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Der Schornsteinfeger ist noch immer ein Glücksfall / dpa

Studie der Deutschen Post - Glück allein macht auch nicht glücklich

Die Deutsche Post hat einen neuen Glücksatlas für Deutschland herausgegeben. Erstaunliches Fazit des Buches: Das Glück schwankt und ist nicht von Dauer. Bei sowenig Erkenntnisgewinn wäre es vermutlich besser, das Glück endlich wieder zur Privatsache zu erklären.

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

„Es ist das Glück ein flüchtig Ding, und war’s zu allen Tagen“, dichtete der einst überaus populäre und inzwischen vergessene Lyriker Emanuel Geibel. Was soll man sagen? Geibel hatte recht. Mehr noch: Wäre das Glück stetig, es wäre nicht. Nur zeitlich begrenztes Glück ist Glück. Andauerndes Glück beginnt sich früher oder später schal anzufühlen. Es langweilt. Es macht dumpf.
Das ist der einfache Grund dafür, dass Glücksratgeber in Wohlstandsgesellschaften so reißenden Absatz finden. Wo der Einzelne aller existentiellen Nöte beraubt ist und somit nach traditionellen Vorstellungen als glücklich gelten müsste, fühlen sich immer mehr Menschen niedergeschlagen, antriebslos und geraten in Sinnkrisen. Glück allein macht nicht glücklich, so viel kann man sagen.

Allerdings neigen Massenkonsumgesellschaften dazu, Glück als eine Art Grundrecht zu begreifen. Damit wird die Sache politisch. Das Recht des Bürgers besteht nun nicht länger allein darin, dass der Staat nach Möglichkeit Unglück (Hunger, Gewalt, Kriminalität) abzuwehren versucht, vielmehr hat er durch sozialpolitische Maßnahmen aktiv für das Glück seiner Bürger zu sorgen, für Selbstverwirklichung, Bildung, Freizeit und Karriere. Der Staat soll zum Wellnessstaat werden.

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Walter Bühler | Sa, 13. November 2021 - 09:40

Bleibt mir nur, den Berlinern, den Unglücklichsten unter den Deutschen, viel Glück zu wünschen, wenn sie weiter von Rot-Rot-Grün in eine noch viel glücklichere Zukunft geleitet werden.

Danke für den Hinweis auf das Glücksministerium in Dubai. Könnte es sein, dass dieses Glücksministerium unglücklichen jungen Männern im Nahen Osten kostenlose Flugscheine nach Minsk verschafft, damit sie in Europa endlich ihr Glück machen können? Und dass Dubai weiterhin kein Auslieferungsabkommen mit der EU schließt, um die superreichen Steuersünder, Fußballfunktionäre und Wirtschaftsverbrecher aus Europa in Dubai wirklich glücklich und zufrieden zu machen?

Ja, man kann sich tatkräftig für das Glück der Menschen engagieren, wenn nur der politische Wille da ist. Ein Glücksministerium könnte manche Schwächen in jeder Demokratie ausgleichen.

Karl-Heinz Weiß | Sa, 13. November 2021 - 09:53

Glücksatlas-die alljährliche Satire. Die Post könnte den Glückswert mit pünktlichen Zustellungen sogar noch steigern. Jetzt ist mir auch klar, warum die DB nicht als Mit-Herausgeber gewonnen werden konnte.

Christa Wallau | Sa, 13. November 2021 - 10:44

Es mag ja Menschen geben, die es schätzen, wenn ihnen andere erklären bzw. vorschreiben, worin ihr wahres Glück besteht. Ich gehöre jedoch eindeutig nicht dazu.
Es geht den Staat überhaupt nichts an, worin ich "mein Glück" finde.
Er soll gefälligst dafür sorgen, daß die Rahmenbedingungen für das Glück seiner Bürger stimmen, nämlich die, für die e r verantwortlich ist. Doch genau das tut der deutsche Staat schon längst nicht mehr! Unsere innere und äußere Sicherheit sind hoch gefährdet u. die Geldstabilität schwindet zusehends.
Die "Beglückung" mit einer indirekten Impfpflicht, die von den Versäumnissen im Gesundheitsbereich ablenken soll,
kann das allgemeine, eklatante Versagen der deutschen Regierungen in den letzten Jahren nicht aus der Welt schaffen!

Mir macht man kein X für ein U vor.
Leider - denke ich oft.
Denn der klare Blick auf die Realitäten
trägt nicht unbedingt zu Glücksgefühlen bei ...
Meine Mutter sagte manchmal: "Wär ich doch dümmer! Dann ginge es mir besser."

der Spruch Ihrer Mutter hat mich an ähnlich „nette“ Sprüche aus meiner Kindheit erinnert:
Du hast es gut, Du hast kein Hirn und brauchst nicht denken; - es schafft Freiheit, wenn die Leute denken, ich bin bekloppt; - manche Leute gehen mit dem Denken so sparsam um, als wäre es teuer; - ich bin nicht dumm, ich habe nur Pech beim denken; - denken müssen wir doch sowieso, also lass es uns gleich richtig machen.
Ich glaube übrigens nicht, dass Dummheit glücklich macht. Bitte einfach mal umsehen.
Schönes WE

Für mich persönlich ist Glück verbunden mit innerer Zufriedenheit.

Und obwohl wir in Deutschland so einmalig & einzigartig Reich sind & dies durch jede Tat unsere Regierung mit ihren vielen Ministern & Staatsangestellten in ihrer einzigartigen Liebe verbunden mit Respekt für das Wohlwollen im Zentrum des betreutes Denken & Lenken für die manchmal so undankbaren Untertanen demonstriert wird & dies auch aufopferungsvoll & unermüdlich.
Ja, die LAST der Dienstherren ist erdrückend ;-))

Aber die ANGST in diesem Lande, die das Glück bis auf das letzten Zipfel auffrisst,
durchzieht das Land wie ein Virus unseren Körper.

Aber vielleicht ist es mit der Angst wie mit dem Fasten. Erst wenn man diese vermisst & sich wieder Gedanken um die alltäglichen Dinge des Lebens macht, schätzt man diese einfache Dinge des Lebens wieder, wie z.B. keinen knurrenden Magen oder Kälte.

Warnung - Wenn es dem Esel zu Wohl geht, geht er aufs Eis tanzen!

Und deshalb allen ein glücklichen & labvollen Sonntag

gabriele bondzio | Sa, 13. November 2021 - 10:58

und "Corona-Impfung bei den Geimpften einen Glücksschub auslöste."... die Person/en möchte ich kennenlernen.
Im Gegenteil, die meisten sind aus den menschlichen Beschränkungen unter die Nadel gekommen.
Und werden sie trotzdem nicht los.
Ein Glücksministerium muss unbedingt auch in DE her...wie wäre es mit der Strahle-Frau Analena als Ministerin?
Sie schafft es bestimmt Glück und Pflicht unter einen Hut zu bekommen.

"Glücklich ist, wer das, was er liebt, auch wagt, mit Mut zu beschützen."
Ovid

W.D. Hohe | Sa, 13. November 2021 - 12:19

nur Satire auslösen - in reinster Form.
Due wiederum haben Sie auf überzeugende Weise umgesetzt
Herr Grau - Daumen hoch

Gerhard Fiedler | Sa, 13. November 2021 - 12:42

So sehe ich es auch, lieber Herr Grau. Das Glück soll zum Grundrecht erhoben und der Staat zum Wellnessstaat werden. Wenn dann bei Großveranstaltungen die Menschen die Arme wiegend zum Himmel strecken oder die deutsche Nationalelf das Spiel gewonnen hat, ist das Ziel doch erreicht. Schaltet man „NDR-1“ ein, heißt es dort zwischen der „Musik meines Lebens“ ständig „Kommen Sie gut an“ oder „Wir sind bei Ihnen“. Bei letzterem denkt man an die Bibelstelle „Ich bin bei euch, bis an der Welt Ende“. Auf deutsch: Der Staat ist bei uns, er behütet und sorgt für uns, Nachdenken überflüssig! Und bei "NDR-Kultur" dürfen die Kirchen am Abend immer ihr „Seien Sie behütet“ und „Kommen Sie gut durch die Nacht“ loswerden. Unerträglicher inflationärer Kitsch! Doch welche Absicht steckt dahinter? Ganz einfach, die Ruhigstellung des Volkes. Für Karl Marx war es sein „Opium für das Volk“. Der Weg zum Sozialismus ist damit geebnet.

Tomas Poth | Sa, 13. November 2021 - 13:01

Die "Glücksmomente" sind etwas flüchtiges. Ansonsten reden wir wohl eher von Zufriedenheit.
Ein Glücksmoment könnte vielleicht sein, wenn einen oder zwei Monate lang keine Medien in keinster Weise verfügbar wären.
Komplettes Medienfasten in diesem Zeitraum!

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 13. November 2021 - 13:36

daneben, Herr Grau.
Um mein Glücksgefühl zu erhalten, möchte ich mich nicht zu einer bestimmten Person äußern.
Aber von einem Glücksgefühl kann ich Allen berichten.
Bekam meine jährliche Grippeimpfung. Ein wunderbares Gefühl.
Freue mich schon auf meine 3. Coronaimpfung und darauf, dass wir alle zusammen gut durch den Winter kommen.
Liebe Grüße
PS. Glück kann bestenfalls ewig währen

Fritz Elvers | Mo, 15. November 2021 - 19:16

sagte mir mal ein Dortmunder Urgestein. Da hatte er wohl recht.