WM Halbzeitshow Madonna
Madonna mit Ronaldinho (l.) und Ronaldo (r.) / picture alliance / Jiji Press | Yusuke Morishita

Halbzeitshow beim WM-Finale - Wenn sich die Popkultur gegenüber Politik und Business prostituiert

In der Halbzeitpause des WM-Finales wurde der gelangweilte Zuschauer Zeuge einer bizarren Show – und der Selbstentlarvung der Popkultur als Prostituierte von Politik und Business. Die Idee von der Gegenkultur war jedoch schon immer eine Lüge.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Zuletzt erschien von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

So erreichen Sie Alexander Grau:

Ganze 27 Minuten dauerte die Pause zwischen der ersten und der zweiten Halbzeit im WM-Finale. Wirklich verwundern konnte das nur naive Zeitgenossen. Der Trend zum Aufblähen der Sendezeit, zur Platzierung von Werbeminuten und zur Selbstinszenierung des eitlen Fifa-Bosses ist unübersehbar.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Walter Bühler | Mo., 20. Juli 2026 - 16:41

... haben sich in Deutschland zur Kultur aufblasen können, die in Berlin "Klubkultur" heißt und sogar staatlich gefördert wird. Natürlich kommt die Legitimation für diese Entwicklung vom großen Bruder aus den USA, aber wie das Rauschgift wird es bei uns aus der ganzen Welt importiert und hat unsere Medien fest im Griff.

In Berlin-Mitte wird man am kommenden Wochenenden wieder die unappetitlichen Nackedeis und die divers berauschten Gestalten, die auch nie schön anzusehen sind, herumhüpfen und herumgrölen sehen.
---
Am 15. August wird die Mitte weiter von den Techno-Fans terrorisiert, wenn Dr. Motte wieder seine staatlich gefördderte Parade durchzieht.

Also, kein Grund, sich über Amerikaner oder über Pop-Kultur der Fifa besonders zu wundern.

Diese Pop-Künstler wollen auch bei uns so bequem wie möglich an Knete herankommen, um ewig Randale machen zu können. Wie unsere altgedienten deutschen Fußball-Fans pendeln sie zwischen Hooligan und Ballermann hin und her.

Nix für ungut.

Thomas Veit | Mo., 20. Juli 2026 - 17:00

Den Schweinen spielt man heutzutage auch klassische Musik bei grünem Licht vor..., bevor 'abkassiert' wird... - warum soll das in einer zu 333% kapitalistisch und damit profitorientierten FIFA-Fußballwelt anders sein, als dass Infantilo! und Trumpel! 'ihre (Zahl-) Schweinchen' einzulullen versuchen...??

>> Alles ganz normal..., der Schweinemäster will schließlich auch leben... ...

/Ironie und Sarkasmus

Jens Böhme | Di., 21. Juli 2026 - 00:35

Justin Biebers Geklampfe auf der Gitarre und sein Gejammer-Gesang passte zum desaströsen WM-Endspiel. Mir tat Shakiras Auftritt leid, die in diese Freakshow nicht passte.

Sunstreet | Di., 21. Juli 2026 - 09:12

Antwort auf von Jens Böhme

Was war sportlich gesehen an diesem Endspiel desaströs? Vielleicht die (vorgegebene) Schiedsrichterlinie, die solche Verhaltensweisen der Spieler aus Argentinien oder Paraquay nicht nur akzeptiert sondern auch noch hofiert. Desaströs kann man auch das Umfeld im Geschäft Fussball mittlerweile nennen.
Was Spanien im Halbfinale und Finale abgeliefert hat, war technisch und taktisch Weltklasse! Entspricht aber halt nicht der durch das mediale Getöse aufgeblasenen Erwartungshaltung des deutschen Eventpublikums.

Sebastian Voigt | Di., 21. Juli 2026 - 09:34

Also hier spricht wirklich der alte Mann ohne jegliche Ahnung über Popkultur. Zugegeben, insgesamt fand ich die Show auch maximal mittelmäßig. Das lag vor allem aber am extrem kitschigen Ende. Madonna als abgehalfterten ehemaligen Star zu beschreiben, finde ich vermessen. Sie hat gerade ihr in den USA zehntes Nummer-1-Album herausgebracht, das von der Kritik hochgelobt wurde. Zudem hat sie vor zwei/drei Jahren eine extrem erfolgreiche Tour durchgeführt, was sie übrigens alle zwei bis drei Jahre macht. Klar ist sie keine Taylor Swift mehr, aber sie ist seit fast 45 Jahren im Geschäft. Schaffen nicht so viele. Ja, hier spricht ein Madonna-Fan, also etwas verzerrt, und man muss Madonna nicht mögen. Aber objektiv gesehen ist die Kritik einfach falsch. Das gilt übrigens auch für Shakira und Justin Bieber, beide nach wie vor noch sehr erfolgreich. Wie gesagt, die Show war auch nicht meins - maximal mittelmäßig. Aber wenn man keine Ahnung hat, sollte man dennoch einfach mal ruhig sein ;-)

S. Kaiser | Di., 21. Juli 2026 - 15:02

Antwort auf von Sebastian Voigt

Nun, ich würde meine Kritik an Herrn Graus Kommentar nicht so harsch formulieren wollen, aber auch ich finde ihn am Thema vorbei.
Popkultur und vor allem Popmusik waren noch nie Gegenkultur, sondern ganz im Gegenteil ein Massenphänomen – im Gegensatz zu Hochkultur oder Subkultur, wobei man letztere eher noch als Gegenkultur bezeichnen könnte.
Fußball ist ein Sport für die Massen, und dass da die Popmusik folgt, macht mMn völlig Sinn. Und über Massengeschmack lässt sich immer vortrefflich streiten.
Fand man als Europäer die Amerikanisierung dieser Weltmeisterschaft und vor allem des Finales gut? Vielleicht nicht wirklich, aber ja mei, sie fand in USA statt, und dass da Superbowl-Vibes mitschwingen, ist nachvollziehbar.
Interessant wird es werden, ob iwann die Fans wg „Überkommerzialisierung“ durch die Fifa die Lust verlieren und aussteigen. Momentan sehe ich das aber nicht.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 21. Juli 2026 - 09:42

wieder die Show ansehe, desto besser finde ich sie.
Da jemand herausrutschte, Ronaldinho und Ronaldo hätten ausgesehen, als ob man sie vom Kartenspiel im Seniorenheim abgeholt hätte von Pflegerin Madonna und leider auch die anderen tollen Performer irgendwie "verloren" auf mich wirkten, vermute ich, dass das Event selbst nicht die Grandezza und Würde bekam, die ihm anderswo bereitet worden wäre?
Das braucht vielleicht noch Zeit.
Die europäischen Arbeiter hatten früher nicht die Zeit, aus dem Fussball auch ein Happening zu machen?
Ich finde die Entwicklung okay und sie würde den Faktor Zuschauergewalt evtl. ein bisschen herunterfahren?
Auch Herr Grau missversteht m.E. die Disziplin/Kunstfertigkeit eines Aufritts von BTS.
Diese 77 jährige Oma, die mit ihrer Enkelin in einem Konzert war, hat meine Bewunderung.
Die Jungs haben diese Verneigung verdient!
Ihr Stil wird mit der Zeit freier werden, in jeglicher Hinsicht, ich traue ihnen aber höchsten Leistungswillen zu.
CARE ABOUT YOUR LIFE