besonderes Erlebnis 1997 verbindet, über der Enttäuschung nicht ab und zu die Selbstüberprüfung zu vergessen.
Danke f.d. Hinweis auf den Sartre-Bezug. & richtig: Die 'Selbstauflösung' staatl. Kontrolle haben Sie - finde ich - völlig zutreffend als eines der allegorisch relevantesten Schlüsselmotive dieser Dystopie identifiziert. Aber nein: Martenstein hat eben nicht - wie Sie behaupten - diese Vereinfachung (einer binären Option a-là 'schießen o. untergehen) übernommen: sondern er bezieht sich ja ausdrückl. auf politische Entscheidungen (siehe Japan), die bei uns aus gesinnungsethischen Gründen tabuisiert wurden.
Hier treffen Sie m.A.n. aber(fast) den Kern:
"Eine Ordnung, die jeden Einzelnen mit unantastbaren Ansprüchen ausstattet, ...":
Wer unbegrenzt-anspruchsrechtlich interpretierte Schutz- & Versorgungsrechte gewährt, stellt die Gesellschaft, die damit zur Erfüllung solcher Ansprüche verpflichtet wird systematisch rechtlos: Im Hinblick auf jede demokr. Mitsprache über die eigene Inanspruchnahme: Das ist ein grundlegendes Demokratieproblem, das BAMF-Chef Dr.H.E. Sommer 2025 schon benannte
Shantanu Patni bescheinigt Alexander wie Martenstein, „den Kern“ des Raspail-Roman „verfehlt“ zu haben. Ich behaupte, dass Patni Martenstein missverstanden hat, in Martensteins Kolumne geht es um Ceuta, um die „Eroberungsmigration“, Raspails Roman war da nur der Aufhänger. Das Buch wurde damals, 2015, von den Feuilletons nicht beachtet, stimmt, was nicht heißt, dass es unbeachtet blieb. Ich empfehle Alexander Meschnigs Artkel „Das unheimlich prophetische Buch des Jean Raspail“ bei der „Achse des Guten“ oder Nicolaus Fests Blog, in dem es hieß: „...Sender und Zeitungen erfinden ,Willkommensprojekte‘. Das Mittelmeer wird zum Ort der finalen Auseinandersetzung, der Papst, der alle vatikanischen Kunstschätze für die Bedürftigen verkauft und als armer Narr endet, heißt Benedikt XVI. Auf den Straßen Demonstrationen und Volksfeste der Barmherzigkeit, und viele Sätze der Xenophilie und des Selbsthasses, die Raspail seine Protagonisten sprechen lässt, hört man heute wörtlich im Fernsehen.“
in meinen Augen.
Wie kann Martenstein nur so eurozentriert denken und schreiben?
Ich erinnere die Shogun-Serie auf Disney+, 2024, in der die europäischen Soldaten gegen Widerstand gebeten werden, sich zu waschen, weil ihr Gestank unerträglich sei.
Wie kann man eine Hochkultur wie die indische, auf eine Millionen flüchtende Hungernde reduzieren?
Ich setze dagegen den Film "In den Schuhen des Fischers".
Will auch sagen, dass es in der Tat viele Handlungsmöglichkeiten und Wege der Diplomatie gibt, bevor so ein Szenario greifen würde.
Wir leben in globalen Zeiten und einem digitalen Zeitalter.
Zeigen wir uns dessen würdig und vor allem den Hochkulturen dieser Welt.
Sah gerade eine ZDF Dokumentation über Echnaton und Nofretete, noch mit dem weltberühmten Professor Jan Assmann RIP.
Ich bin auch skeptisch in Bezug auf unkontrollierte und zu wenig bedachte Migration, sehe andere Wege, z.B. die vielen Gesellschaften auch an ihre Glanzzeiten zu erinnern und dort anknüpfen zu lassen.
RESPEKT
werden hoffentlich auch zu Brückenträgern für ihre Herkunftsländer.
Das kann keine einseitige Entscheidung sein, wenn man mich fragt.
Da ich so viele chinesische und südkoreanische Filme und Serien sehe, denke ich manchmal, wer ist das, den ich im Spiegel sehe:)
Ich halte nicht viel von "Gottes*befehlen" in dem Zusammenhang, es wächst zusammen, was zusammengehören möchte und dann gibt es da noch viele Schattierungen der Existenz in fremden Ländern.
Abschlachten und Kolonialismus sind hoffentlich entsetzliche Teile der Vergangenheit fast jeden Landes?
Gnothi seauton
Wunderbar geschildert in dem dänischen Film "Nach der Hochzeit" 2006, mit Mads Mikkelsen, Sidse Babett Knudsen und Rolf Lassgard ff.
Aber auch "Best Exotic Marigold Hotel". 2011
Man unterschätze die Binnenbindungskräfte der Länder nicht.
Ist eigentlich ausgeschlossen, dass solche "Wanderungen" etwa extern angestoßen und subventioniert werden?
Ich kann mich aber erinnern, dass auch von offizieller Seite um Zuwanderung von Arbeitskräften geworben wurde.
Wie gesagt, es gibt viele Möglichkeiten des Miteinander.
Nur bitte nicht ohne Konzept und Weitblick...und schon gar nicht ohne vorherige Kenntnisnahme und überwiegende Zustimmung der hiesigen Bevölkerung.
"Migration etwa mit der Brechstange" halte ich persönlich für hochproblematisch.
Im Übrigen kann die Bevölkerungsentwicklung eventuell auch dort ganz schnell "kippen"?
in der FAZ vom 25.02.2011, S. 33, unter der Überschrift „Das Ende der europäischen Welt“. Jürg Altwegg wies dort darauf hin, dass das Buch 1973 in Paris nicht einmal eine Debatte ausgelöst habe. Nach dem Mai 1968 seien die linken Intellektuellen Maoisten gewesen, Verehrer von Castro, Ho Chi Minh oder sogar Pol Pot. Revolution sei das Programm gewesen, auch für die Einwanderer aus der Dritten Welt. Raspails Buch sei nicht rassistisch. Er habe die Welt bereist und bedrohte Völker besucht, den Untergang von Zivilisationen beschrieben, deren Kampf ums Überleben er unterstützt habe. Jetzt glaube er, sei das Ende der weißen Welt gekommen. Und am meisten bekümmere ihn, dass sie sich nicht verteidige. Für die Blindheit des Westens mache Raspail das Christentum verantwortlich. Die Ereignisse, die er glänzend beschreibe, erschienen als Schicksal. Der Islam spiele überhaupt keine Rolle, ihn respektiere Raspail als große Religion, die aber in Europa nichts zu suchen habe.
Um die Mitte unseres Jahrhunderts, schreibe Raspail in seinem Essay "Big Other", werde in den Städten die Mehrheit der aktiven Bevölkerung außereuropäischer Herkunft sein.
Das "Heerlager .." habe ich wohl Anfang 2016 gelesen, inspiriert durch die Verantwortungslosigkeit der Gottkanzlerin und der Feigheit ihres Innenministers in den Monaten zuvor. Ganz offensichtlich hatte der Roman eine große prgnostische Kraft, die auch noch weitere zehn Jahre in die Zukunft reichen wird. Natürlich wird es Widerstand gegen offizielles Schönreden und als Toleranz getarnte Unterwerfung geben. Aber nicht nur der Niedergang der Schulbildung oder die "Nadelstiche" gegen organisierte Ethnokriminalität zeigen, dass die Fundamente der Gegenwart am Bröckeln sind und die Kräfte der kulturellen Selbstbehauptung schwach.
