Hamed Abdel-Samad über deutsche Identität - Neues vom alten Affen German Angst

Der engagierte Politologe Hamed Abdel-Samad legt Deutschland mit seinem neuen Buch „Aus Liebe zu Deutschland“ auf die Couch und will auf diesem Weg ein ausgewachsenes Identitätsproblem kurieren.

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Hamed Abdel-Samad: Deutschland braucht eine offene Wertedebatte / dpa

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Für einen Zeitgenossen wie den Publizisten und Politologen Hamed Abdel-Samad muss man dankbar sein. Abdel-Samad nämlich sorgt für Abkühlung in unserer heiß gelaufenen Gesellschaft. Er ist wie ein guter Therapeut. Er geht dahin, wo es wirklich wehtut, und stellt beizeiten wichtige Fragen. Mit seinem neuen „Warnruf“ „Aus Liebe zu Deutschland“ bittet er uns alle auf die psychoanalytische Couch, lädt ein zu mehr Selbstreflexion, Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein. Und das ist genau das Therapeutikum, das Deutschland in diesen Tagen bitter nötig hat.

Hamed Abdel-Samads Diagnose – Deutschland habe ein Identitäts- und Werteproblem – liest sich wie das Gutachten eines erfahrenen Analytikers. Klar, nüchtern, präzise. Und mit eben solcher Schärfe geht der Autor auf Ursachenforschung. Da wäre etwa die „German Angst“ beziehungsweise die deutsche „Untertanen-Mentalität“. Linke hätten hierzulande vor Rechten Angst, Rechte fürchteten sich vor Migranten. Jeder habe vor jedem Angst. Laut Abdel-Samad hänge dieser Hang zur Unterwerfung mit den vielen unverarbeiteten Niederlagen in der deutschen Geschichte zusammen: Da wäre etwa das Scheitern des Heiligen Römischen Reiches oder die Niederlagen in den beiden Weltkriegen. Deutschland: Land der Angsthasen?

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Dr. Oliver Strebel | Di, 13. Oktober 2020 - 16:37

Das Schuld-, Angst- und Identitätsgeschwurbel ist an meinem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis, darunter viele mit MiHi, in den letzten 30 Jahren ziemlich spurlos vorübergegangen. Manche fühlten sich ein bischen genervt, aber irgendetwas ist ja immer.

Der politisch-mediale Komplex sollte aber daran denken, professionelle Hilfe zu holen, wenn die eingebildeten Probleme gar zu belastend werden.

Geschichte? Wo doch ein Herr Gauland ständig von der tausendjährigen deutschen Erfolgsgeschichte spricht?

Selbstverständlich kann man Niederlagen nicht per Populistengeschwätz in glanzvolle Sieg verwandeln. Und natürlich haben wir uns mit unserer Vergangenheit beschäftigt. Ob ausreichend und ordentlich, sei dahingestellt, auch wenn gerade am rechten Rand das Thema ausgesprochen ungern behandelt wird: Man solle doch endlich mit dem Schuldkult aufhören!

The German Angst entspricht in ihrer Wucht der gerne gepriesenen deutschen Gründlichkeit. Der angeblich so brave Bürger fürchtet sich vor der "Fremdartigkeit"des Migranten, er fürchtet sich, dass man ihm Rasen auf der Autobahn und Verpestesten der Innenstädte verbietet, er fürchtet sich vor wirtschaftlichen Einbussen infolge der notwendigen Corona-Pandemiebekämpfung.

Im Ausland mag man ihn nicht so sehr, höchstens seinen Fleiss, seinen Ordnung, seine Disziplin. Und von unserer Kanzlerin ist man vielleicht noch beeindruckt.

Für Deutschland fürchte ich eine neostalinistische Klima- und Ökodiktatur wie sie die Mehrheit von G-R-R unzweifelhaft anstrebt. Auf europäischer Ebene fürchte ich die Weiterentwicklung der post-demokratischen, föderalen Exekutiv-Diktatur, in der eine Frau Barley missliebige Mitglieder aushungern möchte, und eine parasitäre Eurokratenclique, ohne Repräsentativität, ohne Legitimität und ohne jede Möglichkeit für ein Wahlvolk eine andere " Regierung " zu wählen, Europa politisch und wirtschaftlich in die unabwendbare Katastrophe führt.

Dass Sie verstehen was eine Diktatur ist.

Man kann vieles gut oder schlecht finden usw. Aber sie sollten vielleicht mal für ein paar Monate in eine echte Diktatur - oder vielleicht auch 2 oder drei verschiedene damit Sie die Unterschiede kennen lernen - gehen bevor Sie solche Begriffe um sich werfen...

Armin Latell | Mi, 14. Oktober 2020 - 20:28

In reply to by David Ludwig

die ich unter Helmut Kohl bewusst erlebt habe, oder unter Schröder, weniger bewusst, unter Helmut Schmidt eher uninteressiert, halte ich Diktatur für relativ. Was wir hier in der BRD ab Merkel haben, ist keinesfalls echte Demokratie. Wenn, dann eine der Marke DDR. Wenn ich regiert werde, mein Leben bestimmt wird von nicht (frei) gewählten Funktionären, die glauben, echten gewählten Regierungen und Volksvertretern ihre (ideologischen) Ansichten überstülpen zu müssen, dann ist der Begriff Diktatur auch nicht falsch. Wie im echten Leben: ich muss das Schlechte nicht mit dem noch Schlechteren vergleichen und dann glauben, dass alles gut ist. Eine DDR hat solch eine Einstellung jahrzehntelang am Leben erhalten. Ich vermute, Sie stehen voll und kritiklos hinter den selbstherrlichen Corona-Maßnahmen der Regierungsfunktionäre. Ich vermute, Herr Ludwig, dass Sie nicht wissen, wann Diktatur anfängt...

das deutsche Geld mag man ebenfalls sehr gern, speziell in der EU. Warum man Ihrer Meinung nach von Merkel beeindruckt ist, kann ich nur vermuten. Wir mochten in unserer Klasse auch immer die treudoofen Schüler*innen, die, um uns zu gefallen, alles für uns machten. Manchmal kommt mir die Welt oder auch nur die EU wie unsere Klasse vor. Die Rolle der treudoofen Schülerin ist klar besetzt.

'... Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, die länger dauerte als 12 Jahre und nur wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die 12 Jahre, aber Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unserer über tausendjährigen Geschichte. Und die großen Gestalten der Vergangenheit, von Karl dem Großen ... bis zu Bismarck sind der Maßstab an dem wir unser Handeln ausrichten müssen. Gerade weil wir die Verantwortung für die 12 Jahre übernommen haben, haben wir jedes Recht, den Stauferkaiser Friedrich II., der in Palermo ruht, zu bewundern. ... denken wir immer daran, dass ein deutscher Jude, Ernst Kantorowicz den Ruhm des Stauferkaisers beschrieben hat. ... Das deutsche Judentum, von Ballin und Bleichröder über Rathenau und Kantorowicz war Teil einer deutschen Heldengeschichte, die Hitler vernichten wollte. ... UNS muß man nicht vom UNWERT des NS überzeugen, WIR haben diesen Unwert im Blut. ...'

Deutschland den Krieg verloren hatte. Was gibt es da zu verarbeiten? Das ist ein unumstößliches Faktum.

Das "Unverarbeitete" ist eine freudsche Erfindung und Freud war nach heutigem Maßstab ein Parawissenschaftler, wenngleich ihm der Verdienst zukommt, dass er versucht hat, gewissen Themen erstmalig wissenschaftlich anzupacken.

Wenn man anfängt, sich "Unverarbeitetes" einzureden, landet man natürlich irgendwie bei Schuld, Angst usw. Mit solchen spukhaften Einredungen scheitert man aber im 21ten Jahrhundert, wo empirisch-fundierte Methoden dominieren.

Ich plädiere in solchen Fällen immer für eine Konfrontationstherapie mit der Realität.

... wie Sie die Meinungs-beherrschende Gruppe in unserer Gesellschaft nennen, welcher vordringlch des Nach- und Umdenkens bedarf, nicht der deutsche "Normalbürger".
Aber genau d i e s e Leute in hoher u. höchster Verantwortung haben sich in ihren einmal eingenommenen Positionen verbarrikadiert u. verteidigen sie nicht nur gegen jegliche Kritik, sondern bezeichnen diese als Angriff auf die Demokratie bzw. als Sakrileg. Das ist zwar absolut lächerlich, aber leider traurige Realität in Deutschland.
Hamed Abdel-Samad recht: D r i n g e n d nötig ist eine ergebnisoffene Diskussion über Identität bzw. Selbstverständnis der Deutschen.
Welche Werte sind für a l l e verbindlich und wie setzen wir sie in der Gesellschaft
durch? Haben die Bürger noch gemeinsame Ziele, die sie für die Zukunft anpeilen?

Mit Angst-Schüren u. gegenseitigen Beschuldigungen ist nichts zu gewinnen.

Ein Reset auf "Neues, unvoreingenommenes Denken" muß her!

Danke für Ihre Liebe zu Deutschland, Herr Abdel-Samad!

politisch - medialen Komplex, in seiner Weltanschauung von Gendersprech, Anti-Alte-Weiße-Männer Doktrin, sowie Klimaleugnung zum Strafbestand umwandeln, sind wir (jede Menge Foristen), der aktuelle Klassenfeind. Ich habe damit kein Problem; ich habe Realsozismus (quasi Petrus Pforte zum kommunistischen Paradies) erlebt/überlebt, sowie Antiva-Agitprop, der uns den besten Stoff für tollste Politwitze (die so "inkorrekt" waren, dass die Stasi/STB ausrücken mussten) - lieferte.
Ich glaube, es wäre nicht verkehrt, neue gesellschaftliche Gemeinschaften/Länder zu schaffen, die sich nicht nach Trends richten, sondern nach mentaler Ähnlichkeit. Den Autobahngegnern ein Styck Land zuteilen, wo es keine Autobahnen gäbe, nur Radwege. Oder für Klimaleugner eine Landschaft aus mindestens zwei SUV-s pro Kopf, zum täglichen Umherfahren. Früher galt: Jeder soll nach seiner Façon leben/glauben. Aktuell angepasst: Jeder soll sich nach seiner Façon, in eigenem Sandkasten austoben.
MfG Nevergreen

Stimmt, ein Großteil des politisch-mediale Komplexes ist zu einem verklemmten, neidischen und freiheitsfeindlichen Moralisten verkommen. Mit einer wild ausschlagenden Kompaßnadel in Richtung Sozialismus. D.h. die Verantwortung für das eigene Schicksal soll auf den Staat abwälzt werden. Früher war es Papi und Mami, heute soll der Staat verantwortlich sein.
Was man Hamed Abdel-Samad bestimmt nicht nachsagen kann ist, dass er dem politisch-medialen Komplex angepasst hinterher hechelt um ein wenig vom selbigen gestreichelt zu werden. Auch die Hinwendung zur Opfermentalität ist ihm fremd.

Holger Jürges | Mi, 14. Oktober 2020 - 11:35

...liebt Deutschland: Da hat er schon mal vielen deutschen Politikern etwas vorraus: Wir erinnern uns an Habeck Zitat:„Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.“

- an C. Roth: Zitat: "Deuzschland, du Stück Scheiße."
Kanzlerin Merkel hochselbst: ...nimmt Gröhe bei der CDU-Wahlparty 2013 die Fahne weg.

Das sind vielen Deutschen die liebsten Politiker !!

Da wünsch´ ich mir doch glatt den sympathisch, klugen Herrn Hamed Abdel-Samad als Kanzler.

Sein famoses Buch sollte jeder "sich deutsch fühlende Bürger" lesen...

Herr Jürges, große Klasse! Ihren Vorschlag mit der Kanzlerschaft begrüße ich aus vollstem Herzen. Ich habe das Buch gelesen und kann Herrn Abdel-Samad voll zustimmen. Ganz im Gegensatz zu Frau Merkel, welche 2010 ein Buch auf den medialen Scheiterhaufen warf, ohne es vorher gelesen zu haben. Ich kann ein Buch, einen Beitrag oder Artikel ablehnen, aber dann muss ich das auch gelesen haben, das gehört zur Kultur! Und hier macht sich ebenfalls das Problem vieler Deutscher bemerkbar: Ideologie ist wichtiger als Fakten. Wie sollen denn die vielen jungen Bürger und die Migranten unsere demokratischen Traditionen vom Hambacher Schloss, der Frankfurter Paulskirche, dem Beginn der Weimarer Republik oder dem Grundgesetz etc. schätzen lernen? Nein, das Gegenteil wird zelebriert, es wird das ~200 Jahre alte Symbol der deutschen Demokratie, die schwarz rot goldene Flagge durch die Kanzlerin in den Dreck geworfen. Und andere rennen mit der Reichflagge durch die Botanik. Armes Deutschland.

Uwe Dippel | Mi, 14. Oktober 2020 - 11:51

Natürlich hat er grundsätzlich recht mit seiner Analyse. Aber diese unterschwelligen Motivatoren (Versagensangst, Schuldgefühl, u.s.w.) sind ja zunächst eben das: unterschwellig. In den Phänotypen hervorgeholt, und damit aktiviert, werden sie erst durch eine dazu willfährig agierende Presse, ÖRR. Also Miosga, Claus Kleber, die Prantlhausener, u.s.w. Diese stacheln das an, legen die Gefühle bloss, und katalysieren das Ungemach.

Karl-Heinz Weiß | Mi, 14. Oktober 2020 - 12:51

Es ehrt den Autor, Deutschland mit großem Respekt und ehrlicher Sorge zu begegnen. Seit der Wahl von Trump sollte aber klar sein, dass er damit nur ein weltweit zu registrierendes Problem beschreibt. Die tiefe und zunehmend erbarmungslose Spaltung der Gesellschaft tritt in Deutschland nur mit Zeitversatz zutage. Ausschlaggebend war die unkontrollierte Grenzöffnung. Donald Trump und Boris Johnson haben dankbar diese Steilvorlage aufgegriffen. Wenn nach der nächsten Bundestagswahl die GRÜNEN diesen Fehler nach dem Regierungseintritt legitimieren, muss man sich tatsächlich um Deutschland sorgen.

dieter schimanek | Mi, 14. Oktober 2020 - 13:08

Außerdem ist Tiefenpsychologie in diesem Fall die falsche Therapie. Wir haben es mit zeitnahen Ereignissen zu tun und nicht mit welchen die in der Kindheit entstanden sind. Schuster bleib bei deinem Leisten!

gabriele bondzio | Mi, 14. Oktober 2020 - 13:11

Deutschland habe ein Identitäts- und Werteproblem“...sagte ja schon mal, ich mach mir über gewisse Entwicklung Sorgen. Angst ist etwas anderes. So besonders ängstlich und auf der Suche nach meinen Selbstbewusstsein bin ich auch nicht.
Aber im Großen und Ganzen hat Hamed Abdel-Samad schon (mit seinem Vorwort) recht.
Nur richtig einschätzen kann man seine Vorschläge ja erst, wenn man(n)/frau das Buch gelesen hat.
Im Artikel soll erst mal die Neugier geweckt werden, nix mit Diagnose!

Wolfgang Tröbner | Mi, 14. Oktober 2020 - 13:15

Ich schätze Herrn Abdel-Samad sehr. Für seine Klugheit und seinen Mut. Aber hier liegt er nicht ganz richtig. Wenn Deutschland ein Identitätsproblem haben sollte, dann allenfalls, weil bestimmte Kreise aus Politik und Medien uns das einreden wollen, nicht aber, weil wir Deutschen dieses Problem tatsächlich haben. Mir ist schon klar, dass es für diese Kreise von Vorteil ist, uns auch psychologisch kleinzuhalten. Eigentlich kennt jeder diese Kreise und weiss, was sie damit erreichen wollen. Wenn man dies aber erst einmal erkannt hat, braucht man keinen Psychologen oder Psychiater, sondern kann sich gegebenenfalls selbst therapieren. Insbesondere dadurch, dass man sich von Zeit zu Zeit die reichen kulturellen Schätze und Leistungen dieses Landes vor Augen führt. Das schliesst übrigens nicht aus, dass man sich auch mit den schlimmen Perioden unseres Landes auseinandersetzen sollte. Ein gesundes Mass ist allerdings ziemlich hilfreich.

Yvonne Stange | Mi, 14. Oktober 2020 - 13:34

... Linke haben nicht vor den Rechten Angst, ganz und gar nicht! Im Gegenteil, sie sind dankbar, daß es sie gibt, denn sie sichern ihnen ein sorgloses Auskommen aus reichlich sprudelnden Fördertöpfen für den Kampf gegen Rechts... Man ahnt gar nicht, wieviele davon sehr gut leben! - Andererseits sind es nicht nur Rechte, die vor Migranten Angst haben... die Gründe sind ja wohl selbsterklärend. Oder wer geht als Frau noch sorglos durch die Gegend....?

Markus Michaelis | Mi, 14. Oktober 2020 - 14:31

Sorgt Abdel-Samad wirklich für Abkühlung? Man hat oft eher den Eindruck, wenn er an einer Uni reden will, laufen "die" Studenten sturm - zumindest viele, aber die mit sehr viel Emotion.

Für mich persönlich hat Abdel-Samad gar nicht soviele Füße, wie ich gerne küssen möchte, weil es jemand ist, der Dinge sagt, die ich verstehe. In der Deutschen Diskussionslandschaft scheint er aber eher eine Außenseiterposition zu haben. Er bringt in seinem Buch selber ein Beispiel, dass grüne Politiker (im Moment wohl am ehesten "die Mitte"?) sich nicht ohne weiteres mit Abdel-Samad sehen lassen können, weil zu zweifelhaft ist, ob seine Sicht mit grünen Werten verträglich ist.

Ein anderer Punkt: aus meiner Sicht ist der Tenor des Artikels, dass eigentlich alles gut zusammenpasst, die Leute nur aus der Historie und Ängsten heraus unsinnige Abneigungen haben, an der Sache vorbei. Was heute fehlt, in einer zusammenrückenden Welt, ist Unterschiede (auch unverträgliche) zu erkennen und darüber zu reden.

gerhard hellriegel | Mi, 14. Oktober 2020 - 15:01

Da wir die gleichen verhältnisse und bereitschaften in usa, in england und frankreich finden, spricht nichts dafür, dass es sich um etwas spezifisch deutsches handelt. Und das identitäts- und wertegeschwätz kann ich nicht mehr hören. Als ginge es darum, sich - wie ein Formel-1-Rennfahrer - mit irgendwelchen zugehörigkeits- und werte-etiketten zu bekleben. Suchen wir also besser nach hintergründen. Und lassen uns nicht von seltsamen äußerungsformen blenden - das wäre zu einfach. Weil das unbehagen ja nicht nur die ränder betrifft. "Empört Euch" schrieb ein franzose. Ein nenner ist doch sicher wut auf die "eliten". Man fühlt sich manipuliert ("Lügenpresse"), benachteiligt und betrogen. Und daran ist ja vielleicht auch etwas wahres, auch wenn das aggressionsziel nicht richtig getroffen ist. Liegt es daran, dass der junkie langsam erkennt, dass er an der nadel hängt, aber gleichzeitig um alles in der welt seinen stoff verteidigen muss?

Gunther Freiherr von Künsberg | Mi, 14. Oktober 2020 - 15:47

Es sind Zivilisationsprobleme, die die deutsche Kultur belasten.
Politik-Influenzer (z.B. bestimmte Journalisten) haben erkannt, dass das Schüren von Angst als ein probates Mittel zur gnadenlosen Durchsetzung der eigenen Vorstellungen geeignet ist, was dann zwangsläufig in den Meinung-Totalitarismus führt. Dies wird dadurch erleichtert, dass uns die Diskussionskultur abhandengekommen ist, die zwischen Feind und Gegner sehr wohl zu unterscheiden wusste.
Hinzu kommt das unverantwortliche Handeln mancher Meinungsrepräsentanten in Medien, die durch eine selektive und damit falsche Bilddokumentation den Wahrheitsgehalt ihrer falschen Nachrichten beweisen wollen um damit den schlechtesten aller Ratgeber zu schüren, die Angst.
Angst davor, etwas Falsches zu sagen, etwas zu loben was dem Mainstream entgegensteht und vieles mehr. So gewinnt man zwar die Lufthoheit über den Stammtischen; die Kultur geht dabei aber vor die Hunde.

helmut armbruster | Mi, 14. Oktober 2020 - 15:58

das kann nicht spurlos am Kollektivgedächtnis eines Landes bzw. Volkes vorbei gehen.
Ich meine hier nur die psychologische Seite der Niederlagen.
"vae victis" bedeutet, der Gnade, Macht und Willkür des Siegers wehrlos ausgeliefert zu sein.
Und selbst wenn der Sieger sich human benimmt, was selten genug vorkommt, ist es für den Besiegten eine traumatische Situation, ganz
abgesehen von den immensen Verlusten an Menschenleben und materiellen Dingen.
Ich denke das ist nach beiden verlorenen Kriegen in D nie richtig aufgearbeitet. Nach dem 1. Krieg wurde die Aufarbeitung durch die Dolchstoßlegende in die falsche Richtung gelenkt und nach dem 2. wurde der verbrecherische Charakter der Naziregierung stark betont und den Deutschen wurde eine Art Mitverantwortung und Kollektivschuld angehängt.
Eine gute Aufarbeitung war das beide Male nicht. Deshalb wundert es mich nicht, dass die Deutschen heute ein bisschen ängstlich oder zumindest seltsam sind.

Luise Sommer | Mi, 14. Oktober 2020 - 22:32

Abd-el Samad meint mit Aufarbeitung auch die Judenvernichtung. Und da hat er gute Worte gefunden: Weg von Schuld hin zu Verantwortung. Damit kann ich leben. Und dann bleibt Raum für ein positives Identitätsgefühl.

Christoph Kuhlmann | Do, 15. Oktober 2020 - 10:21

ist nicht zu bestreiten. Allerdings müsste man erstmal heraus finden was der Autor für normal hält.
Durch Medien, Bildungssystem und politische Akteure wird vieles von dem verbreitet, was dann für typisch deutsch gehalten wird. Dabei sind die Briten sogar aus der EU ausgetreten, weil sie an der Vernunft der EU und insbesondere Deutschlands zweifelten. Ist das etwa keine Angst?
Mag solche Bücher lesen wer will, mir reicht Otto Wundts Völkerpsychologie aus dem Studium um von solchen Ansätzen genug zu haben. In diesem Fall fehlt sogar der Vergleich mit anderen Nationen.

Norbert Heyer | Fr, 16. Oktober 2020 - 09:38

Niemals würde deutscher Kleingeist und bedingungsloser Gehorsam gegenüber „Autoritäten“ besser beschrieben. Dem Deutschen fehlt eindeutig die Fähigkeit, politische Fehlentscheidungen zu erkennen und entsprechend sein Wahlverhalten zu ändern. Solange in Nibelungentreue immer wieder die gewählt werden, denen nur der eigene Vorteil am Herzen liegt, bleibt alles wie immer. Von oben verkündete Botschaften und Maßnahmen werden korrekt bis auf die Knochen befolgt. Viele lieben die „Blockwart-Mentalität“, fühlen sich gut dabei und spalten damit die Gesellschaft immer mehr. Wenn aus der deutschen Nationalmannschaft jetzt „die Mannschaft“ wurde, muss doch jedem die gewünschte „Endlösung“ klar sein: Ein Land ohne Kultur, Geschichte und Identität. Die alternativlose Kanzlerin, Herr Habeck, der mit dem Begriff Deutschland seine Probleme hat und eine Frau Roth, die anscheinend das Grundgesetz nicht kennt, sind die Wegbereiter in eine Zukunft ohne Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenrechte ...